[Event "Vorgabepartie (ohne Ta1, B auf a3)"] [Site "Riga"] [Date "1910.??.??"] [Round "-"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "NN"] [Result "1-0"] [Source "Die Blockade"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] [FEN "rnbqkbnr/pppppppp/8/8/8/P7/1PPPPPPP/1NBQKBNR w Kkq - 0 1"] [SetUp "1"] 1.e4 e5 2.Nf3 Nc6 3.Bc4 Bc5 4.c3 Nf6 {Wie man gleich sehen wird, ist Schwarz willens, sich den e-Bauem herausschlagen zu lassen; hernach wird aber das weiße Zentrum mobil. Daher wäre es vorsichtiger gewesen, der eventuellen weißen Bauernlawine schon jetzt ein kräftiges "Halt!" zuzurufen und zwar durch 4. ... d7-d6. Es folgte:} 5.d4 exd4 6.cxd4 Bb6 { Das fehlende Schach auf b4 schwächt die Verteidigungsmittel des Schwarzen. Dieses Schachgebot würde nämlich - wir denken uns den Bauern auf a2 - dem Nachziehenden die Zeit dazu lassen, den Bauern e4 zu verspeisen. Und das wäre eine treffliche Chance, die Bauernbewegung zu hemmen, denn wie ich mit scherzhaftem Pathos zu sagen pflege, hätten langjährige (!) Erfahrungen den Beweis dafür erbracht, daß ein toter Bauer nicht mehr vorgehen könne. Nun aber, nach erfolgtem 6. ... Lb6, setzt sich die weiße Bauernmasse in Bewegung.} 7.d5 Ne7 {An der Hand der hier vorzuführenden kleinen Partie können wir nicht nur die Expansionslust der Bauern beleuchten, sondern wir haben vielmehr auch die Möglichkeit, zu sehen, was die Meinung mit dem angedeuteten Vorgehen sei. Wäre der Springer nach b8 oder a5 gegangen, so würde er zurückgeworfen bezw. deplaziert sein. Wir registrieren also unter a: die Tendenz des Vorgehens ist teilweise in dem Wunsche begründet, den Gegner zu demobilisieren. Unter b registrieren wir die Absicht, mit den Bauern vorzustürmen, um sie loszuwerden. Eine ziemlich selbstmörderische Tendenz, nicht wahr? Nein, gamicht, denn der Bauer ist seinem Wesen nach zugleich auch Sperrstein, er steht den eigenen Offizieren im Wege, verbaut ihnen die Aussicht nach dem feindlichen Lande, und daher ist die mit dem Vorgehen verknüpfte Selbstvernichtungstendenz eigentlich von Kraft und Selbstbejahung erfüllt. Also resümiert war b der Wunsch, durch Vorgehen nebst Durchbruch Linien für die im Hinterlande postierten Offiziere (Türme) zu gewinnen. Schließlich ist es auch denkbar, durch das Vorgehen eine Keilbildung zu bezwecken (c). In der Partie geschah} 8.e5 {Es folgte nun} ( 8.Nc3 {wäre natürlich schwächlich wegen der Antwort} 8...d6 {und das Zentrum ist gehemmt, höchstens könnte später mal die unter b näher bezeichnete Arbeit einsetzen, das wäre indes zu wenig, denn Weiß ist berechtigt, auf Keilbildung (c) zu spielen, was zur Einsperrung führen dürfte.} ) 8...Ne4 {Schwarz spielt auf materiellen Gewinn, während Weiß eher ideelle Zwecke verfolgt; er will nämlich durch d5-d6 die Entwicklung des Gegners hemmen, um so insbesondere dessen Läufer c8 moralisch zu töten. In dem nun eingeleiteten Kampfe zweier "Weltanschauungen", der "materialistischen" und "idealistischen" siegte die letztere; merkwürdig genug, aber, wie ich scherzhaft zu sagen pflege, doch erklärlich, denn die Partie ward - - vor dem Kriege gespielt! - Nun spielte ich} 9.d6 cxd6 10.exd6 Nxf2 {und die kritische Stellung ist entstanden.} 11.Qb3 $1 Nxh1 12.Bxf7+ Kf8 13.Bg5 {Der Bauer d6, der den Gegner eingeschnürt, war der Hauptakteur in dem kleinen Drama. Derselbe war aber nichts anderes, als das zu einem "Keil" kristallisierte Resultat des Bauernmarsches e4-e5, d4-d5-d6 etc.} 1-0 [Event "Nordisches Meisterturnier"] [Site "Kopenhagen"] [Date "1924.08.13"] [Round "3"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Giersing, Johannes"] [Result "1-0"] [ECO "D06"] [Source "Die Blockade"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.d4 d5 2.Nf3 c5 3.c4 cxd4 4.cxd5 Nf6 5.Nxd4 Qxd5 6.Nc3 Qa5 7.Nb3 Qh5 8. Bd2 e5 9.Nb5 Na6 10.Bc3 Ne4 11.Qd5 Nxc3 12.bxc3 Qg5 13.Nd2 Qe7 14.Nc4 Qe6 15.Qxe5 Qxe5 16.Nxe5 Be6 17.e3 Bc5 18.Bc4 Ke7 19.Bxe6 Kxe6 20.Nf3 Rac8 21. Ke2 Nc7 22.Nxc7+ Rxc7 23.Rhb1 a6 24.a4 b6 25.Rb3 f6 26.Rab1 Rhc8 27.R1b2 Kd5 28.Kd3 Rd7 29.Nd4 g6 30.g4 Rdc7 31.h4 Re8 32.Rb1 Rec8 33.f4 Re8 34.e4+ Kd6 35.g5 fxg5 36.e5+ Kd7 37.hxg5 Kc8 38.Ke4 Rf7 39.R3b2 Kc7 40.Rh2 Ree7 41.Rd1 Re8 42.Rhd2 Rg7 43.Nb3 Ba3 44.Rd5 Rf7 45.Nd4 Kc8 46.Nc2 Bf8 47.R1d4 Bc5 48.Rc4 Ref8 49.Kf3 Rd7 50.Rxd7 Kxd7 51.Nb4 a5 52.Ke4 axb4 53.cxb4 Bg1 54.Rc2 b5 55.axb5 Rb8 56.Rg2 Ba7 57.Rh2 Rh8 58.f5 ( 58.Rh6 Ke7 59.f5 gxf5+ 60.Kf4 $3 {und Schwarz ist gegen die Drohung g6 wehrlos, z.B.} 60...Kf7 61.g6+ Kg7 62.Rxh7+ Rxh7 63.gxh7 Kxh7 64. Kxf5 Kg7 65.Ke6 Bb8 66.b6 Kf8 67.Kd7 Bxe5 68.b7 {und gewinnt leicht.} ) 58...gxf5+ 59.Kxf5 Rf8+ 60.Ke4 Rf7 61.b6 Bb8 62.Kd5 Re7 63.e6+ Kc8 64.Rf2 Re8 65.Rf7 Rd8+ 66.Kc6 Re8 67.b7+ Kd8 68.Rd7# 1-0 [Event "Nordisches Meisterturnier"] [Site "Kopenhagen"] [Date "1924.08.19"] [Round "8"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Nilsson, Allan"] [Result "1-0"] [ECO "D12"] [Source "Die Blockade"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.Nf3 Nf6 2.c4 c6 3.e3 d5 4.Be2 Bf5 5.Nc3 e6 6.d4 Bd6 7.Qb3 Qb6 8.c5 Qxb3 9.axb3 Bc7 10.b4 Nbd7 11.b5 Ke7 12.b4 a5 13.bxa6 bxa6 14.Nh4 Rhb8 15.Nxf5+ exf5 16.Rb1 Ne4 17.Nxe4 fxe4 18.Kd2 Rb7 19.Kc2 Nf6 20.Bd2 Ne8 21.Ra1 Rba7 22.f3 f5 23.fxe4 fxe4 24.Ra2 Bd8 25.Rha1 Nc7 26.Be1 Nb5 27.Bh4+ Ke8 28. Bxd8 Kxd8 29.Bxb5 cxb5 30.Kd2 Ke7 31.Ke2 Ke6 32.Kf2 Kd7 {Es geschah jedoch} 33. Ra5 Kc6 34. Kg3 Kb7 35. Rf1 Kc6 36. Rf5 {Weiß hat zunächst den Tf5 und König in Angriffs-Stellung gebracht; was indes den anderen Turm betrifft, so fühlt dieser sich ausgezeichnet auf a5, denn er ist sich voll und ganz seiner Elastizität bewußt, im gegebenen Moment kann er sehr wohl nach der f-Linie wandern. Aber dazu kommt es nicht einmal. Ta5 und der schwarze a-Turm nivellieren einander, also hat der weiße f-Turm nur mit einem Gegenspieler zu rechnen (mit einem Turm) und hier erweist er sich als der stärkere, teils weil er ja bereits die f-Linie besitzt, teils weil er vom König sekundiert wird. Was ich aber besonders hervorgehoben wissen will, ist die Bereitwilligkeit des weißen a-Turmes, aus der Blockadestellung in die f-Linie zu gehen - sobald es notwendig erscheint! Der Kampf in der f-Linie geht um die Eroberung eines Einbruchspunktes f6, f7 oder f8 für den Turm. Es geschah} Re7 37. h4 Raa7 38. h5 Re6 39. Rf8 {Der Einbruch. (Weiß hatte auch gelegentlich h5-h6 geplant. Wäre 38. ... h7-h6 geschehen, so wäre Kh4 und g2-g4-g5 die Folge gewesen.)} g6 40. h6 g5 41. Rb8 Kc7 42. Rbxb5 Rxh6 43. Ra4 Rf6 44. Rba5 Kc8 45. Kg4 h6 46. Ra2 Raf7 47. Rxa6 {und gewann im 54. Zuge.} 47. ... Rxa6 48.Rxa6 Rf2 49.g3 Rb2 50.Rxh6 Rb3 51.Rd6 Rxe3 52.Rxd5 Rd3 53.b5 e3 54.Kf3 1-0 [Event "Internationales Sechsmeister-Turnier"] [Site "Kopenhagen"] [Date "1923.03.05"] [Round "3"] [White "Tartakower, Savielly"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "1/2-1/2"] [ECO "D01"] [Source "Die Blockade"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] { In seinem neuen Büchlein "Indisch" bringt Dr. Tartakower eine zwischen uns im Kopenhagener Meisterturnier 1923 gespielte Partie, zu der er nach den Zügen } 1. d4 Nf6 2. Nc3 d5 3. Bg5 Nc6 { folgende Anmerkung macht: "Echt Nimzowitsch! Anscheinend positionswidrig, da der im Damenbauernspiel wichtige c-Bauer verstellt wird, doch ist diese Strategie im Sinne des lebhaften Figurenspiels nicht glattweg abzulehnen."} ( { Dazu möchte ich nun folgendes sagen: Sc6! geschah keineswegs mit Rücksicht auf "Figurenspiel". Der Zug sollte vielmehr bloß dem linienöffnenden, also befreienden Vorstoß e2-e4 entgegenwirken. Hätte ich gleich } 3... e6 { gezogen, so könnte} 4. e4 { die Folge sein. Also Hemmungsstrategie! Wie interessant, daß dem so routinierten und kriegserfahrenen Tartakower dieses Motiv entgangen sein konnte. Oder sollte gerade die "Routine" daran schuld sein, daß die "Feinhörigkeit" in diesem Falle versagt hatte? Nach den weiteren Zügen} )4. e3 e6 5. Nf3 Be7 6. Bd3 h6 $1 7. Bh4 b6 $1 { hatte die gegen e2-e4 gerichtete Tendenz weiteren kräftigen Ausdruck gefunden.} 8. O-O Bb7 { denn nun droht der kombinatorische Zug Se4 mit interessanten Pêle-Mêle-Kombinationen.} 9. Bb5 O-O 10. Bxc6 Bxc6 11. Ne5 Bb7 12. f4 Ne8 13. Bxe7 Qxe7 14. Qf3 Nd6 15. g4 c5 16. f5 Nc4 17. f6 gxf6 18. Nxc4 dxc4 19. Qf4 cxd4 20. Qxh6 $5 dxc3 21. Rxf6 Qc5 22. Raf1 Qd5 23. Rg6+ fxg6 1/2-1/2 [Event "Internationales Sechsmeister-Turnier"] [Site "Kopenhagen"] [Date "1923.03.11"] [Round "8"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Tartakower, Savielly"] [Result "1-0"] [ECO "A06"] [Source "Die Blockade"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.Nf3 d5 2.b3 c5 3.e3 Nc6 4.Bb2 Bg4 5.Be2 Qc7 6.d4 cxd4 7.exd4 e6 8.O-O Bd6 9.h3 Bxf3 10.Bxf3 Nf6 11.c4 dxc4 12.bxc4 O-O 13.Nc3 Rfd8 14.Nb5 Qe7 15.Qe2 Bb8 16.d5 exd5 17.Qxe7 Nxe7 18.Bxf6 gxf6 19.cxd5 Be5 20.Rab1 a6 21. Na3 Rab8 22.Rfd1 b5 {Schwarz hat 2 gegen 1 am Damenflügel; Weiß besitzt einen Freibauern in der Mitte, der indes durch Ld6 stark blockiert werden kann. (Man unterscheide zwischen starker und schwacher Blockade. Ein Blockeur, der leicht anzugreifen ist und von den eigenen Kameraden wenig oder gar nicht sekundiert wird, ist von nur geringer Wirkung.) Es geschah nun} 23.Nc2 $1 a5 24.a3 {Das Vorrücken des Kandidaten wird unterbunden.} 24...Nf5 25.Rd3 $1 {Um mittels Tdb3 den Druck gegen den Kandidaten fortzusetzen; den a-Bauern (a5-a4) vorlocken zu können, wäre natürlich das Ideal, denn danach wäre die Blockade auf b4 möglich. Indes wäre es hier unwirklich (phantastisch), darauf spielen zu wollen. Das realistische Verfahren ist vielmehr: zu "hoffen", daß kein Freibauer entstehe und sich doch gleichzeitig darauf einrichten, daß ein solcher doch entstehen könnte. Demgemäß stehen die weißen Figuren dazu bereit, den vielleicht später mal doch entstehenden Freibauern b4 durch Tb3 im Notfall zu blockieren.} 25...Rbc8 ( {In der Hoffnung, den Sc2 vertreiben zu können, um so den eigenen Springer auf d4 wirksam zu postieren; richtig war indes die Blockade des freien d-Bauern durch} 25...Nd6 ) 26.Bg4 $1 Rxc2 27.Bxf5 b4 {Die Blockade war notwendig, also Ld6. Es geschah nun} 28.axb4 axb4 29. d6 $1 {Die Expansionslust des Freibauern, die hier allerdings mehr zufällige Gründe hat, nämlich die Hängestellung des Turmes c2.} 29...Rc3 $1 ( {Nicht} 29...Bxd6 {wegen} 30.Rxd6 {etc.} ) 30.Rxc3 bxc3 $2 {Der entscheidende Fehler; der Läufer mußte nehmen. Schwarz sollte nämlich einen Freibauern in der b-Linie und nicht in der c-Linie zu erhalten suchen; weshalb, zeigt der weitere Verlauf.} 31.d7 Kf8 32.Rb4 $1 Ra8 {Es ist einerlei; was Schwarz immer tun mag, er ist doch verloren.} 33.g3 Ke7 34.Rc4 Rd8 35.Kg2 {Schwarz ist verloren, weil der weiße Turm zwei Fliegen mit einem Schlage bekämpfen kann. Er hält den c-Bauern und bereitet gleichzeitig eine Aktion vor, die die Blockade auf d8 entwurzelt. Bei einem Freibauern in der b-Linie wäre ihm das nicht möglich geworden. Es folgte nun:} 35...h5 {Der König drohte nach h6 zu marschieren: Kg2-f3-g4-h5-h6.} 36.h4 Rg8 37.Rc8 Rd8 38.f4 $1 Bd4 39.g4 hxg4 40.h5 {Die Entwurzelung, die schwarzen Blockeure (K und T) werden nun durch den freien h-Bauern entscheidend abgelenkt.} 40...Bb6 41.h6 Kf8 42.Rxc3 Kg8 43.Rc8 Kh8 44.Kg3 Rg8 {Um durch Ld8 die Blockade wirksamer zu gestalten.} 45.Re8 {Schlüpft hinter die Kulisse, die Schwarz durch Ld8 zu sperren gedachte. Nun droht h6-h7 mit Matt und Tartakower gab daher auf.} 1-0 [Event "Nordisches Meisterturnier"] [Site "Kopenhagen"] [Date "1924.08.13"] [Round "3"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Giersing, Johannes"] [Result "1-0"] [ECO "D06"] [Source "Die Blockade"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.d4 d5 2.Nf3 c5 3.c4 cxd4 4.cxd5 Nf6 5.Nxd4 Qxd5 6.Nc3 Qa5 7.Nb3 Qh5 8. Bd2 e5 9.Nb5 Na6 10.Bc3 Ne4 11.Qd5 Nxc3 12.bxc3 Qg5 13.Nd2 Qe7 14.Nc4 Qe6 15.Qxe5 Qxe5 16.Nxe5 Be6 17.e3 Bc5 18.Bc4 Ke7 19.Bxe6 Kxe6 20.Nf3 Rac8 21. Ke2 Nc7 22.Nxc7+ Rxc7 23.Rhb1 a6 24.a4 b6 25.Rb3 f6 26.Rab1 Rhc8 27.R1b2 Kd5 28.Kd3 Rd7 29.Nd4 g6 30.g4 Rdc7 31.h4 Re8 32.Rb1 Rec8 33.f4 Re8 34.e4+ Kd6 35.g5 fxg5 36.e5+ Kd7 37.hxg5 Kc8 38.Ke4 Rf7 39.R3b2 Kc7 40.Rh2 Ree7 41.Rd1 Re8 42.Rhd2 Rg7 43.Nb3 Ba3 44.Rd5 Rf7 45.Nd4 Kc8 46.Nc2 Bf8 47.R1d4 Bc5 48.Rc4 Ref8 49.Kf3 Rd7 50.Rxd7 Kxd7 51.Nb4 a5 52.Ke4 axb4 53.cxb4 Bg1 54.Rc2 b5 55.axb5 Rb8 56.Rg2 Ba7 57.Rh2 Rh8 {Also es geschah:} 58.f5 gxf5+ 59.Kxf5 Rf8+ 60.Ke4 Rf7 {Womit der schwarze Turm dem "Leben" wiedergeschenkt ist. Diese neue Turmstellung ist es aber gerade, die die nun einsetzende Kombination ermöglicht.} 61.b6 $1 {Wiederum ein Beweis für die Expansionslust der Bauern!} 61...Bb8 ( {im Falle der Annahme} 61...Bxb6 {geschieht} 62.e6+ $1 Kxe6 63.Rh6+ {etc.} ) 62.Kd5 Re7 63.e6+ $1 {Vergl. die Anmerkung zum 61. Zuge von Weiß.} 63...Kc8 64.Rf2 Re8 $2 { Dieser Versuch, König und Bauer von einander zu trennen, endet letal, genau wie im Film, denn auch dort wird der Versuch, zwei Liebende von einander zu trennen, hart bestraft. Uebrigens eine Naturnotwendigkeit, denn andernfalls würde das Publikum das erlegte Eintrittsgeld zurückverlangen!} 65.Rf7 Rd8+ 66.Kc6 Re8 67.b7+ Kd8 68.Rd7# 1-0 [Event "Nordisches Meisterturnier"] [Site "Kopenhagen"] [Date "1924.08.20"] [Round "9"] [White "Kinch, Svend"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "A83"] [Source "Die Blockade"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.d4 f5 2.e4 fxe4 3.Nc3 Nf6 4.Bg5 Nc6 {und nun brachte Kinch eine interessante Neuerung, er schlug den Springer 5. Lg5xf6 e7xf6 und machte aus der Partie ein regelrechtes Gambit.} 5.Bxf6 exf6 6.Bc4 f5 7.Nge2 ( { Vorzuziehen ist} 7.Nh3 ) 7...Na5 $1 8.Bb3 Nxb3 9.axb3 Qg5 ( 9...d5 {würde an} 10.Nf4 {scheitern.} ) 10.O-O ( {In der hier unter 10 abgebildeten Stellung konnte Weiß darauf spielen, die schwarze Bauernmehrheit am Königsflügel zu blockieren, etwa durch 10. g3 samt Festsetzung eines Springers auf f4, beispielsweise} 10.g3 Be7 11.Nf4 O-O 12.Qd2 d6 13.O-O-O {nebst h2-h4; wo läge da trotz des Plusbauem die Gewinnchance für Schwarz? Etwa in einem Versuch, die Blockade durch g7-g5 zu sprengen? (Nach 10. g3 Le7 11. Sf4 Dh6 12. Dd2 g5.) Wohl kaum, denn das würde die schwarze Stellung allzusehr lockern. Demnach war die hier angedeutete Blockade der rechte Weg zum Ausgleich. In der Partie geschah gleichfalls gut und fein das Aufrollungsmanöver} ) 10...Be7 11.f3 $1 O-O $1 12.fxe4 fxe4 13.Rxf8+ Bxf8 14.Nxe4 {mit Rückgewinn des Gambitbauern, allerdings unter Überlassung von zwei Läufern und freiem Spiel an den Gegner. Es folgte} 14...Qe3+ 15.Nf2 d6 $1 ( {Nicht} 15...d5 {was e5 schwächen würde.} ) 16. Ng3 Bd7 17.Kf1 ( {Besser war wohl} 17.Qd3 {obgleich auch hierbei die Läufer zu Worte kämen.} ) 17...Re8 $1 {Da es Weiß seiner Zeit versäumt hat, den Gegner zu blockieren, so ereilt ihn die gerechte Strafe in der Form, daß des Gegners Figuren eine große Freizügigkeit erlangen.} 18.Rxa7 Bb5+ 19.c4 Ba6 20.Ne2 d5 21.Qd3 Qxd3 22.Nxd3 dxc4 23.bxc4 Bxc4 24.Ndc1 Bb4 $1 {Nicht allein stärker als La6, sondern auch in logischer Übereinstimmung mit dem Gesetz der Stellung, welches nach "Freizügigkeit ruft".} 25.Rxb7 Rf8+ $2 {Wir kehren nun zur Partiestellung nach dem 25. Zuge von Weiß zurück. Es geschah wie gesagt 25. ... Tf8+?} ( {Hier strauchelt Schwarz; wohl gewinnt er eine Figur, wird aber gezwungen, seine Stellung teilweise in Ketten zu legen, also eine Versündigung gegen den Geist der Blockade! (Wie bereits hervorgehoben, sollte Weiß logischerweise daran zugrunde gehen, daß das schwarze Figurenspiel, das er durch das Unterlassen der Blockade heraufbeschworen, ihn erdrückt.) Im Sinne dieses freizügigen Figurenspiels sollte Schwarz wie folgt spielen:} 25...Bd2 $1 { (statt des geschehenen Tf8+)} 26.Kf2 {(Der einzige Zug, es drohte Matt durch Tf8 etc.)} 26...Rf8+ {mit entscheidendem Kesseltreiben} 27.Kg3 Be1+ 28.Kh3 Be6+ 29.g4 h5 30.Rb5 ( 30.Rxc7 hxg4+ 31.Kg2 Bd5+ 32.Kg1 Bf2+ 33.Kf1 Bg3+ ) 30...Bxg4+ 31.Kg2 Bxe2 32.Nxe2 Rf2+ {und gewinnt.} ) 26.Kg1 {und nun kam, um einen Posttag zu spät, der Zug} 26...Bd2 {Die Folge war} 27.h3 Bxc1 28.Nxc1 Rf1+ 29.Kh2 Rxc1 30.Rxc7 {Für Schwarz kaum zu gewinnen!} 30...Rc2 31.Kg3 $1 Bd3 32.Rxc2 Bxc2 33.Kf4 Kf7 34.Ke5 Bb3 35.d5 $2 ( {Das weitere zielbewußte Vordringen} 35.Kd6 {hätte wahrscheinlich zum Remis geführt. Nach dem Textzuge wird Weiß ausgehungert.} ) 35...Ke7 36.g4 Kd7 37.h4 Ke7 38.g5 Kd7 39.h5 Ke7 40.h6 gxh6 41.gxh6 Kd7 {Aufgegeben. Die logischen Zusammenhänge der Blockadegeschehnisse manifestieren sich in dieser Partie außergewöhnlich eindringlich. (Namentlich "Schuld und Sühne".)} 0-1 [Event "Nordisches Meisterturnier"] [Site "Kopenhagen"] [Date "1924.08.21"] [Round "10"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Olson, Anton"] [Result "1-0"] [ECO "B21"] [Source "Die Blockade"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Nach} 1.f4 c5 2.e4 Nc6 3.d3 g6 {ist eine Stellung zuwege gebracht, die, den weiteren Ausbau e7-e6 und d7-d5 vorausgesetzt bereits von Schmidt als "Kampf von Königsflügel gegen Damenflügel" aufgefaßt worden war. Weiß hat in d3, e4, f4 eine Art Seitenzentrum, der Gegner hat eine entsprechende Stellung am linken Flügel. Splitterneu erscheint nun mein Versuch, den beweglichen gegnerischen Damenflügel jetzt schon zu hemmen (durch 4. c2-c4), da ich genannten Flügel als Mehrheit (ideeller Natur) anerkenne. Die nähere Begründung des überraschenden Zuges beliebe man im Januarheft von Kagans Neueste Schachnachrichten (S. 10) nachzulesen.} 4.c4 Bg7 5.Nc3 b6 6.Nf3 Bb7 7.g4 e6 8.Bg2 Nge7 9.Nb5 d6 10.O-O a6 11.Na3 O-O 12.Qe2 Qd7 13.Be3 Nb4 14.Nc2 Bxb2 15.Rab1 Bc3 16.Nxb4 Bxb4 17.Bc1 f6 18.Bb2 e5 19.g5 Nc6 20.gxf6 Qg4 21.fxe5 dxe5 22.Qe3 Qh5 23.Ng5 Bc8 24.f7+ Kg7 25.Qf4 Kh6 26.Ne6+ exf4 27. Bg7# 1-0 [Event "II. Meisterturnier"] [Site "Ostende"] [Date "1907.05.18"] [Round "3"] [White "Van Vliet, Louis"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "D05"] [Source "Die Blockade, Partie 1"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.d4 d5 2.Nf3 c5 3.e3 e6 4.b3 Nf6 5.Bd3 Nc6 6.a3 Bd6 7.Bb2 {Die weiße Aufstellung ist gegen einen eventl. befreienden Vorstoß - e6-e5 - gerichtet. Also Hemmung. Kein Wunder, daß letztere sich zur Blockade (ein Springer setzt sich späterhin auf e5 fest) verdichtet. Denn im Sinne unserer Ausführungen ist leichtere Hemmung bloß als einleitender Schritt aufzufassen. Den Kulminationspunkt aber bildet: die Blockade.} 7...O-O 8. O-O b6 9.Ne5 $1 Bb7 10.Nd2 a6 $1 11.f4 b5 $1 {Schwarz schafft sich ein Gegenspiel am Damenflügel, indem er seine dort postierten Bauern als eine qualitative Mehrheit anerkennt.} 12.dxc5 $1 {Ein ausgezeichneter Zug, der bloß den einen Fehler hat, daß van Vliet ihn nicht verstanden hat. Indes hat auch den Glossator des Ostende-Buches ein ähnliches Schicksal ereilt. Teichmann versieht nämlich den Textzug mit einem Fragezeichen. Offenbar betrachtet Teichmann den inkriminierten Zug als eine Aufgabe des Zentrums. Das ist der Zug aber keineswegs, nur hätte Weiß richtig fortsetzen sollen. } 12...Bxc5 13.Qf3 Nd7 {Ein besserer und konsequenterer Zug ist nicht ersichtlich: Schwarz will sich den Blockeur Se5 vom Halse schaffen, um so die eigenen Zentralbauern beweglich zu machen.} 14.Nxc6 Bxc6 15.Qg3 ( { Hierin und namentlich im nächsten Zuge liegt der Fehler. Weiß sollte die schwarze Mitte zu hemmen suchen, was durch 15. b3-b4! Lb6 16. Sdb3 nebst Ld4 oder Sd4 zu erreichen wäre. Die so gewonnene Blockadestellung des Offiziers auf d4 wäre durch f7-f6 und e6-e5 keineswegs leicht zu erschüttern gewesen, denn auf allfälliges f7-f6 wäre Dh5 oder Dh3 unangenehm geworden. Andererseits könnte auch der durch b3-b4 festgelegte schwarze b-Bauer als Angriffsmarke aufs Korn genommen werden. Beispielsweise} 15.b4 $1 Bb6 16.Nb3 Qe7 17.Nd4 Bb7 18.a4 {(und nun verbietet sich} 18...Bxd4 19.Bxd4 Qxb4 {wegen des bekannten doppelten Läuferopfers auf h7 und g7, also} 20.Bxh7+ Kxh7 21.Qh5+ Kg8 22.Bxg7 Kxg7 23.Qg5+ Kh8 24.Rf3 {) oder 17. ... Lb6xd4 statt Lc6-b7 18. e3xd4. In der so erreichten Stellung ist zwar Bauer c2 rückständig und ziemlich wertlos, das gleiche gilt auch von Lb2, indes wären die angedeuteten Schwächen eigentlich bloß durch Manöver des Springers d7 über b6 nach a4 oder c4 aufzudecken, und dazu dürfte Schwarz angesichts der recht unsicheren eigenen Königsstellung (weiße e-Linie und einige Manövrierfreiheit am Königsflügel) kaum jemals Zeit und Muße finden. Verbliebe somit bloß Festsetzung des Springers auf e4, was aber nach Ld3xe4 zu ungleichfarbigen Läufern führen würde. Somit konnte also Weiß durch d4xc5 in Verbindung mit dem Versuch, die gegnerische Mitte zu hemmen, ausgleichen. Nach seinem 16. Zuge gerät er in Nachteil, obgleich zugegeben werden soll, daß Schwarz äußerst gewagt spielen muß, um diesen Nachteil klarlegen zu können.} ) 15...Nf6 16.Rad1 $2 ( {Mit noch besserem Erfolg als im vorigen Zuge konnte Weiß nun die in der vorigen Bemerkung angedeutete Hemmung durchführen. Also} 16.b4 Bb6 17.Nb3 {und Schw. muß behutsam spielen, um ausgleichen zu können.} ) 16...a5 $1 {Nun bildet Ba3 eine Schwäche und Weiß kommt - andererseits - nicht zur angedeuteten Hemmung.} 17.Qh3 h6 {Die schwarze Stellung verträgt diese Schwächung!} 18.g4 d4 $3 {Ein tiefdurchdachter Zug, bei dem jetzt schon die Festlegung der weißen Sturmmasse und die Flucht des schwarzen Königs ins Auge gefaßt war. Ein anderer Zug kommt nach meiner Lehre nicht in Frage, da Hemmung der weißen Bauernmasse das dringendste Gebot der Stunde darstellt. Wie sehr die Meinungen im Schach divergieren können, geht übrigens daraus hervor, daß Teichmann d5-d4 als einen Zug von "zweifelhaftem Wert" anspricht!!} 19.e4 Qd7 $1 {Um g4-g5 durch e6-e5 zu beantworten!} 20.Rde1 e5 $1 21.f5 {Weiße qualitative Mehrheit auf dem Königsflügel; Drohung g4-g5 nach vorhergegangenem Damenzug nebst h2-h4.} 21...Nh7 {Das nun folgende Spiel, g4-g5 (nach h2-h4) so lange hintanzuhalten, bis der König geflüchtet sei, ist ein treffliches Beispiel für den Kampf gegen eine qualitative Bauernmehrheit.} 22.Nf3 Qe7 23.Qg3 Rfe8 24.h4 f6 25.Ra1 {Die Schwäche a3 nötigt ihn zu einem Verteidigungszug.} 25...Qb7 26.Rfe1 Kf7 $1 27.Re2 Rh8 28.Kg2 Nf8 29. g5 hxg5 30.hxg5 Nd7 {Nun zeigt sich der Verteidigungsplan des Schwarzen in seiner ganzen Tiefe: auf g5xf6 soll stets g7xf6 geschehen, f6 ist gut verteidigt und der König kommt auf d6 in Sicherheit.} 31.gxf6 {Weiß schlägt los, ehe der K völlig verduftet ist.} 31...gxf6 32.Nh4 {Kein übler Gedanke. Weiß will in der g-Linie einen starken Vorposten etablieren.} 32...Rag8 33.Ng6 Rh5 34.Kf2 Nf8 {Es entbrennt nun ein heißer Kampf um den Vorposten g6. An und für sich scheint letzterer recht stark fundiert zu sein; wenn er trotzdem nicht zu halten ist, so ist dies in einer verborgenen Schwäche der weißen Aufstellung begründet, nämlich darin, daß Bauer e4 nicht bloß durch Lc6 und Db7, sondern vielmehr auch indirekt durch den "abzugschwangeren" Lc5 bedroht erscheint.} 35.Rg1 Rg5 36.Qh4 Rxg1 37.Kxg1 Nxg6 38.Qh5 Kf8 39.fxg6 {Anscheinend hat Weiß g6 behauptet} 39...Qg7 40.Rg2 Rh8 41.Qe2 Rh4 $1 {Die damit eingeleitete Diversion gegen Bauer e4 wirkt entscheidend, nämlich für das Schicksal des Bauern g6 und somit auch für den Ausgang der Partie.} 42.Bc1 {Endlich wagt sich der 24 Züge lang abgesperrt gewesene Läufer ans Licht hervor, er kommt aber nur rechtzeitig, um den Sturz der Seinigen miterleben zu können.} ( {Auf} 42.Rg4 {was Teichmann als geboten empfiehlt, wäre} 42... Rxg4+ 43.Qxg4 Bd7 $1 {nebst Ld7-e8 gefolgt und Schwarz muß gewinnen.} ) 42...Rxe4 $1 43.Qd2 Rh4 44.Qxa5 Qd7 {Die blockierende Dame verläßt ihren Platz. Wenn man in Betracht zieht, daß das Blockieren für gewöhnlich Sache der kleinen Offiziere ist, so wird man zugeben, daß die Dame sich der ihr ungewohnten Arbeit ausgezeichnet entledigt hat.} 45.g7+ Kg8 {Nun hat Seine Majestät selbst die Blockade übernommen.} 46.Bc4+ bxc4 47.Qxc5 {Um die Blockade durch Df8+ wegzufegen.} 47...Rh1+ {Aufgegeben.} 0-1 [Event "III. internationales Schachmeisterturnier"] [Site "Karlsbad"] [Date "1923.05.10"] [Round "10"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Bernstein, Jacob"] [Result "1-0"] [ECO "D37"] [Source "Die Blockade, Partie 2"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.Nf3 Nf6 2.d4 d5 3.c4 e6 4.Nc3 Be7 5.e3 O-O 6.a3 a6 7.c5 {Bildet eine Bauernkette, die durch den nachrückenden schw. Bauern c6 (c7-c6) komplett wird. Die weißen Glieder der Kette sind die Bauern d4 und c5, die schwarzen d5 und c6. Der weiße Angriffsplan im Kettenbereich ist in b2-b4, a3-a4, b4-b5, b5xc6, worauf b7xc6 die erzwungene Folge sein soll, zu erblicken. Mit anderen Worten, Bauer c6, der die Basis der schwarzen Bauernkette bildet, soll dem Seiten- und Umgehungsangriff von der geöffneten b-Linie aus ausgesetzt werden. (Seitenangriff wäre Tb6, Umgehungsspiel bestände in Tb1-b7-c7xc6.) Die Anfangszüge sind von uns übrigens schon in dem theoretischen Teil des Buches besprochen worden.} 7...c6 8.b4 Nbd7 9.Bb2 Qc7 10.Qc2 e5 11.O-O-O $1 {Der Zentralstoß ist in ähnlichen Stellungen bisher als Widerlegung der seitlichen Umklammerung aufgefaßt worden. Eine vollständig unbegründete Auffassung! e6-e5 ist nur die gesunde Reaktion auf c4-c5, die, einige Widerstandsfähigkeit des weißen Zentrums vorausgesetzt, das Spiel ausgleicht, aber auch keineswegs mehr.} 11...e4 {Der andere, theoretisch denkbare Versuch, die gegen d4 gerichte Angriffsstellung weiter auszubauen, läge im Abtausch e5xd4 nebst Spiel in der e-Linie, durch Te8 und spätere Etablierung eines Vorpostens Se4. Hier jedoch ist der Versuch praktisch undurchführbar, da die e-Linie nur dem Weißen zustatten käme, kraft dessen besserer Entwicklung. Verbleibt also nichts anderes, als d4 als unantastbar aufzugeben und mittels e5-e4 den Angriff von d4 auf die neue Kettenbasis e3 zu übertragen. Weiß hat nun die Aufgabe zu bewältigen, die e3 seitlich bloßlegende Bewegung f7-f5-f4xe3 zu hemmen.} 12.Nh4 $1 Nb8 {Um Sf5 zu verhindern.} 13.g3 Ne8 14.Ng2 f5 15.h4 {Eine mit den einfachsten Mitteln in klassischem Stil durchgeführte Hemmung. Ganz gewiß könnte 12. Sh4 "barock" oder "bizarr" erscheinen, indes da besagter Zug nur den notwendigen Bestandteil einer klassischen Hemmungsoperation ausmacht, so wird der geehrte Leser es begreiflich finden, wenn ich für eine ähnliche "Kritik" vonseiten einiger Kritiker nur ein mitleidiges Lächeln übrig habe.} 15...Bd8 16.a4 ( {Vorsichtiger war zunächst} 16.Be2 {nebst Kd2. Nach solchermaßen vollendeter Entwicklung sollte Weiß den Angriff a3-a4 und b4-b5 ohne größere Anstrengung zum Siege führen können.} ) 16...b6 $1 {Fein gespielt! Sonst pflegt das "Entgegenkommen" der Minorität nur für den angreifenden Teil von Vorteil zu sein (also hier für Weiß), indes die Anwesenheit der weißen Majestät stempelt die weiße Mehrheit zu einer in gewissem Sinne kompromittierten, und daher erscheint der Stoß b6 hinreichend motiviert.} 17.b5 Nf6 18.Nf4 {Der Blockeur!} 18...axb5 19.axb5 Qf7 20.Be2 Bc7 21.cxb6 Bxf4 ( {Nach Lb6: hätten sich für Schw. bald fühlbare Schwächen ergeben, beispielsweise} 21...Bxb6 22.Kd2 {und Weiß besetzt die a-Linie und hält die Kettenbasis d5 (nach Verschwinden des deckenden c6) dauernd bedroht.} ) 22.gxf4 {Nun ist die Hemmung der schwarzen Sturmmasse am Königsflügel absolut.} 22...Bd7 23.Kd2 cxb5 24.Ra1 $1 {Weiß erzwingt Positionsvorteile am Damenflügel.} 24...Nc6 25.Bxb5 Na5 $1 26.Be2 Rfb8 {Schwarz hat sich trefflich verteidigt und schickt sich nun an, durch Tb6: das Spiel auszugleichen.} 27.Na4 ( {Eine äußerst elegante Kombination. Sonst käme noch das einfachere 27. Ta3 in Betracht, z. B.} 27.Ra3 Rxb6 28.Rha1 Nc4+ 29.Bxc4 Rxa3 30.Rxa3 ( 30.Bxd5 {würde zu sehr vereinfachen und ergäbe bei den ungleichfarbigen Läufern nur Remisschluß} ) 30...dxc4 31.Ra8+ {indes nach} 31...Be8 32.Ba3 Rb3 {hat Weiß weniger als nichts. Für den Textzug spricht dagegen, ganz abgesehen von der spezifischen kombinatorischen Begründung, noch der positionelle Umstand, dass man dem Gegner den Rückgewinn geopferten Materials so schwer als möglich machen müsse, ohne sich indes allzusehr auf die endgiltige Behauptung besagten Materials versteifen zu wollen.} ) 27...Bxa4 28.Rxa4 Rxb6 29.Bc3 $1 Nb3+ ( {Wunschgemäss! Auch nach dem korrekteren Zuge} 29... Nc4+ 30.Bxc4 Rxa4 31.Qxa4 $1 dxc4 32.Qa8+ Qe8 33.Qxe8+ Nxe8 34.Ra1 { stünde Weiss überlegen, obzwar Schw. da einen festen Blockadewall auf d5 errichten könnte.} ) 30.Qxb3 $1 {Dieses durch 27. Sa4 vorbereitete Opfer ist im besten Sinne dieses Wortes vom modernen Geiste erfüllt (vergl. die Note zum 31. Zuge von Schwarz).} 30...Rxb3 31.Rxa8+ Ne8 {Und nun erwartet man schleuniges Eingreifen der Türme: alle schweren Figuren gegen den leichtkalibrigen, noch dazu gebundenen Se8, das nannte man dazumal: elegantes Spiel! Indes die brutale Art entspricht nicht meinem Naturell, wäre überdies auch ein grober Fehler, z. B. 32. Th1-a1? Df7-c7! 33. Te8:+ Kf7 und Weiss hat ausgetobt und vergiesst Reuetränen. - Nein, der Turm a1 zeigt keine, wie immer geartete Eile "einzugreifen", im Gegenteil, mit einer müden Geste, gleichsam etwas gelangweilt, gestattet er eine Verbannung, tritt sozusagen in den Hintergrund.} 32.Bd1 $3 {Die Pointe! Weiss fürchtet keineswegs die Antwort 32. . . Tb1.} ( 32.Rha1 $2 Qc7 $1 33.Rxe8+ Kf7 {und Weiss hat ausgetobt und vergiesst Reuetränen.} ) 32... Rxc3 $1 ( {Und wiederum trifft der begabte amerikanische Meister den stärksten Zug. Auf} 32...Rb1 {wäre} 33.Ba4 Rxh1 34.Bxe8 $1 {gefolgt} ( {um ein ganzes Tempo stärker als} 34.Rxe8+ ) ) ( {und andererseits wäre auch der Rückzug} 32...Rb6 {ungenügend wegen} 33.Ba4 Re6 34.Rb1 {(nun erst kommt der Turm zum Vorschein!)} 34...Qg6 $1 35.Rbb8 Qg2 36.Bxe8 Qxf2+ 37. Kc1 {der König kommt in Sicherheit und Weiß gewinnt. - Erinnert das "späte" Eingreifen des Hauptakteurs Th1 nicht einigermaßen an die Art, wie der "Held" eines Dramas "eingeführt" zu werden pflegt: zuerst kommt eine alte Dienerin und erzählt irgend etwas, dann treten zwei andere "Figuren" auf die Bühne und machen uns auf den "Helden" neugierig und schließlich tritt "er" selbst auf, in höchsteigener Person - und bildet den Mittelpunkt alles Geschehens.} ) 33.Kxc3 Qc7+ 34.Kd2 Kf7 {Damit ist eine Stellung erreicht, die nur durch Angriffsspiel im klassischen Stil zu gewinnen ist. Das alte Bild: zuerst durch modernes Spiel Positionsvorteile gewonnen, sodann durch altklassisches Schach diese Vorteile verwertet!} 35.Bh5+ $1 g6 36.Rha1 $1 {Klassisch ist die Parole, der Turm wird also stürmisch.} 36...Qb6 37.Be2 Kg7 38.Ke1 Nc7 39.R8a5 Kh6 40.Kf1 $1 {Welch Unterschied! In dem ersten - modernen - Teil der Partie war Weiß eher auf alles andere bedacht, als auf die Sicherheit des Königs, hier aber bildet eben erwähntes Motiv die Haupttriebfeder aller Handlung!} 40...Qb3 41.h5 $1 {Nun ist der Plan einleuchtend, nach h5xg6 h7xg6 soll der schwarze König von der h-Linie aus - einerseits - und der 7. Reihe aus - andererseits - liebevoll umfangen werden. Gegen störende Angriffe der Dame (z. B. Db2 nach erfolgtem Kg2) sollen die doubliertenTürme ein gewichtiges Wörtchen dreinreden (Ta5-a2).} 41...Ne8 {Die Reserve wird mobilisiert.} 42.Ra6 Qb2 43.hxg6 hxg6 44.R6a2 $1 {Siehe die Note zum 41. Zuge des Aniehenden.} 44...Qb7 45.Ra7 Qb2 46.Kg2 {Der König weist die Hilfe der Türme zurück, er bedarf ihrer nicht mehr.} 46...Nf6 47.Rh1+ Nh5 48.Bxh5 gxh5 {Nun hat Schwarz gar einen Freibauern.} 49.Rha1 $1 {Rückkehrthema! Schwarz gibt auf.} 1-0 [Event "Internationales Sechsmeister-Turnier"] [Site "Kopenhagen"] [Date "1923.03.09"] [Round "6"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Möller, Jörgen"] [Result "1-0"] [ECO "A85"] [Source "Die Blockade, Partie 3"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.d4 f5 2.c4 Nf6 3.Nc3 d6 {Wie aus meinem Artikel im Januarheft von "Kagans Neuest. Schachnachrichten" hervorgeht, ist dieser von Krause und mir analysierte Zug durchaus spielbar.} 4.Nf3 Nc6 5.Bf4 h6 6.h4 Ng4 { Drohend e7-e5 mit völliger Befreiung.} 7.d5 Nce5 ( {Den Vorzug verdient das kombinatorische} 7...e5 {Siehe genannten Aufsatz.} ) 8.Bxe5 ( { Richtiger sofortiges} 8.e4 ) 8...dxe5 9.e4 e6 $1 10.Nh2 {Gegen Lc5 muß etwas getan werden.} 10...Qxh4 11.Nxg4 $1 {Ein korrektes Qualitätsopfer.} 11...Qxg4 ( {Auf} 11...Qxh1 {folgt} 12.Nxe5 {mit sehr starkem Angriff.} ) 12.Qb3 Be7 13.c5 {Das bewegliche Übergewicht!} 13...O-O 14.dxe6 {Im allgemeinen muß man es sich zweimal überlegen, ehe man sich dazu entschließt, eine "bewegliche Majorität" in einen "gestoppten Freibauern" umzusetzen, denn das hieße die Zukunftsträume aufgeben zugunsten etwa einer Altersversorgung. Erfordert indes die Aufrechterhaltung der Blockade seitens des Gegners einen größeren Figurenapparat und ist femer eine Möglichkeit vorhanden, das "Dornröschen" (den Freibauern) zu neuem Leben zu erwecken, so mag der kühne Wurf berechtigt erscheinen. So auch hier.} 14...fxe4 15.Nd5 Qg5 16.Qe3 ( {Besser erscheint} 16.Nxc7 Rb8 17.Bc4 ) 16...Bxe6 $1 {Ein ausgezeichnetes Qualitätsopfer, wodurch sich Schwarz die zwei Läufer verschafft mit diversen Spielchancen.} 17.Qxg5 Bxg5 18.Nxc7 Bf7 19.Nxa8 Rxa8 20.Bb5 Rc8 21.b4 {Weiß hat die Majorität auf dem Damenflügel, aber Schwierigkeiten, den Königsturm zu entwickeln, denn die Rochade im Endspiel wäre doch gar zu schlimm. Aber nun kommt Leben in die Bude, denn Schwarz sucht die Mehrheit endgiltig zu stoppen.} 21...b6 22. Bd7 $1 Rc7 23.c6 b5 24.Rh3 e3 $1 25.a4 ( {Es drohte Ld5, z. B.} 25.fxe3 $2 Bd5 26.Rc1 Bxg2 ) 25...bxa4 26.Rxa4 Bc4 27.fxe3 Bb5 28.Ra2 Be7 $1 29.Rc2 { Der c-Bauer ist der wertvollere von den beiden, also muß der b-Bauer daran glauben.} 29...Bxb4+ 30.Kf2 Bd3 31.Rb2 a5 {Die Situation hat sich geklärt. Weiß hat immer noch seinen gestoppten Freibauern und anscheinend keine wie immer geartete Möglichkeit, dem Blockeur an den Leib zu rücken, während der schwarze Freibauer von "dräuender" (um mit Lasker zu reden) Beweglichkeit erfüllt ist.} 32.Rh5 Kf7 33.g4 Bg6 34.Rxe5 $1 {Eine tiefe Kombination: Weiß opfert die Qualität, weil der w. König ins Zentrum eindringen und so im Verein mit dem e-Bauern und dem eigenen Turm eine blockadeauflösende Wirkung ausüben kann.} 34...Bc3 35.Rbb5 Bxe5 36.Rxe5 a4 37.Kf3 Bc2 38.e4 Bb3 39.Rb5 {Enthüllung des allseitig vorbereiteten Anschlages gegen den "turmstarken" Blockeur. Folgendermaßen werden die "Rollen" verteilt: der Tb5 fällt dem "Unglücklichen" in den Rücken (durch Tb7). Selbstredend eilt der schwarze König zu Hilfe; indes deckt er den angegriffenen Turm c7 von d6 aus, so entscheidet das Schach durch Bauer e4 (e4-e5+); zieht der König andererseits die bescheidenere Stellung auf d8 vor, so dringt der weiße königliche Gegenspieler über f4, e5 nach d6 vor und der Blockeur ist tot. ...} 39...Ke7 40.Rb7 Kd8 41.Rb8+ Ke7 42.Kf4 Rxd7 {Sonst Ke5 u.Tb7 (Kd8) Kd6.} 43.Rb7 $1 Be6 44.cxd7 Bxd7 45.Ke5 {Nach geglücktem Anschlag die wohltuende Ruhe!} 45...Kd8 46.Kd6 Bxg4 47.Rxg7 h5 48.e5 a3 49.e6 {Die drei Attentäter sind nun zu Amt und Ehren gelangt und der kleine Bauer ist gar im Begriff, ein hoher Würdenträger zu werden. Diese Entwicklung der Dinge wollte aber Schwarz nicht mehr mit ansehen, und daher gab er auf. Eine schöne Partie und durch den harmonisch durchgeführten Kampf gegen den Blockeur c7 auch sehr lehrreich.} 1-0 [Event "Internationales Sechsmeister-Turnier"] [Site "Kopenhagen"] [Date "1923.03.04"] [Round "2"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Sämisch, Friedrich"] [Result "1-0"] [ECO "E18"] [Source "Die Blockade, Partie 4"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.d4 Nf6 2.c4 e6 3.Nf3 b6 {Diese Eröffnung, deren Idee darin besteht, auf Etablierung eines materiell greifbaren Zentrums verzichten zu wollen, um sich statt dessen mit einer Art von Oberhoheit (also von ideeller Einwirkung) daselbst zu begnügen, ist von mir in den Jahren 1911 und 1912 erfunden und gründlich analysiert worden. Im Petersburger Meisterturnier 1913 habe ich sodann meine Neuerung gegen Gregory zum erstenmal angewandt. Diese meine Partie gegen Gregory muß als Stammpartie angesehen werden und ich als - Erfinder der Eröffnung 1. d4 Sf6 2. c4 e6 ohne nachfolgendes d7-d5.} 4.g3 {Das von Rubinstein seinerzeit empfohlene Gegengift, das aber, wie die späterhin folgende Partie Sämisch - Nimzowitsch zeigen wird, ziemlich unschädlich ist.} 4...Bb7 5.Bg2 Be7 6.O-O O-O 7.Nc3 d5 8.Ne5 Qc8 ( {Nicht gut. Viel besser geschah in der zitierten Partie mein Zug} 8...c6 ) 9.cxd5 Nxd5 10.Nxd5 $1 Bxd5 11.e4 ( {Der Zug kann nicht schlecht sein; indes scheint mir} 11.Bxd5 exd5 12.Be3 {den Vorzug zu verdienen: auf} 12...Qe6 {(um d5 zu decken und so c7-c5 zu ermöglichen) wäre} 13.Nd3 Nd7 14.Rc1 {erfolgt und Schwarz ist schwach in der c-Linie und wird das Fehlen seines Damenläufers schmerzlich zu beklagen haben, während der weiße König sich eher ohne den Läufer g2 behelfen kann. Indes nach} 14...Bd6 { wäre die Sache noch keineswegs geklärt.} ) 11...Bb7 12.Qa4 ( {Sieht etwas gekünstelt aus. Viele hätten hier} 12.Be3 {vorgezogen.} ) 12...c5 13.d5 { Geburt des Freibauern,} 13...b5 {die indes von Schwarz ohne Zeichen von Rührung zur Kenntnis genommen wird; im Gegenteil, er wird grob!} 14.Qb3 ( {Naheliegend wäre hier das Qualitätsopfer} 14.Qxb5 Ba6 15.Qb3 Bxf1 16.Kxf1 {indes nach} 16...Bf6 17.Nc4 exd5 18.exd5 Nd7 {wirkt der weiße "Vorteil" nicht ganz überzeugend. Ist es auch wirklich notwendig, die Geburt eines Freibauern gar so stürmisch zu feiern?} ) 14...exd5 15.exd5 Bd6 {Der Blockeur meldet sich zur Stelle.} 16.Bf4 $1 {Der Gegenspieler, der unter Opferangebot auftaucht.} 16...Qc7 ( {Auf} 16...g5 {wäre} 17.Nxf7 Bxf4 18. Nh6+ Kg7 19.gxf4 Kxh6 20.fxg5+ {die beabsichtigte Folge gewesen. In der Tat wäre Schwarz hierauf in der größten Verlegenheit, denn schlägt er nach fg5:+ den schachbietenden Bauern, so gerät er nach Kh1 und Tg1 in ein Mattnetz; spielt er indessen (nach f4xg5+) seinen König nach g7 zurück, so entscheidet} 20...Kg7 21.Qc3+ Kg8 22.Bh3 {nebst Le6 oder (statt Lh3) - positionell -} ( 22.Rae1 {und f2-f4. Die Bauernmasse in Verbindung mit der e-Linie (Punkt e6) wäre von entscheidender Bedeutung.} ) ) 17.Nd3 $1 a6 ( {Wiederum ein kombinatorischer Zug. Die Gabel} 17...c4 {würde nach} 18. Bxd6 Qxd6 19.Qxb5 Ba6 20.Qc5 $1 {zu nichts führen.} ) 18.a4 $3 {Einer der schwierigsten Züge! Nicht mit Rücksicht auf die ihm zugrundeliegende Kombination c5-c4 Da3!!, die auch zur Ausführung gelangt, sondern vielmehr, weil die Öffnung der a-Linie einen nunmehr noch sehr verborgen liegenden positionellen Zweck verfolgt.} 18...c4 19.Qa3 $1 Bxf4 20.Nxf4 { Durch eigenartige Kombinationen ist es mir nun gelungen, den Blockeur d6 zu beseitigen. Der nächste Blockeur ist der Sd7 und der erweist sich als ein zäher Geselle.} 20...Nd7 21.axb5 axb5 22.Qe7 $1 {Die nun erreichte Stellung bildet die Erklärung für die von Weiß erstrebte Öffnung der a-Linie: alles geschah nur einzig und allein mit Rücksicht auf den Freibauern. Die Sache ist die, daß die Dame vor geschehenem d5-d6 sich auf e7 festsetzen möchte. Indes bei geschlossener a-Linie wäre ihres Bleibens dort nicht lange, denn Te8 würde sie augenblicklich verjagen. Ganz anders liegt die Sache bei geöffneter a-Linie. Auf 22. . . Tae8 würde nämlich Db4 folgen und Weiß erhält durch Ta5 (auf Db6) Spiel in der a-Linie. Also muß Schw. andere Maßregeln ergreifen.} 22...Qd8 23.d6 Bxg2 24.Kxg2 Nf6 25.Rfd1 {Lieb' Kind will geschützt und gestützt sein. ...} 25...Rxa1 26.Rxa1 Qxe7 27.dxe7 {Nun ist er avanciert. Die Mühewaltung des Weißen ist belohnt.} 27...Re8 28.Ra7 {Nun ist Weiß in klarem Vorteil.} 28...g5 29.Ne2 Nd5 30. Nd4 Nxe7 {Todesfall macht Kummer. Hier aber sind Lichtblicke en masse vorhanden, denn nach} 31.Nxb5 {steht Weiß im Besitze der 7. Reihe bei exponiertem Bauern c4 überlegen da.} 31...Nc6 32.Nd6 $1 {Ein sehr schönes Opfer! Nicht an Material freilich, vielmehr opfert Weiß seinen Vorteil der 7. Reihe.} 32...Nxa7 33.Nxe8 {Das Springerendspiel steht zugunsten von Weiß.} 33...Nb5 34.Nf6+ Kg7 35.Nd5 ( {Nicht nach} 35.Ne4 {denn letzteres Feld soll dem weißen König reserviert bleiben.} ) 35...f6 36.Kf3 Kf7 37. Nc3 $1 Nd4+ 38.Ke4 Nb3 39.Kd5 {Die weiße Königsstellung ist entscheidend.} 39...Nd2 40.h3 f5 41.Nd1 Kf6 42.Ne3 Ne4 43.Nxc4 Nxf2 44.b4 {Dieser Freibauer ist von Spr. und König glänzend unterstützt. Er macht das Rennen.} 44...Ke7 {Den "Blockadedolch" im Gewande!} 45.b5 Kd7 46.b6 Ne4 47.Ne5+ Kc8 48.Kc6 Nf6 49.Nd3 $1 {Richtung c5.} 49...Nd7 50.b7+ Kd8 { Mißglückter Blockadeanschlag. Nun ist Sd7 der einzige nach b8 hinwirkende Offizier.} 51.Kd6 Nb8 52.Nb4 $1 Nd7 53.Nc6+ Ke8 54.Kc7 {Aufgegeben, da Se5 sofort tötlich wirkt. - Der eine Freibauer ist nach einer an dramatischen Konflikten reichen Laufbahn (man denke an das durch diverse Opferangebote ermöglichte Vordringen nach d6 und ferner auch an die durch außergewöhnliche Kraftanstrengung (a-Linie wurde in anscheinend unmotivierter Weise geöffnet) erzielte Versetzung des d-Bauern nach e7) von "Mörderhand" gefallen, aber aus seiner Asche ist ein neuer Freibauer entstanden - in der b-Linie -, der mit unaufhaltsamer Energie vorzudringen wußte. Persönlich ist die Partie charakteristisch durch die Mischung von Phantasie und Systematik, die mir eigen ist, und sie brilliert durch ein in klassischem Stil durchgeführtes Springerendspiel.} 1-0 [Event "II. Jubiläumsturnier"] [Site "Stockholm"] [Date "1920.10.25"] [Round "5"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Spielmann, Rudolf"] [Result "1-0"] [ECO "C02"] [Source "Die Blockade, Partie 5"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.e4 e6 2.d4 d5 3.e5 c5 4.Nf3 Nc6 5.c3 Qb6 6.Be2 cxd4 ( {Wenn dieses frühzeitige Arrondieren des weißen Zentrums (Bc3 verschwindet gegen Bc5) der beste Zug ist, dann ist die schw. Stellung als schwach zu kennzeichnen. Aber wahrscheinlich geht} 6...Bd7 ) 7.cxd4 Nh6 8.Nc3 Nf5 9. Na4 ( {Kombinatorisch. Gut genug ist} 9.Bb5 ) 9...Qa5+ 10.Bd2 Bb4 11.Bc3 ( {Symptomatisch für die Art des Angriffs ist der Umstand, daß selbst 11. Sc3 die Bauern genügend gesichert hätte, z.B.} 11.Nc3 Nfxd4 12.Nxd4 Nxd4 13.a3 Nxe2 14.axb4 Nxc3 15.Bxc3 ( {oder} 15.Rxa5 {mit Remisschluß wegen der ungleichfarbigen Läufer in Verbindung mit Festsetzung eines Steines auf d4.} ) ) 11...Bd7 ( {Oder} 11...Bxc3+ 12.Nxc3 Qb6 ( 12...Qb4 $2 13.a3 $1 ) 13.Bb5 O-O 14.Bxc6 Qxb2 15.Na4 Qb4+ 16.Qd2 {mit Besetzung von c5 und Ausgleich (Punkt c5 ist hier mindestens so viel wert wie der Bauer).} ) 12.a3 Bxc3+ 13.Nxc3 h5 14.O-O Rc8 15.Qd2 Qd8 {Um g7-g5 folgen zu lassen.} 16.h3 $1 Na5 ( {Jetzt scheitert} 16...g5 {an} 17.g4 {z.B.} 17...hxg4 18. hxg4 Nh4 19.Nxh4 Rxh4 20.Kg2 {nebst Th1 mit Vorteil für Weiß.} ) 17.Rad1 Qb6 18.Rfe1 {Man beachte, wie Weiß die Punkte d4 und gar auch e5 systematisch überdeckt: entsprechend der von mir so formulierten Regel: "wichtige strategische Punkte sollen überdeckt werden".} 18...Nc4 19.Bxc4 Rxc4 20.Ne2 {Um den starken Sf5 durch Sg3 wegzutauschen.} 20...Ba4 21.Rc1 Bb3 22.Rxc4 Bxc4 23.Ng3 Ne7 24.h4 $1 Ng6 25.Nf1 {Nun geht es dem Lc4 an den dürren Leib, geplant ist Se3.} 25...Bxf1 26.Rxf1 Ne7 27.Rc1 O-O {Nun entschließt sich Spielmann doch zur Rochade, da Sf5 alles deckt. Weiß hat sich indessen als Resultat aller seiner Manöver die c-Linie geholt.} 28.b4 Nf5 29.Rc5 Qa6 30.Qc3 Qe2 {Mit großer Geschicklichkeit hat es Spielmann verstanden, sich unter Ausnutzung der Schutzbedürftigkeit von b2 und späterhin a3 eine Gegenchance (in Form eines Einfalls in das weiße Spiel) zu verschaffen.} 31.Qc2 $3 {Zu dem hierdurch involvierten Bauernopfer hatte sich Weiß nach langem Überlegen entschlossen.} 31...Nxd4 $1 32.Qxe2 ( {Falsch wäre} 32.Nxd4 Qe1+ 33.Kh2 Qxe5+ ) 32...Nxe2+ 33.Kf1 Nf4 {Schwarz hat somit einen Freibauern mehr.} 34.Rc7 b5 ( {Vielleicht war} 34...b6 { vorsichtiger.} ) 35.g3 Nd3 36.Ke2 Nb2 37.Rxa7 {Ein Zug, der tiefe Voraussicht erforderte. Schwarz erhält die c-Linie, indes ist der weiße König so "hemmungstüchtig", daß der anscheinend aufs beste unterstützte d-Bauer doch nicht recht vorwärtskommen kann.} 37...Rc8 38.Nd4 Rc4 39.Nxb5 d4 ( {Auf} 39...Rc2+ 40.Kf1 Nd3 {würde} 41.f4 {folgen.} ) 40.Rc7 d3+ 41. Ke3 ( {Nicht [nach]} 41.Kd2 {wegen} 41...Re4 ) 41...Rg4 42.Rc1 g5 { Spielmann läßt nicht locker!} 43.Nd6 ( {Minder gut wäre} 43.Rb1 {wegen} 43...Nc4+ 44.Kxd3 Nxe5+ 45.Ke2 gxh4 46.gxh4 Rxh4 ) 43...gxh4 44.gxh4 Rxh4 45.Rb1 {Eine elegante Rückkehrbewegung des Turmes Ta7-c7-c1-b1, namentlich wenn man sich vorhält, daß der obligate Gifttropfen keineswegs fehlt, denn die Turmstellung b1 schafft dem b-Bauern die Lust zum Wandern.} 45...Rh3+ 46.Kd2 {Auf Umwegen, man könnte sagen strapaziösen Umwegen, hat der König doch die Blockadestellung erreicht.} 46...Na4 47.b5 Nb6 48.Rb4 ( 48.a4 $2 Nxa4 49.b6 Nxb6 50.Rxb6 Rf3 $1 {etc.} ) 48...Rf3 49.Nc4 {Tod dem Blockeur! } 49...Nd7 ( {Auf} 49...Nxc4+ 50.Rxc4 Rxf2+ 51.Kxd3 Rf3+ 52.Kc2 Rxa3 { wäre der b-Bauer unaufhaltsam vorgedrungen, z. B.} 53.Rc8+ Kg7 54.b6 Ra2+ 55.Kc3 Ra3+ 56.Kc4 Ra4+ 57.Kb5 {und gewinnt.} ) 50.b6 Nc5 51.b7 Rxf2+ {Man beachte, mit welcher Feinheit Schwarz den bereits so gut wie verlorenen Springer bis zu dessen letzten Atemzuge verwertet. Nun kommt es zu einem spannenden Tanz um Bauer d3.} 52.Ke3 Re2+ 53.Kd4 Nxb7 54.Kxd3 $1 {Die Pointe, aber immer noch ist der Gewinn sehr schwierig, da der h-Bauer plötzlich gefährlich wird.} 54...Rg2 55.Rxb7 h4 56.Ne3 Rg5 57.Kd4 h3 58. Rb2 Rh5 59.Rh2 f6 60.Nc4 Kf7 61.a4 ( {Hier wurde die Partie abgebrochen und von Spielmann vor Wiederaufnahme des Kampfes aufgegeben, denn nach} 61.a4 Kg6 62.a5 fxe5+ 63.Kc5 Kf5 64.a6 Rh7 65.Kb6 Kg4 {kommt der Springer mit} 66.Ne3+ {und Sf1 zur rechten Zeit, um den Blockeur auf h2 wirksam unterstützen zu können. Eine durchaus wertvolle Partie.} ) 1-0 [Event "Wettkampf"] [Site "Kolding"] [Date "1923.01.04"] [Round "2"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Brinckmann, Alfred"] [Result "1-0"] [ECO "D40"] [Source "Die Blockade, Partie 6"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.d4 d5 2.Nf3 c5 3.c4 e6 4.e3 Nf6 5.Nc3 Nc6 {Die von mir gern gespielte Normalstellung des Damengambits.} 6.Be2 Bd6 {Der puristisch (= pseudoklassisch geradlinig) empfindende Schachspieler wird Le2 als ein Abirren vom geraden Wege (Ld3!) empfinden. Dem ist aber nicht ganz so, da Le2 zu manchen aus späterem Bauerntausch entstehenden Bauernkonfigurationen besser paßt als Ld3, z.B. wenn d5 isoliert wird.} 7. O-O O-O 8.b3 cxd4 ( {Auch hier wird der Purist seine Unzufriedenheit nicht länger verbergen können, b7-b6 sei richtiger. Indes nach} 8...b6 9.Bb2 Bb7 10.cxd5 exd5 11.dxc5 bxc5 {sind die hängenden Bauern c5, d5 nicht nach jedermanns Geschmack, obzwar ja Tarrasch damit in Petersburg einen - sagen wir - glänzenden Sieg errungen hat.} ) 9.exd4 Ne4 {Garnicht so übel, so wird das Fehlen des Läufers auf d3 immerhin ausgenutzt.} 10.Bb2 Nxc3 11. Bxc3 Ne7 ( {Hier indes war} 11...b6 {besser.} ) 12.c5 Bc7 13.b4 {Die Mehrheit auf der Damenseite, der Schwarz die Mehrheit in der Mitte entgegensetzen möchte.} 13...Ng6 14.Re1 {Das, was man einen feinen Turnierzug nennt, unscheinbar und doch vielseitig; 1. gegen e6-e5 gerichtet, 2. Le2 gegen Sf4 konservierend (Sf4 Lf1).} 14...Bd7 15.b5 Qe7 16.Qd2 $1 Rfc8 ( {Das drohende e6-e5 ist durch 16. Dd2 pariert worden, z.B.} 16...e5 $2 17.dxe5 Qxc5 18.Bb4 ) 17.a4 Kh8 ( {Auf} 17...e5 {wäre} 18.dxe5 Qxc5 19.Bd4 {(Blockade) mit überlegenem Spiel gefolgt.} ) 18.a5 f6 {Von nun ab droht e6-e5 unablässig.} 19.a6 b6 20.c6 Be8 {Weiß hat seine mobile Mehrheit in einen gedeckten Freibauern umgesetzt. Dieser ist indes gestoppt und Weiß hat vorläufig keinen wirklichen Angriffspunkt im feindlichen Lager. Die Verwertung der Majorität ist demnach vielleicht in einem allzu flotten Tempo vor sich gegangen?} 21.Bf1 Bf7 22.h4 Bd6 23.g3 Qc7 24.Bh3 Re8 25.Re3 $1 Nf8 ( {Weiß hat den Durchbruch in feiner Weise kombinatorisch verhindert; falls nämlich nun} 25...e5 {so} 26.h5 Nf8 27. dxe5 fxe5 28.Rae1 d4 29.Nxd4 exd4 30.Qxd4 {und gewinnt.} ) 26.Rae1 Re7 27. Bb4 $1 Rae8 28.Qc3 $1 {Um durch Da3 den Zug Lb4: und so die Beherrschung der Diagonale a3-e7 zu erzwingen.} 28...Bxb4 29.Qxb4 Kg8 ( {e6-e5 verbot sich wegen der Drohrichtung b4-f8, z.B.} 29...e5 30.dxe5 fxe5 31.Nxe5 Rxe5 32.Rxe5 Rxe5 33.Qxf8+ ) 30.Bf5 Bg6 ( {Schwarz hat sich gut verteidigt, nun aber hätte er} 30...e5 {spielen sollen, wahrscheinlich wäre damit Ausgleich zu erzielen gewesen.} ) 31.Bxg6 Nxg6 32.h5 Nf8 33.Nh4 $1 Kf7 ( { Nun würde} 33...e5 {mit} 34.Nf5 {beantwortet werden.} ) 34.Kg2 {Solche kleinen Züge charakterisieren den Meister. Weiß rechnet mit einer eventl. Öffnung der h-Linie und will in diesen Falle kampfbereit sein (Teh1).} 34...g6 {Richtig, das lag in der Luft.} 35.hxg6+ hxg6 36.f4 {Nun erst erscheint die schwarze Bauernmehrheit (in der Mitte) gelähmt.} 36...Qd8 37.Nf3 Qc7 38.Rh1 Kg8 39.Ree1 Rh7 40.Rxh7 Nxh7 41.Rh1 Nf8 42.Rh6 $1 {Um Kg7, was die geplante Entgegenstellung Te8-e7-h7 erschwert, zu veranlassen, z.B. Kg7 Th2 nebst eventl. Doublierung in der h-Linie, vielleicht nach vorhergegangenem Dd2 nebst g3-g4-g5.} 42...Re7 43.Qa3 {Die Gewinnführung ist eine sehr interessante. Sie gipfelt in dem Springeropfer auf . . b6!! Nämlich wie folgt: Weiß spielt seine Dame über c1 nach h1. Vorher indes bringt er g3 nach g5 und erzwingt so das Loch auf e5. Hiernach kann Weiß entweder den Turmtausch oder den Damentausch erzwingen, z.B. 43. Da3 Dd8 44. De1 Dc7 45. g4 Dd6 46. g5 f5. Die so entstandene Stellung ist ohne Dame leicht zu gewinnen, weil der w. Springer nach a4 geht, im letzten Moment geschieht dann Th1-a1 (der schwarze König wird also so lange als möglich am Königsflügel festgehalten) und das intendierte Springeropfer auf b6 entscheidet. Noch leichter geht es bei Damen ohne Türme (denn Schwarz hätte ja durch Th7 Turmtausch jederzeit in seiner Hand), denn da dringt die Dame einfach über e5 im passenden Moment ins Spiel ein. In der Partie geschah indes} 43...Rg7 {worauf Weiß kurzerhand entschied:} 44.Rh8+ $1 Kxh8 45.Qxf8+ Kh7 46.Qxf6 Qe7 47.Ng5+ Kh8 ( {Auf} 47...Kg8 48.Qxe6+ Qxe6 49.Nxe6 ) 48.Qe5 Qc7 49.Qxe6 Qe7 50. Qh3+ {Aufgegeben. Auf Kg8 folgt der Generalabtausch Dc8+ Df8, Df8:+ Kf8:, Se6+, worauf der c-Bauer in die Dame geht. Denken wir uns das in der Note zum 43. Zuge angedeutete Verfahren (g3-g4-g5 zwecks Erzwingung von f6-f5) als geschehen, so ist die sukzessive Lähmung von e6 bezw. von der Zentralmehrheit als lehrreiches Beispiel eines Kampfes gegen Zentralmehrheit anzusprechen. Die Durchbruchskombination auf dem paradoxal wirkenden Feld b6 stempelt die Partie zu einer außerordentlichen Leistung. } 1-0 [Event "II. internationales Schachmeisterturnier"] [Site "Karlsbad"] [Date "1911.09.09"] [Round "15"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Salwe, Georg"] [Result "1-0"] [ECO "C02"] [Source "Die Blockade, Partie 7"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.e4 e6 2.d4 d5 3.e5 {Galt bis dahin als absolut unspielbar. Wie mir später erzählt wurde, habe Salwe nach geschehenem e4-e5 sich dahin geäußert, daß ich wohl geglaubt hätte, eine Turmvorgabepartie zu spielen!! } 3...c5 4.c3 Nc6 5.Nf3 Qb6 6.Bd3 Bd7 ( {Besser wäre vorher zu tauschen: also} 6...cxd4 ) 7.dxc5 Bxc5 8.O-O f6 {Schwarz ist im Begriff, die Zentralbauern des Gegners der Reihe nach wegzufegen, aber zustatten kann ihm das nur unter der Bedingung kommen, wenn er dadurch die Beweglichkeit der eigenen Mitte zu sichern in der Lage wäre; aber dem wird, wie man bald sehen wird, ganz beträchtlich entgegengewirkt.} 9.b4 $1 Be7 10.Bf4 fxe5 11.Nxe5 Nxe5 12.Bxe5 Nf6 ( {Die Pointe liegt darin, daß der Versuch, den blockierenden Le5 durch Lf6 zu neutralisieren, am Schach auf h5 scheitern würde, z.B.} 12...Bf6 13.Qh5+ g6 $2 14.Bxg6+ hxg6 15.Qxg6+ Ke7 16.Bxf6+ Nxf6 17.Qg7+ {Nach 12. ... Sf6 bleibt aber der "Blockadering" vorläufig intakt.} ) 13.Nd2 O-O {Aber wie leicht könnte der bei dem geringsten Nachlassen seitens Weiß gesprengt werden. Beispielsweise 14. Dc2 Sg4! 15. Lh7:+ Kh8 16. Ld4 Dc7 17. g3 e5. Zum Verständnis der Stellung gehört die Erkenntnis, daß zur Blockade wie auch zu jeder anderen Leistung Manöverfreiheit gehöre. Letztere besteht hier in den Punkten d4 und e5, die W. mit Figuren besetzen kann und in den Operationsfeldern c2 und e2 für die Dame. Die Kunst liegt nun in dem ökonomischen Auswerten genannter Punkte.} 14.Nf3 $1 {Verhindert Bb5, denn hierauf geschähe Bd4 Qa6 Bxb5 Qxb5 Ng5 und Be6 fällt.} 14...Bd6 15.Qe2 {Nicht eher als durchaus notwendig hat Weiß die vorläufige Entscheidung zwischen e2 und c2 getroffen: das war das, was ich unter ökonomischem Verwerten verstanden sehen möchte.} 15... Rac8 16.Bd4 {Zur rechten Zeit, denn nun soll Se5 die Blockade erweitern helfen.} 16...Qc7 17.Ne5 Be8 18.Rae1 Bxe5 19.Bxe5 {Der schwarzfeldrige Läufer dominiert.} 19...Qc6 20.Bd4 $1 {Um den nach zwei Seiten schielenden Le8 zur Entscheidung zu zwingen.} 20...Bd7 21.Qc2 $1 {Räumungszug für Te1 und gleichzeitig entscheidende Aufstellung gegen h7.} 21...Rf7 22.Re3 b6 23.Rg3 Kh8 24.Bxh7 $1 e5 ( {Auf} 24...Nxh7 {gewinnt} 25.Qg6 ) 25.Bg6 Re7 26.Re1 Qd6 27.Be3 d4 28.Bg5 {Das freie Zentrum hat hier nicht viel zu bedeuten, denn der Minusbauer und die zwei Läufer sind nicht aufzuwiegen.} 28...Rxc3 29.Rxc3 dxc3 30.Qxc3 Kg8 31.a3 {Nur die Ruhe kann's machen!} 31...Kf8 32.Bh4 Be8 33.Bf5 Qd4 {Es drohte Lg3.} 34.Qxd4 exd4 35.Rxe7 Kxe7 36.Bd3 {Die Blockade!} 36...Kd6 37.Bxf6 gxf6 38.Kf1 Bc6 39.h4 {Aufgegeben. } 1-0 [Event "II. internationales Schachmeisterturnier"] [Site "Karlsbad"] [Date "1911.09.15"] [Round "19"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Löwenfisch, Grigori"] [Result "1-0"] [ECO "C02"] [Source "Die Blockade, Partie 8"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.e4 e6 2.d4 d5 3.e5 c5 4.c3 Nc6 5.Nf3 f6 6.Bb5 Bd7 7.O-O Qb6 ( {Oder} 7...Nxe5 8.Nxe5 Bxb5 9.Qh5+ ) 8.Bxc6 bxc6 9.exf6 Nxf6 10.Ne5 Bd6 11.dxc5 $3 Bxc5 {Nach der Partie erklärte Löwenfisch mir gegenüber, daß ihm meine völlige Aufgabe des Zentrums völlig unbegreiflich gewesen ist.} 12.Bg5 $1 {Die Erklärung. Die nächsten Züge des Nachziehenden sind erzwungen.} 12... Qd8 13.Bxf6 $1 Qxf6 14.Qh5+ g6 15.Qe2 {Nun ist der weiße Plan - Blockade des schwarzen Zentrums - einleuchtend. Es geschah noch:} 15...Rd8 16.Nd2 O-O 17.Rae1 Rfe8 18.Kh1 Bd6 19.f4 {mit Vorteil für Weiß.} c5 20.c4 Bf8 21.cxd5 Bc8 22.Ne4 Qg7 23.dxe6 Bxe6 24.Qa6 Kh8 25.Rd1 Bg8 26.b3 Rd4 27.Rxd4 cxd4 28. Qa5 Rc8 29.Rd1 Rc2 30.h3 Qb7 31.Rxd4 Bc5 32.Qd8 Be7 33.Qd7 Qa6 34.Rd3 Bf8 35.Nf7+ Bxf7 36.Qxf7 Rc8 37.Rd7 1-0 [Event "Internationales Sechsmeister-Turnier"] [Site "Kopenhagen"] [Date "1923.03.10"] [Round "7"] [White "Sämisch, Friedrich"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "E18"] [Source "Die Blockade, Partie 9"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.d4 Nf6 2.c4 e6 3.Nf3 b6 4.g3 Bb7 5.Bg2 Be7 6.Nc3 O-O 7.O-O d5 8.Ne5 c6 ( {Stärker als} 8...Qc8 {was Sämisch als Schwarzer gespielt hatte.} ) 9.cxd5 cxd5 10.Bf4 a6 $3 {Um durch b6-b5 Punkt c4 für den Sb8 einbruchsreif zu machen. Punkt c4 bildet hier den Vorpostenpunkt in der c-Linie.} 11.Rc1 b5 12.Qb3 Nc6 $1 {Droht in beschleunigtem Tempo (Sc6-a5) nach c4 zu wandern. Der Abtausch erscheint demnach hinreichend motiviert.} 13.Nxc6 Bxc6 { Andererseits hat aber Schwarz durch den Abtausch an Zeit profitiert, denn der Temposchlucker Se5 hat sich gegen den so harmlosen Sc6 abtauschen müssen.} 14.h3 Qd7 15.Kh2 Nh5 $1 {Kombiniertes Spiel auf beiden Flügeln. Auf dem Damenflügel allein wäre das Spiel durch Db7 nebst Sf6-d7-b6-c4 fortzuführen gewesen.} 16.Bd2 f5 $1 17.Qd1 b4 $1 18.Nb1 Bb5 19.Rg1 {Man fühlt deutlich, wie Weiß zusammenschrumpft.} 19...Bd6 20.e4 {Die einzige Möglichkeit, sich zu befreien.} 20...fxe4 $1 21.Qxh5 Rxf2 {Die Idee des Opfers ist, daß Weiß, der weder Linien noch Punkte besitzt, vollständig eingeschnürt werden soll. Die Besetzung der feindlichen zweiten Reihe wirkt lähmend, namentlich in Verbindung mit dem postenstehenden Läufer b5 (verhindert Tf1). Andererseits ist der weiße Damenflügel stets indirekt bedroht und das weiße Figurenknäuel unlösbar.} 22.Qg5 Raf8 23.Kh1 R8f5 24. Qe3 Bd3 25.Rce1 h6 $3 {Ein glänzender Zug, der den Zugzwang deklariert Weiß hat keine Züge mehr, auf beispielsweise Kh2 geschieht Tf3, desgl. auf g3-g4. Dieser ungewöhnlich glänzende Zugzwangsapparat stempelt die Partie, die Dr. Lasker in einem holländischen Blatt als prachtvolle Leistung bezeichnet hat, zu einem Seitenstück der "Unsterblichen Partie". Dort die Maximalwirkung des "Opfers", hier die des "Zugzwanges".} 0-1