[Event "?"] [Site "?"] [Date "1900.??.??"] [Round "?"] [White "NN"] [Black "Jacobson, Karl"] [Result "0-1"] [ECO "D08"] [Source "Die Praxis meines Systems, Abschnitt 2, Einleitung"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1. d4 d5 2. c4 e5 3. dxe5 d4 4. a3 Bf5 5. e3 c5 6. exd4 Nc6 $1 {Ein ganz überraschendes "Bauernopfer auf Blockade"} 7. d5 Nxe5 8. Nf3 Bd6 9. Be2 Ne7 10. O-O Qc7 $1 {der weiße Mehrbauer ist vorläufig nicht aktiv, die zentralisierte schwarze Armee aber bildet eine treffliche Grundlage für eine langsam aber sicher durchzuführende Einschnürung} 11. Nxe5 Bxe5 12. f4 {so hat nun also die Zentralwirkung d6-h2 zu einer Auflockerung der weißen Stellung geführt} Bd4+ 13. Kh1 O-O-O 14. Nc3 a6 ({noch besser erscheint} 14... Bxc3 {nebst Td6; der Angriff in der b-Linie wäre dann durch b7-b6 nebst a7-a5 auf a3-a4 leicht abzuwehren gewesen}) 15. g4 ({besser} 15. Bd2 {nebst b4}) 15... Bxc3 16. bxc3 Be4+ 17. Bf3 Bxf3+ 18. Qxf3 f5 $1 19. h3 g6 ({Zeitverlust, g4xf5 war ohnehin nicht zu befürchten, sofortiges} 19... Kb8 {kam in Betracht}) 20. Be3 Kb8 $1 { Platz für den Blockeur! Der Springer strebt nämlich nach d6} 21. Rab1 ({besser } 21. Qf2) 21... Nc8 22. Rb3 Nd6 {die weiße Stellung macht nun einen recht hilflosen Eindruck, die "weißen" Punkte c4 und e4 sind schwach, und Bd5, und mit ihm die Schräge f3-b7, erscheint blockiert} 23. Rfb1 Ka8 24. Rb6 Rhe8 25. Qf2 Rxe3 $1 26. Rxd6 Rde8 27. Rdb6 Re2 28. Qf1 Qe7 29. R6b2 Qe4+ 30. Kg1 Qd3 { Aufgegeben} 0-1 [Event "III. internationales Schachmeisterturnier"] [Site "Karlsbad"] [Date "1923.05.10"] [Round "10"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Bernstein, Jacob"] [Result "1-0"] [ECO "D37"] [Source "Die Praxis meines Systems, Abschnitt 2.3, Einleitung"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1. Nf3 Nf6 2. d4 d5 3. c4 e6 4. Nc3 Be7 5. e3 O-O 6. a3 a6 7. c5 c6 8. b4 Nbd7 9. Bb2 Qc7 10. Qc2 e5 11. O-O-O $1 e4 {zu einer Stellung, in der Weiß am Damenflügel, Schwarz dagegen am Königsflügel die ideelle Mehrheit besitzt. Weshalb? Weil Bauer e5 "mehr" ist als Bauer e3 und Bauer c5 andererseits mehr ist als Bc6. Ließe man den Schwarzen gewähren, so ginge er mit gelegentlichem f5, g5, f4 zu einem Angriff über, der an Vehemenz nicht sehr hinter einem Ansturm einer wirklichen Mehrheit zurückstehen dürfte. Wie bei diesem droht auch hier Keilbildung (durch f4-f3) und Linienöffnung (durch f4xe3) mit nachfolgender evtl. Eroberung des "seitlich" (nicht frontal) bloßgelegten Bauern e3. Indes die Mehrheit als solche erkennen, heißt etwas gegen sie unternehmen. Es geschah demgemäß} 12. Nh4 $1 Nb8 {um Nf5 zu verhindern} 13. g3 $1 Ne8 14. Ng2 $1 {und der anscheinend marschbereite Königsflügel des Schwarzen ist gelähmt. Nach einigen weiteren Zügen hatte sich die Hemmung zur Blockade (durch Nf4) verdichtet!} 14... f5 15.h4 Bd8 16. a4 b6 17.b5 Nf6 18.Nf4 axb5 19.axb5 Qf7 20.Be2 Bc7 21.cxb6 Bxf4 22.gxf4 Bd7 23.Kd2 cxb5 24.Ra1 Nc6 25.Bxb5 Na5 26.Be2 Rfb8 27.Na4 Bxa4 28.Rxa4 Rxb6 29.Bc3 Nb3+ 30.Qxb3 Rxb3 31.Rxa8+ Ne8 32.Bd1 Rxc3 33.Kxc3 Qc7+ 34.Kd2 Kf7 35.Bh5+ g6 36.Rha1 Qb6 37.Be2 Kg7 38.Ke1 Nc7 39.R8a5 Kh6 40.Kf1 Qb3 41.h5 Ne8 42.Ra6 Qb2 43.hxg6 hxg6 44.R6a2 Qb7 45.Ra7 Qb2 46.Kg2 Nf6 47. Rh1+ Nh5 48.Bxh5 gxh5 49.Rha1 1-0 [Event "Jubiläumsturnier der Berliner Schachgesellschaft"] [Site "Berlin"] [Date "1928.02.11"] [Round "6"] [White "Tartakower, Savielly"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "1/2-1/2"] [ECO "E30"] [Source "Die Praxis meines Systems, Abschnitt 2.4, Einleitung"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1. d4 Nf6 2. c4 e6 3. Nc3 Bb4 4. Bg5 Bxc3+ 5. bxc3 Qe7 6. Qc2 d6 7. e4 e5 8. Bd3 h6 9. Be3 O-O 10. Ne2 {oder auch Sf3 á la Nr. 33} Nc6 11. d5 {Dazu lag keine objektive Veranlassung vor, die geringfügige Drohung ed cd Nb4 konnte auch durch 11. Rb1 pariert werden.} 11... Nb8 12.O-O Na6 13.h3 Nc5 14.Bxc5 dxc5 15.f4 exf4 16.Nxf4 Nd7 17.Rf2 Ne5 18.Raf1 Bd7 19.Qd2 Rfe8 20.Be2 Qg5 21.Kh2 b6 22.g4 Ng6 23.Bd3 Ne5 24.Be2 Ng6 25.Bd3 Ne5 1/2-1/2 [Event "Imperial Chess Club"] [Site "London"] [Date "1927.11.??"] [Round "?"] [White "Morrison, John Harald"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "*"] [ECO "C00"] [Source "Die Praxis meines Systems, Abschnitt 2.4, Einleitung"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1. e4 e6 2. g3 d5 3. Nc3 Nc6 4. exd5 exd5 5. d4 Bf5 6. a3 Qd7 7. Bg2 O-O-O 8. Nge2 Nce7 $1 9. Nf4 Nf6 10. h3 h5 11. Nd3 Ne4 12. Be3 Nxc3 $1 13. bxc3 Nc6 14. Nb4 Be6 15. Qe2 Na5 * [Event "Jubiläumsturnier der Berliner Schachgesellschaft"] [Site "Berlin"] [Date "1928.02.??"] [Round "5"] [White "Leonhardt, Paul Saladin"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "*"] [ECO "C01"] [Source "Die Praxis meines Systems, Abschnitt 2.4, Einleitung"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1. e4 e6 2. d4 d5 3. Nc3 Bb4 4. exd5 exd5 5. Bd3 Nc6 6. Nge2 Nge7 7. O-O O-O 8. Bf4 Bg4 9. h3 Bh5 10. Qc1 Ba5 $1 {Falls nun} 11. a3 {(um Sb4 zu verhindern), so } Bxc3 12. bxc3 Na5 {und Schwarz hat durch die doppelte Läuferbewegung den Erfolg erzielt, daß der feindliche a-Bauer näher gebracht worden ist (auf a2 wäre der Bauer weniger leicht anzugreifen gewesen} * [Event "Imperial Chess Club"] [Site "London"] [Date "1927.11.??"] [Round "?"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Morrison, John Harald"] [Result "1-0"] [ECO "A01"] [Source "Die Praxis meines Systems, Abschnitt 2.5, Einleitung"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1. b3 g6 2. Bb2 Nf6 3. g3 Bg7 4. Bg2 d6 5. d4 O-O 6. c4 Nc6 ({ein gewaltsamer Versuch, Schwarz opfert zwei volle Tempi, nur um d4-d5 und somit eine Versteifung des Bauernskelettes zu erzielen, viel solider erschiene aber} 6... Nbd7) 7. d5 Nb8 8. Nc3 Nbd7 {um a5 nebst Sc5 zu spielen; Burns Stratagem} 9. Nf3 a5 10. Na4 ({und nun konnte Weiß durch} 10. O-O Nc5 11. Nd4 e5 12. dxe6 fxe6 {ein gar trefflich zentralisiertes Spiel erhalten, wobei die schwarzen Tempoverluste stark ins Gewicht fallen würden.}) 10... e5 11. dxe6 fxe6 12. O-O Qe7 13. Ne1 e5 {ein ausgezeichnetes Spiel, das er am besten durch 14. Sc2 und 15. Se3 fortgesetzt hätte.} 14.Nc2 Kh8 15.e4 Nh5 16.Ne3 Ndf6 17.Nd5 Nxd5 18.exd5 Bd7 19.Nc3 Nf6 20.a4 Bg4 21.f3 Bd7 22.Qd2 b6 23.Rae1 Qd8 24.f4 exf4 25.Rxf4 Bf5 26.Nb5 Qd7 27.Nd4 Rae8 28.Nxf5 gxf5 29.Ref1 Bh6 30.Bh3 Qe7 31.Bd4 Bxf4 32.Qxf4 Qe4 33.Qd2 c5 34.dxc6 Qxc6 35. Qh6 d5 36.Bxf5 Rf7 37.Bxh7 Rxh7 38.Bxf6+ 1-0 [Event "Internationales Meisterturnier des British Empire Club"] [Site "London"] [Date "1927.10.12"] [Round "3"] [White "Fairhurst, William Albert"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "E11"] [Source "Die Praxis meines Systems, Abschnitt 2.5, Einleitung"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1. d4 e6 2. c4 Nf6 3. Nf3 Bb4+ 4. Bd2 Qe7 5. g3 Bxd2+ 6. Nbxd2 d6 7. Bg2 O-O 8. O-O h6 $1 ({Schwarz läßt sich Zeit, denn e6-e5 läuft ja nicht davon, auch könnte auf sofortiges} 8... e5 {die Öffnung des Spieles mittels} 9. dxe5 dxe5 10. Qc2 {nebst eventuell Sf3-g5-e4 die für Schwarz nicht ganz angenehme Antwort sein}) 9. Qc2 Re8 10. e4 e5 $1 {erst jetzt, nachdem Weiß sich um das Figurenfeld e4 gebracht hat, erhielt dieser Zug Blockierungswert} 11. d5 ({ besser wäre allerdings} 11. Rfe1 Nc6 12. Qc3 {aber auch in diesem Fall stände Schwarz nicht schlecht}) 11... a5 {mit Punkt c5 (Sb8-a6-c5) als Basis der kommenden Blockierungsoperationen.} 12.a3 a4 13.c5 dxc5 14.Nc4 Nfd7 15.Rad1 b5 16.d6 Qe6 17.dxc7 Qxc4 18.cxb8=Q Rxb8 19.Qxc4 bxc4 20.Rd5 Rxb2 21.Rc1 f6 22.Bf1 Nb6 23.Rxc5 Be6 24.Rc6 Bf7 25.Nd2 Rxd2 26.Rxb6 Red8 27.Rb4 Ra2 28.Rb7 Rc8 29.Rd1 c3 30.Rdd7 Bb3 31.Rxg7+ Kf8 32.Rg6 Rc6 33.Rxh6 Rb2 34. Ra7 Bg8 35.Rh8 c2 36.Ra8+ Ke7 37.Ra7+ Kd6 38.Rxg8 c1=Q 39.Rd8+ Kc5 40.Rdd7 Qe1 0-1 [Event "Jubiläumsturnier der Berliner Schachgesellschaft"] [Site "Berlin"] [Date "1928.02.16"] [Round "10"] [White "Steiner, Lajos"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "1-0"] [ECO "C17"] [Source "Die Praxis meines Systems, Abschnitt 2.6, Einleitung"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1. e4 e6 2. d4 d5 3. Nc3 Bb4 4. e5 c5 {eine, wie sich bald zeigt, nicht ernst gemeinte Anrempelung, denn der Bauer geht bald friedlich seines Weges} 5. Bd2 Ne7 6. a3 Bxc3 7. bxc3 c4 $2 8. h4 h5 9. Be2 $1 Nf5 10. g3 $1 g6 11. Bg5 Qa5 12. Qd2 {die Läuferschräge wirkt erdrückend, die Gegenblockade durch Sf5 aber erweist sich bald als unhaltbar} Nc6 13. Bf6 Rg8 14. Nh3 Kd7 15. Ng5 Nh6 16. f3 Kc7 17. g4 Re8 18. Bg7 Ng8 {und Schwarz ist vollständig zurückgeworfen. Nach} 19. gxh5 gxh5 20. f4 {war meine Stellung nicht mehr zu halten.} 20. ... Nce7 21.Bxh5 Nf5 22.Bxf7 Nxg7 23.Bxe8 Nxe8 24.Nf7 Ngf6 25.exf6 Nxf6 26.Ng5 Nh5 27.Qe3 Bd7 28.Qe5+ Kb6 29.Qd6+ Bc6 30.Kd2 a6 31.Nxe6 Ka7 32.Rag1 Re8 33.Rg6 Rc8 34.Rhg1 Qb5 35.Qb4 Rh8 36.Qxb5 axb5 37.f5 Rh7 38.f6 Be8 39.Ng5 Rc7 40.Rh6 1-0 [Event "Großmeisterturnier"] [Site "New York"] [Date "1927.03.13"] [Round "15"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Capablanca, José Raúl"] [Result "0-1"] [ECO "B12"] [Source "Die Praxis meines Systems, Abschnitt 3, Einleitung"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1. e4 c6 2. d4 d5 3. e5 {führt zu gutem Ausgleich} Bf5 4. Bd3 Bxd3 5. Qxd3 e6 6. Nc3 Qb6 7. Nge2 c5 8. dxc5 Bxc5 9. O-O Ne7 10. Na4 Qc6 11. Nxc5 Qxc5 12. Be3 Qc7 13. f4 ({gut war auch} 13. Nd4 {um Sf5 zuvorzukommen}) 13... Nf5 14. c3 { damit setzt die systematische Überdeckung des Punktes d4 ein, der dieser konzentrierten Aufmerksamkeit durchaus würdig erscheint; denn d4 ist ein zentral gelegenes Blockadefeld und - nicht genug damit - auf d4 hatten wir einst einen Bauern stehen, der die Basis einer stolzen Kette bildete. Und wenn Bauer d4 auch längst verschwunden ist, und wenn des weiteren die Kette sich nunmehr auf Bf4 stützt, so ist der Glanz und die immense Bedeutung des Punktes d4 immer noch fast unverändert. Daraus geht hervor, daß die Gruppierung der eigenen Figuren um Punkt d4 von ungeheuer konsolidierendem Wert sein muß.} ({ Zugegeben, es waren auch andere Spielweisen möglich, zum Beispiel:} 14. Rac1 { (statt 14. c3) nebst c4. Aber was würde dies beweisen? Eben nur, daß die Uberdeckung hier nicht das einzig mögliche Stratagem bildet}) 14... Nc6 15. Rad1 g6 16. g4 ({erst hierin liegt der Fehler. Nach} 16. Bf2 h5 17. g3 {wäre Schwarz um eine rechte Fortsetzung verlegen}) 16... Nxe3 17. Qxe3 h5 18. g5 O-O 19. Nd4 (19. Qc5 Rfc8 20. Nd4 Ne7 (20... Qd8 21. Qb5) 21. Qxc7 {nebst Kg1-f2-e3-d3 mit sicherem Spiel}) 19... Qb6 {und Schwarz kam durch Spiel in der c-Linie, kombiniert mit Besetzung des Punktes f5, in Vorteil. Statt 19. Sd4 hätte Dc5 geschehen sollen, zum Beispiel: [siehe Variante nach 19. Sd4]} 20.Rf2 Rfc8 21.a3 Rc7 22.Rd3 Na5 23.Re2 Re8 24.Kg2 Nc6 25.Red2 Rec8 26.Re2 Ne7 27.Red2 Rc4 28. Qh3 Kg7 29.Rf2 a5 30.Re2 Nf5 31.Nxf5+ gxf5 32.Qf3 Kg6 33.Red2 Re4 34.Rd4 Rc4 35.Qf2 Qb5 36.Kg3 Rcxd4 37.cxd4 Qc4 38.Kg2 b5 39.Kg1 b4 40.axb4 axb4 41.Kg2 Qc1 42.Kg3 Qh1 43.Rd3 Re1 44.Rf3 Rd1 45.b3 Rc1 46.Re3 Rf1 0-1 [Event "Großmeisterturnier"] [Site "New York"] [Date "1927.03.02"] [Round "9"] [White "Spielmann, Rudolf"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "B00"] [Source "Die Praxis meines Systems, Abschnitt 3, Einleitung"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1. e4 Nc6 2. Nf3 e6 3. d4 d5 4. e5 b6 5. c3 Nce7 6. Bd3 a5 7. Qe2 Nf5 { Prototyp meiner Berliner Partie gegen Sämisch, siehe Nr. 13} 8. h4 h5 9. Ng5 g6 ({die falsche Überdeckung, welcher wichtige Umstand den Kritikern leider völlig entgangen ist. Die rechte bestand in sofortigem Sge7; Weiß käme dann nicht zur Ausführung des Textmanövers. Sb1-d2-f1 nebst f3 und g4, zum Beispiel: } 9... Nge7 10. Nd2 c5 {und die Kettenbasis d4 hängt}) 10. Nd2 Nge7 ({jetzt wäre} 10... Be7 {besser gewesen, denn die Überdeckung ist hier insofern zwecklos, als f3 plus g4 eben doch nicht zu verhindern ist}) {es folgte:} 11. Nf1 c5 12. f3 c4 13. Bc2 b5 14. g4 Ng7 {und Weiß stand besser (wenn er auch später durch Überstürzung des Angriffs verlor).} 15.Ng3 Nc6 16. Qg2 Be7 17.gxh5 gxh5 18.Rg1 Ra7 19.Nxf7 Kxf7 20.Nxh5 Bxh4+ 21.Ke2 Nxh5 22. Bg6+ Ke7 23.Bxh5 Kd7 24.Qg7+ Be7 25.Bf7 Rh2+ 26.Kd1 Kc7 27.Bf4 Rxb2 28.Qh7 Kb6 29.Rg8 Qc7 30.Qh8 Nd8 31.Bg6 Rg2 32.Qh1 Rxg6 33.Rxg6 b4 34.Rg7 Qc6 35. Qh8 Qa4+ 36.Ke1 Nc6 37.Qxc8 Bh4+ 38.Bg3 Rxg7 39.Bxh4 Qc2 40.Bd8+ Nxd8 41. Qb8+ Nb7 0-1 [Event "II. internationales Schachmeisterturnier"] [Site "Karlsbad"] [Date "1911.08.29"] [Round "7"] [White "Cohn, Erich"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "D30"] [Source "Die Praxis meines Systems, Abschnitt 4, Einleitung"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1. d4 d5 2. Nf3 e6 3. c4 c5 4. e3 Nf6 5. Bd3 Bd6 6. O-O O-O 7. a3 cxd4 $1 8. exd4 dxc4 9. Bxc4 Nc6 10. Nc3 b6 11. Bg5 Bb7 12. Qe2 h6 $1 13. Be3 Ne7 14. Ne5 {ein Versuch, die dynamische Kraft des Isolani zur Geltung zu bringen, der spielend widerlegt wird} Ned5 15. Nxd5 Nxd5 16. Qh5 Bxe5 17. Qxe5 Nf6 18. Rfe1 Bd5 19. Bd3 Rc8 20. Rac1 Ng4 21. Qg3 Nxe3 22. fxe3 Qd7 {das Bauernpaar d4 e3 ist wenig imponierend} 23. Ba6 Rxc1 24. Rxc1 Qa4 25. Bf1 Qb3 26. Qf2 f5 27. Qd2 Rf7 28. Qc3 Qa4 29. g3 Kh7 30. Bg2 Qb5 31. Bxd5 exd5 {und Schwarz "massierte" den e-Bauern und späterhin auch den g-Bauern (denn Weiß mußte h2-h4 spielen) 70 (!) Züge lang und gewann. Die Schlußphase bringen wir unter "Lavierungstechnik".} 32.Qd2 Qb3 33.Qc3 Qb5 34. Qd2 Qb3 35.Qc3 Qb5 36.Qd2 Re7 37.Qc2 Qd7 38.Qd3 Re4 39.Kf2 Qe6 40.Rf1 Qg6 41.Kg2 Qe6 42.Kf2 Qg6 43.Kg2 Qe6 44.Kf2 Kg6 45.Rc1 Kh7 46.Rc2 Qg6 47.Kg2 Qg5 48.Rf2 Qg6 49.Qe2 Qe6 50.Qf3 Kg6 51.Re2 Kh7 52.Kf2 Qc8 53.Kg2 Qe6 54. Kf2 Qg6 55.Kg2 Qg5 56.Kf2 Qf6 57.Kg2 Qg5 58.Kf2 Qg6 59.Kg2 Qe6 60.Kf2 Qc8 61.Kg2 Qe6 62.Kf2 Qc8 63.Kg2 a5 64.h4 Kg6 65.Kh2 h5 66.Kg2 Kh6 67.Rf2 g6 68.Rf1 Kg7 69.Rf2 Kf7 70.Kh2 Ke7 71.Re2 Qc1 72.Qf2 Kd7 73.Re1 Qc6 74.Kg2 Rg4 75.Rf1 Qc7 76.Qf3 Kc8 77.Qf2 Kb8 78.Kh3 Ka7 79.Rg1 Qd7 80.Kh2 Qd6 81. Kh3 Qc6 82.Re1 Qe6 83.Kh2 Qe4 84.Kh3 Qe6 85.Kh2 Qe7 86.Kh3 Qe4 87.Rg1 Qe6 88.Kh2 Re4 89.Rc1 Rxe3 90.Qf4 Re2+ 91.Kh3 Ka6 92.b4 axb4 93.axb4 Kb5 94. Rc7 Qe4 95.Qxe4 Rxe4 96.Rg7 Re6 97.Rd7 Kc4 98.Kg2 Kxd4 99.Kf3 Kc4 100.b5 d4 0-1 [Event "Schachturnier"] [Site "Kopenhagen"] [Date "1922.12.04"] [Round "3"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Gemzøe, Jacob Erhard"] [Result "1-0"] [ECO "D40"] [Source "Die Praxis meines Systems, Abschnitt 4, Einleitung"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1. e3 d5 2. c4 e6 3. Nf3 Nf6 4. d4 c5 5. Nc3 Nc6 6. Be2 Be7 7. O-O O-O 8. dxc5 Bxc5 9. cxd5 exd5 10. b3 Be6 11. Bb2 Rc8 12. Rc1 Qe7 13. Nb5 Rfd8 14. Nfd4 a6 15. Nxc6 Rxc6 16. Nd4 Rc7 17. Qd3 Rdc8 18. Nf5 Qd8 19. Rfd1 Bf8 20. Rxc7 Rxc7 21. Ng3 $1 {man beachte hier den geringen Wert der "dynamischen" Trümpfe, nämlich der schwarzen c-Linie: im Vordergrund alles Geschehens steht vielmehr der statisch schwächliche Isolani. Durch die Langsamkeit der weißen Springermanöver wird eben skizzierter Sachverhalt noch besonders betont} Be7 22. Bf3 Rd7 23. Ne2 Ne4 {diese "dynamische" Freude erweist sich als von kurzer Dauer} 24. Nf4 Bf6 {was sonst?} 25. Nxe6 fxe6 26. Bxe4 Bxb2 27. Bxh7+ {und gewann nach langwierigem Endspiel.} 1-0 [Event "Meisterturnier"] [Site "Göteborg"] [Date "1920.08.16"] [Round "10"] [White "Rubinstein, Akiba"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "1-0"] [ECO "A40"] [Source "Die Praxis meines Systems, Abschnitt 4, Einleitung"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1. d4 e6 2. c4 b6 3. Nf3 Bb7 4. g3 Bb4+ 5. Bd2 Bxd2+ 6. Qxd2 Ne7 7. Nc3 d5 8. cxd5 exd5 9. Bg2 c5 10. dxc5 bxc5 11. O-O Nd7 12. Rfd1 O-O 13. Ne1 Nb6 14. Nd3 Qd6 15. Nf4 Qf6 $2 ({der Fehltritt;} 15... Qe5 {war geboten, weshalb, zeigt die nächste Note}) 16. b3 {nun geht Td8 wegen der Antwort e4 und falls d4, so e5! mit Gewinn des Läufers b7 nicht an, es folgte daher:} c4 {die Folge war:} 17. bxc4 Nxc4 18. Qd4 Qxd4 19. Rxd4 Nb6 20. Ncxd5 {und Rubinstein siegte nach erfolgtem Abtausch der Leichtfiguren in einem klassisch durchgeführten Turmendspiel.} 20. ... Bxd5 21. Nxd5 Nexd5 22.Bxd5 Nxd5 23.Rxd5 Rfe8 24.e3 Re6 25.a4 g6 26.Rad1 Kg7 27.Rd8 Rxd8 28.Rxd8 Kf6 29.Kf1 Ra6 30.Rd4 Ke6 31.Ke2 Rb6 32.g4 Rb2+ 33.Kf3 Ra2 34.g5 Ke7 35.h4 Ke6 36.Rf4 Ke7 37.Kg3 Kf8 38.h5 Ra1 39.hxg6 hxg6 40.Re4 Ra2 41.f3 Ra1 42.Kf4 Rc1 43.Rb4 a5 44.Re4 Rc3 45.Kg3 Ra3 46.f4 Ra1 47.Kf2 Ra2+ 48.Kf3 Ra3 49.Ke2 f6 50.gxf6 Kf7 51.Rc4 Kxf6 52.Kf3 Ke6 53.Ke4 Kd6 54.Kd4 Ra1 55.e4 Rd1+ 56.Ke3 Re1+ 57.Kf3 Rf1+ 58.Kg4 Rg1+ 59.Kh4 Rb1 60. Kg5 Rb4 1-0 [Event "24. DSB-Kongreß"] [Site "Breslau"] [Date "1925.07.19"] [Round "1"] [White "Grünfeld, Ernst"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "1/2-1/2"] [ECO "E15"] [Source "Die Praxis meines Systems, Abschnitt 6.2, Einleitung"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1. d4 Nf6 2. c4 e6 3. Nf3 b6 4. g3 {und nun} Ba6 $1 {Die Idee war folgende: 3. . .. b6 "drohte" Zentralisierung durch Lb7; um dieses Drohspiel zu entkräften, zog Weiß g3 (mit der Absicht Lg2), ließ aber gleichzeitig Bc4 nur schwach gedeckt zurück. Damit war für den Nachziehenden das Signal zu einem gegen Bauer c4 zu richtenden Angriff gegeben. Es folgte} 5. Qa4 c6 6. Bg2 b5 7. cxb5 cxb5 8. Qd1 Bb7 {und Schwarz erreichte nach geglückter Beseitigung des Bc4 ein mindestens gleiches Spiel} 9. O-O Be7 10. Nbd2 O-O 11. Nb3 {und nun mußte Lc6 - um a4 zu verhindern - geschehen sein.} 11. ... d6 12.a4 b4 13.a5 Bd5 14.Ne1 Bxb3 15.Qxb3 d5 16.Qa4 Qd7 17.Nd3 Nc6 18.Bg5 Qb7 19.e3 Rfc8 20.Rfc1 h6 21.Bxf6 gxf6 22.Nc5 Bxc5 23.Rxc5 a6 24.Rac1 Ne7 25.Bf1 Rxc5 26.Rxc5 f5 27.Qc2 Ra7 28.Bd3 Kg7 29.Qd1 Qb8 30.Qf3 Qd6 31.g4 fxg4 32.Qxg4+ Ng6 33.Qg3 Qxg3+ 34.hxg3 Ne7 35. Kf1 Kf8 36.Ke2 Ke8 37.Kd2 Kd7 38.Kc2 Kd6 39.Kb3 Nc6 40.Rc1 Nxa5+ 41.Kxb4 Nc6+ 42.Ka3 Rc7 43.Rh1 a5 44.Rxh6 Nb4 45.Bb5 Rc2 46.Rh2 Kc7 47.Kb3 Kb6 48. Bf1 Rd2 49.Kc3 Rc2+ 50.Kb3 Rd2 1/2-1/2 [Event "Internationales Meisterturnier"] [Site "Semmering"] [Date "1926.03.20"] [Round "10"] [White "Grünfeld, Ernst"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "1-0"] [ECO "E15"] [Source "Die Praxis meines Systems, Abschnitt 6.2, Einleitung"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1. d4 Nf6 2. c4 e6 3. Nf3 b6 4. g3 Be7 5. Bg2 O-O 6. O-O Ba6 $1 7. Nbd2 c6 8. b3 d5 9. Bb2 Nbd7 10. Rc1 Rc8 11. Qc2 c5 {mit Vollentwicklung.} 12.Qb1 dxc4 13.Nxc4 cxd4 14.Nxd4 Bxc4 15. bxc4 Bc5 16.Rfd1 Qc7 17.e3 h5 18.Qc2 Rfd8 19.Nc6 Re8 20.Qa4 a5 21.Nd4 Ne5 22.Nb5 Qb8 23.Na7 Qxa7 24.Bxe5 b5 25.Qxb5 Red8 26.Bxf6 gxf6 27.Qb7 Qxb7 28.Bxb7 Rxd1+ 29.Rxd1 Rc7 30.Bf3 Bf8 31.Bxh5 a4 32.Rc1 f5 33.Kf1 Bc5 34. Bf3 Ba3 35.Rc2 Kg7 36.Ke2 Kf6 37.Kd3 Rd7+ 38.Ke2 Rc7 39.Bg2 Bb4 40.f4 a3 41.e4 e5 42.fxe5+ Kxe5 43.exf5 Kxf5 44.Kd3 Bc5 45.Re2 f6 46.Bd5 Bg1 47. Be6+ Kg6 48.h4 f5 49.g4 fxg4 50.Bxg4 Bc5 51.Re6+ Kf7 52.Re5 Kf6 53.Rd5 Rc6 54.Rf5+ Kg7 55.Bf3 Rc8 56.h5 Be7 57.Bd5 Kh6 58.Bf3 Rb8 59.Re5 Rd8+ 60.Kc2 Bg5 61.Re6+ Kh7 62.Be4+ Kh8 63.c5 Rd2+ 64.Kb3 Rb2+ 65.Kxa3 Bc1 66.c6 Kg7 67.Rg6+ Kf7 68.Rg1 Rc2+ 69.Kb3 Rc5 70.Kb4 Be3 71.Re1 Bd4 72.h6 1-0 [Event "Internationales Schachmeisterturnier"] [Site "Karlsbad"] [Date "1907.09.16"] [Round "20"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Tschigorin, Michail"] [Result "1-0"] [ECO "D02"] [Source "Die Praxis meines Systems, Abschnitt 6.3, Einleitung"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1. d4 d5 2. Nf3 Bg4 3. Ne5 Bf5 4. c4 e6 5. Nc3 ( 5. Qb3 Nc6 $1 )5... c6 6. Qb3 Qb6 7. Bf4 $1 Nf6 8. c5 Qxb3 9. axb3 Nbd7 10. b4 Nh5 11. Nxd7 Kxd7 12. Bd2 { Weiß denkt gar nicht daran, e6-e5 zu verhindern} 12... Be7 13. b5 Nf6 14. e3 e5 { und wenn schon!} 15. Be2 Ne8 ( { Nun verliert er gar einen Bauern. Der durch e6-e5 eingeleitete Angriff wäre allenfalls (statt 15. ... Ne8) durch } 15... e4)( { oder } 15... exd4 { fortzusetzen gewesen, doch hätte dies die gegnerische Zentralsituation natürlich keineswegs zu erschüttern vermocht. Nach 15. ... Ne8? geschah} )16. bxc6+ bxc6 17. dxe5 $1 ( 17. dxe5 { und} 17... Bxc5 { verbietet sich wegen} 18. Na4 { mit Qualitätsgewinn (Nb6+).} )17... Nc7 18. Na4 Rhb8 19. O-O f6 20. exf6 Bxf6 21. Bc3 Bc2 22. Rfc1 Bb3 23. Bxf6 gxf6 24. Nc3 Rb4 25. Bd3 h6 26. Ne2 a5 27. Bf5+ Ke8 28. Nd4 Ba4 29. b3 Bb5 30. Ra3 a4 31. Rca1 Ra6 32. bxa4 Rbxa4 33. Rxa4 Rxa4 34. Rxa4 Bxa4 35. Bd3 Kd7 36. Kf1 Bb5 37. Bxb5 cxb5 38. Ke2 b4 39. Kd2 Na6 40. c6+ Kd6 41. Kc2 Kc5 42. Kb3 Kb6 43. g4 Nc5+ 44. Kc2 Ne4 45. f3 Nd6 46. Kb3 Nc4 47. Kxb4 Nxe3 48. Kc3 Nc4 49. Kd3 Ne5+ 50. Ke3 Nxc6 51. Nxc6 Kxc6 52. Kd4 Kd6 53. f4 Ke6 54. Kc5 f5 55. h3 fxg4 56. hxg4 d4 57. Kxd4 Kd6 58. f5 1-0 [Event "Internationales Meisterturnier"] [Site "Semmering"] [Date "1926.03.22"] [Round "12"] [White "Vidmar, Milan"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "1-0"] [ECO "E11"] [Source "Die Praxis meines Systems, Abschnitt 6.4, Einleitung"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1. d4 Nf6 2. c4 e6 3. Nf3 Bb4+ 4. Bd2 Qe7 5. e3 Bxd2+ 6. Nbxd2 d6 7. Qc2 c5 8. g3 b6 9. Bg2 Bb7 10. O-O Nc6 $1 {obgleich e3-e4 an und für sich nicht zu fürchten ist, denn hierauf könnte stets cd Sd4: mit erreichter Paulsen-Stellung folgen, will Schwarz doch lieber präventiv wirken} 11. a3 O-O 12. Rad1 Rfd8 13. Rfe1 Rac8 14. Nb3 cxd4 15. exd4 Nb8 $1 {die Manöver in der inneren Linie nehmen nun ihren Anfang} 16. Nfd2 Bxg2 17. Kxg2 Qb7+ 18. Kg1 Rc7 ({schlecht wäre} 18... d5 19. c5) ({oder} 18... b5 19. c5) 19. Qd3 Nbd7 20. f4 g6 21. Rc1 Rdc8 22. h3 h5 {Präventivzug gegen g4} 23. Rc3 d5 $1 {und Schwarz erhielt das etwas bessere Spiel} 24. cxd5 Rxc3 25. bxc3 Qxd5 26. c4 Qd6 {und die Hängebauern c4 und d4 machen keinen besonders vertrauenerweckenden Eindruck } 27.Qf3 Kg7 28.Kg2 Qxa3 29.Ra1 Qb2 30.Rb1 Qc2 31.Rc1 Qf5 32.Re1 Rd8 33.Qc3 h4 34.d5 hxg3 35.Nd4 Qxf4 36.Rf1 Qd6 37.Ne4 Qc7 38.Nxf6 Nxf6 39.Nb5 Qe7 40.d6 Qf8 41.Qxf6+ Kg8 42.Rf4 Rd7 43.Rh4 Qg7 44.Qxg7+ Kxg7 45.Rd4 a6 46.Nc7 Kf6 47. Rd1 Ke5 48.Ne8 a5 49.Kxg3 a4 50.Kg4 a3 51.Ra1 Kd4 52.Nf6 Rxd6 53.Rd1+ Kxc4 54.Rxd6 a2 55.Rc6+ Kb5 56.Rc1 Ka4 57.Nd7 b5 58.Nc5+ Ka3 59.Nd3 Kb3 60.Nc5+ Ka3 61.Nd3 Kb3 62.Kf3 1-0 [Event "?"] [Site "Berlin"] [Date "1926.??.??"] [Round "?"] [White "Rubinstein, Akiba"] [Black "Sämisch, Friedrich"] [Result "*"] [ECO "E38"] [Source "Die Praxis meines Systems, Abschnitt 6.4, Einleitung"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1. d4 Nf6 2. c4 e6 3. Nc3 Bb4 4. Qc2 c5 5. dxc5 Bxc5 6. Nf3 Nc6 7. Bg5 b6 8. e3 Be7 {zur beabsichtigten Aufstellung der Bauern auf e6 und d6 gehört ein Läufer auf e7} 9. Rd1 a6 $1 10. Be2 Bb7 11. O-O d6 12. Rd2 O-O 13. Rfd1 Rc8 {das "kleine" Zentrum e6 und d6 erscheint auch gegen allfälliges 14. Lf6: gf! 15. Se4? Sb4 verteidigungsfähig, der Textzug 13. ... Tc8 ist also zeitgemäß} 14. Bf4 Ne8 15. Qb1 Na5 $1 {der Kampf gilt der feindlichen Umwallung des kleinen Zentrums, also dem Bauern c4} 16. b3 b5 $1 17. Ne4 Bxe4 18. Qxe4 bxc4 19. bxc4 Qc7 20. Qb1 Rb8 21. Qc2 Nb7 {der Bd6 wird überdeckt: was beweist aber diese, wie wir bald sehen werden, berechtigt erscheinende Überdeckung? Nun, die Stärke des d-Bauern, denn nur starke Punkte seien ja einer Überdeckung würdig, siehe unter Überdeckung} 22. e4 Bf6 23. Be3 Nc5 24. Nd4 Be7 25. Nb3 Nf6 26. f3 Rfc8 27. g4 {ungenügend motivierter Angriffsversuch} h6 28. Kg2 Nfd7 {über Punkt f6 wurde ausgiebig manövriert} 29. Nd4 Rb6 {und Schwarz kam in der b-Linie in Vorteil.} * [Event "?"] [Site "?"] [Date "????.??.??"] [Round "?"] [White "?"] [Black "?"] [Result "*"] [ECO "D40"] [Source "Die Praxis meines Systems, Abschnitt 6.5, Einleitung"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1. d4 d5 ({was wäre gegen den asymmetrischen Zug} 1... Nf6 {wohl einzuwenden?!} ) 2. c4 e6 3. Nc3 c5 $2 ({Auf der Jagd nach Symmetrie bzw. nach nivelliertem Spiel. Es ist bezeichnend, daß dieser lockernde Zug als die einzig korrekte Verteidigung gelten durfte. Richtig ist natürlich nur der asymmetrische Zug} 3... Nf6 {nebst Sd7 usw.}) 4. e3 $2 ({Die korrekte Antwort, so lautete die damalige Auffassung. Richtig ist natürlich nur} 4. cxd5 {nebst Sf3 und g3, vulgo die Schlechter-Rubinstein-Variante}) 4... Nc6 5. Nf3 Nf6 6. Bd3 Bd6 ({ Wenn nun jemand auf die Idee gekommen wäre, im 6. Zuge Lf8-e7 zu spielen, so würde man - zur Tarrasch-Zeit - die Nase gerümpft haben. Und doch bildet diese Abweichung von der symmetrischen Entwicklung die logisch angezeigte Fortsetzung. Die Schwäche des Läuferzuges nach d3 bestand eben gerade in der dadurch bedingten Schutzbedürftigkeit des Bd4. Durch 6. ... Le7, welcher Zug die Damenwirkung d8-d4 frei läßt, wird dieser Umstand ausgenutzt, zum Beispiel: } 6... Be7 $1 7. O-O O-O 8. Qe2 $1 {Jeder der Partner betont seine Chance, Schwarz - das Spiel gegen den d-Bauern, Weiß - den sich auf den Ld3 stützenden Königsangriff} cxd4 9. exd4 dxc4 10. Bxc4 Nxd4 11. Nxd4 Qxd4 {mit schwer zu taxierendem Ausgang.}) * [Event "Simultanpartie"] [Site "Ålesund"] [Date "1925.??.??"] [Round "-"] [White "Strande"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "C01"] [Source "Die Praxis meines Systems, Abschnitt 6.5, Einleitung"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1. e4 e6 2. d4 d5 3. exd5 exd5 4. Bd3 Bd6 5. Nf3 Ne7 $1 6. O-O Nbc6 7. Be3 {um die Wirkung von Lg4 abzuschwächen} Bf5 8. Nc3 O-O 9. Re1 Bxd3 {damit wird ein Springermanöver in die Wege geleitet, welches Sanierung der Mitte mit verstärkten Flügelaspirationen verbinden soll} 10. Qxd3 Nb4 11. Qd2 c6 12. a3 Na6 13. Re2 ({er nimmt ganz richtig seine - die zentralistische - Chance wahr; ob nicht aber} 13. Bg5 {technisch vorzuziehen war?}) 13... Nc7 14. Rae1 Ne6 15. Qd3 ({harmlos wäre} 15. Ng5 {wegen der möglichen Antwort} Ng6 {zum Beispiel:} 16. Nxe6 fxe6 17. Bg5 Qc7) 15... Ng6 {womit Schwarz die gegnerischen Zentralaspirationen einzudämmen sucht} 16. g3 Re8 17. Bc1 {die Mittellinie klar zum Angriff! Aber Schwarz hat bereits Vorkehrungen getroffen} Qd7 18. Nd1 ({ob gut oder schlecht, hier hätte} 18. Ne5 {geschehen sollen: die Besetzung des Vorpostenpunktes e5 bildete nämlich die einzig mögliche Fortsetzung der Zentralinitiative}) 18... Re7 19. Ne3 $2 ({Nun tritt das Diversionsmoment wuchtig in die Erscheinung. Richtig wäre immer noch} 19. Ne5 {gewesen. Nach} Bxe5 20. dxe5 {würde allerdings} Rae8 {folgen, und der Vorstoß} 21. f4 {könnte dann durch das chancenreiche Bauernopfer} Nc5 22. Qd4 Ne4 23. Qxa7 f6 24. exf6 gxf6 {aufgefangen werden. Dann hätten wir den interessanten Fall vor uns, daß ausdauernde Zentraldefensive zur Zentralisierung geführt habe, welche günstige Wendung u. a. wohl auch der latenten Mitwirkung der schwarzen Diversionspläne zugeschrieben werden muß. Nach dem fehlerhaften Textzuge 19. Se3? ist es vorbei.}) 19... Nef4 20. gxf4 Nxf4 21. Qd2 Qh3 {und Weiß gab auf.} 0-1 [Event "III. internationales Schachmeisterturnier"] [Site "Karlsbad"] [Date "1923.05.18"] [Round "17"] [White "Maróczy, Géza"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "1/2-1/2"] [ECO "B00"] [Source "Die Praxis meines Systems, Abschnitt 6.7, Einleitung"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.e4 Nc6 2.Nc3 e6 3.d4 Bb4 4.Be3 Nge7 5.Qg4 O-O 6.Qh4 f5 7.f3 d5 8.e5 Na5 9.a3 Bxc3+ 10.bxc3 Qe8 11.Nh3 Nc4 12.Bg5 Ng6 13.Qf2 Qc6 14.Bxc4 Qxc4 15. Qd2 b6 16.Nf4 Nxf4 17.Bxf4 c5 18.Be3 cxd4 19.Bxd4 f4 20.Kf2 Ba6 21.a4 Rf5 22.Rhb1 Raf8 23. a5 b5 24. Bxa7 Rxe5 25. Re1 {Weiß hat nun die Absicht, die schwarzfeldrigen Zentralpunkte zu erobern} Rxe1 $1 26. Qxe1 Re8 27. Qe5 {mit anscheinend erreichtem Ziel} Re7 $1 28. Bd4 ({besser wäre freilich} 28. Bb6 { um Dc7 zu verhindern. Nach} b4 29. cxb4 Qxb4 30. Kg1 {käme aber} h6 {und Kh7, und Schwarz stände nicht übel}) 28... Qc7 29. Re1 Qxe5 30. Bxe5 Rf7 31. g3 fxg3+ 32. hxg3 Rf8 33. Rb1 Rc8 {der Besitz des Mittelpunktes e5 ist hier von nicht gerade überragender Bedeutung} 34. Rb4 g5 35. Ke3 Kf7 36. g4 Kg6 37. Rb1 h5 1/2-1/2 [Event "Jubiläumsturnier der Berliner Schachgesellschaft"] [Site "Berlin"] [Date "1928.02.20"] [Round "13"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Ahues, Carl Oscar"] [Result "1-0"] [ECO "A16"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 1"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1. c4 Nf6 2. Nc3 c6 3. e4 d5 4. e5 d4 5. exf6 dxc3 6. bxc3 gxf6 ( { Klarer war jedenfalls die Spielweise } 6... exf6 { . Wieso klarer? Ja, weil die Aufstellung Bd6, 0-0 und Re8 dann nicht mehr zu verhindern gewesen wäre. Diese Aufstellung aber würde eine Zentralisierung bedeuten und somit die größtmögliche Sicherheit gegen alle denkbaren Überraschungen gewähren.} )( { Ganz anders verhält sich die Sache nach dem Textzuge ( 6. ... gxf6 ) . Denn gewiß erhält Schwarz dadurch sehr bald ein "stolzes" Bauernzentrum, nur fragt es sich, hat dieses Bauernzentrum auch wirklich eine genügende Veranlassung dazu, auf irgend etwas stolz zu sein? Man sehe: die Beweglichkeit desselben ist gering, zum Beispiel: } 6... gxf6 7. Nf3 e5 8. d4 e4 $2 9. Nh4 $1 f5 10. g3 { nebst Ng2 und Bf4 mit Lähmung. Aber auch im "Verharren" erweist sich das Zentrum hier als schwächlich, wie die Note zum 9. Zuge dartun wird. Also war 6. ... exf6 das rechte Verfahren.} )7. Nf3 c5 ( { Positionell richtiger erscheint } 7... e6 { mit Abwehrstellung in der Mitte.} )8. d4 Nc6 9. Be2 f5 ( { In Betracht kam } 9... e5 { , um so stehenzubleiben ( = die Politik des Verharrens ) . Die Folge wäre} 10. Be3 Qa5 ( 10... b6 11. O-O { nebst Qd2, Rad1, und Weiß drückt in der d-Linie.} )11. O-O Qxc3 12. dxe5 $1 ( { viel besser als } 12. Rc1 { was nur die Dame zur Verteidigung zurückgetrieben hätte: über a5 nach c7.} )12... fxe5 ( { oder } 12... Nxe5 13. Qd5 $1 )13. Ng5 Bf5 14. Bh5 Bg6 15. Bxg6 hxg6 16. Qd5 { und gewinnt.} )( { Der Textzug f5 ist ein schwerer Fehler, der das ganze Zentrum preisgibt. Relativ am besten erscheint 9. ... Rg8, allerdings verbleibt Weiß auch dann im Vorteil, zum Beispiel: } 9... Rg8 10. g3 Bh3 11. Rb1 Qc7 12. Qa4 Bd7 13. Qc2 { usw.} )10. d5 Na5 11. Ne5 { Damit ist das Spiel entschieden.} 11... Bd7 ( { Oder } 11... Bg7 12. Qa4+ Kf8 ( 12... Bd7 $2 13. Nxd7 $1 Bxc3+ 14. Bd2 Bxa1 15. Nf6+ Kf8 16. Bh6# $1 )13. f4 f6 14. Nf3 { mit totaler Positionsherrschaft.} )12. Bh5 Bg7 13. Nxf7 Qb6 14. Nxh8+ Kf8 15. Nf7 { Weiß gibt das ganze eroberte Material glatt und willig wieder her, erhält aber einen Riesenspringer auf e6. So soll es gemacht werden. Nicht immer am starren Besitz festhalten wollen! Elastisch spielen (= die erworbenen Vorteile in andere Vorteile umsetzen), das ist die Parole!} 15... Be8 16. Ng5 Bxc3+ 17. Kf1 $1 ( { Nicht } 17. Bd2 { wegen} 17... Bxh5 18. Qxh5 Bxd2+ 19. Kxd2 Qb2+ )17... Bxa1 18. Ne6+ Kg8 19. Bxe8 Rxe8 20. Qh5 Ra8 21. Qxf5 Qb4 22. g3 Qxc4+ 23. Kg2 Qe2 { Schwarz ist hilflos.} 24. Bd2 ( { Noch exakter erscheint } 24. Re1 $1 Qxe1 25. Ng5 Bg7 $1 26. Qf7+ Kh8 27. Bb2 $1 { und gewinnt.} )24... Nc4 ( { Oder } 24... Qxd2 25. Ng5 Bg7 26. Qe6+ { mit ersticktem Matt.} )25. Re1 Qxd2 26. Ng5 Nd6 { Der Rest ist ein Blutvergießen, das wir - wir sind keine Liebhaber von Mord und Totschlag - in gekürzter Notation bringen:} 27. Qxh7+ Kf8 28. Qxe7+ Kg8 29. Qh7+ Kf8 30. Qh6+ Kg8 31. Qg6+ Bg7 { armer Läufer, deine Stunde hat geschlagen; immerhin ein Trost: du stirbst im Heimatlande!} 32. Qh7+ Kf8 33. Ne6+ Ke8 34. Nxg7+ Kd8 35. Ne6+ Ke8 36. Re5 { und Schwarz gab auf.} 1-0 [Event "Meisterturnier"] [Site "Marienbad"] [Date "1925.06.06"] [Round "14"] [White "Réti, Richard"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "A20"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 10"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Die Einleitungszüge führten auf hypermodern anmutenden Wegen zu einer aus der französischen Abtauschvariante bekannten Bauernfiguration hin:} 1.c4 e5 2.Nf3 e4 3.Nd4 Nc6 4.Nc2 Bc5 5.Nc3 Nf6 6.d4 exd3 7.exd3 d5 8.d4 Be7 {und nun geschah in unternehmendem Blockierungsstile} 9.c5 {Es folgte} 9...Bf5 ( {Sprengungsversuche, eingeleitet durch b6, wären verfrüht gewesen, zum Beispiel:} 9...b6 10.b4 a5 11.b5 {nebst c6} ) 10.Bd3 ( 10.Bb5 {nebst evtl. Bxc6 wäre hier die natürliche Folge gewesen} ) 10...Bxd3 11. Qxd3 b6 {Jetzt am Platze!} 12.O-O ( 12.b4 a5 13.b5 {scheitert nun an} 13...Nb4 {mit Tempogewinn.} ) 12...O-O ( 12...bxc5 {nebst Lc5: geht nicht an wegen Db5.} ) 13.Bg5 h6 $1 14.Bh4 bxc5 15.dxc5 Ne5 16.Qd4 Ng6 17.Bg3 c6 {Schwarz hat einen guten d-Bauern (der schlecht blockiert ist) und die Möglichkeit, c5 anzugreifen. Dafür scheint mir der Besitz der Zentralschräge g3-b8 kein volles Äquivalent zu bieten. Weiß hätte eben doch 10. Lb5 spielen sollen.} 18.Nb4 Rc8 19.h3 Re8 {Räumungszug für den Springer und gleichzeitig beginnende Okkupierung der Zentrallinie, die der Gegner mir wegen der c5-Beschwerden nicht streitig machen kann.} 20.Rad1 Nf8 21.Nd3 Qa5 {Ich sah, daß hierauf 22. Da4 erzwungen ist. Für diesen Fall hatte ich mir aber ein recht originelles Zentralisierungsmanöver zurechtgelegt.} 22.Qa4 ( {Schlecht wäre} 22.b4 Qa3 23.Rb1 Ne6 24.Qe5 Nd7 25.Qe1 Nexc5 26.bxc5 Bf6 ) 22...Qxa4 23.Nxa4 Ne4 {Der Springer besetzt nun das nach Weglenkung des Antagonisten frei gewordene Zentrum.} 24.Bh2 Ne6 { Was will denn der? c5 ist doch leicht zu decken!} 25.b4 Nd4 $1 {Sekundiert in ganz ungewöhnlicher Weise! 2 Springer, davon der eine vertreibbar (durch f3) und der andere ungedeckt, und doch beherrschen sie das Brett.} 26.Rfe1 ( 26.f3 $2 Ne2+ {nebst Sg3+} ) 26...Bh4 $1 {Der dritte im Bunde.} 27.Be5 {Weiß befand sich in einer schwierigen Lage. Der Textzug verliert einen Bauern.} 27...Rxe5 {Es folgte} 28.Nxe5 Bxf2+ 29.Kf1 Bxe1 30.Rxd4 Bg3 31.Nf3 Re8 32.Rd1 Re6 33.Rc1 Kf8 {Der König nähert sich dem bedrohten Flügel.} 34.Nc3 Nxc3 35.Rxc3 Re4 36.a3 Ke8 37.Rd3 {Ein feiner Zug, der auf Kd7 die Antwort b5 vorbereitet.} 37...a6 38.Rd4 f5 39.a4 Kd7 40.b5 { Scheitert an einer kleinen und doch studienartigen Finesse.} 40...axb5 41. axb5 cxb5 42.Rxd5+ Kc6 $3 {Analog der Partie l, der Mehrbesitz wird mit Dank retourniert.} 43.Rd4 ( {Oder} 43.Rxf5 b4 {usw.} ) 43...Kxc5 {und Schwarz gewann.} 44.Rxe4 fxe4 45.Nd2 Kd4 46.Ke2 Bf4 47.Nb3+ Kc4 48.Na5+ Kc3 49.Nb7 b4 50.Na5 Kc2 51.g3 Bxg3 0-1 [Event "Großmeisterturnier"] [Site "New York"] [Date "1927.02.26"] [Round "6"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Aljechin, Alexander"] [Result "1-0"] [ECO "A05"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 100"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.Nf3 Nf6 2.b3 d6 3.g3 e5 4.c4 $1 ( {"Bizarr"! Er fürchtet sich nicht vor e5-e4. Jeder andere hätte} 4.d3 {gewählt} ) 4...e4 {dieser die schwarzfeldrigen Punkte schwächende Zug legt den Grund zu allen kommenden Schwierigkeiten} 5.Nh4 $1 {das Feld g2 war also nicht für den fianchettierungsbedürftigen Läufer f1 bestimmt, sondern für den "bizarren" Springer!} 5...d5 {Dieser Zug, der im Falle eines geschehenen 5. Sd4? stark gewesen wäre, führt unter den gegebenen Umständen nur zu einer nicht völlig einwandfreien Damenexkursion. Etwas besseres dürfte aber kaum vorhanden sein.} 6.cxd5 Qxd5 7.Nc3 Qc6 $1 8.e3 {Damit wird die Möglichkeit einer Fianchettierung für immer aufgegeben.} 8...a6 ( { Konsequenter war} 8...Bg4 {; hierauf geschah am besten} 9.Qxg4 $1 {(weil der Sf6 später ein Tempo durch den erzwungenen Rückzug verliert)} 9...Nxg4 10.Bb5 Nf6 11.Bb2 a6 12.Bxc6+ Nxc6 13.Ne2 Ng4 $1 14.f3 {(sonst folgt Se5)} 14...exf3 15.Nxf3 O-O-O {mit nur minimalem Vorteil für Weiß. Diese Variante gewährt uns einen Einblick in die Verteidigungsressourcen des Nachziehenden: er besitzt offenbar etwas weißfeldriges Gegenspiel; spielt er seine (nicht gerade zahlreichen) Trümpfe richtig aus, so hat er die Chance, den feindlichen schwarzfeldrig betonten Angriff hemmen zu können. Der von Aljechin gewählte Zug erschwert die Verteidigung, ohne sie allerdings aussichtslos zu gestalten.} ) 9.Bb2 Bg4 10.Be2 Bxe2 11.Nxe2 Nbd7 12.Rc1 Qb6 13.O-O ( {Hier kam} 13.Qc2 {stark in Betracht, zum Beispiel:} 13...Bd6 14.Nf5 ) ( {Schwarz könnte aber anscheinend besser spielen: (} 13.Qc2 {)} 13...Nc5 $1 {Falls nun} 14.Bd4 {so} 14...Nd3+ 15. Qxd3 exd3 16.Bxb6 cxb6 17.Nd4 ( {oder} 17.Nc3 Ba3 $1 {mit entwundener c-Linie} ) 17...Bc5 18.Rc3 $2 Nd5 19.Rxd3 Nb4 20.Rc3 Bxd4 {nebst Sa2: und Schwarz steht besser.} ) ( {Trotzdem erscheint die mit} 13.Qc2 Nc5 { beginnende Variante als für Weiß günstig; nur müßte statt 14. Ld4 die Rochade gewählt werden, zum Beispiel:} 14.O-O Nd3 15.Bxf6 $1 {D oder Bxf6 16. Sf4 (drohend Sd5) mit weißem Vorteil.} ) ( {Auch bei anderen Zügen (statt Sc5) würden wir das weiße Spiel vorziehen, beispielsweise: (} 13. Qc2 {)} 13...O-O-O 14.O-O {und Schwarz ist um eine plausible Fortsetzung verlegen. Diese hier angeführten Varianten erwecken den Eindruck, daß die seitens des Nachziehenden im 8. Zuge begangene Unterlassung nicht mehr ohne weiteres gut zu machen sei: 13. Dc2 hätte den Druck wohl aufrechterhalten. Aber nicht genug damit, selbst der schwächere Textzug (13. 0-0) sollte es dem Gegner nicht gestatten, sich dem Drucke zu entziehen. Die einmal versäumte Gelegenheit zur Einleitung eines weißfeldrigen Gegenspiels sollte nicht wiederkehren. Und daher stehen wir dem von Aljechin in den nächsten Zügen versuchten weißfeldrigen "Staatsstreich" recht zweifelnd gegenüber.} ) 13...Bd6 14.f3 ( {Für besser hält Aljechin den Zug} 14.d3 ) 14...Be5 $5 {Äußerst interessant! Er will um jeden Preis weißfeldrig okkupieren (d3 besetzen). Was sagt aber hierzu der Logos der Partie? Nun, er steht der Sache skeptisch gegenüber: warum und wieso sollten die weißfeldrigen Punkte die schwarzfeldrigen plötzlich in den Schatten stellen könnenl? Nach der Unterlassung im 8. Zuge (seitens Schwarz) war doch die schwarzfeldrige Schwäche des Nachziehenden chronisch geworden; Weiß hat keine Fehler begangen (denn 13. 0-0 war noch keiner); der gewaltsame Versuch des Gegners muß also, aller Genialität zum Trotz, doch irgendwie inkorrekt sein.} 15.Bxe5 Nxe5 16.fxe4 Nd3 17.Rc3 O-O-O 18. Qb1 Nxe4 ( {Kein "Staatsstreich" ohne "Opfer"! Ob} 18...Nc5 {besser gewesen wäre, erscheint nach den weiteren Zügen} 19.d3 Na4 20.bxa4 Qxe3+ 21.Rf2 ( {auch} 21.Kh1 Qxe2 22.Rfc1 {wäre chancenreich} ) 21...Ng4 22.Qf1 {zweifelhaft.} ) 19.Rxd3 Nxd2 20.Rxd8+ Rxd8 21.Qf5+ Kb8 22.Re1 ( {Auch} 22.Rc1 {kam in Betracht.} ) 22...Qxe3+ 23.Qf2 Qd3 24.Nf4 Qc3 $2 ( {Mit} 24...Qc2 {hätte Schwarz gute Remischancen behalten. Was würde aber daraus folgen, etwa daß der Staatsstreich korrekt gewesen sei? Oder daß die "schwarzen" und "weißen" Punkte nach Belieben die Macht an sich reißen können? Nein, nichts von alledem. Denn erstens wäre das Remis (nach 24. ... Dc2!) noch nicht ausgesprochen, zweitens ist es noch nicht erwiesen, daß Weiß nicht irgendwo hätte stärker spielen können (zum Beispiel: im 22. Zuge), und drittens gibt es ja eben leider viele Stellungen, in denen der als solcher klar nachweisbare Vorteil nicht zum Gewinn ausreicht. (Der Beraubungssieg sollte zählen!)} ) 25.Re3 Qc1+ {Es folgt nun ein erbitterter Kampf. Weiß gewinnt, aber erst nach stundenlangem zähesten Ringen.} 26.Kg2 Qc6+ 27.Nf3 g5 28.Nd3 Nxf3 29.Qxf3 Qc2+ 30.Nf2 f5 31.Re2 Qc5 32.Nd3 Qd4 33.Ne5 f4 34.Nc4 {Nach Spielmann war g3-g4 ein sicheres Verfahren, denn Weiß müßte zu einem Mittelspielangriff gelangen können. Aber wenn es doch zum Endspiel kommt? Kann der gedeckte Freibauer nicht unangenehm werden?} 34...fxg3 35.Rd2 Qh8 36.Rxd8+ Qxd8 37.hxg3 Qd4 38.Qf8+ Ka7 39.Qf2 Qxf2+ 40.Kxf2 h5 {Der Gewinn hängt immer noch an einem Haar, nämlich an einer studienartigen Wendung, vergleiche die Note zum 41. Zuge von Schwarz.} 41.Ke3 {Der versiegelte Zug.} 41...c5 ( {Die Hauptvariante besteht in} 41...b5 42.Nd2 $1 h4 43.g4 h3 44.Kf3 c5 45.Ne4 c4 46.b4 Kb6 { denn nun sieht das Hineinmanövrieren des Königs unangenehm genug aus; dies um so mehr, als es ja an der nötigen Zeit zum Bauernraub g5 mangelt. Die Pointe kommt nun:} 47.Kg3 {und falls} 47...Kc6 {dann (nicht eher!) geht auf einmal der ersehnte Raub, nämlich} 48.Nxg5 c3 49.Nf3 $1 {und gewinnt.} ) 42.a4 b5 43.axb5 axb5 44.Nd2 Kb6 45.Ne4 h4 46.g4 h3 47.Kf3 b4 $1 {Ein letztes geistreiches Aufflackern vor dem Erlöschen.} 48.Nxg5 c4 49.Ne4 cxb3 ( {Oder} 49...c3 50.Nf2 {nebst Sd3.} ) 50.g5 b2 51.Nd2 Kc5 52.g6 h2 53.Kg2 Kd4 54.g7 Kd3 55.g8=Q Kxd2 56.Qa2 Kc2 57.Qc4+ {Aufgegeben. Eine Großkampfpartie.} 1-0 [Event "Internationales Schachmeisterturnier - Endrunde"] [Site "Kecskemét"] [Date "1927.07.12"] [Round "7"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Gilg, Karl"] [Result "1-0"] [ECO "B30"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 101"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.e4 c5 2.Nf3 Nc6 3.Bb5 {Dieser Zug ist viel besser als sein Ruf und gewährt mindestens guten Ausgleich.} 3...Qc7 ( {Am besten dürfte} 3...d6 { sein.} ) 4.c3 $1 {Denn nun ist das sonst im Falle von c3 unangenehme Gegenspiel Sf6 leicht zu parieren: Weiß kann nämlich bequem decken: De2.} 4...a6 5.Ba4 Nf6 6.Qe2 e5 7.O-O Be7 8.d4 {Weiß bietet nun ein Bauernopfer an, das Schwarz durch d6 hätte ablehnen sollen.} 8...cxd4 ( {Ungenügend wäre auch} 8...O-O {wegen} 9.Bxc6 Qxc6 10.dxe5 Nxe4 11.Re1 f5 12.exf6 Nxf6 13.Qxe7 Re8 14.Qxe8+ Nxe8 15.Rxe8+ Kf7 16.Ne5+ {und behält eine Figur mehr.} ) 9.cxd4 Nxd4 10.Nxd4 exd4 11.e5 d3 ( {Falls} 11...Nd5 {so} 12.e6 fxe6 13.Qxe6 Nb6 14.Bg5 $1 Qd8 15.Bxe7 Nxa4 $1 16.Qb3 Qxe7 17.Qxa4 {mit überlegenem Spiel für Weiß.} ) ( {Weniger klar wäre hingegen nach} 11... Nd5 12.e6 fxe6 13.Qxe6 Nb6 {die Fortsetzung} 14.Re1 Qd8 15.Bg5 Nxa4 16. Qxe7+ Qxe7 17.Rxe7+ Kf8 {mit zweifelhaftem Vorteil.} ) 12.Qe3 $1 Nd5 ( { Auch} 12...Bc5 {bringt keine Rettung, zum Beispiel:} 13.Qg3 Ne4 14.Qxg7 Bxf2+ 15.Kh1 ( {nicht} 15.Rxf2 Qxc1+ 16.Rf1 Qe3+ {mit Matt in 4 Zügen} ) 15...Rf8 16.Bh6 Bc5 17.e6 $1 {und gewinnt.} ) 13.Qg3 g6 ( {Auf} 13...O-O { folgt zunächst} 14.Bb3 ) 14.Bb3 Nb4 15.Bxf7+ $1 Kd8 16.Bh6 $1 {Daß dieser Läufer nach b6 schielt, dürfte man ihm wohl kaum ansehen können, und doch tut er es!} 16...Nc2 17.Nc3 Nd4 ( {Verzweiflung. Falls} 17...Nxa1 {so} 18. Nd5 Qc6 {(am besten)} 19.Be3 $1 d6 20.Bb6+ Kd7 21.e6# {Nach dem Textzug gewinnt Weiß eklatant.} ) 18.Qxd3 Qxe5 19.Rfe1 Qf6 20.Rxe7 {Aufgegeben.} ( {Bei} 20.Rxe7 Kxe7 {folgt nämlich} ( {bei} 20...Qxe7 21.Qxd4 ) 21.Nd5+ ) 1-0 [Event "Meisterturnier der Freien Schachvereinigung"] [Site "Berlin"] [Date "1927.05.21"] [Round "6"] [White "Brinckmann, Alfred"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "B00"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 102"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.e4 Nc6 2.d4 d5 3.exd5 Qxd5 4.Be3 e6 5.Be2 ( {wie in der Partie 99 ausgeführt, hätte} 5.Nf3 {dem Gegner Sorgen genug bereitet. Immerhin ist auch der Läuferzug stark} ) 5...Qxg2 $1 {Wir glauben an die Kraft der Verteidigung.} 6.Bf3 Qg6 7.Ne2 Nb4 {Die moderne Abwehrtechnik setzt mit Nachdruck ein: eine Zentralisierung (Sd5) wird vorbereitet.} 8.Na3 Nd5 9. Nc4 ( {Die richtige Fortsetzung bestand in} 9.Nb5 {zum Beispiel:} 9...c6 { (am besten)} 10.Nf4 $1 Nxf4 11.Nc7+ Kd7 12.Nxa8 {mit unklarem Ausgang (die von Dr. Lasker im Verein mit dem Verfasser angestellten Versuche ergaben ein Remis).} ) 9...Qf6 $3 10.Ng3 Qd8 $1 {Was bedeutet dieses Manöver? - Zweierlei! Die Dame strebt nach Sicherheit, und die Zentralisierungsidee wird schärfstens betont, denn nun wirken bereits drei Steine dem gegnerischem Durchbruchsplan c4 und d5 (natürlich nach vorhergegangenem Wegzug des Sc4) entgegen. Kurzum: der Zentralspringer wird überdeckt. - Es ist im übrigen klar, daß das gewählte Rückzugsmanöver höchst neuromantisch wirkt, denn Schwarz zeigt damit deutlich, daß er an die Widerstandskraft der Anfangsstellung glaubt, während doch die Pseudolklassiker im Gegensatz hierzu Fanatiker der beschleunigten Entwicklung waren.} 11.Qd2 Ngf6 { Fortgesetzte Überdeckung!} 12.Ne5 c6 $1 {"Überdeckend" und "abwartend" zugleich! Er möchte sich die Möglichkeit beider Rochaden so lange offenhalten, bis der Gegner Farbe bekennt, d. i. kurz oder lang rochiert hat. Dieses Zögerndürfen bedeutet für die eingeschränkte schwarze Stellung eine Ressource mehr. Man denke übrigens auch an die 4. Abteilung dieses Abschnittes ("Das kleine Zentrum").} 13.O-O $1 ( {Auf} 13.O-O-O {wäre} 13...Bb4 {gefolgt, zum Beispiel:} 14.c3 Be7 {und Schwarz bereitet mittels Dc7 oder a5, Ld7 und Thf8! die lange Rochade vor. Nach dem Textzuge wäre die 0-0-0 aber zu gefährlich.} ) 13...Bd6 14.Kh1 Qc7 15.c4 Nxe3 16.Qxe3 c5 ( {Ein Gegenangriff ist stets von trefflicher Wirkung, auch im psychologischen Sinne. Dies wußten bereits unsere Altvordern. Doch wird die Stellung andererseits auch etwas gelockert. Daher dürfte} 16...Nd7 $1 {doch wohl vorzuziehen sein.} ) 17.Qg5 ( {Um den Gegner für dessen "Keckheit" zu bestrafen. Richtiger war aber} 17.Rae1 cxd4 18.Qxd4 Bd7 { obgleich Schwarz auch in diesem Falle nicht gerade gefährdet wäre (} 19. Nf5 $2 exf5 20.Ng6+ Be6 21.Nxh8 Ke7 {und gewinnt).} ) ( {Auch} 17.Nd3 cxd4 18.Qxd4 {käme übrigens in Frage.} ) 17...cxd4 18.Rae1 ( {Falls} 18.Qxg7 { so} 18...Rg8 19.Qxf6 Bxe5 {mit geringem Vorteil für Schwarz.} ) 18...Kf8 $1 ( {Falsch wäre die Rochade, zum Beispiel:} 18...O-O 19.Rg1 h6 20.Qf4 Bxe5 21.Rxe5 Nd7 22.Nh5 $1 Qxe5 23.Qxh6 g6 24.Rg5 $1 Qh8 25.Rxg6+ {nebst Matt in zwei Zügen.} ) 19.Rg1 h6 20.Qf4 Bxe5 21.Qxe5 ( {Oder} 21.Rxe5 Nd7 {usw.} ) 21...Qxe5 22.Rxe5 Nd7 ( {Einfacher wäre} 22...g6 {zum Beispiel:} 23.Rd1 Ke7 24.Rxd4 Rd8 {mit siegreichem Schlußspiel} ) 23.Rb5 ( { Wesentlich größere Schwierigkeiten hätte Schwarz nach} 23.Ra5 $1 {zu überwinden.} ) 23...a6 24.Rb3 ( {Oder} 24.Rb4 Ne5 25.Bg2 ( 25.Bxb7 $2 Rb8 ) 25...Nd3 $1 {mit der Drohung Sf2 matt.} ) 24...Nc5 25.Ra3 Rb8 26.b4 Nd7 27.c5 Ne5 28.Re1 Nxf3 29.Rxf3 Bd7 30.Rd3 Rd8 31.Kg1 Bb5 32.Rd2 Rd5 33.Ne4 Ke7 34.Nd6 ( {Ein Fehler in hoffnungsloser Stellung. Auf} 34.f3 {, was noch relativ am besten war, wäre Thb8 geschehen, zum Beispiel:} 34...Rb8 35.Nd6 b6 36.Nxb5 axb5 37.cxb6 Rxb6 {und Schwarz gewinnt mit Leichtigkeit. } ) 34...Rg5+ 35.Kh1 Bc6+ {Aufgegeben.} 0-1 [Event "Jubiläumsturnier der Berliner Schachgesellschaft"] [Site "Berlin"] [Date "1928.02.10"] [Round "5"] [White "Leonhardt, Paul Saladin"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "C01"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 103"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.e4 e6 2.d4 d5 3.Nc3 Bb4 4.exd5 exd5 5.Bd3 Nc6 6.Ne2 Nge7 7.O-O O-O 8.Bf4 Bg4 {da machte Leonhardt plötzlich Miene, einen Angriff einzuleiten, er zog nämlich:} 9.h3 ( {Einfacher erscheint aber die Spielweise} 9.f3 Bh5 10.Qd2 {oder 10. Le3 nebst 11. Sf4. Die Schwächung des Punktes e3 wäre leicht zu ertragen gewesen.} ) 9...Bh5 10.Qc1 Ba5 $1 {Man kann nicht gerade behaupten, daß Schwarz ungewöhnliche Wege meide!} 11.Qe3 ( {Auf} 11.a3 {(um Sb4 zu verhindern) war} 11...Bxc3 {beabsichtigt (} 12.bxc3 {), und der nach a3 gelockte Bauer würde jedenfalls eine gewisse Schwäche in der sonst tadellosen weißen Aufstellung bilden.} ) ( {Statt 11. Lc3: (nach } 11.a3 {) wären natürlich auch andere Züge möglich, zum Beispiel:} 11... Bb6 ( {oder} 11...Bg6 ) ) 11...Nb4 12.Ng3 Nxd3 13.Nxh5 Nxb2 $1 14.Bh6 $1 { Die von Schwarz erwartete Antwort.} 14...Nc4 $1 15.Qg5 ( {Auf} 15.Qg3 { (die Hauptvariante) wäre gefolgt:} 15...Nf5 16.Qg4 g6 17.Bxf8 Bxc3 {, und der Lf8 ist ohne mögliche Retraite (ein Rincksches Motiv, das unter dem Namen das "Läuferkreuz" bekannt ist).} ) 15...Ng6 16.Nxd5 f6 ( {An dieser Stelle gab es für Schwarz neben dem Textzuge noch zwei andere gute Fortsetzungen. Erstens die einfache Abtauschwendung} 16...Qxg5 17.Bxg5 f6 18.Be3 Rad8 {mit "weißfeldrig" überlegenem Schlußspiel.} ) ( {Ferner die von Kostitsch mitgeteilte Variante:} 16...Bd2 {zum Beispiel:} 17.Qxd8 Raxd8 18.Bxd2 Nxd2 19.Rfd1 Rxd5 20.Rxd2 Rxh5 ) ( {Oder (} 16...Bd2 {)} 17. f4 Qxg5 18.Bxg5 f6 19.f5 Bxg5 {mit Bauernplus} ) ( {oder schließlich (} 16...Bd2 {)} 17.Ne3 gxh6 18.Qxd8 ( 18.Qxh6 Qxd4 ) 18...Raxd8 19.Nxc4 Rxd4 20.Rad1 Rfd8 {wiederum mit Bauernplus. - Die gewählte Spielweise scheint aber noch stärker zu sein.} ) 17.Ndxf6+ Rxf6 ( {oder} 17...gxf6 18.Qb5 ) 18.Bxg7 Rf7 19.Bf6 Qd6 20.Rad1 ( {Auf} 20.Qh6 {könnte folgen} 20...Re8 21. f4 Re2 22.f5 Bd2 23.fxg6 ( {oder} 23.Bg5 Ne3 {und Schwarz hat nicht nur einen Offizier mehr, sondern auch einen sehr starken Angriff.} ) 23...Bxh6 24.gxf7+ Kf8 {und Schwarz gewinnt.} ) 20...Raf8 21.Qb5 ( {Falls} 21.Qh6 { so} 21...c6 {(drohend Ld8)} 22.f4 Ne3 23.f5 Nxf1 24.Rxf1 ( 24.fxg6 $2 Qh2+ {usw.} ) 24...Bd2 25.Qxd2 Rxf6 26.Nxf6+ Qxf6 {mit schwarzem Gewinn.} ) 21...Qc6 22.Qxc6 bxc6 23.Bg5 Rf5 24.f4 Ne3 25.g4 R5f7 26.f5 Nxf1 27.Rxf1 Bc3 28.Rd1 Ne7 29.Rd3 Nd5 30.Kg2 Rb8 31.Kf3 Rb2 32.Nf6+ Rxf6 ( {Da ich den schönen Zentralspringer nicht gern hergeben mochte, aber natürlich hätte auch das einfache} 32...Nxf6 33.Rxc3 Rb6 {ohne Schwierigkeiten gewonnen. Der Rest ist leicht verständlich. Es folgte noch:} ) 33.Bxf6 Rxa2 34.g5 Rxc2 35.Be5 a5 36.g6 a4 37.Rd1 Rd2 38.Rb1 Bb2 39.gxh7+ Kxh7 40.Rg1 Bxd4 { (pariert alles)} 41.Rg7+ Kh8 42.Rg2+ Bxe5 43.Rxd2 a3 44.Re2 Bb2 45.Re8+ Kg7 46.Ra8 Nb4 {Aufgegeben.} 0-1 [Event "Nordisches Meisterturnier"] [Site "Kopenhagen"] [Date "1924.08.14"] [Round "4"] [White "Brinckmann, Alfred"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "A83"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 104"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.d4 f5 2.e4 fxe4 3.Nc3 Nf6 4.Bg5 b6 ( {eine äußerst gewagt erscheinende Neuerung. Auf das übliche} 4...Nc6 {ist außer} 5.d5 Ne5 6.Qd4 Nf7 7.Bxf6 exf6 8.Nxe4 f5 $1 9.Ng3 g6 10.O-O-O Bh6+ 11.Kb1 O-O 12.Nf3 $1 {noch folgende nie versuchte Spielweise beachtenswert:} ) ( {(} 4...Nc6 {)?} 5. Bxf6 $1 exf6 6.a3 $1 f5 7.Bc4 Ne7 8.d5 {und Weiß ist bereit, die nach allfälligem d7-d6 auf e6 auftauchende Schwäche nach Gebühr auszunutzen-} ) 5.Bc4 ( {viel besser erscheint hier die in der vorigen Note skizzierte Abwicklung:} 5.Bxf6 $1 exf6 6.a3 $1 {mit ernstlichen Schwierigkeiten für Schwarz} ) 5...e6 6.Bxf6 Qxf6 7.Nxe4 Qe7 $1 ( {Nur wenige Züge sind geschehen, und schon bietet die Stellung eine Fülle von phantasievollen Möglichkeiten. Man betrachte beispielsweise die folgenden Varianten:} 7... Qg6 8.Qf3 Bb7 $1 ( {nicht} 8...d5 {wegen} 9.Bd3 $1 ) 9.Nd6+ $2 Bxd6 10. Qxb7 O-O 11.Qxa8 Nc6 {nebst Dg2:} ) ( {oder} 7...Qg6 8.Qf3 Bb7 9.Nf6+ Qxf6 10.Qxb7 Qxd4 11.Qxa8 Bb4+ 12.c3 Bxc3+ 13.Kf1 O-O {und Schwarz muß gewinnen } ) ( {oder schließlich} 7...Qg6 8.Qf3 Bb7 9.Bd3 $1 Bb4+ 10.c3 Rf8 11.Nd6+ Ke7 12.Nxb7 Rxf3 13.Bxg6 Rxc3 14.Ke2 Rc4 15.Bd3 Rxd4 16.a3 {und Weiß sollte gewinnen. Der Versuch 7. Dg6 hätte somit übrigens zum schwarzen Nachteil geführt.} ) 8.Bd3 Nc6 9.c3 Bb7 10.Nf3 O-O-O ( {Nun hat Schwarz glücklich eine Stellung erreicht, die nach landläufiger Auffassung nicht als verteidigungsfähig gilt. Doch ist die landläufige Auffassung nicht immer richtig. So gelten beispielsweise nur sehr wenige Stellungen als verteidigungsfähig, während doch in Wirklichkeit der größte Teil aller Positionen noch zu halten ist. Übrigens scheint an dieser Stelle auch 10. d5 nebst e5 möglich gewesen zu sein, zum Beispiel:} 10...d5 11.Neg5 e5 12. dxe5 Nxe5 13.O-O Nxf3+ 14.Nxf3 O-O-O {doch behielte Schwarz hierbei gewisse Schwächen in der e-Linie und den weißfeldrigen Punkten, zum Beispiel nach} 15.Qa4 Kb8 16.Rae1 Qf6 17.Ne5 {Ein solches Resultat darf nicht verwundern, pflegt doch der plötzliche Übergang in die offene Partie nur selten reibungslos zu verlaufen.} ) 11.O-O Rg8 $1 ( {Der Idee nach eine Zentralaktion, denn die Meinung ist: g7-g5-g4 nebst Entlastung des Punktes e5. In Betracht kam statt dessen wiederum die "Befreiung" durch} 11...d5 12.Ng3 e5 {dies wäre aber wegen} 13.Nxe5 Nxe5 14.Re1 {ein Fehler.} ) ( {Spielbar wäre indes folgende so ziemlich außerhalb der modernen Schulweisheit liegende Variante:} 11...d5 12.Ng3 h5 13.h4 {und nun} 13... e5 {da das vorhin erwähnte Schlagen auf e5 (Nxe5) nun scheitert (Bh4 hängt).} ) 12.Qe2 Kb8 13.a4 ( {Vielleicht hätte} 13.Ba6 {den Vorzug verdient, der Bauernsturm wäre ja nicht davongelaufen.} ) 13...a5 {Der durch La6 nicht blockierte Bauer dokumentiert seine Beweglichkeit.} 14. Rfb1 g5 15.b4 d5 {Im richtigen Moment, da der Springer e4 nicht mehr nach dem günstigen Felde d2 darf.} 16.Ng3 ( {Falls nämlich} 16.Ned2 {so} 16... axb4 {und das geplante} 17.a5 {ist wegen} 17...bxc3 {mit Angriff auf Sd2 nicht mehr angängig.} ) 16...axb4 17.a5 $1 g4 18.Ne5 Nxe5 19.dxe5 c5 $1 20.cxb4 ( {Durch 20. a5xb6 konnte nun Weiß die vom Gegner beabsichtigte bemerkenswerte Zugfolge erzwingen:} 20.axb6 c4 21.cxb4 $1 Rc8 $1 ( {die Öffnung der c-Linie durch c4xd3 wäre für Schwarz verhängnisvoll, zum Beispiel:} 21...cxd3 $2 22.Qa2 $1 {usw.} ) 22.Qa2 Rc6 23.Qa7+ Kc8 24.b5 Rc5 $3 {Eine solche Turmumstellung gehört nicht zu den alltäglichen! Die somit entstandene Stellung ist voller Spannung, gewaltige Angriffe prallen an ebenso kolossalen Verteidigungsressourcen wirkungslos ab, die Stellung ist durchaus heroischer Natur. Zur Illustration geben wir:} 25.Be2 Bg7 26. Bxg4 Bxe5 27.Re1 Rxg4 28.Rxe5 c3 29.Nf5 Qd7 30.Qa3 Rgc4 31.Ne3 Qxb5 32. Nxc4 Qxc4 33.Rxe6 c2 34.Ree1 {und Weiß dürfte gewinnen. Schwarz kann indes besser spielen: 25. Be2 Bg7 26. Bxg4 Bxe5 27. Rbe1 d5-d4 mit gewaltigen Verwicklungen. In der Partie geschah indes:} ) 20...cxb4 21.Rc1 ( {Auf} 21.axb6 {wäre einfach} 21...Qc5 {erfolgt.} ) 21...Bh6 22.Rcb1 Qc5 23.axb6 Qxb6 24.Ra4 Bf8 25.Nh5 {Der Springer droht, sich auf f6 festzusetzen.} 25...Bc5 26.Nf6 Rg7 27.Bb5 Bc8 28.Rba1 Bb7 {Schwarz wird immerzu "geplagt".} 29.Kh1 ( {Weiß, der die Partie mit bemerkenswertem Elan geführt, hätte statt des Textzuges wiederum} 29.Rb1 {wählen sollen.} ) 29...Bd4 $1 30.Rb1 Bc3 31.Ne8 Rg5 32.Qf1 Rxe5 33.Nf6 $1 Qd6 34.Nxg4 Rg5 35.f3 Rdg8 $2 ( {Indem Schwarz plötzlich zum Königsangriff bläst, wird er seinem Hauptplan (Zentrumspiel gegen Flügelangriff) vorübergehend untreu! Richtig und stilgerecht war} 35...Rgg8 ) 36.Ba6 $1 Qb6 37.Qd3 Rc8 { Schleunige Rückkehr der Türme ist die erzwungene Parole!} 38.Bxb7 Kxb7 39. Qxh7+ Rc7 40.Qd3 Rg8 41.h3 $2 ( {Besser war} 41.Ne3 {mit den Drohungen Sd1 bzw. Sc2.} ) 41...Rgc8 42.Ne3 Rc5 43.f4 $2 Qb5 {Die Konsolidierung.} 44. Qd1 Ra8 $1 45.Rxa8 Kxa8 46.f5 {Ein Fehler, aber die weiße Stellung ist sowieso unhaltbar, der Lc3 und die Freibauern sind allbeherrschend.} 46... d4 47.f6 dxe3 48.Qf3+ Qc6 49.Qxe3 Bxf6 50.Rf1 ( {Oder} 50.Rxb4 Rc1+ 51.Kh2 Qd6+ 52.Rf4 Be5 ) 50...Rc2 51.Qg3 Be5 52.Qg8+ Kb7 {Weiß gibt auf.} 0-1 [Event "III. internationales Schachmeisterturnier"] [Site "Karlsbad"] [Date "1923.05.13"] [Round "13"] [White "Rubinstein, Akiba"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "B32"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 105"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.e4 c5 2.Nf3 Nc6 3.d4 cxd4 4.Nxd4 d5 {Diese hier zuerst angewandte Neuerung führt zu schwierigen Stellungen und ist somit nur demjenigen zu empfehlen, der nicht nur "einen einzigen streng korrekten" Weg zu kennen glaubt, nämlich den der breiten Landstraße. Eine Bergtour, die zwar über Abgründe führt, aber andererseits auch herrliche Ausblicke eröffnet, ist selbstverständlich nichts für solche zahme Seelen.} 5.exd5 ( {Wegen der hier möglichen Hauptvariante} 5.Bb5 dxe4 $1 {vergleiche unsere Nr. 44.} ) ( {Dr. Lasker empfiehlt an dieser Stelle übrigens} 5.Nxc6 bxc6 6.exd5 Qxd5 7.Nc3 Qxd1+ 8.Nxd1 {doch scheint uns der so erreichte weiße Endspielvorteil problematischer Natur zu sein.} ) 5...Qxd5 6.Be3 e6 $1 ( { Schlecht wäre} 6...e5 {wegen der Antwort} 7.Nb5 {Schwarz braucht das Feld e5 für die Dame. Hätte Schwarz seinen a-Bauern bereits auf a6, was bei weißem Sicilianer zu erreichen wäre, so erschiene e7-e5 zwar zulässig, wäre aber doch nicht geeignet, dem Nachziehenden ein leichtes oder bequemes Spiel zu sichern: die Partie ist eben auf heroische Verteidigung, nicht aber auf bequemes Schiebeschach eingestellt. Man vergleiche folgenden Anfang einer im Juli 1928 von uns gegen Norman-Hansen (Schwarz) gespielten Partie: 1. c4 e5 2. a3 (Weiß spielt nun einen Sicilianer mit einem Tempo mehr) 2. ... Nf6 3. Nc3 d5 4. cd Nd5: 5. d4 ed 6. Qd4: Be6 7. e4 Nc6 8. Bb5 Ne7! 9. Nge2 a6 10. Ba4 b5! 11. Qxd8 Rxd8 12. Bc2 Ne5 (auch Na5 kam in Frage) und Schwarz erhielt etwas Spielraum in der Brettmitte. Der "energische" Vorstoß 7. e4 wäre eben besser durch das zurückhaltende 7. e3! zu ersetzen gewesen, zum Beispiel: 7. ... Nc6 8. Bb5. Falls nun Ne7, so 9. Qe4!. Ja, selbst bei 9. Nf3 (statt 9. Qe4) stände Weiß nach den weiteren Zügen 9. ... a6 10. Ba4 b5 11. Qxd8 Rxd8 12. Bc2 besser (weil fester) als in der Partie. Der leichtbeschwingte Vorstoß e2-e4 (bzw. e5 bei schwarzem Sicilianer) scheint eben nicht recht in die schwerblütige Partieanlage hineinpassen zu wollen.} ) 7.Nc3 Bb4 8.Nb5 ( {Hier kam} 8.Be2 Nge7 ( 8...Qxg2 $2 9.Bf3 ) 9.O-O {in Frage.} ) 8...Qe5 $1 {Die Lichtseite des zurückhaltenden 6. ... e6 tritt nun zutage.} 9.a3 Bxc3+ $1 ( {Gut genug wäre auch der Rückzug nach e7, zum Beispiel:} 9...Be7 10.Be2 a6 11. Nd4 Nf6 {mit der Absicht 0-0 und Td8. Aber die gewählte Fortsetzung ist u. E. folgerichtiger, denn der "schwarzfeldrig" betonte Sturm, den der Gegner nun einzuleiten in der Lage ist, muß auszuhalten sein, und andererseits würde das Vermeidenwollen von Komplikationen im Widerspruch zu der ganzen Partieanlage stehen. Es kommt nun zu einem furchtbaren Ringen.} ) 10.bxc3 $5 ( {Nach} 10.Nxc3 Nf6 {hätte Weiß die zwei Läufer, aber der Nachziehende wäre besser zentralisiert. Die Textfolge ermöglicht das Eindringen nach d6, allerdings auf Kosten eines Bauern.} ) 10...a6 11.Nd6+ Ke7 12.Nc4 Qxc3+ 13.Bd2 Qd4 {Um 14. Lb4+ durch Sb4:! zu parieren.} 14.Bd3 b5 {Um den Springer von den "schwarzen" Punkten wegzubringen; gleichzeitig wird eine weißfeldrig betonte Gegenaktion (Lb7) in die Wege geleitet.} 15.Na5 Qe5+ 16.Be2 Nxa5 17.Bxa5 Bb7 {Um auf 18. 0-0 mittels Dd5 den Damentausch zu erzwingen.} 18.f3 Nf6 {Endlich hat Schwarz Zeit und Muße gefunden, den armen Springer zu entwickeln: die sich dem letzteren auf d5 und e3 nun bietenden Möglichkeiten entschädigen aber reichlich für die lange Wartezeit.} 19.Bb4+ Ke8 {Le Roi s'amuse!} 20.O-O Rd8 21.Bd3 Nd5 22.Ba5 Rd7 23.Re1 Qd4+ {"Die schwarze Dame hat immer einen Ausweg mit Schachgebot", vermerkt das Kongreßbuch staunend. (!)} 24.Kh1 Nf4 {Um die "zwei Läufer" aus der Welt zu schaffen. Daß dieses möglich wurde, ist der intensiv betriebenen Zentralisierung zu verdanken.} 25.Qd2 Nxd3 26.cxd3 h5 $1 {Mit einem Turm weniger im Spiel muß Schwarz auf den Bd3 vorderhand noch dankend verzichten: er plant statt dessen das Manöver h4 nebst Th8-h5-d5 oder auch Th8-h6-g6.} 27.Rac1 Rh6 28.Bc3 ( {Hier wäre} 28.Re3 {(nebst Tce1) eher am Platze gewesen. denn erstens ist der Bd3 weniger tabu als Weiß - etwas allzu optimistisch - anzunehmen scheint, und zweitens würde so der Entwicklung f6 nebst Kf7 vorgebeugt worden sein.} ) 28...Qxd3 $1 29.Qf4 Qd6 30.Qg5 {Ein antiprophylaktischer Zug, der das vom Gegner geplante f6 nebst Kf7 geradezu begünstigt, vergleiche die vorige Note.} ( {Ein antiprophylaktischer Zug, der das vom Gegner geplante f6 nebst Kf7 geradezu begünstigt, vergleiche die vorige Note.} 30.Qe3 {wäre am Platze gewesen.} ) 30...f6 31.Qe3 e5 32.Bb4 {Er ist immer noch von schwarzfeldriger Bosheit erfüllt.} 32...Qd4 33.Qb3 Qd5 34.Qc2 Qd3 35.Qc5 Kf7 36.Rc2 Rh8 {Womit Schwarz endlich zu einer Vollentwicklung seiner Streitkräfte gelangt.} 37.Rd2 Qf5 38.Rxd7+ Qxd7 39.Qc2 $1 Bc8 $1 ( {Auf} 39...Rc8 {wäre} 40.Qh7 {gefolgt.} ) 40.Rd1 Qf5 {Die Verteidigung verläuft naturgemäß weißfeldrig.} 41.Qc7+ Kg6 42.h3 Re8 43.Rc1 Qf4 44.Rc6 Bf5 { Drohend Tec8.} 45.Qd6 h4 ( {Stärker als} 45...Re6 ) 46.Bd2 Qg3 47.Rc3 a5 $1 {Ein "Staatsstreich": er opfert den ganzen Mehrbesitz, erhält aber einen kombinierten Angriff an beiden Flügeln zugleich, vergleiche die nächste Note.} 48.f4 Qf2 49.Rf3 Qe2 50.fxe5 Rxe5 51.Rf4 b4 $1 52.axb4 a4 53.Rxh4 a3 54.Kh2 a2 {Weiß ist natürlich unrettbar verloren, auf der einen Seite hat er einen Freibauern zu zähmen, auf der anderen aber sieht er sich einem Mattangriff gegenübergestellt. Der Rest ist aber noch recht interessant.} 55.Bc3 Qe3 56.Bb2 ( 56.Bxe5 $2 Qxe5+ 57.Qxe5 fxe5 {und der a-Bauer geht zur Dame.} ) 56...Qe1 57.Qd4 Re3 {Drohend Qg3+ usw.} 58.Qf4 Re4 59.Qg3+ Qxg3+ 60.Kxg3 Re2 61.Bd4 Rd2 {Aufgegeben.} ( {Denn es könnte folgen} 61...Rd2 62.Ba1 Rd1 63.Bb2 Rb1 64.Bd4 Rb3+ {nebst Rxb4 und Rxd4 und a1Q. Das Unglück für Weiß (in der Schlußphase) bestand darin, daß er für den eroberten h-Bauern einen allzuhohen Preis - in Form eines deplacierten Turmes - zu zahlen hatte. An der Partie selbst sind die schwarzen Damenzüge beachtlich: anscheinend hatten sie nur der Abwehr momentan drohender Gefahren zu dienen und entbehrten somit jedes verbindenden Grundgedankens. In Wirklichkeit aber handelte es sich hierbei um eine planmäßige Ausnutzung des zur Verfügung stehenden Zentralterrains unter gleichzeitiger zielbewußter Betonung der vorhandenen weißfeldrigen Gegenchance. Also: Zentralisierung plus weißfeldriges Gegenspiel auf der einen Seite; gewaltiges, schwarzfeldrig betontes Druckspiel auf der anderen Seite. Der Sieg der schwarzen Partei darf unter solchen Umständen als Triumph der sich auf moderne Stratageme stützenden "heroischen Verteidigung" angesprochen werden.} ) 0-1 [Event "Politiken Trainingsturnier"] [Site "Kopenhagen"] [Date "1928.07.??"] [Round "?"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Norman-Hansen, Holger"] [Result "1/2-1/2"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 105, Anmerkung nach dem 6. Zug von Schwarz"] 1. c4 e5 2. a3 Nf6 3. Nc3 d5 4. cxd5 Nxd5 5. d4 exd4 6. Qxd4 Be6 7. e4 Nc6 8. Bb5 Ne7 9. Nge2 a6 10. Ba4 b5 11. Qxd8+ Rxd8 12. Bc2 Ne5 { Die weitere Züge sind unbekannt.} 1/2-1/2 [Event "Politiken Trainingsturnier"] [Site "Kopenhagen"] [Date "1928.07.??"] [Round "?"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Norman-Hansen, Holger"] [Result "1/2-1/2"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 105, Anmerkung nach dem 6. Zug von Schwarz"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1. c4 e5 2. a3 { Weiß spielt nun einen Sicilianer mit einem Tempo mehr.} 2... Nf6 3. Nc3 d5 4. cxd5 Nxd5 5. d4 exd4 6. Qxd4 Be6 7. e4 ( { Der "energische" Vorstoß 7. e4 wäre eben besser durch das zurückhaltende } 7. e3 $1 { zu ersetzen gewesen, zum Beispiel:} 7... Nc6 8. Bb5 { . Falls nun} 8... Ne7 { so} 9. Qe4 $1 ( { Ja selbst bei } 9. Nf3 { (statt Qe4) stände Weiß nach den weiteren Zügen} 9... a6 10. Ba4 b5 11. Qxd8+ Rxd8 12. Bc2 { besser (weil fester) als in der Partie. Der leichtbeschwingte Vorstoß e2-e4 (bzw. e5 bei schwarzem Sicilianer) scheint eben nicht recht in die schwerblütige Partieanlage nineinzupassen zu wollen.} ))7... Nc6 8. Bb5 Ne7 $1 9. Nge2 a6 10. Ba4 b5 $1 11. Qxd8+ Rxd8 12. Bc2 Ne5 { Und Schwarz erhielt etwas Spielraum in der Brettmitte.} ( { auch } 12... Na5 { kam in Frage} ) { Die weitere Züge sind unbekannt.} 1/2-1/2 [Event "Freie Partie"] [Site "Riga"] [Date "1909.07.??"] [Round "-"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Behting, Carl"] [Result "1/2-1/2"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 106 & Baltische Schachblätter Heft 12"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] [FEN "5r1k/pp2r3/3p3p/3Pnqp1/1P2p3/P3B2P/4QPP1/2R2RK1 b - - 0 1"] [SetUp "1"] {Zum Schluß noch ein Endspiel, in dem die Grundlage, auf der die heroische Verteidigung ruht, außerordentlich plastisch in die Erscheinung tritt.} 1...Nf3+ 2.gxf3 Qxh3 3.Bd4+ Kg8 4.fxe4 Rf3 {Und nun wollte Weiß nicht ohne weiteres in den sauren Remisapfel beißen, verschmähte infolgedessen die sichere Parade 5. Tfe1; ließ sich vielmehr auf ein "ungeheures" Abenteuer ein, mußte dann, um das Matt zu verhüten, einen ganzen Turm opfern, behielt so eine Qualität und einen Bauern weniger, anscheinend ohne jedes Äquivalent, und da ... setzte die wunderbare Phantastik des Abenteuers ein.} 5.Rc8+ Kh7 6.Rfc1 Qg4+ 7.Kf1 Rxe4 8.R1c7+ Kg6 9.Rg7+ Kh5 10.Rxg5+ $1 hxg5 11.Rh8+ Kg6 {Nun ist Weiß wenigstens die furchtbare Mattdrohung auf h3 losgeworden (Dh3+ Kg1 Tg4#) aber um welchen Preis! Und übrigens hängen auch noch Dame und Ld4. Und von Angriff ist weit und breit keine Spur!} 12.Qc2 $1 {Damit ist die Verteidigungsformation vollendet. Die weißen Verteidiger bilden nun in ihrer "schwebenden", "zerklüfteten" Phantastik einen beinah komisch wirkenden Gegensatz zu dem klotzig aufgehäuften, brutal drohenden gegnerischen Trio, der Dg4 und den zwei Türmen auf e4 und f3. Aber was nutzt schon die Ästhetik, Weiß hat eine Qualität weniger und muß verlieren? Nein! Die von Weiß durchgeführte heroische Verteidigung basierte auf der Anwendung der Zentralisierung; in der Tat erscheinen Ld4 und Dc2 (die über e4 nach g6 zielt) als Zentraltruppen. Die zu Verteidigungszwecken zusammengetragene Zentralenergie läßt sich aber, wie sich nun zeigt, auch zu Angriffszwecken verwenden, denn ganz unmerklich ist eine scharfe Drohung entstanden, nämlich 13. Tg8+ und falls 13. Kh7?, so 14. Dc7+ Kg8: 15. Dg7#. Es folgte:} 12...Qf5 13.Qc7 {mit diversen scharfen Drohungen.} 13...Re1+ {Zum Glück hat Schwarz noch diese Ausrede.} 14.Kxe1 Qb1+ 15.Ke2 Qd3+ {und hält Remis durch ewiges Schach. - In diesem Schlußspiel basierte die heroische Verteidigung voll und ganz auf der Zentralisierung. Der aufmerksame Leser versuche, für jedes einzelne Mitglied des weißen Trios (Dc2, Ld4 und Th8) Art und Größe der im 12. Zuge vor sich gegangenen funktionellen Veränderungen festzustellen. Der 12. Zug, das war, wie wir wissen, jener bedeutsame Augenblick, da die weißen Figuren sich urplötzlich aus Verteidigern in Sturmtruppen zu verwandeln hatten. Damit beschließen wir den der heroischen Verteidigung gewidmeten 9. Teil.} 16.Ke1 Qb1+ 1/2-1/2 [Event "Fernpartie (1912-1913)"] [Site "?"] [Date "1913.??.??"] [Round "-"] [White "Fluß, Georg"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "C50"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 107"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Nach den einleitenden Zügen} 1.e4 e5 2.Nf3 Nc6 3.Nc3 Nf6 4.Bc4 Bc5 5.d3 d6 6.Bg5 h6 7.Bh4 g5 8.Bg3 Bg4 {wählte Weiß das Manöver} 9.h3 ( {auf sofortiges} 9.h4 {wäre} 9...Nh5 { stark gewesen, zum Beispiel:} 10.hxg5 Nxg3 $1 11.fxg3 Nd4 12.Nd5 Bxf3 13. gxf3 Qxg5 $1 {und gewinnt (} 14.g4 c6 15.Rh5 cxd5 $3 {usw.)} ) 9...Bh5 10. h4 g4 11.Nd2 a6 {Ein Wartezug, der aber auch zu gleicher Zeit gelegentliches Lb5 vereiteln soll.} 12.Nd5 Nxd5 13.Bxd5 Ne7 $1 {Ein Bauernopfer mit einer recht ungewöhnlichen Pointe.} 14.Bxb7 Ra7 15.Bd5 f5 16.f4 ( {Die Pointe wäre bei der natürlichen Fortsetzung} 16.Be6 f4 17.Bh2 {zutage getreten. Schwarz hätte nämlich auf den Radauzug 17. ... Bxf2!? verzichtet und sich vielmehr zu dem durch seine Bescheidenheit bestechenden Deckungszuge Ng6 entschlossen. Nach} 17...Bxf2+ $2 18.Kf1 Be3 19.Nc4 Ng6 {(anders ist der wichtige g-Bauer nicht zu decken)} 20.Bg1 $3 Bxg1 21.Bxg4 $1 {wäre Weiß im Vorteil.} ) ( {Dagegen wäre} 16.Be6 f4 17. Bh2 Ng6 $1 {(um 18. Bg4:? durch Qxh4 zu beantworten; man beachte, daß der Springer auf g6 das Eventualschach nach den Zügen 18. Bg4:? Qh4: 19. Bxh5 unterbindet) von großer Wirkung, zum Beispiel:} 18.g3 {(um h4 zu decken)} 18...f3 {mit ausgesperrtem Lh2.} ) ( {Oder} 16.Be6 f4 17.Bh2 Ng6 18.Bg1 f3 19.gxf3 gxf3 {nebst Sf4 mit schwarzem Vorteil. Wir halten die Verzicht-Kombination 17. ... Sg6 (und nicht 17. ... Lf2:+) für eine im Sinne der vorangegangenen Besprechung äußerst bezeichnende.} ) ( {In Betracht kam statt 16. Le6 auch} 16.Qe2 {. Darauf wäre gefolgt:} 16...Nxd5 17.exd5 Qa8 18.c4 ( {am besten, nicht} 18.Bxe5 {wegen} 18...O-O $1 ) 18... c6 19.dxc6 Qxc6 {und Schwarz, der u. a. einen recht beweglichen Damenturm hat - man beachte die Möglichkeiten Ta7-e7 bzw. Ta7-g7 - dürfte entschieden im Vorteil sein. - Auch der in der Partie gewählte Zug 17. f4 hat seine Schattenseiten.} ) 16...gxf3 17.gxf3 Nxd5 18.exd5 Rg8 19.Nf1 ( { Auf} 19.Bf2 {würde folgen} 19...Bxf2+ 20.Kxf2 c6 $3 {ein Zug, der der Dame d8 und gleichzeitig dem Turm a7 zu einer furchtbaren Agilität verhilft. Zum Beispiel:} 21.dxc6 Qb6+ 22.Kf1 Rag7 {nebst Matt in wenigen Zügen.} ) 19...Qb8 $1 ( {Viel stärker als} 19...e4 {worauf} 20.Qd2 {drohend Qxh6 und eventuell e6+ die Folge wäre.} ) 20.d4 ( {Ein letzter Rettungsversuch, sonst, zum Beispiel: nach} 20.b3 Qb4+ 21.Ke2 e4 ) ( {oder} 20.Rb1 Rb7 $1 21.b3 {fehlt zwar das tödliche Schach auf b4, aber von ähnlicher Wirkung erweist sich} 21...Bb4+ 22.Kf2 Qa7+ 23.d4 Bc3 $1 {und gewinnt!} ) 20... Bxd4 21.c3 {Eine Art Evans-Gambit; falls nun Lc5, so b2-b4!, aber} 21... Qxb2 $3 {Eine elegante Schlußkombination.} 22.cxd4 Qc3+ 23.Kf2 Rb7 $1 { Dagegen ist kein Kraut gewachsen.} 24.Rc1 ( {Oder} 24.Rh2 {mit ähnlichem Verlauf.} ) 24...Rb2+ 25.Kg1 Rxg3+ {Aufgegeben.} ( {Denn es folgt nach} 25...Rxg3+ 26.Nxg3 Qe3+ {und Matt auf f2. Dasselbe Opfer wäre auch bei Th2 (statt Tc1) erfolgt, nach De3+ hätte Weiß zwar noch Kh1, was aber wegen Lf3:+ nichts genutzt hätte.} ) 0-1 [Event "Nordisches Meisterturnier"] [Site "Kopenhagen"] [Date "1924.08.15"] [Round "5"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Krause, Orla Hermann"] [Result "1-0"] [ECO "A80"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 108"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {In dieser Partie, die durchaus keinen kombinatorischen Eindruck macht, wimmelt es geradezu von brillanten, farbensprühenden Kombinationen, nur daß diese nicht im "Text vorkommen", sondern sich froh und unbekümmert im Hintergrunde tummeln. Dem Leser aber sei das Nachspielen der in den Glossen analysierten Varianten ganz besonders ans Herz gelegt.} 1.d4 f5 2.Nf3 Nf6 3.Bf4 d6 {Dr. Krauses Spezialvariante, die er auch im Falle eines geschehenen 3. c4 in Anwendung zu bringen pflegt. Die Pointe liegt in dem Plane, den Vorstoß e7-e5 selbst um den Preis eines Bauernopfers durchsetzen zu wollen. Vergleiche den 6. Zug von Schwarz.} 4. e3 h6 5.h4 {Um der drohenden gegnerischen Expansion - g5 und Lg7 - zuvorzukommen.} 5...Nc6 6.d5 {Muß, wenn überhaupt, unverzüglich geschehen. Ein Zuwarten, etwa durch 6. c4 oder Sbd2, würde nämlich 6. ... Sg4 zur Folge haben, und dann würden die mit 7. d5 e5 beginnenden Wendungen für Weiß weniger günstig sein als im Text (denn "Sg4" würde ein wertvolles Tempo mehr für Schwarz bedeuten).} 6...e5 {Das Krausesche Rezept, das aber hier nicht völlig auszureichen scheint.} 7.dxc6 exf4 8.Bb5 ( {Nicht aber} 8.cxb7 Bxb7 9.exf4 Qe7+ 10.Be2 Bxf3 {und die f-Bauern werden tripliert.} ) 8...b6 ( {Als besser empfiehlt Dr. Krause den Zug} 8...Kf7 {Darauf wäre, wie es scheint, in der Tat sowohl} 9.exf4 Qe7+ ( {nicht} 9...Qe8+ {wegen} 10.Ne5+ $1 dxe5 11.cxb7 {und gewinnt} ) 10.Qe2 Qxe2+ 11.Kxe2 bxc6 12.Bxc6 Rb8 {als auch 9. 0-0 für Weiß ungünstig.} ) ( {Zum Beispiel:} 8...Kf7 9. O-O fxe3 10.Ne5+ Kg8 11.fxe3 Qe7 $1 12.Ng6 Qxe3+ 13.Kh1 Qg3 14.Nxh8 Ng4 { und gewinnt.} ) ( {Dagegen würde der anspruchslose Zentralisierungszug 9. Dd4 zueinem für Weiß überlegenen Spiel führen, man prüfe:} 8...Kf7 9.Qd4 fxe3 10.fxe3 d5 11.Ne5+ Kg8 12.Nd2 b6 13.b4 {(um Lc5 zu verhindern), und Weiß steht klar überlegen. Man beachte hierbei, wie beschwichtigend der Zug Dd4 auf das kombinatorisch bewegte Brett gewirkt hat! Die Beimischung von Positionszügen dürfte überhaupt für die moderne Kombination recht bezeichnend sein.} ) 9.exf4 d5 $1 10.O-O Bc5 11.g3 Ne4 12.Kg2 g5 ( {Wohl die beste, jedenfalls aber die schärfste Chance. In Betracht kam auch} 12...Qd6 {. Die Folge wäre dann etwa} 13.Ne5 $2 ( {oder} 13.c3 $1 a5 14. Nd4 {und Weiß steht überlegen.} ) 13...Be6 14.f3 Nf6 {mit der Drohung d4 nebst Sf6-d5-e3.} ) 13.Ne5 $1 O-O $1 ( {Fehlerhaft wäre natürlich} 13...g4 $2 14.Nd7 d4 15.b4 Bxb4 16.Qxd4 {und Weiß gewinnt eine Figur. Nach dem Textzug ist die kritische Stellung erreicht.} ) 14.hxg5 $1 ( {Der logische Zug: da sofortiges} 14.Qh5 {an der pikanten Antwort} 14...Qe8 15.Qxh6 $2 Rf6 {scheitern würde, so soll Dh5 durch den Th1 gedeckt werden, also} ) ( 14.hxg5 hxg5 15.Qh5 Qe8 16.Rh1 ) ( {Zu außerordentlich lebhaften Spielen würde aber der unlogische Zug 14. f3 (= positionswidrige Verbauung der wichtigen Diagonale d1-h5) geführt haben:} 14.f3 Nd6 $1 15.Qxd5+ Kh7 16. hxg5 $1 ( 16.Nc3 Nxb5 17.Qxd8 Rxd8 18.Nxb5 Rd2+ {ergibt für Weiß nur Remis } ) 16...Nxb5 17.Nc3 $1 Nxc3 $2 18.Rh1 $1 {und gewinnt, zum Beispiel:} 18...Qf6 {(es drohte Matt in drei Zügen)} 19.gxf6 Nxd5 20.Rxh6+ {nebst Matt in wenigen Zügen.} ) ( {Nach} 14.f3 Nd6 15.Qxd5+ Kh7 16.hxg5 Nxb5 17. Nc3 {konnte Schwarz statt Sc3: die Damen tauschen,} 17...Qxd5 18.Nxd5 {. Die Stellung wäre dann schwierig, so würde zum Beispiel:} 18...hxg5 {wegen } 19.Rh1+ Kg7 20.Rh5 {zu einem Überhandnehmen des feindlichen Angriffs führen,} ) ( {aber mit (} 14.f3 Nd6 15.Qxd5+ Kh7 16.hxg5 Nxb5 17.Nc3 Qxd5 18.Nxd5 {)} 18...Rh8 $1 {wäre zäher Widerstand zu organisieren, zum Beispiel:} 19.a4 ( 19.Nf7 $2 Be6 $1 20.Nxh8 Bxd5 {usw.} ) 19...Nd4 20.Nxc7 Rb8 21.Rh1 Kg7 22.gxh6+ Kh7 ( {aber nicht} 22...Rxh6 {wegen des Zwischenschachs auf e8 Turmtausch und Matt, also} 23.Ne8+ Kh7 24.Rxh6+ Kxh6 25.Rh1# ) 23.Nd5 Rf8 {(es drohte Matt)} 24.c3 {und der weiße Gewinn erfordert noch zähe Arbeit. Der logische Textzug war somit vorzuziehen, was natürlich nicht überraschen darf, denn auch in phantastischen Stellungen waltet der Logos seines Amtes.} ) 14...hxg5 15.Qh5 Qf6 16.f3 $1 {Macht dem Spuk ein Ende!} ( {Weiß fürchtet sich nicht vor dem Gespenst} 16.f3 gxf4 17.fxe4 Qxe5 {denn dann würde einfach} 18.Nc3 $1 {folgen, und der weiße: e-Bauer ist tabu! Auf} 18...Rf7 {, was von einigen als ausreichend erachtet wurde, wäre dann} 19.Rxf4 {geschehen; nun muß Schwarz seinen Trumpf Th7 bescheidentlich zurückhalten, denn} 19...Rh7 {hätte die Katastrophe} 20.Rg4+ Kh8 21.Qxh7+ {heraufbeschworen.} ) ( {Er hätte also nichts Besseres als den Entwicklungszug 19. ... Le6! Der Gewinn wäre dann durch folgendes studienartige Manöver zu erzwingen:} 16.f3 gxf4 17.fxe4 Qxe5 18.Nc3 Rf7 19.Rxf4 Be6 20.exf5 Bxf5 21.Rh1 {(drohend Rxf5!)} 21... Be4+ {Schwarz muß nun zu vereinfachen suchen!} 22.Nxe4 Qxh5 23.Rxh5 Rxf4 24.Nxc5 Rb4 25.Na6 Rxb5 26.b4 $3 {und gewinnt,} ( {keineswegs aber} 26. Nxc7 $2 {weil} 26...Rxb2 27.Nxa8 Rxc2+ 28.Kf3 Rxc6 {mit Eroberung des Springers zum Remis geführt hätte.} ) ) 16...Nd6 17.Nc3 Be6 18.fxg5 $1 Qxe5 19.Qg6+ Qg7 20.Qxe6+ Qf7 21.Qxf7+ Kxf7 22.Bd3 Bd4 ( {Auf} 22...d4 { wäre} 23.Nd5 {mit der Drohung b4 gefolgt.} ) 23.Nxd5 Bxb2 24.Rae1 Rae8 25. Nxc7 Rxe1 26.Rxe1 Rc8 27.Nd5 $1 ( {Präziser als} 27.Ne6 Re8 28.c7 Rxe6 29. Bc4 {Weiß hat eine fürchterliche Pattsetzung aller schwarzen Offiziere im Auge!} ) 27...Rxc6 28.Re7+ {Aufgegeben.} ( {Auf} 28.Re7+ Kg6 {würde nämlich folgen} 29.Nf4+ Kxg5 30.Re6 Bf6 31.c4 $1 {und Schwarz geht an Zugzwang zugrunde. Es scheint das Schicksal dieser Partie gewesen zu sein, daß die Kombinationen nicht zur Ausführung gelangen konnten; wer wird aber behaupten wollen, daß sie nicht trotzdem den Gang der Ereignisse lebhaft beeinflußt hätten!} ) 1-0 [Event "II. Jubiläumsturnier"] [Site "Stockholm"] [Date "1920.11.19"] [Round "12"] [White "Spielmann, Rudolf"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "B00"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 109"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Zum Schluß noch eine kurze, spannende Partie, die freilich keine Ansprüche auf besondere Korrektheit erheben darf. Schwarz macht zunächst eine ganz richtige Kombination, stürzt sich aber dann, um den Damentausch zu vermeiden, in ein Abenteuer, das schlecht ausgehen konnte.} 1.e4 Nc6 2.d4 d5 3.e5 Bf5 ( {einfacher als} 3...f6 ) 4.Ne2 ( {natürlicher erschiene} 4.Nf3 ) 4...e6 5.Ng3 Bg6 6.h4 h5 7.Be2 Be7 ( {Dann war das weiße Manöver berechtigt! Schwarz hätte aber stärker spielen können, und zwar} 7...Nb4 {zum Beispiel:} 8.Na3 c5 9.c3 Nc6 {und der weiße Aufwand im Streit um Bh5 wirkt angesichts der seriösen Zentralsituation ein wenig übertrieben.} ) 8.Bxh5 Bxh5 9.Nxh5 g6 10.Nf4 Rxh4 11.Rxh4 Bxh4 12.Qd3 { Verhindert 12. ... Lg5, denn darauf würde 13. Se6:! gewinnen.} 12...Nge7 $3 13.g3 Nf5 14.gxh4 Nfxd4 {Nun droht sowohl 14. ... Sb4 15. Dd4: Sc2:+ als auch 14. ... Se5: 15. Dd4: Sf3+, eine niedliche Doppelwendung.} 15.Na3 Qxh4 ( {Einfacher wäre} 15...Nxe5 16.Qh3 Ndf3+ 17.Kf1 Qxh4 {mit chancenreichem Schlußspiel, aber Schwarz wollte den Damentausch vermeiden. } ) 16.Qh3 {Um den Damentausch zu erzwingen.} 16...Qg5 $5 ( {Mit der Idee: } 16...Qg5 17.Qh8+ Kd7 18.Qxa8 Qg1+ 19.Kd2 Qxf2+ 20.Kc3 Nb3 $3 ( {nach der Partie wurde die "Nebenlösung"} 20...Nf3 {gefunden} ) ) ( {Trotzdem war} 16...Qxh3 {notwendig.} ) 17.Be3 $2 ( {Denn jetzt hätte} 17.Nd3 {mit weißem Vorteil geschehen können:} 17...Qg1+ 18.Kd2 Nxe5 19.Nxe5 Qxf2+ { wäre hierauf ebensowenig ausreichend wie die andere allenfalls mögliche Fortsetzung} ) ( 17.Nd3 Qg1+ 18.Kd2 Kd7 {zum Beispiel:} 19.Nc5+ ( {nicht} 19.c3 $2 {wegen} 19...Rh8 $1 20.Qxh8 Qg5+ {mit ewigem Schach} ) 19...Ke7 20.Qh4+ Ke8 ( {oder} 20...g5 21.Qg3 ) 21.Qh8+ Ke7 22.Qf6+ {und 23. c3.} ) 17...Qg1+ 18.Qf1 Nf3+ 19.Ke2 Nfd4+ 20.Kd2 Nf3+ 21.Ke2 Ncd4+ 22.Kd3 ( { Verderblich. Weiß hätte sich wohl oder übel auf} 22.Bxd4 Nxd4+ 23.Kd3 Qg5 {einlassen sollen, obwohl seine Stellung dann nicht gerade beneidenswert erschiene (} 24.Kxd4 Qxf4+ 25.Kd3 c5 {).} ) 22...Qg5 23.Qh3 Qxe5 24.Rf1 O-O-O 25.b3 b5 26.Nxb5 Qe4+ 27.Kc3 Qxc2+ 28.Kb4 c5+ {Aufgegeben.} 0-1 [Event "Allrussische Meisterschaft"] [Site "Wilna"] [Date "1912.08.29"] [Round "8"] [White "Löwenfisch, Grigori"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "B10"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 11"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.e4 c6 2.c4 e6 3.Nf3 d5 4.exd5 exd5 5.cxd5 cxd5 6.Bb5+ Nc6 7.O-O Bd6 { Dies ermöglicht eine ungestörte Entwicklung aller Streitkräfte.} 8.d4 Ne7 9.Bg5 f6 10.Bh4 O-O 11.Nbd2 Bg4 12.Bxc6 Nxc6 13.Qb3 Bb4 {Führt den weißen Versuch, den gegnerischen Aufbau als locker nachzuweisen, ad absurdum.} 14.Ne5 {Gegen das Drohspiel Db6 gerichtet.} 14...Nxe5 ( 14...Bxd2 15.Nxg4 g5 16.Bg3 f5 17.Qxb7 Qc8 {würde an der pikanten Antwort} 18.Be5 $1 { scheitern.} 18...Nxe5 19.Qxc8 {nebst Nxe5 mit - wenn auch kaum realisierbarem - Bauernplus.} ) 15.Qxb4 Nd3 $1 16.Qxb7 Be2 17.Rfb1 Rc8 { Die mitten im feindlichen Lager durchgeführte Zentralisierung entbehrt nicht eines humoristischen Beigeschmacks.} 18.Nf1 g5 19.Bg3 f5 20.Be5 Rf7 21.Qa6 f4 22.Re1 ( {Er rebelliert gegen das Schicksal, denn} 22.f3 Rc2 { erschien ihm unerträglich.} ) ( {Ebenso aussichtslos wie der Textzug wäre übrigens auch der Versuch} 22.Rd1 ) 22...Nxe1 23.Qxe2 Nxg2 24.Nd2 Nh4 25. Nf3 Ng6 {Die konsolidierende Rückwärtskonzentrierung, die nach erfolgtem günstig verlaufenen Raubzug besonders angezeigt erscheint, denn Raubzüge wirken oft ein wenig desorganisierend (die Kräfte werden zersplittert).} 26.Kh1 g4 27.Nd2 Qd7 28.Rg1 Rc2 {Auch das noch!} 29.h3 g3 {Aufgegeben. Ein lustiges Partiechen!} 0-1 [Event "Internationales Meisterturnier des British Empire Club"] [Site "London"] [Date "1927.10.21"] [Round "9"] [White "Tartakower, Savielly"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "A47"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 12"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.d4 e6 2.Nf3 Nf6 3.e3 b6 4.Bd3 Bb7 5.Nbd2 c5 6.O-O Nc6 7.c3 Rc8 8.Qe2 Be7 $1 9.dxc5 bxc5 10.e4 d5 11.exd5 exd5 {Schwarz hat die Partie originell angelegt (Zug 8 und 11). Das Spiel steht annähernd gleich, doch hat Schwarz bereits in dieser Stellung einige, wenn auch kaum wahrnehmbare Preferenceaktien im Zentralgebiet. Es folgt nun:} 12.Ba6 Bxa6 13.Qxa6 O-O 14.Rd1 Qc7 15.Nf1 Rb8 16.Qe2 Rfd8 ( 16...Rfe8 {wird verworfen, denn es handelt sich vor allem um eine Konsolidierung der Stellung; der wertvolle d-Bauer darf mit Recht eine seiner würdige Eskorte beanspruchen!} ) 17.Be3 h6 $1 {Zentraltaktik: Ich beabsichtige nämlich, meinem Gegner fast alle Zentralfelder zu nehmen; sein einziges Mittelfeld f5 wird nun quasi entwertet (denn auf Sfl-g3-f5 würde einfach Lf8 folgen und Weiß hätte keine passende Angriffsfortsetzung, denn Lg5 ist verhindert).} 18.Ng3 Bf8 19.Qc2 Ng4 {Schwarz ist auf der Jagd nach Zentralstellungen (Punkt e5).} 20.Nf1 Nce5 21.Nxe5 Nxe5 22.b3 a5 $1 {Der der Zentralisierung angebaute Angriff!} 23.Rd2 c4 {Eine andere, womöglich noch "festere" Spielweise bestand hier in Td7 Td8 und a5-a4; falls dann ba, so Sc4 mit nachfolgendem Eindringen der Türme via b-Linie.} 24.bxc4 ( {Eine bessere Verteidigung gewährte} 24.Rad1 {und falls} 24...Nd3 {so Qualitätsopfer auf d3.} ) 24... Nxc4 25.Rd3 a4 $1 {Mittels a4-a3 soll nun auf b2 ein wichtiger Einbruchspunkt geschaffen werden.} 26.Nd2 Nxe3 $1 27.fxe3 ( {Bei} 27.Rxe3 d4 28.Rd3 Bb4 {stände Weiß erst recht gefährdet.} ) 27...Qa7 28.Rb1 Rxb1+ 29.Qxb1 Bc5 30.Kf2 Rb8 31.Qc2 Qd7 {Die weißen Schwächen, nämlich Be3, Punkt b2 und die etwas verwundbare Königsstellung, werden nun kunstgerecht behandelt (siehe unter "Lavierungstechnik" in einem der letzten Kapitel).} 32.Nf3 ( 32.c4 $2 d4 $1 ) 32...Qe6 33.Qe2 ( 33.Qxa4 $2 Bxe3+ $1 ) 33...a3 $1 {Endlich!} 34.Rd2 Rb1 35.Nd4 Qf6+ $1 36.Qf3 Qe5 {womit Schwarz sowohl zentral als auch "seitlich" den Höhepunkt erreicht hat. (Denn was wäre noch "zentraler" als e5, und wer könnte sich mit einem eingedrungenen Turm, der zum Überfluß auch noch die 2. Reihe beherrscht, an Umgehungstüchtigkeit messen?)} 37.g3 ( {Ein sofort entscheidender Fehler, der von Schwarz allerdings nicht ausgenutzt wird. Einzig möglich war nur noch} 37.Qg3 {darauf wäre gefolgt} 37...Bxd4 38.cxd4 Qe6 {und Weiß kann noch einigen, wenn auch allerdings nur schwachen Widerstand leisten. Eine plausible Variante wäre beispielsweise} 39.Qc7 {(um Dc6 zuvorzukommen)} 39...Qa6 40.Qd8+ Kh7 41.Qxd5 Qf1+ 42.Kg3 Rb2 {und gewinnt. Zu beachten wäre hierbei die entscheidende Mitwirkung des Bauern a3.} ) 37...Bxd4 $2 ( {Sofort gewann hier} 37...Rc1 {Falls hierauf} 38.Ne2 {so} ( {falls aber} 38.Nc6 Qxc3 {(am einfachsten) und gewinnt.} ) 38...Bxe3+ ) 38.cxd4 Qe6 39. Kg2 {Ermöglicht Tf2 mit etwas Gegenspiel in der f-Linie; das weiße Spiel ist aber trotzdem nicht zu halten.} 39...Rb2 {Der schwarze Haupttrumpf!} 40.Rf2 f5 41.Kg1 Rb1+ ( {Zeitnot. Korrekt war} 41...Kh7 42.Kg2 ( {der f-Bauer ist nicht zu nehmen, zum Beispiel:} 42.Qxf5+ Qxf5 43.Rxf5 Rxa2 44. Rxd5 Rb2 {und forciert den a-Bauern} ) 42...Kg6 43.Kg1 Qe4 {und gewinnt ähnlich wie in der Partie.} ) 42.Kg2 g6 {Diese direkte Deckung des f-Bauern ist lange nicht so nachhaltig wie die indirekte, vergleiche die vorige Anmerkung.} 43.Qf4 Qe4+ 44.Qxe4 dxe4 45.Re2 ( {Jetzt geht die schwarze Uhr wieder richtig. Nach g3-g4 wäre sie ins Stocken geraten. Zum Beispiel:} 45.g4 fxg4 46.Rf6 Rb2+ 47.Kg3 $1 {(beileibe nicht auf die erste Reihe), und Weiß braucht nicht zu verlieren. Man versteht nun, daß diese aus den Wolken gefallene Rettungsmöglichkeit nie in der Partie "drin war", denn nach 41. ... Kh7 und 42. ... Kg6 hätte Schwarz die Damen tauschen können, ohne daß Weiß Durchbruchsmöglichkeiten irgendwelcher Art erlangt hätte.} ) 45...Kf7 {Es folgt nun ein in seiner Einfachheit reizvolles Schlußspiel, ein Paradigma zu dem von mir in "Mein System" behandelten Spezialfall: Die "absolute" 7. Reihe plus Freibauer gewinnen fast immer. ("Absolut" nennen wir sie, falls der Turm hierbei den König auf der 8. [1.] Reihe einschießen hilft.)} 46.Kf2 Ke6 47.Rd2 Kd5 48.Ke2 Rb2 {Der abgegebene Zug, bei dem Schwarz den ganzen folgenden Durchbruch voraussah. Es folgte} 49.Kd1 {droht den lästigen Eindringling Tb2 zu vernichten} 49...g5 {die Hilfsaktion von der anderen Seite her} 50.Rc2 ( {Auf} 50.Rxb2 axb2 51.Kc2 f4 $1 {ist Weiß verloren} ) 50...f4 $1 51.gxf4 gxf4 52.Rc5+ Kd6 53.exf4 Rxa2 {nun haben wir die "absolute" 7. Reihe plus Freibauer} 54.Ra5 e3 55.Ke1 Ra1+ 56.Ke2 a2 57.f5 Rh1 {und gewann in wenigen Zügen. - Trotz der Unterlassung im 41. Zuge trat die Hauptidee, nämlich die Verquickung von Zentraldruck und seitlicher Umgehung, recht deutlich in die Erscheinung. Ein lehrreiches Beispiel!} 58. Kxe3 a1=Q 59. Rxa1 Rxa1 60. Kf4 Rg1 61. h3 Kd5 62. h4 h5 63. f6 Ke6 64. f7 Rg4+ 65. Kf3 Kxf7 0-1 [Event "Jubiläumsturnier der Berliner Schachgesellschaft"] [Site "Berlin"] [Date "1928.02.18"] [Round "12"] [White "Sämisch, Friedrich"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "C13"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 13"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.e4 e6 2.d4 d5 3.Nc3 Nf6 4.Bg5 Be7 5.e5 Ng8 {Mit diesem schlecht angeschriebenen Zuge leitet Schwarz einen neuen, beachtenswerten Kriegsplan ein.} 6.Be3 b6 {Die Pointe: geplant wird La6 mit Abtausch des weißfeldrigen Läufers.} 7.Qg4 g6 8.h4 h5 9.Qg3 Ba6 10.Nf3 Bxf1 11.Kxf1 Qd7 {Nun droht u. a. die Diversion Dc6, gefolgt von b6-b5-b4. Man beachte, daß die weißfeldrigen Punkte wie c2, c4 und b5 an einer gewissen Schwäche laborieren; dies war der Sinn des Läuferabtausches.} 12.a3 Nc6 {Mit dem Erfolg der Damendiversion (nach d7) darf Schwarz zufrieden sein: a3 ist immerhin eine Schwäche.} 13.Rd1 {Er verteidigt sein Spiel prophylaktisch; dadurch gewinnt die Partie an Interesse. Sämisch gehört übrigens zu den wenigen, die um die Zentralpunkte kämpfen, er ist überhaupt ein strategisch glänzend veranlagter Spieler.} 13...Na5 14.Ng5 Nh6 15.Bc1 O-O-O 16.Qd3 Kb8 17.Rh3 {Die weiße Stellung macht nun einen wohlkonsolidierten Eindruck, denn die durch Sc4 involvierte Gefahr darf als im vorhinein lokalisiert betrachtet werden, auf c7-c5 aber kann stets d4xc5 mit (in der d-Linie begründeten) Defensivchancen geschehen, und, was das wesentlichste ist, der Sg5, der nie getauscht werden kann, ohne daß der wiedernehmende Läufer eine prächtige Schräge bekäme, hält den ganzen Königsflügel unter Druck.} 17...Rdf8 {Wie man bald sehen wird, enthält dieser Zug etwas Gift.} 18.Kg1 ( {Er unterschätzt die Gefahr, der Turm mußte sogleich nach f3, denn nun wird ihm der Ausgang verbaut. Auf} 18.Rf3 $1 {käme allerdings} 18...Nf5 19.g3 f6 20.exf6 Bxf6 {(drohend Sc6 nebst e6-e5)} 21.Re1 $1 Re8 $1 22.Rf4 $1 Bxg5 ( {nicht} 22...e5 {wegen des Qualitätsopfers} 23.dxe5 Bxe5 24.Nxd5 Bxf4 25.Bxf4 ) 23.hxg5 Nc6 {und Schwarz wäre wegen der Durchbruchsmöglichkeit e5 doch etwas im Vorteil. Die Eröffnung war eben günstig für den Nachziehenden.} ) 18...Nf5 19.Ne2 Qd8 $1 ( {Jetzt wäre} 19...f6 {wegen} 20.Nf3 {weniger stark.} ) 20.g3 {Es drohte Nxh4, vergleiche den ersten Teil der Note zum 18. Zuge.} 20...c5 21.dxc5 bxc5 22.Kg2 Qb6 {Die Idee besteht nun darin, den e-Bauern nachhaltig anzugreifen, bis f4 erfolgt; dann soll endlich Bxg5 geschehen, der Bc1 kann nicht mehr wiedernehmen, und das Problem "Ng5" erscheint gelöst!} 23.f4 {Dies hätte noch Zeit, aber Sämisch, dem das Konsolidieren eine psychologische Notwendigkeit geworden ist, kann den Anblick ungedeckter Bauern nicht vertragen.} 23...Bxg5 24.hxg5 Rc8 25.Rh2 Rhd8 { Die disponibel gewordenen Türme entfalten nun einen wahren Arbeitshunger.} 26.Kh3 d4 {Langsames Vorrücken der Zentralmasse, akkompagniert durch gradweises Zentralisieren der das Vorgehen stützenden Figuren.} 27.Qf3 Rd5 28.b3 c4 $1 29.b4 Nc6 30.c3 d3 ( {Damit wird eine schöne und, wie es scheint, auch korrekte Kombination in die Wege geleitet. Und doch wäre es vom praktischen Gesichtspunkt aus empfehlenswerter gewesen, der von uns mehrfach illustrierten Vereinfachungsstrategie den Vorzug zu geben: ohne sonderliche Anstrengung hätte Schwarz so Teile der Zentralisierung ins Endspiel hinüberretten können und zwar wie folgt:} 30...Rcd8 31.cxd4 Ncxd4 32.Nxd4 Nxd4 {Nun würde} 33.Qe4 {(die Gegenzentralisierung) an} ( {der Zug } 33.Qf2 {hätte aber} 33...Nb3 {zur Folge, zum Beispiel:} 34.Be3 Qb7 {mit erdrückendem Stellungsübergewicht.} ) 33...Nf5 {scheitern.} ) 31.Ng1 d2 32.Rhxd2 Rxd2 33.Bxd2 Rd8 34.Qe2 ( {Falls} 34.Bc1 {so} 34...Rxd1 35.Qxd1 Qf2 36.Ne2 Kc8 37.Qa4 Qf3 {und gewinnt} ) ( {oder} 34.a4 Nce7 {nebst Sd5 und Se3 mit sofortigem Gewinn.} ) 34...Rd3 35.Nf3 Qd8 36.Rf1 Qd5 37.Rf2 h4 {Triumph der mittelspielartig betonten Zentralisierungsidee, Weiß verliert jetzt die Dame.} 38.gxh4 Ncd4 39.cxd4 Nxd4 40.Qxd3 {Er hat nichts Besseres. Das Endspiel sollte nun leicht gewonnen sein, aber die Ermüdung (die bei 30. ... Tcd8 statt des Bauernopfers wohl kaum eingetreten wäre) läßt den Führer der schwarzen Steine einen schweren Fehler begehen, der ihn schier um die Früchte seiner Spielweise gebracht hätte.} 40...cxd3 41. Nxd4 Qxd4 42.Kg3 Qe4 $2 ( 42...Qa1 43.Kf3 Qxa3 44.Ke3 Kc7 {hätte spielend gewonnen.} ) 43.Rh2 Kb7 44.a4 Kc6 45.a5 Kd5 46.h5 gxh5 47.Rxh5 {Nun beginnt sozusagen eine neue Partie, es gelang mir, sie nach hartem Kampfe zu gewinnen, nachdem Sämisch einmal eine Remismöglichkeit verpaßt hatte. Wir bringen das Endspiel wegen seiner Länge in abgekürzter Notation.} 47...Qe2 48.Rh2 Qd1 49.Rf2 Ke4 50.Kh2 Kf5 51.Rg2 Qf1 52.Kg3 Ke4 53.Rf2 Qh1 54.Rg2 Kd4 55.Rh2 Qd1 56.Rg2 Kc4 57.Rf2 Qh1 58.Rh2 Qe4 59.Rf2 Kb3 60.Rh2 Kc2 61.Rf2 Kd1 62.Rh2 Qc6 63.Kg4 Qc2 64.Kg3 Qxd2 {die einzige Chance!} 65. Rxd2+ Kxd2 66.f5 $1 Ke3 67.g6 fxg6 68.f6 ( {Gespensterfurcht,} 68.fxe6 { hätte zum Remis geführt, zum Beispiel:} 68...d2 69.e7 d1=Q 70.e8=Q Qf3+ 71.Kh2 Kf2 $2 72.Qxg6 ) 68...d2 69.f7 d1=Q 70.f8=Q Qg1+ 71.Kh3 Ke4 72.b5 $2 Qh1+ 73.Kg3 Qe1+ 74.Kg4 Qxa5 75.Qd6 Qb6 76.Kg5 Qxb5 77.Kf6 Qf1+ $1 78. Kg7 Qf5 79.Qc6+ Kxe5 80.Qc5+ Ke4 81.Qxa7 e5 82.Qg1 Kd5 83.Qd1+ Kc5 84.Qc1+ Kb5 85.Qb2+ Kc6 86.Qc3+ Kd7 87.Qd2+ Ke8 88.Qd5 $2 ( {Mit} 88.Qa5 {konnte Weiß noch einigen Widerstand leisten} ) 88...Qd7+ {ein sehr interessantes Damenendspiel.} 0-1 [Event "Allrussische Meisterschaft, Stichkampf"] [Site "St. Petersburg"] [Date "1914.02.06"] [Round "2"] [White "Aljechin, Alexander"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "C11"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 14"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1. e4 e6 2. d4 d5 3. Nc3 Nf6 4. exd5 Nxd5 5. Nf3 b6 6. Bb5+ c6 7. Bd3 Be7 8. O-O Nd7 9. Nxd5 cxd5 10. Qe2 O-O 11. Bf4 Bb7 12. c3 Bf6 13. Rfe1 Qe7 14. Ba6 Bxa6 15. Qxa6 Nb8 16. Qb5 Qb7 17. Re3 Nc6 18. Qd3 g6 19. Bh6 Bg7 20. Bxg7 Kxg7 21. Rae1 Qc7 22. h4 Rae8 23. h5 Qf4 24. Ne5 Nxe5 25. Rxe5 Re7 26. g3 Qf6 27. Qe3 Rd8 28. Kg2 Red7 29. Rh1 Kf8 30. Rh4 Ke8 31. Qh6 Ke7 32. Rf4 Qh8 33. Re1 Rc8 34. Rh1 Qg8 35. Qg5+ Kd6 36. Qe5+ Kc6 37. a4 Kb7 38. Ra1 Qh8 39. Rf6 Qd8 40. Rf3 Qh8 41. Qe2 a6 42. Qe3 Qg7 43. h6 Qf8 44. Qe5 Qh8 45. Rf6 Qf8 46. Rf3 Qh8 47. Rf6 Qf8 48. Rh1 Qd8 49. Rf3 Qh8 50. Rf6 Qd8 51. Rf3 Qh8 52. Rf6 Qd8 53. Rf4 { Man vergleiche diese Stellung mit der in der Partie 12 nach dem 33. Zuge von Schwarz entstandenen; der Unterschied liegt in der Art des Flügelangriffs begründet: in der Partie 12 war der vorgeschobene Bauer von einer Linie, in der Partie 14 von einer Schräge sekundiert; die Schräge wirkt aber weniger wuchtig.} 53... Rc4 ( { Das vom Weißen geplante kombinierte Spiel im Zentrum und am Königsflügel zugleich scheitert an der Schwäche des eigenen Damenflügels, vergleiche Vorbesprechung. Statt des Textzuges wäre auch das Entgegenstellen } 53... Qh8 { möglich, zum Beispiel:} 54. Qg7 Qxg7 55. hxg7 h5 56. g4 Rg8 57. gxh5 gxh5 58. Rxh5 Rxg7+ 59. Kf3 { und nun etwa} 59... a5 { nebst evtl. b5; Schwarz dürfte das Turmendspiel halten können. Der Textzug ist aber viel besser.} ) 54. Ra1 ( { Solch einen Zug macht man nur ungern, aber } 54. Qg7 { wird durch} 54... f5 { abgewiesen, zum Beispiel:} 55. Qe5 Rxa4 56. Qxe6 Re7 57. Qf6 Qd7 { und Schwarz steht besser.} ) 54... Rc6 55. Rf6 ( 55. Qg7 { wäre wegen} 55... f5 56. Qe5 Qg5 57. Rh1 Re7 { nebst Tc4 nicht ungefährlich.} ) 55... Qb8 56. Qe3 Re7 57. Qf3 Qe8 $1 58. g4 Qd7 59. Re1 Rc7 { Schwarz ist um ein gutes Stück weitergekommen: der Bauer f7 ist gut gedeckt, a4 ist angegriffen, der Punkt g7 aber schwer zugänglich.} 60. b3 { Dadurch wird der Damenflügel noch mehr geschwächt.} 60... Ka7 61. g5 Qd6 62. Qd3 Qa3 { Damit nimmt Schwarz den Angriff auf.} 63. Qc2 Qb4 64. Rc1 Qa3 65. Re1 Qb4 66. Rc1 Qa3 67. Re1 Qb4 68. Rc1 Qd6 69. Qd3 Qa3 70. Rb1 ( { Falls wieder } 70. Qc2 { so} 70... Rc6 { nebst Tc7.} ) 70... Qa2 71. Rf3 e5 { Nach ermöglichtem Durchbruch ist die an allen Ecken und Kanten geschwächte weiße Stellung nicht mehr zu halten. Es folgte noch:} 72. Re3 e4 73. Qd1 f5 $1 74. gxf6 Rf7 75. Ra1 Qb2 76. Rb1 Qa3 77. c4 Rxf6 78. cxd5 Rcf7 79. Re2 Qd6 80. Qc2 Qxd5 { Schwarz hat nun einen mächtigen Königsangriff erlangt.} 81. Kf1 e3 82. Rxe3 Qh1+ ( { Besser als } 82... Rxf2+) 83. Ke2 Rxf2+ 84. Kd3 Qd5 85. Qc8 Rd7 ( 85... Rd7 { und Aljechin gab auf, denn} 86. Re4 { würde nach} 86... Rf3+ 87. Kd2 Qg5+ { zum Matt führen.} ) 0-1 [Event "Internationales Meisterturnier"] [Site "Semmering"] [Date "1926.03.07"] [Round "1"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Aljechin, Alexander"] [Result "1-0"] [ECO "B02"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 15"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.e4 Nf6 2.Nc3 d5 3.e5 Nfd7 4.f4 e6 5.Nf3 c5 6.g3 Nc6 7.Bg2 {Der Königsflügel des Nachziehenden erscheint etwas eingeklemmt, dafür aber ist sein Zentrum um so beweglicher.} 7...Be7 8.O-O O-O 9.d3 Nb6 ( {Schlecht wäre} 9...d4 {wegen} 10.Ne4 {mit Zentralisierung} ) ( {dagegen kam} 9...f6 {stark in Betracht, zum Beispiel:} 10.exf6 Bxf6 {und Schwarz kontrolliert das Zentrum.} ) 10.Ne2 $1 d4 $5 ( {Schwarz will den weißen Springerzug als Fehler markieren, denn nun kann der Springer ja nicht mehr nach e4. Dies ist aber ein Irrtum, und daher wäre d5-d4 viel besser durch f7-f6 zu ersetzen gewesen, zum Beispiel:} 10...f6 11.exf6 Bxf6 12.c3 e5 13.fxe5 Nxe5 {und Schwarz steht nicht schlecht.} ) 11.g4 $1 f6 ( {Dieser Zug, den Schwarz zweimal unterlassen hat, führt nun - dank der Schwäche von e4 - zu einem für Schwarz wenig ersprießlichen Resultat. Die prophylaktische Verteidigung} 11...Re8 12.Ng3 Bf8 13.Ne4 Nd5 {(mit unterbundenem f4-f5) hätte daher den Vorzug verdient.} ) 12.exf6 gxf6 ( {An} 12...Bxf6 13.Ng3 e5 14.f5 {wäre auch keine rechte Freude zu erleben.} ) 13.Ng3 Nd5 {Schwarz sucht den bedrohten Flügel vom Zentrum aus zu decken, es hätte aber nicht langen sollen.} 14.Qe2 Bd6 15.Nh4 {Um Ld5: nebst Sf5 zu drohen.} 15...Nce7 16.Bd2 ( {Hier war Sh5 schärfer, zum Beispiel:} 16.Nh5 Ng6 17.Bxd5 exd5 18.Nf5 {mit siegreichem Angriff.} ) 16...Qc7 17.Qf2 ( {Immer noch war} 17. Nh5 {vorzuziehen.} ) 17...c4 $1 18.dxc4 Ne3 $1 {Mit dieser geistreichen Diversion weiß Dr. Aljechin den gegnerischen Angriff für einige Zeit zum Stillstand zu bringen.} 19.Bxe3 dxe3 20.Qf3 Qxc4 {Die Position hat sich einigermaßen geklärt: Schwarz hat einen Freibauern, der zwar sehr kränklich, gegen Todesfall aber hoch versichert ist; wir meinen das so, daß die Läuferdiagonalen c6-h1 (nach evtl. Bc8-d7-c6) und c5-g1 den Fall von Bauer e3 kompensieren würden. Wesentlicher als dem zweifelhaften Bauerngewinn nachzujagen wäre es daher für Weiß, den Königsangriff fortzusetzen, und zwar durch den Zug g4-g5. Die Unterlassung dieses Zuges bringt Weiß ins Hintertreffen.} 21.Ne4 Bc7 22.b3 Qd4 23.c3 Qb6 24.Kh1 { Weiß hat den gegnerischen Durchstoß lokalisiert.} 24...Nd5 ( {Besser war wohl} 24...Bd7 ) 25.f5 ( {Hier versäumt er die Gelegenheit zum Zuge g4-g5. 25. g5 hätte gewonnen, zum Beispiel:} 25.g5 fxg5 ( {oder} 25...f5 26.Qh5 fxe4 27.Bxe4 {usw.} ) 26.Nxg5 Rxf4 27.Qh5 ) 25...Nf4 $1 26.Rfd1 Kh8 ( { Besser war nach H. Wolf} 26...e2 27.Rd2 Qb5 {nebst evtl. De5.} ) 27.Bf1 exf5 28.gxf5 Be5 29.Re1 Bd7 {Nun geht es genau so wie in der Anmerkung zum 20. Zuge angedeutet: Weiß erobert den Bauern, aber Schwarz erhält Druck auf Grund der zwei schiefen Läufer.} 30.Rxe3 Bc6 31.Rae1 Nd5 ( {Mit} 31... Rg8 {konnte Schwarz den Druck verstärken.} ) 32.Rd3 Nxc3 {Hübsch aber unzureichend, allerdings wäre Annahme des Opfers verderblich. [siehe Anmerkung zum nächsten Zug.] (33. Rxc3, Bxc3, Qxc3, Qf2), aber Weiß hat eine wahrlich verblüffende Gegenkombination zur Verfügung.} 33.Ng6+ ( 33.Rxc3 Bxc3 34.Qxc3 Qf2 ) 33...hxg6 34.Qg4 $3 ( {Die Pointe. Schlecht wäre sofortiges Dreinhauen mittels} 34.fxg6 Kg7 35.Qh3 Rh8 36.Rd7+ Bxd7 37. Qxd7+ Kxg6 {und Weiß ist von einem Matt auf h2 bedroht.} ) 34...Rf7 $2 ( { Hier war} 34...Rg8 {geboten. Die Folge wäre:} 35.fxg6 Kg7 36.Rd7+ Bxd7 37. Qxd7+ Kxg6 38.Bd3 $1 Kh6 39.Qh3+ Kg7 40.Rg1+ Qxg1+ $1 {und der Gewinn für Weiß ist noch weit im Felde.} ) 35.Rh3+ Kg7 36.Bc4 $1 Bd5 37.fxg6 Nxe4 38. gxf7+ Kf8 39.Rxe4 ( {Einfacher gewann} 39.Qg8+ Ke7 40.f8=Q+ Rxf8 41.Rh7+ Ke8 42.Qxd5 ) 39...Bxe4+ 40.Qxe4 Ke7 41.f8=Q+ $1 {Die Expansionslust des Freibauern!} 41...Rxf8 42.Qd5 Qd6 ( 42...Qc6 {würde nicht zum Damentausch, sondern vielmehr zum Damenverlust führen, nämlich} 43.Rh7+ Ke8 44.Bb5 ) 43.Qxb7+ Kd8 44.Rd3 Bd4 45.Qe4 Re8 46.Rxd4 1-0 [Event "Freie Partie"] [Site "London"] [Date "1927.11.28"] [Round "-"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Romi, Massimiliano"] [Result "1-0"] [ECO "D35"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 16"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Nach den Zügen} 1.d4 d5 2.c4 e6 3.Nc3 Nf6 4.Bg5 Nbd7 5.e3 c6 6.cxd5 exd5 7.Bd3 Bd6 ( { besser wäre} 7...Be7 ) 8.Qc2 h6 9.Bh4 {litt der Nachziehende an schwerer "Rochade-Not". Damit meinen wir, daß in der gegebenen Situation die kurze Rochade allzu gefährdet, die lange aber schwer vorzubereiten ist. Unter diesen Umständen muß die von Romih gewählte Lavierungsstrategie (er behält sich beide Rochaden vor) als durchaus sachgemäß angesprochen werden.} 9...Qa5 10.O-O-O Bb4 11.Nge2 Be7 {Kunstgerechtes Lavieren! Schwarz wollte den weißen Königsspringer von der Route g1-f3-e5 weglenken. Jedenfalls ein feines Manöver, das mehr echtes Schachgefühl verrät als mancher noch so bravourös durchgeführte Husarenangriff.} 12.Kb1 Nf8 $1 13. h3 {Um den Läufer gegebenenfalls nach g3 zurückziehen zu können, ohne Sh5 fürchten zu müssen.} 13...Be6 14.f3 a6 15.a3 ( {Die Einleitung eines nachhaltigen Angriffs macht hier Schwierigkeiten, zum Beispiel:} 15.e4 $2 Nxe4 $1 16.Bxe7 Nxc3+ {nebst Kxe7.} ) 15...Bd7 {Damit wird die Exkursion Sf8-e6-c7-b5 geplant.} 16.Bxf6 $1 Bxf6 17.e4 Ne6 18.e5 Be7 19.f4 {Das mobile Bauernzentrum.} 19...Nc7 20.f5 Nb5 21.Rhf1 {Der Kontakt wird hergestellt, vergleiche unsere Vorbesprechung.} 21...Qb6 ( {Auf} 21...Bxa3 {wollte ich} 22.Bxb5 axb5 23.bxa3 Qxa3 24.Qa2 {spielen, was ohne vorhergegangenes 21. Rh1-f1 nun an BxfS+ scheitern würde. Der Kontakt macht sich also bereits bemerkbar.} ) ( {Besser als der Textzug wäre übrigens der Abtausch auf c3 nebst 0-0-0, zum Beispiel:} 21...Nxc3+ 22. Nxc3 O-O-O 23.Na4 Kb8 24.b4 Qc7 25.Ka2 {und der weiße Angriff wäre nicht leicht zu führen.} ) 22.Bxb5 $1 axb5 23.Nf4 b4 24.Ncxd5 {Die Pointe.} 24...cxd5 ( {Oder} 24...b3 25.Qe4 {mit starkem Angriff.} ) 25.Nxd5 Qa5 26. Nc7+ Kd8 27.Nxa8 Qxa8 ( {Erzwungen, denn auf} 27...bxa3 28.d5 axb2 {würde bereits die Abwicklung} 29.Qc7+ Qxc7 30.Nxc7 Kxc7 31.d6+ {entscheiden.} ) 28.d5 Qc8 29.Qe4 {Diese zentrale Plazierung erhöht den Bewegungswert der weißen Zentralbauern nicht unerheblich.} 29...Re8 30.Rc1 Qb8 31.e6 $1 {Auf d6 entsteht nun scheinbar ein toter Punkt, über den die Bauern nicht hinweg können. Ja, wenn die Zentraldame nicht wäre! Sie ist aber da ... und das Hindernis wird spielend genommen.} 31...Bb5 32.Qd4 {drohend Db6+} 32...b6 33.d6 $1 Bf6 ( {Falls nun} 33...Qxd6 {so} 34.Rfd1 $1 {und gewinnt. } ) ( {Falls aber} 33...Bxd6 {so} 34.Rfd1 Ke7 35.Qxg7 Rf8 36.Qxh6 {mit schneller Entscheidung. Man beachte, daß die Dame von d4 aus sowohl nach b6 als auch nach g7 hin gewirkt hat; die übliche Folgeerscheinung der Zentralisierung.} ) 34.e7+ Kd7 35.Qd5 Bxf1 36.Qc6# 1-0 [Event "Internationales Schachmeisterturnier - Vorrunde"] [Site "Kecskemét"] [Date "1927.07.03"] [Round "8"] [White "Grünfeld, Ernst"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "E32"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 17"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.d4 Nf6 2.c4 e6 3.Nc3 Bb4 4.Qc2 d6 ( {Möglich ist an dieser Stelle auch} 4...b6 {zum Beispiel:} 5.e4 Bxc3+ 6.bxc3 d6 7.f4 {und nun} 7...Nbd7 {in der Folge entwickelt Schwarz dann seine Figuren mittels Sbc6 (evtl. weiter Sa5) Lb7 c5 (niemals e5) Dc7 und 0-0-0 und hat wohl ein widerstandsfähiges Spiel.} ) 5.Bg5 Nbd7 6.a3 ( {Tempoverlust. Am besten erscheint statt dessen} 6.e3 {zum Beispiel:} 6...b6 7.Bd3 Bb7 8.f3 ) 6... Bxc3+ 7.Qxc3 h6 8.Bh4 b6 ( {Sehr gut wäre auch} 8...O-O {denn falls darauf } 9.f3 {(wie in der Partie), so einfach} 9...d5 {usw.} ) 9.f3 Bb7 10.e4 Nxe4 {Übermut!} ( {Der weiße Aufbau hat höchstens passiven Wert, denn nach etwa} 10...e5 11.Bf2 c5 12.d5 ( {oder} 12.dxc5 dxc5 {nebst De7 und Sd7-b8-c6-d4} ) 12...g5 {sind die zwei Läufer ganz ungefährlich; allerdings wird auch der schwarze Angriff kaum durchdringen können.} ) 11. Bxd8 Nxc3 12.Bh4 $1 ( {Weniger gut wäre} 12.Bxc7 Ke7 13.bxc3 Rhc8 14.Bxd6+ Kxd6 {denn der weiße c-Bauer ist gegen den Aufbau Tc7 Tac8 gefolgt von Sb8! nebst La6 unhaltbar. Nun aber (nach 12. Lh4!) muß Schwarz eine Figur hergeben.} ) 12...Na4 {An dieser Stelle dachte der Führer der schwarzen Steine an den amerikanischen Wahlspruch: to make the best of it! Nicht verzweifeln, in den schlimmsten Lagen die relativ beste Chance finden! Den Gewinn nach Möglichkeit erschweren. So denkt der Amerikaner, und diese Denkweise ist so übel nicht! Das zeigt sich auch in dieser Partie.} 13.b3 c5 $1 14.bxa4 $2 ( {Schwach. Gegeben war} 14.d5 {Allerdings hätte Schwarz auch in diesem Falle vermittels} 14...exd5 15.bxa4 dxc4 16.Bxc4 d5 17.Bb5 $1 g5 $1 18.Bg3 O-O-O {eine keineswegs leicht zu erschütternde Abwehrstellung eingenommen. Nach dem Textzuge gerät Weiß aber geradezu in Nachteil.} ) 14...cxd4 15.Ne2 e5 16.Nc1 Nc5 {Schwarz hat nun bei starker Stellung zwei Bauern für die Figur und die sichere Anwartschaft auf die Eroberung weiterer zwei Bauern, ist also bereits im Vorteil.} 17.a5 bxa5 { Dieser Bauer a5 hilft wichtige Punkte decken, ist also in seiner Bedeutung durchaus nicht gering zu werten.} 18.Nd3 Nd7 {Der richtige Rückzug, der auch e5 im Auge behält, zum Beispiel: 19. c5? de! und Be5 ist gedeckt.} ( {Schlecht wäre demgemäß} 18...Ne6 {denn nun wäre die Antwort} 19.c5 Nxc5 20.Nxc5 dxc5 21.Bb5+ {mit offenem Spiel für den Nachziehenden unangenehm geworden.} ) 19.Be2 Ba6 20.O-O Bxc4 21.Be1 a4 22.Bb4 d5 23.Rfe1 f6 { Opferkombinationen auf e5 müssen unterbunden werden.} 24.Nb2 Bxe2 25.Rxe2 Kf7 ( {Es konnte auch} 25...Rc8 26.Nxa4 Kf7 {geschehen, aber ich wollte ihm die c-Linie geben, damit mein Zentrum um so schneller vorrücken könne. Der Verlauf der Partie gab mir recht.} ) 26.Rc1 Nb6 27.Rc7+ Kg6 28. Rec2 e4 $1 {Siehe vorige Anmerkung.} 29.R2c6 d3 30.Re6 Rhe8 $1 31.Rxe8 Rxe8 32.Kf1 ( 32.Rxa7 $2 Rc8 $1 ) 32...h5 {Ein Tastversuch. Neue Schwächen sollen provoziert werden.} 33.h3 {Wahrscheinlich war Schwarz doch in der Lage, diesen Zug auf die Dauer zu erzwingen (vermittels des Drohspiels h5-h4-h3); aber ohne Kampf hätte Weiß sich dazu doch nicht verstehen sollen. Denn nun entsteht auf g3 ein furchtbares Loch.} 33...h4 $1 34.Kg1 Kf5 35.Kf2 e3+ 36.Kf1 d2 37.Ke2 d4 38.Nd3 {Damit ist ein nur scheinbarer Blockadezustand erreicht; durch das nachfolgende Springermanöver wird er illusorisch gemacht.} 38...Nd5 $1 39.Rc5 ( {Auf} 39.Rc4 {entscheidet} 39...Nxb4 40.Nxb4 ( 40.Rxb4 $2 Rc8 $1 ) 40...Rd8 41. Nd3 Rb8 42.Rb4 Rxb4 43.Nxb4 Kf4 {und Kg3.} ) 39...Rd8 40.Ba5 Rd7 41.Rc4 Nf4+ 42.Nxf4 Kxf4 43.Bc3 ( {Oder} 43.Bc7+ Kf5 {usw.} ) 43...Kg3 44.Rxd4 Rxd4 45.Bxd4 Kxg2 46.Bxe3 Kxh3 47.Bxd2 Kg2 0-1 [Event "Internationales Schachmeisterturnier"] [Site "Bad Niendorf"] [Date "1927.08.08"] [Round "3"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Steiner, Lajos"] [Result "1-0"] [ECO "C62"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 18"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Nach den Zügen} 1.e4 e5 2.Nf3 Nc6 3.Nc3 Nf6 4.Bb5 d6 5.d4 Bd7 6.Bxc6 Bxc6 7.Qd3 Nd7 8.Be3 exd4 9.Bxd4 {hatte Schwarz weniger unter der Aufgabe des Bauernzentrums als vielmehr darunter zu leiden, dass der zentralisierte Ld4 den Bg7 im Schach hielt. Es folgte} 9...f6 $2 ( {Dieser Zug scheint uns der entscheidende Fehler zu sein, richtig war vielmehr sofortiges} 9...Nc5 { zum Beispiel:} 10.Qe2 Ne6 11.O-O-O Be7 12.Nd5 O-O ( {Oder auch} 12...Bxd5 13.exd5 Nxd4 14.Nxd4 O-O {nebst Lf6 und Schwarz steht gut.} ) 13.Bc3 Re8 { nebst Lf8 mit vollauf genügender Zentralwirkung.} ) 10.Nh4 {Eine keineswegs verfrühte Diversion.} 10...Nc5 11.Qe2 Ne6 12.Nf5 {Nun kommt Schwarz zu keiner befriedigenden Entwicklung mehr.} 12...Qd7 ( 12...Be7 $2 13.Nd5 Bxd5 14.exd5 Nxd4 15.Nxd4 {mit entscheidender Besitzergreifung von e6} ) ( {Ein Schlag ins Wasser wäre} 12...g6 {zum Beispiel:} 13.O-O-O Kf7 14.Qc4 ) 13.O-O $1 {Nicht nur entwickelnd, sondern auch abwartend. Schwarz ist nämlich unter allen Umständen dazu gezwungen, sich eine neue Blöße zu geben - sonst kommt er zu keiner vernünftigen Entwicklung - und Weiß wartet daher ruhig ab, ob der Gegner sich nun zu a6 oder zu b6 entschliessen wird. Also war 13. 0-0 dem Aussehen nach ein Entwicklungszug, dem Geiste nach aber ein Tastversuch, von ganz ähnlicher Beschaffenheit wie etwa 32. ... h6-h5 in Partie Nr. 17.} 13...b6 ( {Auch a6 hatte seine Schattenseiten. Ganz schlecht aber wäre} 13...O-O-O {zum Beispiel:} 14.Bxa7 b6 15.a4 Kb7 16.a5 Kxa7 17.axb6+ Kb8 18.Ra7 Bb7 {noch das einzige} 19.Rxb7+ $1 Kxb7 20.Ra1 cxb6 21.Qa6+ Kc6 22.Qb5+ Kb7 23.Qd5+ Qc6 24.Ra7+ {und gewinnt.} ) ( {Statt der Schwächung durch a6 oder b6 hätter Steinitz allerdings} 13...Be7 {versucht, zum Beispiel:} 14.Nd5 Bd8 $1 15.c4 O-O 16.Bc3 Re8 {und das schwarze Spiel ist zwar furchtbar eingeklemmt, trotzdem aber gar nicht so leicht umzubringen.} ) 14.a4 { Jetzt geht es wie geölt.} 14...a5 15.Nd5 Nxd4 ( 15...O-O-O $2 16.Bxb6 $1 ) 16.Nxd4 Bb7 17.Ne6 Rc8 18.Qh5+ g6 19.Nxf6+ Kf7 20.Nxd7 gxh5 21.Ndxf8 { Aufgegeben. Die schwarze Stellung konnte also, wie gezeigt, durch 9. ... Sc5 und vielleicht sogar noch durch 13. ... Le7! nebst 14. Ld8 (aber dazu müßte man ein Steinitz an Verteidigungskraft sein!) gehalten werden. Auch 10. ... Se5! wirkte kräftig! Das Aufgeben des Zentrums ist eben keine Katastrophe.} 1-0 [Event "II. internationales Schachmeisterturnier"] [Site "Karlsbad"] [Date "1911.09.11"] [Round "16"] [White "Alapin, Simon"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "B10"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 19"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.e4 c6 2.c4 d6 3.d4 Nf6 4.Nc3 Nbd7 5.f4 e5 6.Nf3 exd4 7.Qxd4 {Um den sprungbereiten Tiger vulgo das marschbereite Zentrum zu zähmen: 8. e4-e5? de und Weiß hat nichts.} 7...Nc5 8.Bd3 Qb6 ( {Auch} 8...Nxd3+ {(mit den "Zwei bishops") kam in Betracht.} ) 9.Bc2 Be7 10.O-O O-O 11.Kh1 Rd8 { Fortgesetzte Zähmung.} 12.Rb1 Be6 $1 {Das ist die Gegenchance, c4 ist nämlich aufzurollen. Und dass dem so sein muss, darin liegt ein tiefer Sinn: wie kommt Bc4 auch dazu, sich einzubilden, das elastische und kraftvolle schwarze Zentrum (= Bauer d6) lähmen zu können! Dafür wird dieser Monsieur schwer bestraft.} 13.f5 ( {Dies ist aber ein gewaltiges Zugeständnis, denn dadurch verliert das weiße Zentrum ganz beträchtlich an Bewegungswert. Bei anderen Zügen käme es allerdings zur angedeuteten Aufrollung, zum Beispiel:} 13.Be3 Qa6 14.b3 b5 ( {oder auch} 14...d5 15. cxd5 cxd5 16.e5 Nfe4 ) ) ( {oder} 13.b4 Na6 14.Qd3 Nxb4 15.Qe2 Qc5 ) 13... Bc8 14.Bg5 Ncd7 15.Qd2 a6 $1 16.b3 Qc7 17.Rbd1 b5 {Der "gerechte Zorn" des Schwarzen gelangt nun zum Ausbruch.} 18.Rfe1 Ne5 19.cxb5 axb5 {Der windige Monsieur von und zu c4 ist verweht, und kein Hahn kröht mehr nach ihm.} 20.Bb1 Bb7 21.Qc1 Qb6 22.h3 ( {Richtiger erscheint} 22.Be3 Qa5 23.Bg1 ) 22...Nxf3 $1 {Die Einleitung zu einer tiefen Kombination.} 23.gxf3 Qf2 24. Qe3 Qg3 25.f4 Qxe3 26.Rxe3 h6 27.Bh4 b4 {Die zwei Bauernzüge bilden die Pointe, das weiße Zentrum wird in überraschender Weise erobert.} 28.Na4 Nxe4 $3 29.Rxe4 Bxh4 30.Rxb4 Ra7 {und Schwarz hat mit seinen zwei Läufern - bei der zerrissenen feindlichen Bauernstellung - gewonnenes Spiel. Es folgte noch:} 31.Be4 Be7 32.Bf3 d5 33.Rbd4 Rd6 34.Kh2 Rf6 35.Bg4 Bd6 36. Rc1 h5 37.Kg3 ( {Auf} 37.Bxh5 {folgt} 37...Rxf5 38.Bg4 Rxf4 {mit Figurengewinn.} ) 37...hxg4 38.hxg4 g5 39.fxg6 fxg6 40.g5 Rf5 41.Kf3 Ra8 42.Nc5 Bxc5 43.Rxc5 Rxa2 {Aufgegeben.} 0-1 [Event "Internationales Meisterturnier des British Empire Club"] [Site "London"] [Date "1927.10.18"] [Round "7"] [White "Bogoljubow, Efim"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "A19"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 2"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.c4 e6 2.Nc3 Nf6 3.e4 c5 4.g3 ( {In Betracht kam} 4.Nf3 Nc6 5.d4 cxd4 6. Nxd4 Bb4 7.Qd3 {(von Bogoljubow herrührend).} ) 4...d5 5.e5 d4 6.exf6 dxc3 7.dxc3 ( {Gegen 7. bc war wohl nicht viel einzuwenden, zum Beispiel:} 7. bxc3 Qxf6 8.d4 cxd4 9.cxd4 Bb4+ 10.Bd2 Qxd4 11.Bxb4 Qe4+ 12.Be2 Qxh1 13. Qd6 Nc6 14.Bf3 {und gewinnt. Indes ist auch der Textzug spielbar, denn die schwarze Bauernmehrheit dürfte wohl kaum zue Entfaltung gelangen können!?} ) 7...Qxf6 $1 8.Nf3 ( {Hier war} 8.Bg2 {sehr zu erwägen, zum Beispiel:} 8...Nc6 9.Ne2 e5 10.O-O {nebst f4. Der Textzug erschwert die zentrale Auswirkung der Läuferschräge.} ) 8...h6 9.Bg2 Bd7 $1 10.Nd2 $1 {Damit macht er den Fehler des 8. Zuges einigermaßen wieder gut.} 10...Bc6 11.Ne4 Qg6 12.Qe2 Be7 ( {Nicht} 12...f5 {wegen der Antwort} 13.Bf3 {nebst Sd2, und Punkt e5 bliebe dauerhaft geschwächt. Man sieht, daß das Problem, das der Weiße hier lösen soll, ein kombiniertes ist: 1. die schwarze Mehrheit soll gehemmt werden; 2. die zentrale Hegemonie soll dem Weißen zufallen. Dieses - kombinierte - Problem ist in der Tat bis zu einem gewissen Grade lösbar, allerdings nur durch präziseste Ausnutzung der zu Gebote stehenden Kampfmittel.} ) 13.O-O O-O 14.h4 $5 ( {Er negligiert das Zentrum! Warum nicht} 14.f4 $1 {Falls dann} 14...Nd7 {, so} 15.Bd2 Kh8 $1 16.Rae1 Nf6 17. Bc1 {(mit der Absicht Se4-d2-f3-e5). Nach dem im 17. Zuge einsetzenden Generalabtausch auf e4 sehen wir dann für den Nachziehenden noch immer keine Möglichkeit, die Bauernmehrheit vorzubringen.} ) 14...f5 15.Nd2 Bxg2 ( {Er vermeidet die Falle} 15...Bxh4 16.Nf3 $1 ) 16.Kxg2 Nc6 17.Nf3 {mit der Absicht Lf4.} 17...f4 {Schiebt einen Riegel vor. Es folgt noch ein letzter Konsolidierungsversuch, und dann bricht das weiße Spiel zusammen.} 18.Re1 Rf6 19.Qe4 fxg3 20.fxg3 Bd6 {Die Schwäche von g3, die mangelhafte Entwicklung und die offene Königsstellung - das ist zuviel des Guten, selbst für eine zentralisierte Stellung. - Man versteht nun den Schaden zu würdigen, den h4 angerichtet hat.} 21.g4 Qxe4 22.Rxe4 Raf8 23.Re3 Rf4 {Der weniger geübte Leser beachte hier die "Arbeit" in der Linie.} 24.g5 ( 24. Rxe6 Rxg4+ 25.Kf2 Ne5 {führt zum Debakel.} ) 24...Rg4+ 25.Kh1 ( {Oder} 25. Kf2 Ne5 26.Ke2 Rg2+ 27.Kf1 Rg3 {mit Figurengewinn.} ) 25...hxg5 26.hxg5 Kf7 27.Ng1 ( {Auf} 27.g6+ {folgt am besten} 27...Kf6 ( {nicht} 27...Ke7 { wegen} 28.Nh2 Rh8 29.Re2 Rgh4 $4 30.Bg5+ ) ) 27...Rh8+ 28.Nh3 Ke7 $1 29.b3 Bf4 {Bei der Königsstellung auf f7 wäre nun die Fesslung durch Tf3 möglich geworden, daher der Königszug.} 30.Rf3 Ne5 0-1 [Event "Internationales Schachmeisterturnier - Endrunde"] [Site "Kecskemét"] [Date "1927.07.10"] [Round "5"] [White "Aljechin, Alexander"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "1/2-1/2"] [ECO "C11"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 20"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Schon sehr frühzeitig, nämlich nach den Zügen} 1.e4 e6 2.d4 d5 3.Nc3 Nf6 4.exd5 Nxd5 5.Ne4 {kam Schwarz in die (übrigens nicht gerade unangenehme) Lage, sich ohne Bauerntentrum behelfen zu müssen. Er löst das Problem zunächst ganz befriedigend, und zwar durch:} 5...Nd7 6.Nf3 Be7 7.Bd3 b6 8.O-O Nb4 $1 9.Bc4 Bb7 10.Qe2 O-O 11.a3 Nd5 12. Rd1 {(ein Präventivzug gegen c7-c5), ließ sich aber nun dazu verleiten, das Spiel allzu schnell zu öffnen.} 12...c5 {Den Vorzug verdiente das langsame Öffnen durch 12. ... c6, dann Dc7 und Tfd8 und endlich c6-c5. Ein eingeklemmtes Spiel darf nicht allzu plötzlich befreit werden, auch auf die Schachstellung wirkt die in raschen Zügen genossene Freiheit berauschend. Aber durch 12. ... c6 usw. war die Partie stark und lebenskräftig zu gestalten (nach 12. ... c6 und 13. ... Dc7 ist auch gelegentliches Sf4 möglich, zum Beispiel: im Falle von geschehenem Ld3).} 13.Bb5 $1 Nc7 14.Bxd7 ( {Auf} 14.dxc5 Nxb5 15.Qxb5 Bxe4 16.Rxd7 Qe8 17.c6 Rc8 {läßt Aljechin sich natürlich nicht ein.} ) 14...Qxd7 15.dxc5 Qc6 16. Nd6 $1 ( {Er verzichtet auf den möglichen Bauerngewinn} 16.cxb6 axb6 17. Re1 {denn dann würde} 17...Nd5 {folgen} 18.Ne5 {und Schwarz erhielte ein kraftvoll zentralisiertes Spiel, zum Beispiel:} ( 18.c4 Nf6 19.Nxf6+ Bxf6 {mit zwei prächtigen Läuferdiagonalen} ) 18...Qc7 19.Nd3 Rac8 20.c3 Rfd8 { und Weiß ist eher in Nachteil.} ) 16...Bxd6 $1 ( {Es gibt nichts Besseres. Auf} 16...Ba6 17.c4 bxc5 18.Ne5 Qa4 {käme} 19.Bh6 $1 {zum Beispiel:} 19... Bxd6 20.Rxd6 gxh6 21.Qg4+ Kh8 22.Rd7 {mit Gewinnstellung.} ) 17.cxd6 Ne8 18.Bg5 {Wiederum ein raffinierter Zug.} 18...Nf6 $1 19.Rd4 Nd7 20.Be7 Rfc8 21.c3 e5 {Und nun zeigt es sich, dass die schwarze Zentralisierung trotz allen gegnerischen Raffinements nicht umzubringen war. Auch steht der Läufer e7 einigermaßen problematisch da, während Lb7, ganz im Gegensatz hierzu, eine rege Wirksamkeit entfaltet. Das Spiel steht gleich, das Bauernminus ist ziemlich belanglos.} 22.Rg4 {Um dem ausgesperrten Läufer e7 vielleicht doch noch ein Arbeitsfeld zu verschaffen. Gleichzeitig soll Sf3 entlastet werden, denn nun ist g2 durch den Turm gedeckt.} 22...Qd5 $1 23.Rg3 Rc4 $1 24.Rd1 {Nach dem Textzug erzwingt Schwarz durch ein eigenartiges Manöver den ihm willkommenden Turmtausch.} ( {Hier glaubt Aljechin mittels 24. Sg5 "stürmen" zu können, zum Beispiel:} 24.Ng5 h6 ( { Er übersieht aber die mögliche Ressource} 24...g6 $1 25.Rd1 Qc6 $1 26.Rf3 f5 {und das sonst entscheidene Opfer} 27.Rxf5 {ist wegen des auf g2 drohenden Matts nicht möglich.} ) 25.Rd1 Qc6 26.Nxf7 Kxf7 27.Qh5+ Kg8 28. Qg6 ) 24...Qe4 25.Qf1 Qc2 $1 26.Rd2 Qa4 27.Re2 ( {Auf das von Aljechin als besser empfohlene} 27.h3 {hätte ich u. a. auch die Frontveränderung Lb7-e4-g6 in Erwägung gezogen, mit später folgendem f7-f5 usw. Man beachte, dass die schwarzen Zentralmanöver alle über e4 gehen.} ) 27...Re4 28.Rxe4 Qxe4 29.Qc1 h6 30.h3 Kh7 31.Qd1 g6 ( {Unzulässig wäre} 31...f5 { wegen des Opfers} 32.Ng5+ {nebst Qh5+ und Qxg5.} ) 32.Rg4 Qd5 33.Qc2 Rg8 { Wie aus dieser kleinen Analyse hervorzugehen scheint, war 33. ... Tc8! also geeignet, das Illusorische des weißen "Vorteils" überzeugend nachzuweisen.} ( {Die Turmexkursion Ta8-c8-c4 erschien mir verlockend und gewagt zugleich. Gewagt wegen des Drohspiels Sf3-h4xg6, verlockend - aus "System"-Erwägungen. Denn e4 ist hier der strategisch wertvolle Punkt, und von einem solchen sollen die Figuren sich gleichsam magnetisch anziehen lassen. (Siehe unter "Überdeckung".) Auf} 33...Rc8 {könnte folgen} 34.Nh4 e4 35.f3 Qc5+ {und nun entweder Kh1 oder Kh2. Auf} 36.Kh1 {geschieht} ( { auf} 36.Kh2 {aber hat Schwarz die Wahl zwischen} 36...Qe3 ( {oder 36. ... Se5, zum Beispiel:} 36...Ne5 37.Rf4 Qe3 38.g3 exf3 $1 39.Rxf7+ Kg8 {und Weiß ist gegen die Drohung De2+ wehrlos.} ) 37.fxe4 Rc5 ) 36...Qe3 37.fxe4 $2 h5 38.Rg5 Qe1+ {mit Figurengewinn,} ) 34.Rh4 {drohend Lg5} 34...f6 $1 35.c4 Qe6 36.Nd2 Qf5 37.Qd1 g5 ( {Wie Aljechin mit Recht hervorhebt, hätte} 37...h5 {hier den Vorzug verdient, denn nun kommt der weiße Turm wieder ins Freie. Beide Partner waren in Zeitnot.} ) 38.Rg4 Qg6 39.Rg3 f5 40.Rc3 e4 {Hier einigte man sich auf Remis, und zwar mit Rücksicht auf beiderseitige Zeitnot. Nach 41. Sb3 nebst c5 scheint jetzt wieder der Weiße im Vorteil zu sein. - Der Lernende aber spiele die obige Partie gründlich nach, sie wird u. a. auch sein Gefühl für "Felderschwächen von bestimmter Farbe" (hier die "weißen" Felder g2 e4 c4 d7 entwickeln helfen. } 1/2-1/2 [Event "Großmeisterturnier"] [Site "New York"] [Date "1927.02.27"] [Round "7"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Marshall, Frank James"] [Result "1/2-1/2"] [ECO "A05"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 21"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.Nf3 Nf6 2.e3 d5 3.b3 Bg4 4.Bb2 Nbd7 5.h3 ( {Dieser Bauernzug läßt eine späterhin zu vollziehende kurze Rochade als wenig wünschenswert erscheinen, verringert somit die weißen Ressourcen. Gut genug war} 5.Be2 { nebst 0-0.} ) 5...Bh5 6.d3 h6 7.Nbd2 e6 8.Qe2 ( {Auf allfälliges 8. Le2 nebst 9. 0-0 hatte Weiß mit einem Bauernsturm zu rechnen, zum Beispiel:} 8.Be2 Bd6 9.O-O Qe7 10.c4 O-O-O 11.Rc1 g5 {in ähnlicher Weise verlor ich im selben Turnier gegen Vidmar.} ) 8...Bb4 9.g4 Bg6 10.Ne5 Nxe5 11.Bxe5 Bd6 12.Nf3 Qe7 13.Bg2 O-O-O 14.O-O-O Bxe5 15.Nxe5 Bh7 16.c4 {Die weiße Stellung wird dadurch lockerer, aber eine Verbindungslinie in der 2. Reihe mußte hergestellt werden.} 16...Nd7 17.Nxd7 Rxd7 18.cxd5 exd5 19.Qb2 f5 $1 {Durch Präventivmaßnahmen wie 16. c2-c4 und 19. De2-b2 hat der Weiße es verstanden, seine Königsstellung zu sichern. Doch sind ihm die Schwächen am anderen Flügel geblieben, es erschien eben unmöglich, nach beiden Seiten hin zugleich prävenieren zu können. So mußte Weiß, leider Gottes, f7-f5 über sich ergehen lassen.} 20.Rd2 Rf8 21.gxf5 Bxf5 22.Rhd1 Qg5 23.f4 $1 Qg3 24.Qe5 $1 {Diese unerwartete Zentrierung rettet das Spiel! In die Ehren dieser Rettung hat die "Zentrierung" sich allerdings mit der "Prophylaxe" (= Präventivtaktik) zu teilen, denn Db2-e5 bildet gewissermaßen eine Fortsetzung von 19. De2-b2.} 24...Bxh3 ( 24...c6 25.Rc2 {macht die Sache nicht besser.} ) 25.Bxd5 Qg6 26.Be4 Qf6 27.Qxf6 Rxf6 28. Rg1 Bf5 29.Rdg2 {Die Sache scheint sich programmgemäß entwickeln zu wollen: zuerst die Zentrierung und nun die positionell wohlmotivierte Schwenkung nach dem rechten Flügel.} 29...Bxe4 30.dxe4 Rd3 31.Rxg7 Rxe3 32.Rg8+ {Die Flügelattacke hat sich zu einem Durchbruch verdichtet.} 32... Kd7 33.R1g7+ Kc6 34.Rg6 Rd6 {Auch dieser an und für sich geistreiche Versuch, den weißen König in eine Sackgasse zu drängen, sollte kaum genügen.} 35.e5 Re1+ 36.Kb2 Re2+ 37.Ka3 Rxg6 38.Rxg6+ Kd5 39.Rxh6 a5 40. Rh7 Rc2 ( {Falls statt dessen} 40...Kc6 {so} 41.Re7 b5 42.b4 Re3+ 43.Kb2 axb4 44.f5 {und die "Sackgasse" hat sich als erträglich erwiesen (kostete nur einen Bauern, welcher Verlust gegenüber den 2 verbundenen Bauern von Weiß fast gar keine Rolle spielt).} ) 41.Re7 b5 42.b4 ( {Nicht} 42.f5 $2 { wegen} 42...c6 $1 43.b4 Kc4 {nebst Matt.} ) 42...a4 $2 ( {Eine schwache Remischance bot} 42...axb4+ 43.Kxb4 Rc4+ 44.Kxb5 c6+ $1 {nebst Rxf4. Nach dem Textzuge ist Schwarz total verloren.} ) 43.f5 c5 44.f6 $4 ( {Ein fataler Mißgriff, mit 44. e5-e6 war der Gewinn leicht zu erzwingen, zum Beispiel:} 44.e6 $1 Rc3+ ( 44...Kc4 $2 45.Rc7 ) 45.Kb2 cxb4 46.Rd7+ $1 Kc6 47.Rd8 Re3 48.f6 {und gewinnt.} ) 44...Rc3+ 45.Kb2 cxb4 {Remis} ( {Denn auf} 45...cxb4 46.f7 {folgt} 46...a3+ 47.Kb1 Rf3 48.e6 Rf1+ 49.Kc2 Rf2+ 50.Kd3 b3 51.axb3 a2 52.Ra7 Kxe6 {und das Remis ist ausgesprochen. Ohne das grobe Versehen im 44. Zuge hätte die weiße Zentralisierung leicht gewonnen.} ) 1/2-1/2 [Event "Internationales Schachmeisterturnier - Vorrunde"] [Site "Kecskemét"] [Date "1927.06.30"] [Round "5"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Vuković, Vladimir"] [Result "1-0"] [ECO "B02"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 22"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.e4 Nf6 2.d3 c5 3.c4 Nc6 4.f4 d6 5.Nc3 g6 6.Be2 Bg7 7.Be3 Nd4 8.Qd2 Ng4 9.Bxg4 Bxg4 10.Bxd4 Bxd4 11.Nge2 Bg7 12.O-O O-O 13.Nd5 Bxe2 14.Qxe2 e6 15. Nc3 Qa5 16.Rac1 Rae8 17.a3 f5 18.Nb5 Qb6 19.exf5 a6 20.f6 Bxf6 21.Nc3 Bd4+ 22.Kh1 Bxc3 23.bxc3 Qb3 24.Qd2 b5 25.cxb5 axb5 26.c4 Qa4 27.Qc3 Ra8 28. cxb5 Qxb5 29.d4 Rac8 30.Qh3 Rce8 31.dxc5 dxc5 32.Qe3 e5 33.f5 gxf5 34.Qg5+ Kh8 35.Rxf5 Rxf5 36.Qxf5 Qc6 {Die schwarze Position mit der offenen Königsstellung und den isolierten Bauern würde ohne die zentralisierte Dame c6 entschieden einen wenig soliden Eindruck machen. So aber erscheint alles in schönster Ordnung, ja Schwarz plant gar einen Vorstoß, nämlich c5-c4 nebst e5-e4 oder c4-c3, und falls hierauf Dc2, so Tg8. Es gelang mir aber, zunächst, meinen Gegner zu dezentralisieren:} 37.Qh5 $1 {drohend 38. Rxc5} 37...Re7 ( {Oder} 37...Kg7 38.Rc3 ) 38.Rd1 Qg6 {Er hatte nichts Besseres! Nun aber besetze ich die dem Gegner entwundene Zentralschräge:} 39.Qf3 {Mit Tempo, denn es droht Matt auf f8.} 39...Kg7 40.Qd5 Qh5 {Und die Situation hat sich mit einem Schlage total verändert.} 41.Rd3 Qf7 42.Rg3+ Kh8 43.Qxc5 Qf1+ 44.Qg1 Rf7 {Weiß hat einen Bauern gewonnen, allerdings mußte er seine Zentralstellung wieder hergeben. Aber der gewonnene Bauer ist gesund, dies ist übrigens auch die gewählte Rückzugsstellung, und so wird das bald entstehende Turmendspiel ohne größere Mühe gewonnen. Es folgte:} 45.h3 e4 46.Kh2 Rf2 47.Qxf1 Rxf1 48.Re3 Ra1 49.g4 Kg7 50.Kg3 Kg6 51.Kf4 h5 52.gxh5+ Kxh5 53.Kxe4 {und gewann.} 53...Kh4 54.Kd4 Rc1 55.Rc3 Ra1 56.Kc4 Kg5 57.Rf3 Rb1 58.a4 Ra1 59.Kb4 Rb1+ 60.Rb3 Rf1 61.a5 Kf6 62.a6 Ke6 63.a7 Rf8 64.Kc5 {Aufgegeben.} 1-0 [Event "II. internationales Schachturnier"] [Site "San Sebastian"] [Date "1912.03.15"] [Round "19"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Duras, Oldrich"] [Result "1-0"] [ECO "C02"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 23"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Nach den einleitenden Zügen} 1.e4 e6 2.d4 d5 3.e5 c5 4.Nf3 ( {Heute halte ich} 4.Qg4 {für besser.} ) 4...Qb6 5.c3 Nc6 6.Bd3 ( 6.Be2 {ist vorzuziehen.} ) 6...cxd4 7.cxd4 Bd7 8. Be2 Nge7 ( {Den Vorzug dürfte} 8...Nh6 {verdienen.} ) 9.Na3 {wählte Duras den der Tradition zuwiderlaufenden Zug} 9...Ng6 {und stellte somit ein neuartiges und interessantes Problem zur Diskussion, ein Problem, das ich so formulieren möchte: "Ist der Zug Se7-g6 hier als dezentralisierend aufzufassen?" Eine Bauernkette (hier die weißen Bauern d4 und e5 gegen die schwarzen Bauern d5 und e6) läßt sich im allgemeinen nur von der Basis (hier d4) aus angreifen, - weniger ratsam erscheint es dagegen, den Angriff gegen die Spitze der Kette (hier Be5) richten zu wollen. Soviel über die Kette im allgemeinen. Der spezifische Befund zeigt uns aber die Sache in einem anderen Licht, wir sehen nämlich den Springer a3 und "erschauern" ob dessen absoluter Nutzlosigkeit im Falle eines geschehenen f7-f6. Also scheint der Zug Se7-g6 eine in gewissem Sinne doch berechtigt erscheinende Zentralaktion einleiten zu wollen und wäre demnach keineswegs als dezentralisierend anzusprechen!? Eine endgültige Stellungnahme behalten wir uns noch vor. Es folgte nun:} ( {üblich ist} 9...Nf5 {mit Druckspiel gegen Bd4 -} ) 10.O-O ( {10. h2-h4 kam in Betracht, zum Beispiel:} 10.h4 Bb4+ 11.Kf1 f6 12.h5 {doch ist der Erfolg dieser als Strafexpedition gedachten Diversion zweifelhaft, denn Schwarz könnte sowohl} 12...Nge7 ( {als auch - im Opferstile! -} 12...Ngxe5 {ziehen. Nach } 13.dxe5 fxe5 14.Qc2 {(noch am besten)} 14...Bc5 {stände Weiß recht schlecht.} ( {nicht} 14...O-O {wegen} 15.Be3 {nebst Sg5} ) ) 13.h6 fxe5 14.hxg7 Rg8 15.dxe5 Rxg7 ) 10...Be7 ( 10...f6 {konnte sogleich geschehen, doch liebte es Duras, seine Pläne tunlichst zu verschleiern.} ) 11.Nc2 ( { Falls} 11.Re1 {so} 11...Bb4 {und der Turm müßte wieder nach f1 wandern} 12.Bd2 $2 Nxd4 ) 11...f6 12.Bd3 O-O-O {Nun muß es sich entscheiden, ob die schwarze gegen e5 gerichtete Aktion wirklich von Belang ist.} 13.b4 {Mit der Idee, durch b5 das weiße Zentrum zu entlasten.} ( {Gut war auch der Konsolidierungszug} 13.Re1 {Übrigens müssen beide Züge gemacht werden, in welcher Reihenfolge, das bleibt sich ziemlich gleich.} ) 13...fxe5 $2 ( { Dadurch erhält Weiß das Feld d4 für den Sc2, und damit fällt die Prämisse für die Zweckmäßigkeit des ganzen f7-f6 - Angriffs in sich zusammen. (Vergleiche die Note zu 9. ... Se7-g6.) Richtig war u. E. die Zugfolge 13. ... Kb8 nebst 14. ... Tc8. Eine plausible Variante wäre: (13. b2-b4)} 13...Kb8 14.Re1 Rc8 15.Rb1 {allerdings stände Weiß im Vorteil, denn er hat eine kräftige Initiative (16. Ld2 nebst a2-a4-a5), Schwarz aber ist eingesperrt. Diese Hauptvariante bestärkt uns in dem Eindruck, daß das Manöver 9. ... Sg6 doch kaum zur Genüge motiviert gewesen sein dürfte. Und zieht man gar in Betracht, daß sich dem Schwarzen statt Sg6 das im zentralistischen Sinne vollwertig zu nennende Manöver 9. ... Sf5 bot, so kann man nicht umhin, dem Zuge 9. ... Sg6 das Epitheton "dezentralisierend" beizulegen.} ( {nicht} 15.b5 Na5 {nebst evtl. Sc4} ) ) 14.Bxg6 hxg6 15.Nxe5 $2 ( {Damit gibt Weiß den ganzen Vorteil aus der Hand; richtig war} 15.dxe5 {zum Beispiel:} 15...Nxb4 16.Be3 {nebst 17. Sc2-d4, gewiß hätte Weiß so einen Bauern eingebüßt, aber die geradezu imponierende Zentralinsel in Verbindung mit den möglichen Linearangriffen hätte ihn ziemlich bald in starken Vorteil gebracht. - Der Textzug 15. Se5: ist fehlerhaft, denn einerseits erhält der Turm das Feld h4 (mit Zentralauswirkung!) und andererseits gelangt Ld7 zur Wirksamkeit. Und zum Überfluß war 15. Se5: auch aus prinzipiellen Gründen zu verwerfen: "Für den zu blockierenden Partner bedeutet jeder Figurenabtausch eine Erleichterung." - Weiß sollte nun höchstens Remischancen behalten.} ( { nicht} 16.Rb1 {wegen} 16...Ba4 ) ) 15...Nxe5 $1 16.dxe5 Ba4 17.Qd2 $1 { Noch der einzige Zug,} ( {auf} 17.Qd2 d4 {soll} 18.Bb2 d3 19.Nd4 Rxd4 20. Qc3+ {folgen können.} ) 17...Kb8 $2 {Damit revanchiert Schwarz sich für den Bock im 15. Zuge.} ( {Durch} 17...Rh4 $1 18.Bb2 Bxb4 19.Nxb4 Qxb4 20. Rac1+ Kd7 {war ein Bauer zu gewinnen, auch bliebe Feld d4 unter dauernder Kontrolle des Nachziehenden.} ) 18.Nd4 $1 {Intendiert eine Zentralisierung, selbst unter Preisgabe eines Bauern, und diese plötzliche wagemutige Betonung der Zentralidee rettet das dem Zusammenbruch so nahe weiße Spiel. Hätte der Anziehende schon früher an die Möglichkeit des Bauernopfers gedacht, so hätte er natürlich nicht verfehlt, 15. d4xe5 zu spielen, aber damals, also im 15. Zuge, mag er für "heroische" Beschlüsse noch nicht reif gewesen sein ...} 18...Rh5 ( {Falls } 18...Bxb4 {so} 19.Qd3 {nebst Le3 und Tb1, und Weiß erhielte ein aus Blockade und Angriff harmonisch zusammengesetztes Spiel, ganz ähnlich übrigens der in der Note zum 15. Zuge gezeigten Variante.} ) 19.Qd3 Rdh8 20.h3 g5 21.Be3 g4 {Auf der einen Seite vollwertige Zentralzüge (Sd4!, Dd3! und Le3!) auf der anderen - in ihrer Hilflosigkeit rührend wirkende Flügelschläge: unter solchen Umständen macht es keine Schwierigkeiten mehr, den Sieger zu prognostizieren.} 22.Nf5 Bb5 ( {Oder} 22...Qd8 23.Nxe7 Qxe7 24.Qd4 {nebst Qxg4.} ) 23.Qa3 {Eine Zentralauswirkung von großem Radius: von d4 nach a7 und g4 hin.} 23...Qa6 24.Qxa6 Bxa6 25.Nxe7 Bxf1 26. Rxf1 g5 $1 {Es folgt noch ein zäher, aber auf die Dauer doch vergeblicher Widerstand:} 27.f3 $1 gxh3 28.g4 R5h7 29.Bxg5 Re8 30.Kh2 Kc7 {Das Turmendspiel nach doppeltem Schlagen auf e7 wäre für Schwarz unhaltbar.} 31.Rc1+ Kd7 32.f4 ( {viel einfacher gewann hier} 32.Bf6 ) 32...Rg7 $1 33. Kxh3 Rxg5 34.fxg5 Rxe7 35.g6 $1 {Der eine g-Bauer fällt, aber der zweite wird sehr stark.} 35...Rg7 36.g5 Rxg6 37.Kg4 Rg8 38.Rc3 Rd8 39.b5 d4 40. Rh3 Kc7 41.g6 d3 42.Rh1 Kd7 43.Rh7+ Kc8 44.Rh1 Kd7 45.Kg5 d2 46.g7 {Eine für die "Zentralisierung" äußerst wichtige Partie, deren gründliches Studium wir angelegentlichst empfehlen.} ( 46.g7 Ke7 47.Kg6 d1=Q 48.Rxd1 Rxd1 49.g8=Q Rg1+ 50.Kh7 Rh1+ 51.Kg7 Rg1+ 52.Kh8 Rh1+ 53.Qh7+ Rxh7+ 54. Kxh7 Kf7 55.Kh6 {und gewinnt das Bauernendspiel.} ) 1-0 [Event "Meisterturnier"] [Site "Göteborg"] [Date "1920.08.10"] [Round "7"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Breyer, Gyula"] [Result "1/2-1/2"] [ECO "C62"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 24"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Nach den uns aus Partie Nr. 18 wohlbekannten Einleitungszügen} 1.e4 e5 2.Nf3 Nc6 3.Nc3 Nf6 4.Bb5 d6 5.d4 Bd7 6.Bxc6 Bxc6 7.Qd3 Nd7 { wählte Weiß} 8.d5 {statt Le3, vergleiche die oben zitierte Partie), und es gelang ihm, unter Ausnutzung der Schwäche des a-Bauern ein Druckspiel am äußersten Damen-flügel zu erlangen. Es geschah:} 8...Nc5 9.Qc4 Bd7 10.b4 Na6 11.Be3 Be7 12.O-O O-O 13.a4 Kh8 14.Nb5 Qb8 ( {In Betracht kam das Bauernopfer:} 14...g6 {und falls hierauf} 15.Nxa7 {so} 15...f5 16.Nb5 f4 { mit einigen Gegenchancen am Königsflügel.} ) 15.c3 $1 ( {Verbindert den befreienden Vorstoß c6, zum Beispiel:} 15.c3 c6 16.dxc6 bxc6 17.Nxd6 Bxd6 18.Qxa6 {und Bauer b4 ist gedeckt.} ) 15...h6 ( {Auf sofortiges} 15...f5 { wäre} 16.Bg5 {die für Weiß bequeme Antwort gewesen.} ) 16.Nd2 $1 {Um auf f7-f5 den vorteilhaften Gegenstoß f2-f4 folgen zu lassen. (Schwarz hat einen Turm weniger im Spiel.)} 16...g5 {Wie wäre f7-f5 nun zu verhindern bzw. unwirksam zu machen?} 17.Rfe1 $1 f5 18.exf5 Bxf5 19.Nf1 ( {Noch einfacher wäre} 19.f3 {nebst 20. Se4, und Weiß ist stark in den weißen Punkten und auch - nicht zuletzt - in der e-Linie. Den außerordentlich charakteristischen Turmzug könnte man auch als "mysteriösen Turmzug" bezeichnen.} ) 19...Bg6 20.Ng3 Bf6 21.f3 Bg7 ( {Für Weiß käme hier der Aufrollungszug h2-h4 in Betracht. Dieser Angriff würde aber daran scheitern, daß der (wohl bereits totgesagte!) Befreiungsversuch c7-c6 plötzlich in voller Lebensgröße auftauchen würde, zum Beispiel:} 21...Bg7 22.h4 $2 c6 $1 23.dxc6 bxc6 24.Qxc6 gxh4 {mit unklarem Spiel. Man beachte die Vitalität der möglichen (oder auch unmöglichen) Befreiungsversuche; nur selten pflegt es vorzukommen, daß ein befreiender Bauernvorstoß für immer von der Bildfläche verschwindet, dagegen geschieht es viel häufiger, daß derselbe als Eventualdrohung unter der Oberfläche weiterlebt.} ) ( {Die richtige Hemmungsstrategie (gegen die Eventualdrohung c7-c6 gerichtet) bestand hier in der Zugfolge 22. Te1-e2 und 23. Ta1-d1 (nicht sofort 22. Tad1 wegen der störenden Antwort Lg6-c2). Dann wäre h2-h4 nicht mehr aufzuhalten gewesen. So ganz einfach wäre die Sache allerdings noch immer nicht, denn Schwarz könnte noch Gegenversuche unternehmen. Eine lehrreiche Möglichkeit zeigt beispielsweise folgende Variante:} 21...Bg7 22.Re2 $1 Kh7 $1 {(Um Lf7 folgen zu lassen, welcher Zug ohne vorhergegangenen Königszug an 23. De4 mit Dauerzentralisierung scheitern würde. Jetzt aber könnte auf 23. Ta1-d1 die Diversion Lf7 sehr gut erfolgen, denn 24. De4+ wäre dann wegen 24. ... Lg6 wertlos.)} 23.h4 $3 {(Dieser Zug wird durch die Königsstellung h7 ermöglicht!)} 23...c6 24. dxc6 bxc6 25.h5 {drohend hxg mit Schachgebot: Weiß gewinnt. Aus Gesagtem geht demnach die Richtigkeit von 22. Te1-e2 überzeugend hervor.} ) 22.Ra2 {Dieser Zug gibt dem Gegner eine Möglichkeit, sein Spiel zu befreien, ohne allerdings - so schlecht war schon seine Stellung - ernst zu nehmende Rettungsaussichten zu gewähren.} 22...Bf7 $1 23.Ne4 {Macht aus der Not eine Tugend, das Qualitätsopfer sollte für Weiß gewinnen.} 23...c6 24. Nbxd6 Bxd5 25.Qe2 Bxa2 26.Qxa2 Qc7 27.b5 cxb5 28.axb5 Nb8 29.Qe6 { Gewaltige Zentralisierung, glänzende Entwicklung und die direkte Angriffschance h2-h4, das sollte zum Gewinn genügen.} 29...a6 30.h4 $1 axb5 31.hxg5 Ra6 32.Rd1 ( {Falls} 32.gxh6 {so} 32...Bf6 ) 32...Qc4 {Breyer verteidigt sich recht geistreich, und es gelingt ihm in der Tat, das Mittelspiel zu überleben, aber nur, um eine verlorene Endspielstellung zu erreichen.} 33.Qxc4 bxc4 34.gxh6 Bf6 {Hier fing ich an, schwach und immer schwächer zu spielen - ich stand damals noch unter dem psychischen Druck der furchtbaren Nachkriegsperiode, die ich als eines der vielen Opfer kurz vorher mitmachen mußte - bis das Spiel remis wurde, es folgte:} 35.Rb1 b6 36.Bxb6 Nd7 37.Be3 Bh4 38.Nxc4 ( {Leicht gewonnen hätte} 38.Rb7 {zum Beispiel} 38...Nf6 39.Nf7+ Rxf7 {(am besten)} 40.Rxf7 Nxe4 41.fxe4 Ra3 42. Bd2 Ra2 43.Rd7 ) 38...Nf6 39.Nxf6 Bxf6 40.Nd2 ( {auch hier gewann der direkte Angriff} 40.Rb7 {zum Beispiel} 40...Rc6 41.Nb6 Rxc3 42.Nd7 Rf7 43. Rb8+ Kh7 44.Nf8+ Kh8 $1 45.Bg5 $1 Rb3 46.Re8 {und gewinnt.} ) ( {Oder} 40. Rb7 e4 41.fxe4 Bxc3 42.e5 Rc6 43.Nd6 $1 {und Weiß muß gewinnen. Weiß spielt - eine Depressionserscheinung! - zu wenig direkte Angriffe.} ) 40...Rg8 41.Ne4 Bh4 42.Kh2 Ra2 43.Bd2 Bg3+ {(jetzt ist ein weißer Gewinn nicht mehr möglich)} 44.Kh3 Bf4 45.Nf6 Rf8 46.Bxf4 exf4 47.Rb6 Ra1 $1 48. Kg4 Rg1 49.Kxf4 Rxg2 50.Kf5 Rh2 51.Kg6 Rg2+ 52.Ng4 Rg3 53.Rb7 {(Die 7. Reihe hätte früher ausgenutzt werden sollen, jetzt ist es dafür zu spät!)} 53...Rgxf3 1/2-1/2 [Event "Meisterturnier"] [Site "Göteborg"] [Date "1920.08.07"] [Round "5"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Tartakower, Savielly"] [Result "1/2-1/2"] [ECO "A80"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 25"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Weiß erlangte nach} 1.d4 f5 2.e3 Nf6 3.Nf3 e6 4.Be2 g6 5.c4 Bg7 6.O-O O-O 7.b4 $1 {(um den Schwerpunkt des Kampfes nach dem Damenflügel zu verlegen)} 7...d6 8.Nbd2 Nbd7 9.Bb2 Qe7 10.c5 ( {einen klaren Stellungsvorteil, denn} 10.c5 e5 { würde nun an der Zugfolge} 11.cxd6 cxd6 12.dxe5 dxe5 13.Nc4 {nebst Db3 und Tac1 und Tfd1 scheitern. Es geschah} ) 10...a5 11.cxd6 cxd6 12.b5 Nb6 13. Nc4 Nxc4 14.Bxc4 d5 15.Bd3 Bd7 16.a4 Rfc8 17.Ne5 Be8 18.Qd2 $1 {(gestattet die Herbeiführung ungleichfarbiger Läufer!)} 18...Ne4 19.Bxe4 Bxe5 20.dxe5 dxe4 21.Rac1 $1 Rd8 {(mit Rücksicht auf die sonst totgeweihten Bauern a5 bzw. b6 muß Schwarz weiterem Abtausch aus dem Wege gehen)} 22.Bd4 g5 $1 { Wie wäre nun der befreiende Bauern-vorstoß f5-f4 zu verhindern?} 23.Rc4 $1 {Sehr einfach, auf f5-f4 würde nun ef nebst Qxf4 folgen.} 23...Qf7 24.Qe2 $2 ( {f5-f4 sollte verhindert werden, dazu, empfahl sich} 24.Qc2 {Nach 25. Tfc1 konnte Weiß dann zur Ausnutzung der c-Linie schreiten. Nach dem Textzuge entschlüpft Tartakower mit Behendigkeit seinem Schicksal.} ) 24...f4 $1 25.exf4 Qxf4 26.Qe3 Rac8 {Weiß leidet an einer momentanen Schwäche der eigenen ersten Reihe, auf diesen anscheinend geringfügigen Umstand hat Tartakower seinen Rettungsplan gebaut.} 27.Rfc1 Rxc4 28.Rxc4 Qxe5 $1 29.h4 Qf4 30.hxg5 e5 {Die Partie ist für keinen der Partner mehr zu gewinnen, es folgte noch} 31.Qxf4 exf4 32.Bb6 Rd1+ 33.Kh2 Bg6 34.Bxa5 e3 35.Rc8+ Kf7 36.Rc7+ Ke6 37.fxe3 fxe3 38.Bb4 $1 Rd4 39.Bc5 Rxa4 40.Re7+ Kd5 41.Bxe3 Re4 1/2-1/2 [Event "Großmeisterturnier"] [Site "New York"] [Date "1927.03.17"] [Round "17"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Marshall, Frank James"] [Result "1-0"] [ECO "A61"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 26"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.c4 Nf6 2.d4 e6 3.Nf3 c5 {Ergibt ein beengtes Spiel.} 4.d5 d6 5.Nc3 exd5 6.cxd5 g6 $1 {Der Läufer übernimmt die Kontrolle des Zentralpunktes e5 und somit auch die Verpflichtung, die weiße Zentralmasse (etwa in der Form eines Bauernpaares auf e4 und f4) am weiteren Vormarsch zu hindern.} 7.Nd2 $1 ( {Viele Leser werden es bedauerlich finden, daß Weiß dem von Marshall inaugurierten Zentralhemmungsproblem gewissermaßen aus dem Wege geht, anstatt etwa mittels} 7.e4 Bg7 8.Bd3 O-O 9.O-O a6 10.a4 Re8 11.h3 {einen Lösungsversuch zu unternehmen. Ich hielt jedoch die Stellung nach 7. e4 usw. für annähernd balanciert, im Detail schien mir die Möglichkeit 11. ... b6 nebst Ra8-a7-e7 beachtenswert zu sein. Schwarz hätte übrigens auch schon im 10. Zuge Bc8-g4 nebst Bxf3 spielen können, was wäre dann gegen den Hemmungsaufbau Qc7 nebst Turmverdoppelung in der e-Linie zu erfinden gewesen? Der freundliche Leser wird es nach alledem begreiflich finden, daß ich mit dem Textzuge auf Verwicklungen spielte, anstatt mich mittels 7. e4 auf ein Geleise zu begeben, das möglicherweise zu einer Stellung führen könnte, in der beide Partner, nach erst erreichter Maximalentfaltung ihrer Streitkräfte, doch plötzlich nicht mehr weiter können (= der sogenannte tote Punkt!).} ) 7...Nbd7 8.Nc4 Nb6 9.e4 Bg7 ( { Hier hätte} 9...Nxc4 10.Bxc4 Bg7 {geschehen können. Nach beispielsweise} 11.O-O O-O 12.h3 Re8 13.Qd3 a6 14.a4 Bd7 {wäre Schwarz in der Lage, seinen Aufbau mittels Dc7 und Turmverdoppelung in der e-Linie zu vervollständigen.} ) 10.Ne3 $1 {Daran hatte Marshall nicht gedacht: Weiß beabsichtigt nun, a2-a4-a5 nebst erneuter Postierung des Springers auf c4 folgen zu lassen. Von nun an scheint Weiß im Vorteil zu sein.} 10...O-O 11.Bd3 Nh5 12.O-O Be5 13.a4 Nf4 14.a5 Nd7 15.Nc4 Nxd3 16.Qxd3 f5 17.exf5 Rxf5 18.f4 {Da Weiß den Gegner gewähren ließ, so erhielt dieser die Möglichkeit, das weiße Bauern Zentrum aufzurollen. Der Anziehende ist aber nach wie vor stark zentralisiert (Sc4!) und hat auch Chancen am Damenflügel. - Statt des kombinatorischen Textzuges war übrigens auch Se4 sehr gut.} 18...Bd4+ 19.Be3 Bxc3 20.Qxc3 Nf6 21.Qb3 {Für den d-Bauern erhält Weiß Kompensation, man beachte u. a., daß der schwarze Damenflügel schwer zu entwickeln ist.} 21...Rxd5 ( {Auf} 21...Nxd5 {wäre} 22.Rae1 $3 { gefolgt, womit Le6 wegen der Antwort Lc5: verhindert wird. Schwarz wäre dann ganz hilflos, Weiß könnte dann u. a. durch Ld2 nebst Turmverdopplung in der e-Linie gewinnen.} ) 22.f5 $1 gxf5 23.Bg5 ( {Dieser Zug enthält eine eigenartige Pointe. Falls nämlich} 23.Bg5 Be6 {(mit dieser Parade hat Weiß vor allem zu rechnen), so} 24.Qxb7 {(drohend Lf6: nebst Figurengewinn)} 24...Rc8 25.Rae1 $1 {und der Läufer muß die Deckung des einen von den beiden Türmen aufgeben, worauf Lf6: den schutzlos gewordenen Turm gewinnt.} ) 23...Rd4 24.Nb6+ c4 25.Qc3 axb6 26.Qxd4 Kg7 27.Rae1 bxa5 28.Re8 $1 {Der schnellste Weg zum Gewinn.} 28...Qxe8 29.Qxf6+ Kg8 30.Bh6 { Aufgegeben.} 1-0 [Event "III. internationales Schachmeisterturnier"] [Site "Karlsbad"] [Date "1923.05.06"] [Round "7"] [White "Sämisch, Friedrich"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "A50"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 27"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Nach den sehr hypermodern anmutenden Einleitungszügen stand Weiß etwas freier:} 1.d4 Nf6 2.c4 b6 3.Nc3 Bb7 4.Qc2 Nc6 $5 5.d5 ( {Oder} 5.Nf3 d6 6.d5 Nb8 { ähnlich wie in der Partie, allerdings hätte Weiß in diesem Falle nach den weiteren Zügen g3 Lg2 und evtl. Sd4 ein besseres Spiel als im Text erlangen können.} ) 5...Nb4 6.Qd1 a5 {Um sich auf allfälliges a3 eine sorgenfreie Retraite über a6 nach c5 zu sichern} 7.e4 $1 {Sämisch zeigt hier und im folgenden seinen von wissenschaftlichem Ernst durchglühten Schachwillen: wie viele andere an seiner Stelle wären doch der Versuchung erlegen, den unangenehm wirkenden Sb4 trotz dadurch bedingter Selbstschwächung zu verjagen!} 7...e5 8.g3 g6 9.Bg2 Bg7 10.Nge2 O-O 11.O-O d6 12.f4 exf4 13.gxf4 Re8 14.Ng3 Nd7 {Das weiße Zentrum ist nun gehemmt. Dieser mehr passiven Hemmung sucht Schwarz nun - vergleiche Vorbesprechung - einen Angriff am äußersten Damenflügel anzugliedern. - Wir schulden dem aufmerksamen Leser übrigens eine Erklärung: wir haben das Vorhandensein der schwarzen e-Linie bisher geflissentlich ignoriert und die Hemmungsaktion als bloße Auswirkung der Läuferschräge (g7-c3) betrachtet. Ist dies richtig gesehen? Antwort: von einer höheren Warte aus unbedingt, denn die e-Linie spielte - so gut war e4 überdeckt - als Angriffsmoment fast gar keine Rolle, die wirklichen Akteure waren aber das von Expansionslust beseelte weiße Zentrum auf der einen und die schwarze hemmungs- und (wie sich bald zeigen wird) auch angriffstüchtige Schräge auf der anderen Seite!} 15.Qf3 ( {Daß Sämisch den Sb4 ruhig stehen ließ, mußten wir anerkennen, daß er ihm nun aber gar das Feld c2 überläßt, finden wir denn doch überflüssig. Zentrierung durch Le3 war am Platz. Zum Beispiel:} 15.Be3 f5 $2 16.a3 Na6 17.Bd4 ) ( {oder} 15.Be3 Qf6 {(um Ld4 zu verhindern)} 16.e5 $1 dxe5 17.Nce4 Qd8 18.f5 {mit starkem Angriffsspiel.} ) 15...a4 $1 {Die Schräge wird unternehmend (Drohung a3).} 16.Bd2 Ba6 17. Nd1 Nc2 18.Rc1 Nd4 19.Qa3 {Sie hatte kein günstiges Feld.} 19...Nc5 {Der Durchbruch (b6-b5) war genügend vorbereitet, b6-b5 konnte also gleich geschehen.} 20.Nf2 f5 ( {Eine falsche Fährte; der weiße Damenflügel wäre, wie bereits hervorgehoben, die richtige, zum Beispiel:} 20...b5 $1 21.Bb4 {(von Maróczy irrtümlich als Widerlegung angesehen)} 21...bxc4 22.Bxc5 dxc5 23.Qxc5 Qd6 24.Qxd6 cxd6 {mit haltlosem Bb2: Schwarz ist im Vorteil.} ) 21.exf5 gxf5 22.Nh5 $1 {Um auf 22. ... Ne2+ nebst Nxc1 durch den später folgenden Angriffszug Qg3 in Vorteil zu kommen.} 22...Qe7 {Die Verteidigung Lh8 nebst Kf7 wäre auch spielbar gewesen.} 23.Nxg7 ( {Danach sollte Weiß neuerdings in Nachteil geraten, dagegen hätte er mittels} 23. Kh1 Bh8 $1 24.Qh3 {die Balance bewahrt.} ) 23...Qxg7 24.Kh1 Re2 25.Bc3 Bxc4 ( {Nun droht das Damenopfer 26. ... Dg2: 27. Kg2: Ld5+ 28. Kh3 Te3+ 29. Kh4 Sf3+ 30. Kh5 Lf7+ usw. Auf} 25...Bxc4 26.Rg1 {wäre} 26...Kf7 {die Folge, zum Beispiel:} 27.Bf3 Qxg1+ $1 {nebst Sf3: mit schwarzem Vorteil. Das Interessanteste an der Sache ist aber, daß dieses Damenopfer später in veredelter Form wiederkehren hätte sollen, vergleiche die Note zum 26. Zuge von Schwarz.} ) 26.Bf3 Kf8 $2 ( {Ein durch Zeitnot verursachter Fehler. Das Damenopfer wäre immer noch sehr stark gewesen, zum Beispiel:} 26...Nxf3 27.Bxg7 Bxd5 {und Weiß wäre so ziemlich hilflos, beispielsweise} 28.Bh6 ( {Auf} 28.Kg2 Kxg7 29.Kh3 Re6 30.Rg1+ Kf7 {hätte Schwarz bei nur ganz geringem materiellen Minus sehr starken Angriff behauptet, der sehr wahrscheinlich entscheidend geworden wäre.} ) 28...Kf7 29.Rcd1 Rd2 $1 30. Rxd2 Nxd2+ 31.Kg1 Rg8+ 32.Bg5 Nf3+ 33.Kg2 Nxg5+ 34.Kg3 {und nun} 34...Nf3+ 35.Kh3 Nd2 36.Rd1 Bg2+ 37.Kh4 Nf3+ 38.Kh5 Ne6 39.Qe3 ( {oder} 39.Nh3 Rg4 ) 39...Rg6 {und gewinnt. Demnach konnte Schwarz also im 26. Zuge die Partie sehr elegant (die vielen stillen Züge!) entscheiden.} ) 27.Bxd4 $2 ( {Eine schnelle Revanche für den soeben geschehenen Zeitnotfehler, die natürlich auch ihrerseits durch Zeitmangel zu erklären ist.} 27.Rcd1 Nd3 28.Bxd4 Qxd4 29.Bxe2 Nxf2+ 30.Rxf2 Qxf2 31.Bxc4 {hätte für Weiß entschieden.} ) 27...Qxd4 28.Bxe2 Bxe2 29.Qh3 {Weiß hat kaum etwas Besseres.} 29...Qxd5+ 30.Kg1 Bxf1 31.Qh6+ Ke8 32.Kxf1 Kd7 33.Qxh7+ Kc6 {Schwarz sollte jetzt ohne Schwierigkeiten gewinnen.} 34.Qh3 Rg8 35.b4 axb3 36.axb3 Kb7 37.Rc3 Ra8 38.Qf3 Ra1+ ( {Damit erschwert sich Schwarz den Gewinn ganz bedeutend: den Turm hätte er vorderhand auf a8 stehen lassen sollen, sofortiges} 38...Ne4 {hätte leicht gewonnen.} ) 39.Kg2 Ne4 40.Nxe4 fxe4 41.Rxc7+ {Die dank 38. ... Ta1+ ermöglichte Ressource.} 41...Kxc7 42.Qc3+ Kb7 43.Qg7+ Kc6 44.Qxa1 e3+ {Nun folgt ein äußerst lehrreiches Damenendspiel, in dem Schwarz etwas besser steht. Wir geben die Züge in fortlaufender Reihe.} 45.Kg3 Qd2 46.Qa8+ Kc5 47.Qa3+ Kd5 48.Qa4 Qe1+ 49.Kg4 Qe2+ 50.Kg3 b5 51. Qb4 Qf1 52.h4 ( {Remischancen gewährte} 52.f5 $1 {zum Beispiel} 52...Ke5 53.Qc3+ Ke4 54.Qc6+ {nebst Remis.} ) 52...Qf2+ 53.Kg4 Qg2+ 54.Kf5 Qc2+ 55. Kg4 Ke6 $1 ( 55...Ke6 {diesen Zug hatte Weiß in der Vorausberechnung übersehen, falls nun} 56.Qxb5 Qg2+ 57.Kh5 Qd5+ {und gewinnt} ) 56.f5+ Qxf5+ 57.Kg3 e2 58.Qc3 Qf1 59.Qe3+ Kf7 60.Qa7+ Kg6 61.h5+ {(die Flamme des ewigen Schachs will von Zeit zu Zeit durch frisches "Holz" genährt werden!)} 61...Kxh5 62.Qh7+ Kg5 {(nun entkommt der König nach b2, aber dieses Fluchtfeld muß zuerst noch durch Aufstellung einer Kulisse (Bd5) vulgo Rückendeckung gesichert werden)} 63.Qg7+ Kf5 64.Qf7+ Ke5 65.Qe7+ Kd5 66.Qb7+ Kd4 67.Qb6+ Ke4 $1 {(noch wäre die Flucht nach b2 hin zwecklos)} 68.Qc6+ d5 $1 {(die Kulisse!)} 69.Qe6+ Kd4 70.Qb6+ Kd3 71.Qxb5+ Kc2 { Aufgegeben. Bei B d6 statt B d5 würde Qc4+ remis machen. Resümee: Nach 23. Kh1, statt Nxg7, wäre die schwarze e-Linie kaum entscheidend zu verwerten gewesen. Dagegen hätte das (laut Vorbesprechung) korrekte Vorgehen am Damenflügel (19. ... b6-b5 oder 20. ... b6-b5) einen ziemlich leichten schwarzen Sieg ergeben.} 0-1 [Event "Imperial Chess Club"] [Site "London"] [Date "1927.11.??"] [Round "2"] [White "Buerger, Victor"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "A34"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 28"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.c4 Nf6 2.Nc3 c5 3.g3 g6 4.Bg2 Bg7 5.d3 O-O 6.Bd2 e6 {Ich fürchte nicht das Drohspiel Dc1 nebst Lh6 und unterlasse daher das ideenarme h7-h6 nebst Kh7 oder dergleichen.} 7.Qc1 d5 8.Nh3 ( {Entschieden eine Idee! Er gedenkt durch Sf4 eine Entscheidung im Zentrum zu erzwingen. Auf} 8.Bh6 d4 9.Nd1 Qa5+ {will sich Weiß dagegen mit Recht nicht einlassen.} ) 8...d4 9.Na4 Na6 10.a3 Qe8 11.b3 e5 12.Nb2 Bg4 ( {Um ihn an der Rochade zu hindern, trotzdem war} 12...Bf5 {besser, wie ich jetzt glaube. In der Partie war das aber schwer zu erkennen.} ) 13.Ng5 {Sehr geschickt gespielt. Er verwertet den Springer um Punkt e4 herum, entzieht ihn gleichzeitig dem Angriff des Läufers und ist somit bereit, den Vorstoß am äußersten Damenflügel nachdrücklich fortzusetzen. Mit anderen Worten: Im Zentrum sucht Weiß dem drohenden Vorstoß e5-e4 mehr "passiv" entgegenzuwirken, diesem passiven Verteidigungsspiel wird aber am äußersten Damenflügel ein scharfes Angriffsspiel angebaut. (Vergleiche Vorbesprechung.)} 13...Rb8 14.b4 b6 15.b5 Nc7 16.a4 Bc8 $1 {Um den Lg2 zu tauschen.} 17.a5 Bb7 18.f3 ( {Einfacher wäre} 18.Bxb7 Rxb7 19.axb6 axb6 20.O-O {Die a-Linie wäre zwar nicht unmittelbar von Belang, hätte aber immerhin ständige Bewachung durch den Gegner erfordert und somit Truppen vom Königsflügel wegzuziehen geholfen.} ) 18...Ne6 19.a6 ( {Noch vor wenigen Monaten hielt ich dieses Abschließen für spielbar, heute aber glaube ich, daß die von nun an ausschließlich in passiver Resistenz beruhende weiße Verteidigung früher oder später zusammenbrechen muß.} 19.axb6 {sollte geschehen.} ) 19...Ba8 $1 {Er stellt ihn in die Ecke, wo er zugtot ist, hofft aber auf den Durchbruch durch e4 (nach Vorbereitung).} 20.h4 {Eine weitere Schwächung; verhältnismäßig besser war Sb2-d1-f2, um dem Vorstoß e4 schon jetzt entgegenzuwirken (= Präventivtaktik, die aber doch nicht genutzt hätte; die weiße Verteidigung ist zu passiv).} 20...Nh5 21.Nxe6 Qxe6 22.g4 Nf6 ( {Hier kam das Bauernopfer durch} 22...Nf4 23.Bxf4 exf4 24.Qxf4 Be5 25.Qd2 Qd6 {nebst Lf4 in Betracht.} ) 23.Bh3 Qd6 24.Nd1 h5 25.g5 Nh7 26.Nf2 f6 27.gxf6 ( {Etwas besser wäre hier} 27.Rg1 {auf} 27...fxg5 {wäre dann} 28. hxg5 {gefolgt, und Weiß behielt seinen Läufer d2 zum Schütze des Einbruchspunktes f4, was in der Partiefortsetzung nicht der Fall ist. Auf 27, Tg1 wäre allerdings f5 gefolgt, und Schwarz bringt alle Figuren in Kontakt mit e4, zum Beispiel: den Springer über f8 e6 c7 e8 nach d6; die Dame stände am besten auf c7, die Türme in der e-Linie. Und schließlich erfolgt der Durchbruch e5-e4 mit entscheidender Wirkung.} ) 27...Bxf6 28. Bg5 Bxg5 29.hxg5 Rf4 $1 {Vergleiche den ersten Teil der vorigen Anmerkung. } 30.Rg1 Rbf8 ( {Armselig wäre der Bauerngewinn durch} 30...Qe7 31.Qd2 Nxg5 32.O-O-O ) 31.Bf1 Rh4 $1 ( {Verhindert} 31...Rh4 32.Nh3 {wegen der Möglichkeit} 32...e4 $1 33.dxe4 Qh2 {mit Figurengewinn.} ) 32.Qd2 Rh2 $1 33.Rg2 {Erzwungen. Der Th2 drückt allzu stark.} 33...Rxg2 34.Bxg2 e4 $1 { Die Pointe der Turmtauschkombination.} 35.dxe4 Qg3 {Der Durchbruch ward zum Einbruch.} 36.Kf1 ( {Falls} 36.Bf1 {so} 36...Bxe4 ) 36...Nxg5 37.Kg1 ( {Falls} 37.Nh1 {so} 37...Nxe4 38.Nxg3 Nxd2+ {nebst Nxc4 und der eingekapselte Läufer a8 hat das Feld d5 zur Disposition.} ) 37...Rxf3 ( { Hier überlegte ich etwa 20 Minuten, ob nicht} 37...h4 {schneller gewönne. Indes folgt nach (37. ... h4)} 38.Nh1 Nh3+ 39.Kf1 Qh2 40.Bxh3 Qxh1+ 41.Kf2 Qxa1 {der Angriff} ( {Aber} 41...Qxh3 42.Rg1 Qh2+ 43.Rg2 Qf4 {hätte auch leicht gewonnen.} ) 42.Qh6 {mit für Schwarz unangenehmen Verwicklungen.} ) 38.Qxg5 Qxg5 39.exf3 Qe3 40.Rd1 Qb3 41.Rc1 g5 42.Kh2 Qe3 43.Rf1 Qe2 44.Nh3 d3 45.Nf2 d2 46.Kg1 Qxc4 47.Rd1 Qc1 48.Bh3 g4 49.fxg4 Bxe4 {Endlich kommt der Läufer heraus.} 50.gxh5 Bf3 {Aufgegeben.} 0-1 [Event "II. Meisterturnier"] [Site "Ostende"] [Date "1907.05.18"] [Round "3"] [White "Van Vliet, Louis"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "D05"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 29"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {(Diese Partie ist bereits in meiner Broschüre "Die Blockade" erschienen. Da aber erneutes Studium zu einer teilweisen Revision der dort ausgesprochenen Urteile geführt hat, so bringen wir die Partie auch hier.) In der Eröffnung bekundete Van Vliet seinen Willen, gegen e5 zu drücken:} 1.d4 d5 2.Nf3 c5 3.e3 e6 4.b3 Nf6 5.Bd3 Nc6 6.a3 Bd6 7.Bb2 O-O 8.O-O b6 9. Ne5 Bb7 10.Nd2 a6 11.f4 {Nun hielt ich den Zeitpunkt für eine Gegenaktion für gekommen, also:} 11...b5 {Es folgte:} 12.dxc5 $1 Bxc5 13.Qf3 {Für den in der Zentralisierungsstrategie Bewanderten stellt sich das weiße Manöver 12. de und 13. Df3 als ein Versuch dar, die frei gewordenen Zentralfelder durch Figurenwirkung zu beherrschen und im weiteren Verlaufe auch zu okkupieren. Es ist klar, daß Schwarz nicht untätig zusieht, sondern seinerseits um die Beherrschung der Zentralfelder kämpft.} 13... Nd7 ( {Greift den dank 12. d4xc5 entwurzelt erscheinenden Springer e5 an und erweckt so den Anschein äußerster Konsequenz. Und doch ist der Zug nicht der beste: einen Zentralspringer (denn das ist Sf6 vollauf, er wirkt ja nach e4 hin), der zum Überfluß auch noch die eigene Rochade sichern hilft, darf man nur im äußersten Notfalle bemühen, und ein solcher lag hier nicht vor. Eine solide Zentralaktion bot sich (statt Sd7) in} 13... Rc8 {dar. Darauf geschah - wir folgen der Karlsbader Partie Dus-N. -} 14. Qg3 Nxe5 $1 15.Bxe5 Bd6 16.Bd4 Qe7 $1 17.b4 g6 $1 18.Qg5 {und nun hätte Schwarz durch} 18...Nd7 19.Qxe7 Bxe7 20.e4 Nf6 {bequem ausgleichen können.} ) ( {Interessant ist, dass statt 13. ... Sd7 auch ein sofortiges Vorgehen} 13...d4 {in Betracht komme. Der Versuch scheitert nun zwar an} 14.Nxc6 dxe3 15.Ne4 $1 Nxe4 16.Nxd8 e2+ 17.Kh1 exf1=Q+ 18.Rxf1 Nf2+ 19. Qxf2 Bxf2 20.Nxb7 {erweist sich aber bei aller Unzulänglichkeit doch als belehrend: das Vorgehen d5-d4 müsse vorbereitet werden, sagt uns dieser gescheiterte Versuch.} ) ( {Also} 13...Rc8 $1 {Und falls dann} 14.Qg3 {so entweder} 14...Nxe5 {wie gegen Dus, oder aber} ( 14...d4 15.e4 Nxe5 16. fxe5 Nd7 17.Nf3 {mit Chancen und Gegenchancen. Nach dem Textzuge erhält Schwarz ein äußerst schwieriges Spiel.} ) ) 14.Nxc6 Bxc6 15.Qg3 $1 Nf6 ( { Falls} 15...f6 {so} 16.Qh3 $1 f5 {und nun okkupiert Weiß durch} 17.b4 Be7 18.Nb3 Bf6 19.Nd4 {die Mittelfelder, doch scheint Schwarz in der angegebenen Variante mittels} 19...Qc8 {sodann g6 und Sb6 starken Widerstand entgegensetzen zu können. Demnach scheint 15. ... f7-f6 der rechte Zug zu sein. Nach dem Textzug wird die schwarze Stellung derart, dass Weiß selbst bei x-beliebigen Zügen - es braucht nicht gerade der strategisch angezeigte Plan zu sein - das Heft in der Hand behält.} ) 16. Rad1 ( {Natürlich ein ganz farbloser Zug. Die Zentralstrategie} 16.b4 $1 { nebst Sb3 lag doch wahrlich nicht so fern.} ) 16...a5 {Schwarz spielt mit allem Aufwand: nun ist b4 usw. nicht mehr möglich, auch erscheint a3 schwach. Trotzdem ist der weißen Stellung sehr schwer beizukommen, denn der Anziehende hat ein kraftvoll zentriertes Spiel.} 17.Qh3 ( {Im hausbackenen Stile gespielt. Der Systemspieler hätte hier eher das "Bauernopfer zu Blockadezwecken" in Erwägung gezogen, nämlich} 17.Nf3 $1 Bxe3+ 18.Kh1 {und Weiß okkupiert die Zentralfelder d4 bzw. e5. Der schwarze Mehrbauer hätte keinen positiven (Bewegungs-) Wert, würde vielmehr nur negativ wirken, nämlich als Sperrstein für die eigenen Figuren. Aber wie gesagt, auch Dh3 ist sehr stark.} ) 17...h6 ( {Um g2-g4 zu provozieren und solchermaßen das Partie-Tempo zu verschärfen. Eine andere Möglichkeit bestand in} 17...d4 {zum Beispiel} 18.e4 e5 19.fxe5 Bd7 ( {nicht} 19...Nd7 {wegen} 20.e6 ) 20.Qg3 Ng4 21.Rde1 {doch wäre Weiß wohl in diesem Falle vorzuziehen.} ) 18.g4 d4 {Um ein Ineinanderschieben der Bauernstellung zu erzwingen, ein Stratagem, das wir späterhin unter "Aus der Werkstatt der Blockade" als wichtigen Bestandteil der Blockierung kennenlernen werden.} 19.e4 Qd7 ( {Um g4-g5 mit e6-e5 zu beantworten. Es fragt sich aber, ob 19. ... e5 nicht besser gewesen wäre. Beispielsweise} 19...e5 20.fxe5 Nd7 21.Nf3 Qe7 22.Qg3 Rae8 23.g5 h5 {vertrauenerweckend sieht die schwarze Stellung auch in diesem Falle nicht aus.} ) 20.Rde1 e5 21.f5 Nh7 ( {Er stemmt sich dem Drohspiel g4-g5 (nach vorhergegangenem Damenzug nebst h2-h4) aus Leibeskräften entgegen, plant aber jetzt schon die später vor sich gehende Königsflucht. Von hohem strategischem Interesse wäre nun die Untersuchung folgender Frage: Wäre es nicht einfacher gewesen, die Flucht durch De7, dann Sf6-d7 und f7-f6 vorzubereiten, und würde dieses Arrangement dem Partiemanöver gegenüber nicht eine Zeitersparnis von zwei Tempi bedeutet haben? (Denn in der Partie macht der Springer die Rundreise Sf6-h7-f8-d7.) Antwort: Auf} 21... Qe7 {wäre} 22.Nf3 Nd7 23.Nh4 $1 {gefolgt, und f7-f6 nebst Königsflucht wäre verhindert gewesen. (Andererseits wäre aber die Drohung 24. f5-f6 nebst Sf5 unangenehm geworden.) Es kommt bei dem von uns in der Vorbesprechung warm empfohlenen Manöver (nämlich: "Zu hemmen, bis der König geflüchtet ist") gar nicht so sehr auf die Schnelligkeit an, als vielmehr darauf, dem Gegner einen Bauernsturm nahezulegen. In der Natur eines Bauernvormarsches liegt es aber begründet, daß er - mindestens für einige Zeit - die eigenen Figuren in den Hintergrund schiebt, ihnen die Felder nimmt. Dieser Umstand wird uns im Falle einer geplanten Königsflucht jedenfalls nur äußerst willkommen erscheinen. Vergleiche noch die Note zum 24. Zuge.} ) 22.Nf3 Qe7 23.Qg3 Rfe8 24.h4 f6 {Der weiße Bauernsturm hat ein wichtiges Figurenfeld gekostet, Sh4 ist jetzt nicht mehr möglich.} 25.Ra1 Qb7 26.Rfe1 Kf7 27.Re2 Rh8 $1 28.Kg2 Nf8 29.g5 hxg5 30.hxg5 Nd7 {Schwarz steht jetzt einigermaßen wohlkonsolidiert da: dem Könige winkt das Ruheplätzchen d6 (oder auch c8), auch hält er (Schwarz) die h-Linie. Und fürs Endspiel hat er in Ba3 ein bequemes Angriffsziel. Trotzdem ist es nach wie vor sehr schwer, vorwärtszukommen.} 31.gxf6 {Um Punkt g6 durch den Springer zu besetzen. Wir halten diesen Plan für gut anwendbar und sehen keine Veranlassung dazu, den Zug zu tadeln (das Kongreßbuch versieht den Zug mit einem Fragezeichen). Mag sein, daß 31. Tag1 besser aussieht, aber was wäre schließlich für Weiß nach 31. ... Ke7 nebst Tae8 und Ke7-d8-c8 auszurichten gewesen? Und a3 ist schutzlos ... Nein, 31. gf ist nicht zu tadeln, die weiße Stellung sieht nach wie vor sehr gut aus, doch nagt der Wurm an ihr, daran kann weder 31. gf noch 31. Tg1 wesentlich etwas ändern.} 31...gxf6 32.Nh4 $1 Rag8 33.Ng6 Rh5 34.Kf2 Nf8 35.Rg1 Rg5 ( {Alles dies ist von Schwarz ganz richtig gespielt, der Punkt g6 läßt sich wohl kaum behaupten. Möglich war übrigens auch} 35... Nxg6 36.fxg6+ Kg7 {und hernach Tg8-h8.} ) 36.Qh4 ( 36.Qh2 {scheint notwendig zu sein.} ) 36...Rxg1 ( {Er verzichtet auf die sich zufällig ergebende Nebenlösung} 36...Nxg6 {die ja bei 36. Dh2! nicht möglich gewesen wäre und spielt die Hauptvariante.} ) 37.Kxg1 Nxg6 38.Qh5 Kf8 39. fxg6 Qg7 40.Rg2 Rh8 41.Qe2 Rh4 $5 ( {Er verfolgt eine falsche Fährte (noch im Jahre 1925 hatte ich sie für die richtige gehalten, siehe "Blockade"). Schwarz glaubt nämlich irrtümlicherweise, daß Be4 wegen des "abzugsschwangeren" Lc5 unhaltbar ist. Die Partie war vielmehr durch einfaches Angriffsspiel - gegen g6 gerichtet - zu entscheiden. Nämlich} 41...Rh6 42.Qg4 Bd7 43.Qg3 Be8 {und gewinnt.} ) 42.Bc1 $1 Rxe4 $5 43.Qd2 $2 ( {Er sieht nicht, daß Fortuna ihm lächelt (aber auch Teichmann und ich selbst und all die anderen sind an der sich hier bietenden Rettungsmöglichkeit blind vorbeigegangen). Weiß konnte durch das Damenopfer} 43.Qxe4 Bxe4 44.Bxe4 {mit der Drohung Tg2-h2-h7, wohl ein Remis erreichen. Das Schachgebot durch} 44...d3+ {wäre wegen der Antwort} 45.Kf1 {nutzlos. - Nach dem Textzuge dagegen ist es mit Weiß vorbei.} ) 43...Rh4 44.Qxa5 Qd7 45.g7+ Kg8 46.Bc4+ bxc4 47.Qxc5 Rh1+ {Aufgegeben. Eine Aufgabe für den Leser: Er übernehme die Führung der schwarzen Steine in der nach 30. ... Sfd7 erreichten Stellung. Der - ziemlich gleichwertige - Gegner spiele nun 31. Tg1. Versuchen Sie das schwarze Spiel zu halten. Beginnen Sie, wie gezeigt, mit Ke7 und lassen Sie evtl. Tae8 nebst K-d8-c8 folgen. Was aber den Kern des Problems bildet: in welchem Tempo und unter welchem Zwang wird sich der für Sie günstige Austauschprozeß vollziehen? Kann der Gegner etwa nach g7 eindringen, ohne schließlich erfolgenden Abtausch zuzulassen? Oder strebt die Partie langsam aber sicher dem Endspiel zu, das ja für Schwarz überlegen steht? Diese Übung wird interessant und zugleich auch lehrreich sein.} 0-1 [Event "II. Meisterturnier"] [Site "Ostende"] [Date "1907.06.03"] [Round "14"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "von Scheve, Theodor"] [Result "1-0"] [ECO "A06"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 3"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.Nf3 d5 2.d3 Nc6 3.d4 $1 {Denn jetzt ist der feindliche c-Bauer durch den Springer verstellt.} 3...e6 ( {Besser ist} 3...Nf6 ) 4.e3 Nf6 5.c4 Be7 6. Nc3 O-O 7.Bd2 ( 7.Bd3 Nb4 8.Be2 c5 ) 7...Ne4 {Richtig gespielt. Man beachte übrigens, daß dieses Eindringen auch durch 7. Ld3 (statt des geschehenen Ld2) kaum erfolgreich abzuwehren gewesen wäre, zum Beispiel: 7. Ld3 Sb4! 8. Le2 c5.} 8.Bd3 f5 ( {Nicht sehr gut! Mit einem Springer auf c6 kann man keinen Stonewall spielen. Schwarz hätte sich mit} 8...Nxd2 9. Qxd2 Nb4 10.Be2 dxc4 11.Bxc4 c5 {bescheiden sollen.} ) 9.a3 Bf6 10.Qc2 Kh8 11.O-O a6 ( {Wohl um gelegentliches Sb5 zu verhindern. Statt dessen war es an der Zeit, alle stonewallartigen Angriffsgedanken (etwa g5?) aufzugeben; mit dem einfachen} 11...Nxd2 12.Qxd2 dxc4 13.Bxc4 e5 14.Rad1 $1 e4 $1 { konnte Schwarz immer noch annähernd ausgleichen (} 15.Ne1 Re8 16.f3 f4 $1 {). Und warum auch nicht? Mit Zügen wie d3, dann d4, ferner a3 kann man doch nicht im Handumdrehen eine Druckstellung aufbauen! Und außerdem hat Schwarz ja auch etwas geleistet: die Springerdiversion hat ihm die 2 bishops eingebracht. Die Möglichkeit einer noch vorhandenen Balance darf uns daher nicht überraschen.} ) 12.Rac1 h6 13.Rfd1 g5 {Wäre nur dann spielbar, wenn Weiß nicht in der Lage gewesen wäre, die Zentrallinien zu öffnen. Bei geöffneter Mitte dagegen erscheint ein Flügelangriff als aussichtslos.} 14.Be1 g4 15.Ne5 $1 {Die vorhin noch latente d-Linie wird nun aktiv, siehe die nächstfolgende Glosse.} 15...Bxe5 16.dxe5 Ng5 ( { Falls} 16...Nxe5 {so} 17.cxd5 exd5 18.Bxe4 fxe4 19.Rxd5 {usw.} ) 17.Ne2 Qe8 18.Bc3 dxc4 19.Bxc4 {Die d-Linie wirkt wuchtig: Schwarz kann zu keinem Angriffsaufbau gelangen.} 19...Bd7 20.Nf4 Rd8 21.b4 b5 22.Bb3 Ne7 23.Bd4 c6 24.Qa2 Ng6 ( {Falls} 24...Nd5 {so} 25.Bxd5 cxd5 26.Rc7 {usw.} ) 25.Nh5 Nh4 26.Nf6 {Man vergleiche die beiderseitigen Aufstellungen miteinander: Weiß hat 2 Zentrallinien, 2 Zentralläufer und einen Riesenspringer; c6 und e6 und d7, alles hängt. Schwarz hat 2 Diversionsspringer und sonst ... gar nichts. Was Wunder, wenn die schwarze Attacke, die nun inszeniert wird, unter schrecklichen Verlusten für den Angreifenden zurückgewiesen wird.} 26...Qg6 27.Bb6 Nhf3+ 28.gxf3 Rxf6 29.Bxd8 Nxf3+ 30.Kf1 Rf7 31.Bf6+ Rxf6 32.exf6 Nxh2+ 33.Ke1 Nf3+ 34.Ke2 f4 35.Rxd7 1-0 [Event "Imperial Chess Club"] [Site "London"] [Date "1927.11.??"] [Round "7"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Buerger, Victor"] [Result "1-0"] [ECO "A01"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 30"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Eine ziemlich harmlos anmutende "Holländische" im Anzüge, die allerdings in den Zügen 6-10 einen - wenn auch unzureichenden - Anlauf nimmt, ungewöhnliche Wege zugehen:} 1.b3 Nf6 2.Bb2 e6 3.f4 d5 4.Nf3 Be7 5.e3 Nbd7 6.Bd3 ( {um auf} 6.Bd3 Nc5 { zu rochieren} 7.O-O {nach} 7...Nxd3 8.cxd3 {folgt d3-d4 d2-d3 Se5 nebst Spiel in der c-Linie} ) 6...Ne4 7.Ne5 O-O 8.O-O Nxe5 9.Bxe4 Nd7 10.Bf3 Bf6 {das Spiel sieht nach Remis aus} 11.Nc3 c5 12.Qe1 ( 12.Qe2 d4 13.Ne4 $2 d3 $1 14.Nxf6+ Qxf6 15.Bxf6 dxe2 {und gewinnt} ) 12...b6 ( 12...Nb6 {um e6-e5 vorzubereiten, gefiele uns besser} ) 13.g4 Ba6 14.d3 d4 ( {dies führt im Ergebnis nur zu einer Versteifung des Bauernskeletts, während Schwarz doch gerade eine Öffnung des Spiels anstreben sollte. Richtig war} 14...Rc8 { nebst evtl. c5-c4} ) 15.Ne4 Rc8 16.Nxf6+ Nxf6 17.e4 e5 18.f5 h6 19.Qg3 Re8 $2 ( {Die Stellung hat nun eine gewisse Ähnlichkeit mit der im Diagramm 33 (Partie 29, nach 21. f4-f5) veranschaulichten. Hier wie dort erscheint die Königsflucht angezeigt, und in beiden Fällen ist der weiße Vorstoß g4-g5 (nach vorhergegangenem h2-h4) keineswegs zu verhindern. Im Falle des Diagramms 33 (Partie 29) mußte Schwarz durch langsame Strategie den gegnerischen Sturm geradezu herausfordern, denn dieser ergab Verbauung eines eigenen Figurenfeldes (des Feldes h4 für den weißen Springer) und gestattete somit eine ungestörte Abwicklung des Fluchtmanövers. Ganz anders liegt die Sache hier. Die Gefahr, daß die geplante Flucht durch weiße Figurenzüge verhindert werden könnte, lag hier überhaupt nicht vor, also bedeutet die "gewollte Langsamkeit" (sofern sie übrigens überhaupt gewollt war) hier nur schädlichen Zeitverlust. Richtig war sofortiges} 19...Nd7 {nebst f7-f6 und Kf7. Zum Beispiel:} 20.h4 f6 21.Bc1 Kf7 22.g5 hxg5 23.hxg5 Rh8 {und Schwarz wird seinen König ungestört über d6 nach b8 führen Späterhin kann auch an den "in der Stellung liegenden" Angriff b6-b5 nebst c5-c4 gedacht werden. Kurz, Schwarz hatte es in der Hand, seine Position voll und ganz zu konsolidieren. Nach dem fehlerhaften Textzuge kommt der schwarze König nicht mehr aus dem brennenden Haus und stirbt eines elendiglichen Flammentodes (wer sagt, daß der Flammentod schön sei?!). Es folgte:} ) 20.h4 Nh7 21.Bc1 f6 22.Rf2 Rc7 23.Rg2 Qe7 24. Qh3 Rc6 25.Bd2 Rd8 26.Kh1 Rdd6 27.a4 {b6-b5 war vorhin stets an der Antwort a2-a4 gescheitert, aber nun braucht Weiß den Damenturm auf der Königsseite, deshalb präveniert er zunächst am Damenflügel.} 27...Bc8 28. Rag1 a6 29.Rh2 {Jetzt ist g4-g5 nicht mehr abzuwehren.} 29...Kh8 30.g5 fxg5 31.hxg5 b5 32.axb5 axb5 33.Qh4 c4 {Es gab keine Verteidigung mehr.} 34.gxh6 Qxh4 35.hxg7+ {Aufgegeben.} ( {Es könnte folgen:} 35.hxg7+ Kg8 36. Rxh4 Rd8 37.Ba5 Re8 38.Bh5 $1 Re7 39.Bf7+ $1 Rxf7 40.Rxh7 Kxh7 41.g8=Q+ { usw. - Moral: Fordere den gegnerischen Bauernsturm nur dann heraus, wenn die dadurch zu provozierende Felderverbauung deinen Plänen (der Königsflucht) dienlich sein dürfte. Andernfalls aber laufe schnellstens auf und davon, die "gewollte Langsamkeit" der Partie 29 wäre dann ganz zwecklos!} ) 1-0 [Event "Internationales Meisterturnier"] [Site "Dresden"] [Date "1926.04.14"] [Round "9"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Sämisch, Friedrich"] [Result "1-0"] [ECO "A28"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 31"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Es gelingt dem Schwarzen nicht, den gegnerischen Doppelkomplex zu einem Vormarsch zu bewegen (Weiß "verharrt" vielmehr), das Krankheitsbild tritt somit nur unklar in die Erscheinung. Doch entschädigt hierfür die mögliche Beobachtung eines interessanten Nebensymptoms, nämlich einer bezeichnenden "Hilflosigkeit" der weißen Offiziere. Diese Offiziere wären an und für sich wohl angriffsbereit, doch wird ihre Angriffslust durch das Bewußtsein gelähmt, daß auf das Mitgehen der eigenen "Bauernpartei" nicht absolut zu rechnen ist. Da die inkriminierte Bauernmasse auch im defensiven Sinne ziemlich unzuverlässig ist (denn schließlich droht doch mal eine Aufrollung durch c7-c6 nebst d6-d5), so erscheint die unschlüssige Haltung der Offiziere (10. Dc2 11. Dd2) genügend motiviert. - So wird die verborgene Bauernschwäche auf eine für den Lernenden deutlich sichtbare Fläche projiziert und das Studium der Partie lohnend gemacht.} 1.c4 e5 2.Nc3 Nf6 3.Nf3 Nc6 4.e4 Bb4 5.d3 d6 6.g3 Bg4 7.Be2 {eine nur scheinbare Inkonsequenz, denn der Zug g2-g3 war namentlich auch als Deckungszug für den gelegentlich nach h4 strebenden Springer gedacht, auch würde 7. Lg2 - andererseits - Sd4 zulassen} 7...h6 8.Be3 Bxc3+ 9.bxc3 Qd7 10.Qc2 ( {Weiß erkennt die Beweglichkeit der eigenen Zentralmasse als gering an, denn d3-d4 und gar d4-d5 würde ja nur zu einer - in der Schwäche von Punkt c5 begründeten - Lähmung führen. Also sucht er seine Figurenzüge den bescheidenen Terrainverhältnissen anzupassen. In diesem Sinne käme auch} 10.Nd2 {in Betracht (um mittels f2-f3 eine Froschstellung zu etablieren), beispielsweise} 10...Bxe2 11.Qxe2 Ng4 12.f3 Nxe3 13.Qxe3 O-O 14.O-O {mit annähernd gleichem Spiel.} ) ( {Dagegen wäre 10. Dd2 als ein Mißbrauch des zu Gebote stehenden bescheidenen Terrains aufzufassen, denn das Feld d2 soll offen bleiben; auch stände die Dame mit Rücksicht auf den möglichen Ausblick nach a4 einerseits und die Reservedrohung d4 andererseits doch besser auf c2. Auf} 10.Qd2 {empfehlen wir} 10...Na5 {zum Beispiel:} 11.Qc2 O-O {nebst Tfe8 c7-c6 und d6-d5, und Schwarz dürfte im Vorteil sein. Es folgte:} ) 10...O-O $2 ( {Auch jetzt würden wir} 10...Na5 {vorgezogen haben} 11.d4 $2 Nxc4 $1 ) 11.Qd2 $1 {Nun am Platz, die schwarze Rochade ist gefährdet.} 11...Nh7 $2 {Um f7-f5 folgen zu lassen. Dies erweist sich jedoch als undurchführbar, und so bleibt als Fazit bloß der dezentralisierte Sh7 übrig.} 12.h3 $1 ( {Außerdem wäre auch noch} 12. Nh4 {ausreichend gewesen.} ) 12...Bxh3 ( {Verliert eine Figur. Schwarz hatte nur mit 13. Bxh6 gerechnet, was übrigens auch stark gewesen wäre} 12...Bxh3 13.Bxh6 Bg2 14.Rh2 Bxf3 15.Bxf3 gxh6 16.Qxh6 f6 17.Bg4 $1 {usw.} ) 13.Ng1 $1 Bg4 14.f3 Be6 15.d4 {und Schwarz kann die Figur nicht retten. Es folgte noch} 15...exd4 16.cxd4 d5 17.cxd5 Bxd5 18.exd5 Qxd5 19.Rd1 Rfe8 20.Kf2 Nf6 {reumütige Wiederkehr des dezentralisierten Springers} 21.Rh4 Ne7 22.Bd3 Nf5 23.Bxf5 Qxf5 24.Kg2 Re7 25.Bf2 Rae8 26.Rf4 Qg6 27.d5 {nach vollzogener Konsolidierung - Zug 24 und 25 - sucht Weiß dem Gegner nun Punkt d5 streitig zu machen, damit schwindet die letzte Hoffnung des Nachziehenden} 27...Re5 ( {falls} 27...Rd7 {so} 28.Qa5 {usw.} ) 28.Rd4 Rd8 29.Qa5 Nh5 30.Qxc7 Rde8 31.d6 {Aufgegeben.} 1-0 [Event "Internationales Meisterturnier des British Empire Club"] [Site "London"] [Date "1927.10.24"] [Round "11"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Colle, Edgard"] [Result "1-0"] [ECO "E16"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 32"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Der Doppelkomplex der vorigen Partie, durch d3-d4 erweitert und ... geschwächt, dies bildet das Kampfthema der vorliegenden Partie. Mag der weiße Vorstoß (d4) auf die weiße Partie, als Ganzes genommen, auch stimulierend eingewirkt haben, für den Komplex selbst bedeutete er den ersten Schritt auf einer abschüssigen Bahn. Und d4-d5 war der zweite und letzte Schritt. Man verstehe mich recht: Das Wohl und Wehe des Komplexes braucht sich nicht immer mit dem des ganzen Partieorganismus zu decken, in der Regel pflegt dies allerdings doch der Fall zu sein. - Man beachte des weiteren, auf welche Art und Weise Weiß trotz allen Sträubens doch zu d4-d5 gezwungen wurde. Hier die Partie:} 1.d4 Nf6 2.Nf3 e6 3.c4 b6 4.g3 Bb7 5.Bg2 Bb4+ 6.Nc3 {um das Problem des Doppelkomplexes zur Diskussion zu stellen} 6...O-O 7.O-O Bxc3 8.bxc3 d6 9. a4 $1 {um a7-a5 zu provozieren und das Feld a5 somit für ein etwaiges Sb8-c6-a5 zu sperren} 9...a5 ( {oder} 9...Nc6 10.Nd2 Na5 11.Bxb7 Nxb7 12. Nb3 {und der Komplex befindet sich eingermaßen wohl} ) 10.Ba3 Nbd7 11.Nd2 Bxg2 12.Kxg2 e5 13.e4 {jetzt ist der durch d3-d4 erweiterte Komplex der Nr. 31 in Lebensgröße zu sehen} 13...Re8 {drohend ed nebst Nxe4). Für gewöhnlich erweist sich dieses Drohspiel als hinreichend, um d4-d5 erzwingen zu können, hier aber ist der e-Bauer beguem zu decken} 14.f3 Nf8 {der Te8 fungiert nun als Präventivfigur, er erschwert f3-f4} 15.Rf2 Qd7 16.Nf1 Ng6 17.Bc1 Kh8 18.Ne3 Ng8 19.h4 Qc6 20.h5 N6e7 21.Qd3 Rf8 22.g4 g6 $1 23.Bd2 $1 gxh5 24.Nf5 ( {Die Idee, den drohenden Vorstoß f7-f5 selbst um den Preis eines Bauernopfers zu verhindern, ist richtig, es fragt sich aber, ob dieselbe durch 24. Tah1 nicht schärfer zu pointieren gewesen wäre, zum Beispiel:} 24.Rh1 Qxa4 25.Rxh5 f6 26.Kg3 {nebst Triplierung in der h-Linie. Aber Weiß, der auf den ersten Preis stand, wollte nicht allzu scharf vorgehen.} ) 24...Nxf5 25.gxf5 Nf6 26.d5 {Also doch! Immerhin hat der Komplex in puncto "Verharren" gute Arbeit geleistet.} 26...Qd7 27.Qe3 Rg8+ 28.Kh1 Qe7 29.Rh2 Rg7 30.Be1 Nd7 {Mit Rücksicht auf das drohende Lh4. } 31.Rxh5 ( {Einfacher erscheint} 31.Bh4 f6 32.Qh6 Qf7 {gefolgt von Hin- und Herzügen des Damenturmes (Ta-d1-a1 usw.).} ) 31...Rag8 32.Bf2 f6 33. Rh2 $1 {Die das Spiel konsolidierende Aufstellung.} 33...Rg5 34.Bh4 Rh5 35.Rg1 Qf8 36.Rg4 Qh6 37.Qxh6 Rxh6 38.Bf2 ( {Zu einem klaren Remis hätte} 38.Rxg8+ {nebst Lf2 geführt.} ) 38...Rxh2+ 39.Kxh2 Rb8 $1 ( {Es ist für die Bedeutung der Schwäche eines gelähmten Doppelkomplexes bezeichnend, daß Schwarz ungeachtet dessen, daß seine eigenen Bauern in gewissem Sinne auf schwachen Füßen stehen (denn sie stehen ja auf Feldern von der Farbe des gegnerischen Läufers), doch Gewinnversuche machen dürfen. Und nicht nur durch den Textzug, sondern auch durch 39. ... Tc8. Zum Beispiel:} 39...Rc8 40.Rg1 $1 c6 {(das ist das in Lähmungsfällen ganz besonders angezeigt erscheinende Befragen des vorgelockten Komplexes: zuerst wird das Vorlaufen provoziert, d3-d4-d5, und dann erfolgt mittels c6 die Abrechnung; hier verläuft dieselbe allerdings nicht ungestört, denn durch direkten Königsangriff hatte Weiß seinerseits gegnerische Schwächen provoziert)} 41.Rb1 $1 cxd5 42.cxd5 Rxc3 43.Bxb6 Rxf3 44.Bxa5 Nc5 {die Stellung ist dann äußerst zweischneidig, immerhin scheint mir der Nachziehende eher im Vorteil zu sein.} ) 40.Rg1 Nc5 41.Ra1 Kg7 42.Be3 Kf7 43.Ra2 Nd3 {Gerade dagegen waren die zwei letzten Präventivzüge gerichtet. Schwarz sollte mit Remis zufrieden sein.} 44.Rd2 Ne1 45.Kg3 Rg8+ 46.Kf2 Ng2 47.Bh6 $1 ( {Die Parade, die in einem Springerfang gipfelt, nämlich} 47.Bh6 Nh4 48.Ke3 Rg3 49.Rh2 $1 Nxf3 50.Kf2 Nxh2 51.Kxg3 Nf1+ 52.Kg2 {und der Springer ist eingesperrt.} ) 47...Nf4 $2 ( {Kostet einen Bauern und nach zähem Endkamof auch die Partie. Durch} 47...Nh4 48.Ke3 Ng2+ {konnte Colle das von ihm gut geführte Spiel leicht remisieren. Das Schlußspiel geben wir in fortlaufender Notation, obzwar dasselbe eine äußerst lehrreiche Illustration zu der "absoluten" 7. Reihe darstellt. Wir sparen eben an Platz, nicht aber an Regeln, Winken und ... Mühewaltung!} ) 48. Bxf4 exf4 49.Rd1 Ke7 50.Rh1 Rg7 51.Rh4 c6 {(ein spätes Befragen, auf das aber die Antwort nicht leicht fällt)} 52.Rxf4 h5 53.Rh4 Rh7 54.Rh1 $1 Kd7 55.Rg1 cxd5 56.cxd5 h4 57.Rg8 h3 58.Ra8 Rh6 59.Ra7+ Kc8 {es ist erreicht, der Turm hält die absolute 7. Reihe, während das Blockieren vom König besorgt wird} 60.Kg1 h2+ 61.Kh1 Rh3 {nun kommt es darauf an, wer der Schnellere ist} 62.Rf7 Rxf3 63.Rxf6 Kd7 64.Rf7+ Ke8 65.Rb7 Rxc3 66.Rxb6 Ke7 67.Rb7+ {immer dasselbe Motiv, die 7. Reihe!} 67...Kf8 68.Ra7 Rc4 69. Rxa5 Rxe4 70.Ra7 Rf4 71.a5 Rxf5 72.a6 {Triumph der "absoluten" 7. Reihe, will besagen des Besitzes der 7. Reihe bei dem auf der 8. Reihe festgehaltenen König, vergleiche Partie 12} 72...Rf1+ ( {denn auf} 72... Rxd5 73.Rb7 Ra5 {entscheidet} 74.a7 {nebst Tb8 mit Schachgebot!} ) 73.Kxh2 Ra1 74.Ra8+ Kg7 ( {oder} 74...Ke7 75.a7 {nebst Th8 usw.} ) 75.Kg3 Ra4 76. Kf3 Kf6 77.a7 Kg7 78.Ke3 {Aufgegeben.} 1-0 [Event "Großmeisterturnier"] [Site "St. Petersburg"] [Date "1914.04.29"] [Round "6"] [White "Janowski, Dawid"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "1/2-1/2"] [ECO "E43"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 33"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Nach den einleitenden Zügen} 1.d4 Nf6 2.c4 e6 3.Nc3 Bb4 4.e3 b6 5.Bd3 Bb7 6.Nf3 Bxc3+ 7.bxc3 d6 ( { möglich war} 7...c5 $1 {nebst Sc6} ) 8.Qc2 Nbd7 9.e4 e5 {hatte Schwarz eine anscheinend wohlkonsolidierte Stellung erreicht. Indes spielt der Läufer auf b7 eine ziemlich zweifelhafte Rolle, denn, einerseits genügen seine Kräfte nicht, um d4-d5 zu erzwingen, und andererseits macht sich sein Fehlen auf der Schräge c8-g4 sehr bald unangenehm bemerkbar. Der Übergang in die offene Partie war eben zu plötzlich erfolgt. Es geschah nun} 10.O-O O-O 11.Bg5 h6 12.Bd2 Re8 13.Rae1 Nh7 ( {Durch den etwas befremdend wirkenden Zug 13. ... Te8-e6 (nebst De8) hätte Schwarz darauf spielen hönnen, das gegnerische "Verharren" zu unterbinden (also d4-d5 zu erzwingen). Die Folge könnte etwa sein:} 13...Re6 14.Nh4 $1 {um die Felderschwäche f5 auszunutzen, vergleiche die Note zum 9. Zuge} 14...g6 $1 15.f4 ( {nicht} 15.Bxh6 {wegen} 15...Ng4 ) 15...exf4 16.Bxf4 {und nun hätte Schwarz die Wahl zwischen 16. .. . g5? 16. ... Sh5 und 16. ... De8. Das strategische Ziel, das der Nachziehende sich gesetzt haben mag, würde bei 16. ... De8 am klarsten hervortreten, nämlich} 16...Qe8 ( {Noch einleuchtender wäre aber die Variante} 16...Nh5 {zum Beispiel:} 17.Qf2 $2 Rf6 18.g3 g5 19.e5 Nxf4 20.gxf4 Rxf4 {und gewinnt} ) ( {oder} 16...Nh5 17. Bg3 Nxg3 18.hxg3 Qg5 {nebst Ta8-e8 und Schwarz hätte nichts auszustehen.} ) 17.d5 Re7 18.Bxh6 Ng4 19.Bg5 f6 20.Bc1 Nge5 {und Weiß erfreut sich zwar des Besitzes eines Mehrbauern, ist aber im übrigen nicht auf Rosen gebettet, u. a. ist sein Doppelkomplex gelähmt und Schwarz hat Zentralpunkte.} ) ( {Wahrscheinlich wäre aber auf} 13...Re6 {die Antwort} 14.Re2 {erfolgt, zum Beispiel:} 14...Qe8 15.Rfe1 {und Weiß setzt mit äußerster Hartnäckigkeit die Politik des Verharrens fort. Aber auch Schwarz hätte einen Erfolg zu buchen, die Möglichkeit f2-f4 ist, dank dem Wegzug des f-Turmes, in die Ferne gerückt.} ) ( {Außer 13. ... Te6 kam auch} 13...Nf8 {in Betracht, zum Beispiel:} 14.h3 Ng6 15.Nh2 Re7 16.f4 $2 exf4 17.Bxf4 Qe8 18.d5 c5 {und d4-d5 wird doch erzwungen.} ) ( {Und schließlich war auch an ein sofortiges} 13...c5 {zu denken, doch könnte Weiß hierauf mittels} 14.d5 {alles verbauen.} ) 14.h3 ( {Auf} 14.Kh1 {(im Kongreßbuch empfohlen) könnte u. a. auch} 14...Ndf6 {geschehen, zum Beispiel:} 15.Ng1 Ng4 {und der Vorstoß f2-f4 erwiese sich als undurchführbar.} ) 14...Nhf8 ( {Auch hier wäre} 14...Ndf6 {usw. möglich gewesen.} ) 15.Nh2 Ne6 16.Be3 c5 $1 17.d5 Nf4 {Schwarz hat seine am Damenflügel dank c7-c5 verlorengegangenen Chancen am Königsflügel wiedergefunden.} 18.Be2 Nf8 19.Bg4 Bc8 {Endlich gelangt der Läufer auf die rechte Diagonale.} 20.Qd2 Ba6 ( 20...N8g6 {wäre einfacher gewesen, aber Schwarz glaubt nicht an seinen eigenen Königsangriff; daß es ihm nicht gelingen wollte, d4-d5 ohne Zugeständnisse an den Gegner zu erzwingen - denn c7-c5 war ein solches - hatte ihn deprimiert. Er begnügt sich daher im nachfolgenden damit, eine Froschstellung einzunehmen, und hätte so beinahe - die Partie gewonnen.} ) 21.g3 N4g6 22.Be2 Nh7 23.h4 Nf6 24.Bd3 Rb8 $1 {Der Turm wird als Präventivfigur nach e7 gebracht.} 25.Qe2 Rb7 26. Bc1 Rbe7 27.Kh1 Bc8 28.Rg1 Kf8 29.h5 Nh8 30.g4 Nh7 31.Bc2 Rb7 32.f4 f6 { Endlich hat Janowsky den schon immer geplanten Vorstoß durchgesetzt, doch mußte er, um dieses zu erreichen, manch wertvollen Punkt preisgeben, zum Beispiel: g5; dies rächt sich späterhin.} 33.fxe5 ( 33.g5 {führte zu keinem Resultat, zum Beispiel:} 33...fxg5 34.fxg5 hxg5 35.Rg3 Nf7 36.Nf3 $2 g4 {usw.} ) 33...dxe5 34.Nf3 Nf7 35.Ref1 Kg8 36.Nh4 Nd6 37.Nf5 Bxf5 38. gxf5 Ng5 {Vergleiche die Note zum 32. Zuge.} 39.Bxg5 hxg5 40.Ba4 {Er kümmert sich nicht um seinen eigenen schutzbedürftigen h-Bauern und sucht vielmehr den gegnerischen Damenflügel aufzurollen (Lc6 nebst a2-a4-a5 usw.). Wir werden gelegentlich der später zu besprechenden Partien sehen, daß diese Aufrollungsaktion dem Sinne nach eine Strafexpedition bedeutet (das geschehene c7-c5? wird geahndet). Daß Janowsky, trotz der im eigenen Lager vorhandenen Schwächen, den kühnen Versuch unternimmt, die gegnerischen Schwächen rücksichtslos aufzudecken, muß rühmend anerkannt werden. (Janowsky hatte ein wunderbar feines Schachgefühl). - Anderer Meinung ist das Kongreßbuch: es verurteilt Janowskys scharfe Kombination und hält den hieraus resultierenden Bauernverlust für entscheidend. Aber selbst wenn dem so wäre - was wir bezweifeln -, so bliebe der Wert der Variante in gewissem Sinne doch unangetastet. Denn durch das Janowskische Manöver - ob korrekt oder nicht - wird das Geheimnis der Stellung entschleiert! Wir geben den Rest in fortlaufender Reihe.} 40...Rf8 41.Bc6 Rb8 42.a4 Kf7 43.Kg2 Rh8 44.Rh1 Rh6 45.Ra1 Qc7 46.Kf2 Rbh8 47.Ke3 Kg8 48. Kd3 Qf7 49.a5 Rxh5 50.Rxh5 Rxh5 51.axb6 Rh3+ 52.Kc2 axb6 53.Ra8+ Kh7 54. Rd8 Qa7 55.Ra8 Qf7 56.Kb3 ( {Hier stolpert Weiß. Wie sollte denn Schwarz nach 56. Td8 gewinnen können? Man sehe} 56.Rd8 Qa7 57.Ra8 Qc7 58.Kb3 Rh4 59.Qa2 Rxe4 60.Rf8 Nxf5 ( {oder} 60...g6 61.Qa8 gxf5 62.Rh8+ Kg6 63.Be8+ Kg7 64.Bh5 {nebst Matt in wenigen Zügen.} ) 61.Qa8 Nd6 62.Rd8 {usw. Es scheint also, daß die zur Umgehung verdichtete Aufrollungsaktion stark genug war, und daß das Kongreßbuch somit irrt, wenn es den Bauernverlust für entscheidend hält. Nach dem fehlerhaften Textzuge sollte Schwarz allerdings leicht gewinnen können.} ) 56...Qh5 $1 57.Qxh5+ Rxh5 58.Be8 Nxe8 $2 ( {Ermüdet durch die langwierige Verteidigung verfehlt hier Schwarz die sofort entscheidende Gewinnfortsetzung. Sie bestand in} 58... Rh6 $1 {Falls hierauf} 59.Rd8 {so einfach} 59...g4 {usw.} ) ( {falls aber} 58...Rh6 59.Bg6+ {so gewinnt Schwarz durch} 59...Rxg6 60.fxg6+ Kxg6 61.Kc2 $1 Nxe4 62.Kd3 Kf5 $1 {(diesen letzten Zug hatte Schwarz in der Vorausberechnung übersehen!). Nach dem Textzuge dürfte ein Gewinn für Schwarz nicht mehr nachzuweisen sein. Es folgte} ) 59.Rxe8 Rh2 60.Ra8 g4 61.Ra1 Kh6 62.Ka4 Kg5 63.Kb5 Kf4 64.Rg1 {er beste Zug. Es drohte Kxe4 nebst Kf5 und schnellster Vormarsch der Freibauern} 64...Kxe4 65.Rxg4+ Kxf5 66.Rxg7 Rb2+ 67.Kc6 e4 68.d6 Rd2 69.d7 e3 70.Kxb6 ( 70.Kc7 {verlöre für Weiß} ) 70...e2 71.Re7 Rxd7 72.Rxe2 Rd3 73.Rc2 Rd8 {Nach weiteren zwölf Zügen als Remis erklärt. Eine schwierige Partie.} 74.Rc1 Rb8+ 75.Kc7 Re8 76.Kd6 Rd8+ 77.Kxc5 Rc8+ 78.Kd6 Rxc4 79.Kd5 Rc8 80.c4 Rd8+ 81.Kc6 Kg4 82.Rg1+ Kh3 83.c5 f5 84.Kc7 Rf8 85.c6 f4 1/2-1/2 [Event "Internationales Meisterturnier"] [Site "Dresden"] [Date "1926.04.05"] [Round "2"] [White "Johner, Paul F."] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "E50"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 34"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Diese Partie habe ich bereits im "System" gebracht. Wenn ich sie hier trotzdem wiederhole - freilich anders glossiert -, so geschieht es aus dem Grunde, weil ich sie als Relation zu unserer Nr. 33 nicht entbehren kann.} 1. d4 Nf6 2. c4 e6 3. Nc3 Bb4 4. e3 O-O {Gegen Janowsky, siehe vorige Partie, zog ich hier b6.} 5. Bd3 c5 6. Nf3 Nc6 7. O-O Bxc3 8. bxc3 d6 9. Nd2 ({Ein feiner Zug.} 9. Nd2 {Falls nun} e5 {so} 10. d5 Ne7 ({nicht nach} 10... Na5 {wegen} 11. Nb3) 11. e4 {mit einer Bauernkonfiguration, wie wir sie aus der vorigen Partie (Zug 22) kennengelernt haben; der einzige vielleicht in Betracht kommende Unterschied wäre allenfalls der, daß der schwarze b-Bauer noch auf b7 (nicht schon auf b6) stände und der Aufrollungsangriff a2-a4-a5 somit nicht drohte. Wird es aber dem b-Bauern angesichts der offenen b-Linie gelingen, sich auf b7 zu behaupten?}) 9... b6 {Um das Feld b7 für den ... Springer zu öffnen; Schwarz plant nämlich e6-e5 d4-d5 Sc6-a5 und falls hierauf Sd2-b3, so Sa5-b7.} 10. Nb3 ({Hier war} 10. f4 {der gegebene Zug. Nach} e5 11. fxe5 dxe5 12. d5 Na5 13. Nb3 Nb7 14. e4 Ne8 {nebst Sed6 wäre die Bauernkonfiguration der Nr. 33 (nach dem 36. Zuge) erreicht, die im großen ganzen doch ziemlich mumifiziert wirkt.}) 10... e5 $1 11. f4 e4 $1 {Dieser Zug wäre auch auf 11. d4-d5 erfolgt, zum Beispiel: 11. d5 e4 12. Le2 Se5 mit Zentralisierung bzw. 11. d5 e4 12. de ed mit Vorteil für Schwarz. - Die Pointe des vor sich gegangenen, anscheinend unblutigen Kampfes (Zugfolge 9-11) besteht gerade darin, daß dieser in Wirklichkeit voller Spannung und sehr blutig war: Weiß hatte den Zug f2-f4 um ein Tempo zu spät getan, dadurch gelang es dem vorwärtsdrängenden e-Bauern, dem gerechten Zorn des f-Bauern mit knapper Not zu entgehen. Hätte Schwarz im 11. Zuge De7 gezogen (statt e4!), um sodann, auf erfolgtes 12. fe de 13. d5 den Rückzug d8 zu wählen (besser wäre aber 13. ... e4!), dann käme wieder 14. e4 Ne8 mit allgemeiner Mumifizierung. Nach dem Textzuge 11. ... e5-e4 hat Schwarz ein neues und sehr schwieriges Problem zu lösen, nämlich: Hemmung des weißen Königsflügels (der Bauern f, g und h).} 12. Be2 Qd7 $3 ({Eine äußerst schwierige und komplizierte Hemmung wird hierdurch eingeleitet. Eine andere Hemmungsmöglichkeit bestand hier in} 12... Ne8 {doch würde dies nach} 13. g4 f5 14. d5 Ne7 15. g5 {neuerdings zu einer Versteinerung führen, es fehlen eben die Springerfelder c5 und namentlich f5. Eine Hemmungsaktion so zu führen, daß Mumifizierung vermieden bleibt, dies macht das zu lösende Problem zu einem schwer lösbaren!}) 13. h3 Ne7 14. Qe1 ({Sollte der weiße Angriff nicht einmal zur "Mumifizierung" ausreichend sein, wird man fragen. Nun, man prüfe:} 14. Bd2 Nf5 {(dieses Feld wirkt initiativ, beispielsweise droht nun Sg3 nebst Abtausch des den Bauer c4 stützenden Läufer e2)} 15. Qe1 g6 16. g4 Ng7 17. Qh4 Nfe8 { und nun} 18. a4 {(u. a. auch, um Da4 zu verhindern). Falls} f5 {so} 19. g5 { nebst 20. d5. Damit wäre eine schwer zu beurteilende Stellung erreicht, zum Beispiel:} Nc7 20. d5 Ba6 $1 {(ein Präventivzug, gegen das drohende a4-a5 gerichtet, darauf soll nun stets b5 erfolgen können)} 21. Kf2 Qf7 $1 22. Rfd1 ( 22. Qh6 {scheiterte an der Kombination} Nxd5 23. cxd5 Bxe2 24. Kxe2 Qxd5 25. Nc1 Nh5 $1 {mit dauernd abgesperrter Dame: Schwarz gewinnt durch allgemeinen Bauernvormarsch)}) 22... Kh8 {und dann 23. ... Sh5, und Schwarz sucht mittels Tg8 Kh8-g7-f8-e7-d7 den Durchbruch h7-h6 vorzubereiten. Hält man sich ferner vor Augen, daß Schwarz vor geschehenem 20. ... La6 noch erst a7-a5 hätte spielen können (um die Gegenchance a4-a5 zu amputieren), so wird man sich darüber klar, daß die von weißer Seite anzustrebende Mumifizierung auf große praktische Schwierigkeiten stoßen muß.}) 14... h5 {Der Beginn der Einschnürung. } 15. Bd2 ({Oder} 15. Qh4 Nf5 16. Qg5 Nh7 17. Qxh5 Ng3) 15... Qf5 $1 {Um nach h7 zu wandern, dies war die originelle Pointe des Hemmungsmanövers.} 16. Kh2 Qh7 $1 17. a4 Nf5 {Drohend Sg4+ hg hg+ Kg1 g3 usw.} 18. g3 a5 {b6 ist leicht zu decken.} 19. Rg1 Nh6 20. Bf1 Bd7 21. Bc1 Rac8 {Nun ist die Sachlage eine andere als beim 14. Zuge. Schwarz braucht die Abschließung durch d4-d5 nicht mehr zu fürchten, er hat Spiel genug am Königsflügel.} 22. d5 Kh8 23. Nd2 Rg8 24. Bg2 g5 25. Nf1 Rg7 26. Ra2 Nf5 27. Bh1 Rcg8 28. Qd1 gxf4 $1 29. exf4 Bc8 30. Qb3 Ba6 31. Re2 ({Weiß nimmt seine Chance wahr. Der e-Bauer ist schutzbedürftig geworden. Auf reines Verteidigungsspiel, wie etwa} 31. Bd2 { wäre es zu einer schönen Kombination gekommen, nämlich} Rg6 $1 32. Be1 Ng4+ 33. hxg4 hxg4+ 34. Kg2 Bxc4 $1 35. Qxc4 {und nun folgt der stille Zug} e3 $3 {und das Matt auf h3 ist nur durch} 36. Nxe3 {zu parieren. Das kostet aber die Dame. }) 31... Nh4 32. Re3 ({Hier hatte ich natürlich 32. Sd2 erwartet, denn die Schutzbedürftigkeit des wichtigen Be4 bildet, wie bereits hervorgehoben, die einzige Gegenchance für Weiß. Darauf wäre ein reizendes Damenopfer die Folge gewesen, nämlich} 32. Nd2 Bc8 33. Nxe4 Qf5 $1 34. Nf2 Qxh3+ 35. Nxh3 Ng4# {Die Pointe liegt übrigens darin, daß die Züge Lc8 und Df5 keineswegs umgestellt werden dürfen, zum Beispiel:}) (32. Nd2 Qf5 $2 {(statt Lc8!)} 33. Qd1 $1 Bc8 34. Qf1 {und alles ist gedeckt}) ({während auf} 32. Nd2 Bc8 $1 33. Qd1 {der Zug } Bxh3 {den Eckpfeiler des weißen Gebäudes wegfegen würde.} 34. Kxh3 Qf5+ {usw. }) 32... Bc8 33. Qc2 Bxh3 $1 34. Bxe4 (34. Kxh3 Qf5+ 35. Kh2 {hätte Matt in drei Zügen zur Folge.}) 34... Bf5 {Das Beste, denn nun ist h5-h4 nicht mehr aufzuhalten; nach Fall des Bh3 ist die Verteidigung eben hoffnungslos geworden. } 35. Bxf5 Nxf5 36. Re2 h4 37. Rgg2 hxg3+ 38. Kg1 Qh3 39. Ne3 Nh4 40. Kf1 Re8 $1 {Ein präziser Schlußzug, denn nun droht 41. ... Nxg2 42. Rxg2 Qh1+ 43. Ke2 Qxg2+ und gegen diese Drohung ist Weiß wehrlos.} ({Auf} 40... Re8 41. Ke1 { würde sogar Matt durch} Nf3+ 42. Kf1 Qh1+) 0-1 [Event "Internationales Schachmeisterturnier"] [Site "Karlsbad"] [Date "1907.08.24"] [Round "4"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Vidmar, Milan"] [Result "1/2-1/2"] [ECO "A06"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 35"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.Nf3 d5 2.d3 Nc6 3.d4 Nf6 4.a3 {Um den Schwarzen zu einer Erklärung zu zwingen: bei 4. ... e6 bleibt der Läufer eingesperrt, zieht er 4. ... Lf5, so folgt e3, dann c4 und evtl. Db3, und auf 4. ... Lg4 soll 5. Se5 geschehen.} 4...Bg4 5.Ne5 Bh5 6.c4 ( {Diesem Zuge liegt folgende überraschende Kombination zugrunde:} 6.c4 dxc4 7.Qa4 Qxd4 8.Nxc6 Qd7 9.g4 $1 Nxg4 ( {Merkwürdig, daß niemand an die Möglichkeit} 9...Bg6 {(statt Nxg4) gedacht hat, nach} 10.Nc3 Qxc6 11.Qxc6+ bxc6 12.Bg2 Kd7 13.g5 Ne8 { wäre die Verteidigung im Vorteil.} ) 10.Bg2 Ne5 11.Qb5 {und behauptet die Figur.} ) ( {Weiß hätte aber einfacher und besser spielen können, nämlich} 6.c4 dxc4 7.Nxc6 $1 bxc6 8.Qa4 Qd7 9.e3 {mit gutem Spiel. Demnach scheint das Auf-Zugzwang-Spielen des 4. Zuges doch korrekt gewesen zu sein, ein seltener Fall in einem so frühzeitigen Stadium der Partie!} ) 6...e6 $2 7. Qa4 Bd6 ( {Arbeitet den weißen Plänen in die Hand, da der Einsperrungszug c4-c5 nun mit Tempo möglich wird. Auf} 7...Be7 {wäre aber} 8.Nc3 {erfolgt, und Schwarz hätte nach den weiteren Zügen} 8...O-O 9.Nxc6 bxc6 10.Qxc6 { seinen Tempovorteil nicht verwerten können, das Bauernminus hätte daher entscheidende Bedeutung erlangt.} ) 8.Nxc6 Qd7 9.c5 $1 Be7 10.Bf4 {Um Qxc6 zu verhindern, der Blockierende muß den Abtausch in der Regel zu vermeiden suchen.} 10...bxc6 11.e3 O-O ( 11...a5 {verbot sich wegen} 12.b4 {xa5 usw., nun aber wird der a-Bauer unbeweglich gemacht.} ) 12.Ba6 {Diese Blockade ist für Schwarz sehr unangenehm, denn hierdurch wird ein Plan durchkreuzt, an dessen Ausführung ihm, dem Schwarzen, unendlich viel gelegen sein mußte; der Plan bestand darin, den a-Bauern durch Vorgehen eventuell loszuwerden. Daß der blockierende La6 auch noch nebenbei das Feld b7 fixiert, kommt uns nicht überraschend, denn wir wissen es: "Blockadefelder pflegen sich fast ausnahmslos als in jeder Beziehung starke Felder zu erweisen."} 12...Rfb8 13.b4 Ne8 {Schwarz plant einen Durchbruch im Zentrum mittels f7-f6 und gelegentlich e6-e5. Das ist seine einzige Ressource.} 14.O-O {Den Qualitätsgewinn, erreichbar durch Sb1-d2-b3-a5, hatte Weiß stets in der Hand, er strebt aber nach mehr.} 14...f6 15.Nd2 g5 16.Bg3 Ng7 17.h3 {Zwecks Konservierung des Läufers.} 17...Be8 18.Bh2 Bd8 19.g4 $1 {Um den Springer einzuschränken. Die strategische Begründung - denn die Springereinschränkung bildete nur eine taktische Pointe - erhellt aber aus folgender Erwägung: gegen den genierenden g-Bauern wird Schwarz anrennen müssen (h7-h5), dann ergeben sich unweigerlich offene Linien, die aber, nach Lage der Dinge, den weißen (nicht den schwarzen) Türmen zustatten kommen werden. Also ein Spiel von Flügel zu Flügel: Mit Rücksicht auf seine prekäre Situation links sieht Schwarz sich zu einer Gegenaktion rechts veranlaßt, die aber aus einem bestimmten Grunde von vornherein aussichtslos erscheinen muß. Dieser Grund ist in den durch die Misere links bedingten ungünstigen Kommunikationsverhältnissen zu erblicken (es fehlen die direkten Schnellzugsverbindungen zwischen den beiden Flügeln).} 19...h5 20.Qd1 Bg6 21.Nb3 hxg4 22.hxg4 f5 23.Be5 fxg4 24.Qxg4 Nf5 25.Na5 Qh7 26.Be2 $1 {Man beachte, daß Weiß den Läufer nicht eher zurückgezogen hat, zuerst mußte nämlich die Ersatztruppe (Sa5) angelangt sein. Es galt, die den Gegner befreiende Möglichkeit a7-a5 nicht einen Moment lang aus dem Auge zu verlieren, vergleiche die Note zum 12. Zuge.} 26...Qd7 27.Qh3 ( {Heute hätte ich 27. f4 vorgezogen, denn einen blockierten Bauern (hier g4) gebe ich nur ungern frei. Auf} 27.f4 {könnte folgen:} 27...Kf7 ( 27...Nxe3 $2 28.Qh3 $1 ) 28.fxg5 Be7 29.e4 dxe4 30.Bc4 Ke8 {(es drohte Rxf5)} 31.Rad1 $1 {und gewinnt leicht, da Schwarz sich nicht rühren kann, zum Beispiel:} 31...Ne3 32.Qh3 Nxf1 33.Bxe6 Qd8 34.Nxc6 ) 27...Kf7 28.f4 g4 $1 {Vidmar verhindert die Öffnung der f-Linie; dies wäre ihm bei 27. f4 nicht möglich geworden. Verloren ist seine Partie natürlich in jedem Falle.} 29. Bxg4 Be7 30.Ra2 Rg8 31.Rg2 Nh4 32.Rg3 Raf8 ( {Wohl noch das beste.} 32... Nf5 {wäre ungenügend:} 33.Bxf5 Bxf5 34.Qh5+ Bg6 35.Qh6 {und Weiß wird mit Kf2 nebst Tfg1 sehr bald den Sieg erzwingen.} ) 33.Kf2 Rh8 ( { Verzweiflung. Längeres Zuwarten brächte sicheren Tod, zum Beispiel:} 33... Ra8 34.Rfg1 Raf8 35.Bd1 {usw.} ) 34.Bxh8 Rxh8 35.Rfg1 Rh6 36.Bh5 {Hierzu sagt Marco: "Eine prächtige entscheidende Kombination." Ich mache aber vier Züge später einen groben Fehler, und die Entscheidung bleibt aus.} 36...Bxh5 37.Rg7+ Ke8 38.Rg8+ Bf8 39.Qxh4 Qh7 40.Rxf8+ $4 ( {Eine folgenschwere Halluzination,} 40.R1g7 Qxg7 ( {Falls} 40...Qc2+ {so} 41.Kg3 ) 41.Rxg7 Bxg7 42.Qg5 Bf8 43.Nxc6 {hätte rasch gewonnen.} ) 40...Kxf8 41. f5 ( {Bei 40. Rxf8 hatte Weiß} 41.Qd8+ {in Betracht gezogen und dabei die Antwort} 41...Be8 {völlig übersehen.} ) 41...exf5 $2 ( {Richtig war} 41... Qxf5+ ) 42.Rh1 {Jetzt hat Weiß wieder Gewinnstellung erlangt.} 42...f4 43. Qd8+ ( {Statt der Remiskombination hätte} 43.Qxf4+ Ke8 44.e4 $1 {gewonnen, aber ich litt noch unter den Nachwirkungen des Schreckens. Trotz des entsetzlichen Fehlers im 40. Zuge eine sehr lehrreiche Partie. Vidmar ist mir übrigens dreimal in ganz ähnlicher Weise entschlüpft.} ) 43...Be8 44. Qf6+ Rxf6 45.Rxh7 Bf7 {Remis.} 1/2-1/2 [Event "Großmeisterturnier"] [Site "New York"] [Date "1927.02.19"] [Round "1"] [White "Marshall, Frank James"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "C01"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 36"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Der Doppelbauer entstand nach den Zügen} 1.e4 e6 2.d4 d5 3.Nc3 Bb4 4.exd5 exd5 5.Nf3 Ne7 6.Bd3 Nbc6 7.h3 Be6 8.O-O Qd7 9.Bf4 {Es folgte nämlich} 9...Bxc3 10.bxc3 f6 {Um den Le6 gegen allfälliges Sg5 zu sichern. Es zeigt sich nun die prophylaktische Bedeutung des Zuges 7. ... Le6. - Weiß versuchte nun einen Angriff in der b-Linie, der aber, was uns nicht überraschen darf, an der dynamischen Schwäche des Doppelkomplexes scheiterte. Es geschah:} 11.Rb1 g5 12.Bg3 O-O-O {Sieht gewagt aus, gehört aber zu dem im 9. Zuge inszenierten Schlachtplan.} 13.Qe2 ( 13.Nd2 $1 ) 13...Rde8 $1 ( {Und nicht etwa} 13... Rdg8 {denn ein Flügelangriff wird am besten durch Zentralaufhäufung, nicht aber durch Flügelgegenangriff entkräftet.} ) 14.Rfe1 Nf5 15.Bxf5 ( {Der Zug} 15.Ba6 {ist wegen} 15...bxa6 {unzureichend.} ) 15...Bxf5 16.Qb5 Nd8 17.Qc5 b6 18.Qa3 Kb7 19.Qb3 Nc6 {Schon strebt ein Blockeur nach c4, um das Übel c2 c3 als solches zu markieren.} 20.Nd2 Na5 21.Qb2 Rxe1+ 22.Rxe1 Re8 23.Rxe8 Qxe8 24.Qb1 Kc8 ( {Hier wäre auch} 24...Qe2 {stark.} ) 25.Qd1 Qe6 26.Nb3 Nc4 27.Nd2 Na3 28.Nf1 Nxc2 {Ein Endspiel mit Bauernplus bei ungleichfarbigen Läufern ist jetzt entstanden, dasselbe wurde von vielen Zuschauern als remis taxiert.} 29.Qh5 Bd3 30.Qd1 Qe4 ( {Nicht sofort} 30...Qe2 {wegen} 31.Qxe2 {nebst Se3.} ) 31.Nd2 ( {falls} 31.f3 {so nunmehr } 31...Qe2 $1 ) 31...Qe2 32.Qxe2 Bxe2 33.f4 Na3 34.fxg5 fxg5 35.Kf2 Bh5 $1 36.Be5 g4 37.hxg4 Bxg4 38.Ke3 Bf5 39.Bg7 Be6 40.Bf8 Nb5 41.Nb1 a5 ( {Hier war auch 41. ... Lf5 angängig, zum Beispiel:} 41...Bf5 42.a4 Bxb1 43.axb5 Ba2 44.Kf4 Bc4 45.Ke5 Kd7 46.Bb4 c6 47.bxc6+ Kxc6 {nebst Königswanderung nach b3.} ) 42.Kd2 ( {Zu ähnlicher Gewinnführung, wie in der vorigen Note gezeigt, wäre es bei 42. Kf4 (um Lf5 zu verhindern) gekommen, zum Beispiel:} 42.Kf4 Bf7 43.a4 Bg6 44.axb5 Bxb1 45.Ke5 Ba2 46.Ke6 Bc4 {nebst Kb7 und c7-c6 usw.} ) 42...Bf5 43.Na3 Nxa3 44.Bxa3 Bb1 45.Bf8 Bxa2 46.Bg7 Bb1 47.Ke3 Kb7 48.Bf6 Ka6 49.Kd2 ( {Auf 49. Ld8 gewänne das Eindringen des Königs nach b3, zum Beispiel:} 49.Bd8 Kb5 $1 50.Bxc7 Kc4 51.Bxb6 a4 {nebst Kb3 und gewinnt, da der a-Bauer unaufhaltsam ist. Diese eben gezeigte Variante demonstriert die Schwäche des - einst vorhanden gewesenen Doppelkomplexes. Denn im freien a-Bauern zeigt sich "spiegelbildlich" die Schwäche des weiland weißen a-Bauern, und in der blockierten langen Diagonale (f6-a1) manifestiert sich in memoriam die sperrsteinartige Wirkung des Bauernblocks c3 c4. Den Rest hätte Marshall sich sparen können.} ) 49...Be4 50.g3 Kb5 51.Kc1 Kc4 52.Kb2 c5 53.Be5 cxd4 54.Bxd4 b5 55.Bb6 a4 56.Ba5 d4 57.cxd4 b4 58.Bb6 a3+ 59.Ka2 Kb5 60.Bc5 Ka4 { Aufgegeben.} 0-1 [Event "III. internationales Schachmeisterturnier"] [Site "Karlsbad"] [Date "1923.05.12"] [Round "12"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Réti, Richard"] [Result "1/2-1/2"] [ECO "A15"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 37"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Ein negatives Beispiel: es gelingt Meister Reti nicht, das Ineinanderschieben der Bauernstellung zu erzwingen (wenn ich sage "negativ", so meine ich dies nur in bezug auf den theoretisch-didaktischen Wert der Spielführung, keineswegs aber soll dieser Ausdruck besagen, daß die Partie etwa schlecht gespielt sei).} 1.Nf3 Nf6 2.c4 g6 3.b4 {eine von mir herrührende Neuerung, die Reti später selbst anzuwenden Gelegenheit fand, siehe Reti-Capablanca, New York 1924} 3...a5 {von zweifelhaftem Wert} 4.b5 Bg7 5.Bb2 O-O 6.e3 d6 7.d4 Nbd7 8.Be2 e5 {dieser Zug wäre nur dann stark, wenn Schwarz in der Lage wäre, d4-d5 zu erzwingen, oder zum mindesten d4xe5; denn dann erhielte er den trefflichen Blockadepunkt c5, zum Beispiel 9. de? Sg4 usw.} 9.O-O exd4 ( { womit er die eben erst eingeleitete Blockierungsaktion bereits als gescheitert anerkennt. Im strategischtheoretischen Sinne korrekt erscheint nur} 9...Re8 {und falls hierauf} 10.Nbd2 {so} 10...c6 {um sodann, je nach den Umständen, entweder durch Dc7 zu decken oder mittels e4 nebst d5 eine Bauernkette zu etablieren} ) 10.exd4 Re8 11.Nbd2 ( {es ist für Weiß jedenfalls nicht leicht, die bessere Bauernstellung zur Geltung zu bringen; durch} 11.Nc3 $1 {statt des den gegnerischen Vorstoß d6-d5 wenig berücksichtigenden Textzuges, wäre er aber seinem Ziele bedeutend näher gerückt} ) 11...Nf8 12.Re1 Ne6 13.g3 h6 14.Bf1 Ng5 15.Nxg5 hxg5 16.Bg2 { mit einem Springer auf c3 statt auf d2 müßte die nun von Weiß erreichte Druckstellung als gewinnverheißend betrachtet werden. Da der Springer aber unglücklicherweise auf d2 steht, kann Schwarz nun so ziemlich ausgleichen} 16...d5 $1 17.Rxe8+ ( {die einzige Möglichkeit, den dahinschwindenden Vorteil festzuhalten, lag in} 17.c5 {womit Weiß, zumindestens am Damenflügel, eine klar überlegene Stellung erreicht hätte; ob diese aber nach} 17...Bf5 18.Qa4 b6 {irgendwie zu verwerten gewesen wäre, ist mehr als zweifelhaft. Es scheint also, daß die im zentralistischen Sinne tadelnswerte Entwicklung 11. Sd2 nicht mehr gutzumachen war} ) 17...Qxe8 18.cxd5 Qxb5 19.Qb3 Bd7 20.Qxb5 ( {oder} 20.Rc1 Ne8 21.Qxb5 Bxb5 22.Ne4 g4 {nebst gelegentlichem Td8 usw.} ) 20...Bxb5 21.Rc1 Re8 ( {angängig wäre auch das einfache} 21...Ne8 {zum Beispiel:} 22.Ne4 g4 23.h3 gxh3 24.Bxh3 Rd8 {usw.} ) 22.Rxc7 Re1+ 23.Nf1 Bxf1 24.Bxf1 Nxd5 25.Rxb7 Rb1 26.Rb8+ Kh7 27.Rb5 Nc7 28.Rb7 Ne6 29.Kg2 Bxd4 30.Rxf7+ Kg8 31.Re7 Rxb2 32.Bc4 Rxf2+ 33.Kh3 Rf6 34.Bxe6+ Kf8 35.Rd7 Rxe6 36.Rxd4 {Nach dem interessanten Geplänkel der letzten vierzehn Züge ist es nun zu einem Turmendspiel gekommen, in dem Weiß zwar etwas besser steht, den Gewinn aber doch nicht zu erzwingen vermag, es folgte.} 36...Re5 37.Rd6 Kf7 38.Ra6 Rc5 39.Kg4 Rd5 {und die Partie wurde, allerdings erst beim 90. Zuge, remis gegeben} 40. Kh3 Kg7 41.a4 g4+ $2 42.Kxg4 Rd4+ 43.Kg5 Rd5+ 44.Kh4 Rc5 45.Kh3 Kh6 {der Fehler des 41. Zuges hat dem Schwarzen immerhin etwas Spielraum für den König verschafft, der Bauernverlust ist daher zu verschmerzen} 46.Rf6 Rc4 47.Rf4 Rb4 $1 48.Kg4 g5 49.Rxb4 axb4 50.a5 b3 {und das Damenendspiel erwies sich als nicht zu gewinnen} 1/2-1/2 [Event "Meisterturnier der Freien Schachvereinigung"] [Site "Berlin"] [Date "1927.05.25"] [Round "9"] [White "Ahues, Carl Oscar"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "E20"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 38"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Im Gegensatz zur vorigen Partie gelingt es hier dem blockierenden Partner, das "Blockadenetz" nach allen Regeln der Kunst "auszuwerfen". Hierzu bedient er sich in ausgedehntem Maße des Stratagems der Prophylaxe. Nach den Zügen} 1.d4 Nf6 2.c4 e6 3.Nc3 Bb4 4.Bd2 O-O 5.Nf3 b6 6.e3 {tauschte Schwarz auf c3 denn falls statt dessen zunächst 6. ... Lb7, so 7. Ld3, und Weiß wäre bereit, die drohende Okkupierung von e4 folgendermaßen abzuwehren: [siehe Anmerkung zum nächsten Zug]} 6...Bxc3 ( 6...Bb7 $2 7.Bd3 Bxc3 8.Bxc3 Ne4 9.Bxe4 Bxe4 10.Nd2 Bxg2 $2 11.Rg1 {mit chancenreichem Angriff.} ) 7.Bxc3 { Es folgte} 7...Ne4 8.Qc2 Bb7 9.O-O-O f5 10.Ne5 ( {Auf} 10.Bd3 {hätte ich einen gegen die Durchbruchsmöglichkeit d4-d5 gerichteten Präventivzug gewählt, nämlich} 10...Qf6 $1 {Falls dann} 11.d5 {so} 11...Nxc3 12.Qxc3 Qxc3+ 13.bxc3 Na6 {nebst Sc5 mit positionellem Gewinnspiel für Schwarz.} ) 10...Qe7 {Der Zug d7-d6 läuft nicht davon, zuerst muß der Punkt e6 gegen allfälliges Se5-d3-f4 (in der Variante beginnend mit d7-d6) gestärkt werden.} 11.f3 Nxc3 12.Qxc3 d6 13.Nd3 Nd7 14.Kb1 $1 Rad8 $1 ( {Ein Präventivzug, Schwarz beugt dem geistreichen Drohspiel c4-c5 vor. Bei} 14...Rae8 {wäre dasselbe mittels} 15.Qa3 a5 16.c5 $1 dxc5 17.dxc5 Nxc5 18. Nxc5 Qxc5 19.Qxc5 bxc5 20.Rc1 {unangenehm in die Erscheinung getreten.} ) 15.h4 ( {Es ist richtig, daß 15. Da3 nebst 16. c5 nicht mehr ausreichend gewesen wäre, und zwar wegen} 15.Qa3 a5 16.c5 $2 dxc5 17.dxc5 Ne5 {mit der Doppeldrohung 18. ... Nc4 und 18. ... Nxf3! Andererseits ist aber auch der Textzug recht zweischneidig.} ( {stärker als} 17...Nxc5 18.Rc1 ) ) ( {In Betracht kam} 15.Be2 {und falls hierauf} 15...e5 {so} 16.Nc1 ( {nicht} 16. d5 {wegen} 16...Qg5 ) ) 15...Qf6 {Um den Wert des kommenden e6-e5 zu erhöhen.} 16.Qa3 a5 17.Be2 e5 18.d5 {Das langsame, prophylaktisch betonte Entwicklungssystem hat sich bewährt, Weiß wurde zu d4-d5 gezwungen, und das Blockadenetz umspannt schon jetzt Damenflügel und Zentrum. In den nächsten Zügen wird aber auch der weiße Königsflügel in Mitleidenschaft gezogen.} 18...f4 $1 19.e4 ( {Erzwungen, denn} 19.exf4 exf4 {überließe dem Nachziehenden die e-Linie nebst wertvollen Mittelpunkten.} ) 19...Qg6 {Bg2 nebst Punkt g3, fernerhin auch Bh4 erscheinen nun schwach.} 20.Rdg1 Nf6 { Mit der Absicht Sf6-h5-g3, zum Beispiel: [siehe Anmerkung zum nächsten Zug]} 21.g3 ( 21.c5 {eine nicht üble Gegenattacke} 21...Nh5 $1 22.g4 fxg3 23.cxb6 cxb6 24.Qb3 Ba6 25.Nxe5 dxe5 26.Bxa6 g2 {und gewinnt.} ) 21...fxg3 22.c5 {Ein geistreicher Rettungsversuch, der aber durch ein Gegenopfer widerlegt wird.} 22...Nxe4 $1 {Eine schöne Kombination! Sie lautet: [siehe Anmerkung zum nächsten Zug]} 23.cxb6 ( 23.fxe4 Qxe4 24.Bd1 ( 24.Bf1 $2 Rxf1+ {nebst g2} ) 24...g2 25.Rh2 Ba6 26.Bc2 Rf1+ ) ( {oder} 23.fxe4 Qxe4 24.Re1 g2 25.Rhg1 dxc5 {und gewinnt.} ) 23...Nd2+ 24.Ka1 ( {Niedliche Springerevolutionen mit Tempogewinn bald auf Kosten des Königs, bald auf Kosten der Dame wären bei anderen Königszügen möglich geworden, zum Beispiel:} 24.Kc2 Nc4 25.Qc3 ( {oder} 25.Qb3 Ne3+ {nebst Ld5: wiederum mit Tempogewinn} ) 25...Ne3+ {nebst Sd5 mit Angriff auf die Dame} ) ( {oder} 24.Kc1 Qh6 ) 24...cxb6 25.Rh3 g2 26.Qc3 ( {Auf} 26.Rh2 {wollte ich mittels } 26...Nxf3 27.Rhxg2 Nxg1 28.Rxg6 hxg6 {die Dame opfern.} ) 26...Qh6 27. Rxg2 Rc8 28.Qa3 Nxf3 29.Rh1 Bxd5 {"Grausamer" als e4, denn nun hängen sämtliche Figuren, Weiß gab daher auf.} 0-1 [Event "Internationales Schachmeisterturnier - Endrunde"] [Site "Kecskemét"] [Date "1927.07.06"] [Round "1"] [White "Ahues, Carl Oscar"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "A04"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 39"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Das uns hier interessierende Kampfmoment wäre wie folgt zu charakterisieren: Schwarz hat das Ineinanderschieben derBauernstellung (13. d4-d5) erzwungen, kann daraus aber keinen Vorteil ziehen, da die "blockierende" Fortsetzung Sd7-c5 an einem dann möglich werdenden Durchbruch scheiterte. Dieser Gegenchance beugt er aber vor und ermöglicht so eine glatte Abwicklung der Blockierungsaktion, die übrigens durch eine Angriffswendung verschärft wird. Wir lassen nun die Partie folgen.} 1.Nf3 b6 2.e3 ( {Auf} 2.e4 {wäre} 2...Bb7 3.Nc3 e6 4.d4 Bb4 {nebst d6 gefolgt, und Schwarz steht zwar etwas beengt aber nicht schlecht.} ) 2...Bb7 3.b3 f5 4.Bb2 e6 $1 ( {Nicht gut wäre} 4...Nf6 {wegen} 5.Bxf6 exf6 6.Nh4 g6 {und nun vielleicht} 7.Bc4 {um d5 zu provozieren, zum Beispiel:} 7...d5 8.Be2 {und wir wären geneigt, Weiß den Vorzug zu geben.} ) 5.Ne5 ( {Um dem Gegner den holländischen Aufbau nachzumachen. Besser wäre aber} 5.c4 {nebst Sc3.} ) 5...Nf6 6.f4 g6 7.c4 Bg7 8.Nc3 O-O 9.Qe2 d6 {Schwarz hat dieses Vorgehen gut vorbereitet, denn nun steht er bereit, e6-e5 nachzurücken.} 10.Nf3 Nbd7 11.d4 Qe7 12.O-O-O e5 {Es ist erreicht.} 13.d5 a5 14.Qd2 {Weiß ist nun im Begriff, seine Entwicklung nachzuholen, seine Stellung ist anscheinend ganz gesichert, denn auf etwaiges Sc5 hat Weiß fe de d6! mit einem für Weiß nicht ungünstigen Durchbruch.} 14...Nh5 $3 {Eine gegen angedeutete Durchbruchsmöglichkeit gerichtete Präventivkombination; zunächst soll g2-g3 provoziert werden.} 15.g3 ( 15.Be2 {Darauf folgt} 15...Nc5 $1 {Falls nun} 16.fxe5 dxe5 17.d6 {so} 17...cxd6 18.Qxd6 Qxd6 19.Rxd6 Bh6 {zum Beispiel:} 20.Nxe5 Bxe3+ 21.Kc2 Bxg2 22.Rhd1 Nf4 {und Schwarz dürfte gewinnen.} ) 15...Nc5 16.Be2 ( {Denn nun wäre} 16.fxe5 dxe5 17.d6 {wegen} 17...Bxf3 {schlecht.} ) 16...a4 $1 17.b4 a3 $1 18.Ba1 {Der Erfolg für Schwarz besteht in dem Umstände, daß La1 nun ungedeckt ist.} 18...Ne4 19. Nxe4 ( {Falls} 19.Qe1 {so} 19...exf4 20.exf4 Nxc3 21.Bxc3 Bxc3 22.Qxc3 Qxe2 ) 19...fxe4 20.Ng5 exf4 {Nach dem Läufertausch auf g7 würde ein Matt in zwei Zügen drohen.} 21.Bxg7 Qxg7 22.Qd4 f3 {Damit hat Schwärz die Früchte seiner langzügigen Kombination eingeheimst. Nun gilt es nur noch, den Besitz zu behaupten.} 23.Bf1 Rfe8 24.Bh3 ( {Selbstredend nicht} 24. Nxe4 {wegen} 24...Rxe4 ) 24...Bc8 ( {Fraglich wäre} 24...Ra4 {egen} 25. Be6+ Kf8 26.Qxg7+ {nebst Ld7, obgleich Schwarz auch in diesem Falle mittels Tb4: genügende Kompensation für die Qualität erhalten würde.} ) 25.Bxc8 Raxc8 26.b5 Re5 27.Ne6 Qe7 28.Kb1 Ng7 29.Nf4 Qd7 30.h4 {Es drohte g5.} 30...Nf5 31.Qc3 Nxg3 32.Rhg1 Nh5 33.Ne6 Ng7 34.Nd4 Rf8 {Aufgegeben.} ( {Denn auf} 34...Rf8 35.Qxa3 {folgt} 35...Rh5 36.Rh1 Qg4 37.Rdg1 Rxh4 $1 38.Rxg4 Rxh1+ {nebst f3-f2 und gewinnt. Der Wert der von Schwarz im 14. Zuge gewählten Strategie erhellt aus folgender Variante: Weiß unterläßt 15. g3 und spielt vielmehr 15. Le2. Darauf folgt 15. ... Sc5! Falls nun 16. fe de 17. d6, so 17. ... cd 18. Dd6: Dd6: 19. Td6: Lh6, zum Beispiel: 20. Se5: Le3+: 21. Kc2 Lg2: 22. Thd1 Sf4 und Schwarz dürfte gewinnen.} ) 0-1 [Event "II. Meisterturnier"] [Site "Ostende"] [Date "1907.05.27"] [Round "9"] [White "Cohn, Erich"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "A46"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 4"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.d4 Nf6 2.Nf3 d6 3.Bf4 Nh5 {schon 1907 ging ich meine eigenen Wege!} 4. Bd2 Nf6 5.c4 Nbd7 6.Bc3 ( {oder} 6.Nc3 e5 7.e4 Be7 {und das dem Weißen geschenkte Tempo Lc1 - d2 erscheint als quantité négligeable} ) 6...e6 7. e3 d5 ( {besser} 7...b6 {nebst Lb7} ) 8.c5 {spielbar} 8...Ne4 9.Bd3 f5 10. b4 g6 11.Bb2 Bg7 12.Nc3 ( 12.O-O {nebst Se5 und f3 war stellungsgemäß} ) 12...O-O 13.Qc2 c6 14.Ne2 Qe7 15.O-O ( 15.Ne5 {gefiele uns besser} ) 15... e5 16.dxe5 Nxe5 17.Nxe5 Bxe5 18.Nd4 Bd7 19.f3 $1 Nf6 20.Rae1 Rae8 21.e4 $2 ( {Der entscheidende Fehler, korrekt war} 21.f4 Bc7 ( 21...Bxd4 22.Bxd4 ) 22.Nf3 {nebst Ld4 und die weiße Stellung erscheint konsolidiert; der Textzug führt im Eilzugtempo zum Ruin} ) 21...fxe4 22.fxe4 Qg7 $1 23.exd5 $2 Ng4 24.Qc4 Bxh2+ 25.Kh1 Rxe1 26.dxc6+ ( {oder} 26.Rxe1 Nf2+ {nebst Matt in vier Zügen} ) 26...Be6 27.Qxe6+ Rxe6 28.Rxf8+ Qxf8 29.Nxe6 Qf2 0-1 [Event "Meisterturnier der Freien Schachvereinigung"] [Site "Berlin"] [Date "1927.05.22"] [Round "7"] [White "Schweinburg, Ernst"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "B00"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 40"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Eine "Französische Abtauschvariante" mit etwas ungewöhnlicher Läuferentwicklunq.} 1.e4 Nc6 2.Nf3 e6 3.d4 d5 4.exd5 exd5 5.Bd3 Bg4 6.Be3 {(?)} 6...Bd6 7.c3 Nge7 8.Nbd2 Qd7 9.Nb3 O-O-O 10.h3 Bh5 11.Qc2 f5 12.O-O-O {und nun geschah: } 12...f4 13.Bd2 Bxf3 14.gxf3 Qe6 $1 {Erst durch diesen Zug erhält der Abtausch einen Sinn. Sonst (zum Beispiel bei 14. ... g6) käme Weiß nämlich zu einer Aufrollungsaktion (h3-h4-h5). Man denke nur an unsere Nr. 33, dann wird man De6 ohne weiteres als Präventivzug auffassen, und das verdient der Zug ja auch voll und ganz.} 15.Rdg1 ( 15.Bxh7 $2 g6 ) 15... Qh6 $1 16.Kb1 Rdf8 17.Nc1 Ng8 $1 {Wiederum ein Präventivzug: da g7-g6 doch nicht zu umgehen ist, soll einer möglichen Aufrollungsaktion durch allfälliges Sg8-f6-h5 vorgebeugt werden.} 18.b4 g6 19.Qa4 Kb8 20.Nb3 Qh5 21.Be2 Nf6 22.Nc5 Nd8 23.Kb2 Re8 24.Bd1 Qh4 {womit Schwarz sich nun anschickt, die Komplexschwäche in aller Ruhe auszunutzen. Ohne die im 14. und 15. Zuge geübte Prophylaxe wäre ihm dieses nicht möglich geworden. Ein klarer Beweis für die Richtigkeit unserer Anschauung, daß das Blockieren ohne Präventivspiel ein Unding ist.} 25.Rf1 Re7 26.Qb5 Rhe8 27.a4 b6 ( {Da Schwarz in jeder Beziehung überlegen steht, geht er nun daran, den. "Sc5" zu liquidieren, ohne sich um etwa entstehende eigene Schwächen zu kümmern. Indess, Gewaltmittel sind selten gut, und außerdem ist die weiße Stellung hur "bewegungsarm", nicht aber direkt schwach. Daher wäre eine langsame Strategie vorzuziehen gewesen, nämlich} 27...c6 28.Qd3 Nd7 { (drohend Sb6 und Sc4)} 29.a5 {und nun} 29...a6 $1 {Der weiße Bauernvormarsch erschiene dann gestoppt, und Schwarz hätte zu langatmigen Manövern Zeit und Muße, wie etwa 30. ... Ka7 31. ... Lc7 nebst Sd8-f7-d6-c4, und Weiß dürfte sich des immer stärker werdenden Drucks kaum erwehren können.} ) 28.Nb3 Ka8 29.Nc1 ( {Den Vorzug verdiente} 29.Qa6 {zum Beispiel:} 29...Nb7 {mit kompliziertem Spiel, das nur um ein Geringes für Schwarz besser stände.} ) 29...c6 $1 ( {Falls sogleich} 29...c5 {so} 30.a5 ) 30.Qd3 c5 31.dxc5 ( {Weiß hat es im 29. Zuge versäumt, Punkt a6 als Schwäche zu markieren, jetzt wäre es dazu zu spät, obgleich der Nachweis immer noch Schwierigkeiten bereitet. Zum Beispiel:} 31.Qa6 {(statt 31. d4xc5)} 31...cxd4 32.a5 $1 {(diesen Zug hat Dr. E. Lasker vorgeschlagen)} 32...dxc3+ 33.Bxc3 d4 $1 34.Bxd4 Nc6 35.axb6 Nxd4 36.b7+ Rxb7 37.Qxd6 {und nun die einfache Abwicklung} 37...Rxb4+ 38.Qxb4 Rb8 {Nach} 39.Qxb8+ Kxb8 40.Nd3 Nd5 {vermögen wir nicht einzusehen, weshalb das Bauernplus in Verbindung mit der "Zentrierung" nicht zum Gewinn ausreichen sollte. Nach dem Textzug wird der schwarze Angriff übermächtig.} ) 31...bxc5 32.Bb3 Nb7 $1 ( {Ein entscheidendes Bauernopfer. Unzureichend wäre statt dessen die Fortsetzung} 32...c4 33.Bxc4 dxc4 34.Qxd6 Rd7 {wegen} 35.Qxf4 g5 36.Qxg5 ) 33.Bxd5 Nxd5 34.Qxd5 cxb4 35.a5 ( {Ein letzter geistreicher Versuch. Auf} 35.cxb4 {würde} 35...Rd8 {usw. entscheiden.} ) 35...Rd8 {Die Drohung a6 darf ignoriert werden.} 36.a6 bxc3+ 37.Kc2 Bb4 38.Qc6 ( {Bei} 38.axb7+ Rxb7 {übernimmt die Dh4 die Deckung des Turmes auf d8.} ) 38...Rxd2+ 39. Kb1 Kb8 {Derselbe Zug wäre auch auf 39. Kb3 erfolgt. Aufgegeben.} 0-1 [Event "Internationales Schachmeisterturnier"] [Site "Baden-Baden "] [Date "1925.04.16"] [Round "1"] [White "Colle, Edgard"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "A80"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 41"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.d4 f5 2.e3 Nf6 3.Bd3 d6 4.Ne2 e5 5.c4 c5 {da Schwarz in seinem Bauernpaar e5 und f5 genügend an Mobilität aufgespeichert zu haben glaubt, so kann ihm eine Mumifizierung links und in der Mitte nur erwünscht erscheinen, er sucht daher eine solche zu erzwingen} 6.O-O Nc6 7.Nbc3 g5 { kühn gespielt, denn noch ist die von Schwarz erstrebte Mumifizierung nicht zur Wirklichkeit geworden, Weiß ist vielmehr in der Lage, die Mitte zu öffnen. Wird Schwarz dann der doppelten Aufgabe, die d-Linie vor Einbruch und die Königsflügelbauern vor Verlust zu sichern, gewachsen sein?} 8.dxc5 $1 dxc5 9.Ng3 e4 10.Be2 Bd6 {der konsolidierende Zug} 11.Nb5 Be5 12.Qxd8+ Kxd8 13.Rd1+ Ke7 14.Rb1 h5 15.Bd2 h4 ( {en Vorzug verdiente folgende Spielweise:} 15...f4 16.Nf1 Bg4 $1 {zum Beispiel:} 17.Bxg4 hxg4 18.exf4 gxf4 19.Re1 Ke6 {mit stark zentralisiertem Aufbau.} ) ( {Oder} 15...f4 16. Nf1 Bg4 17.Bxg4 hxg4 18.Re1 f3 $1 19.g3 a6 20.Na3 Rhd8 21.b4 Rd3 22.Nc2 Rad8 {und gewinnt.} ) 16.Nf1 Be6 17.Bc3 Bxc3 18.Nxc3 Ne5 19.b3 Rhg8 {Hier und im folgenden Zuge versäumt Schwarz eine wichtige prophylaktische Maßnahme, nämlich b7-b6 (um b3-b4 gegenstandslos zu machen), und diese Unterlassung führt zum Verlust des ganzen Vorteils.} 20.Rb2 f4 21.Nd2 $1 Bf5 22.b4 {Sprengt das mit soviel Mühe ausgeworfene Blockadenetz.} 22... Ned7 23.exf4 ( {Zu empfehlen war die Fortsetzung des durch b4 eingeleiteten Durchbruchsmanövers, also} 23.bxc5 Nxc5 24.Nb3 Nxb3 25.Rxb3 b6 26.Rb5 {usw.} ) 23...gxf4 24.Re1 Kf7 ( 24...Kf8 {sollte geschehen.} ) 25.Ndxe4 $1 Nxe4 26.Bh5+ Kg7 27.Nxe4 Kh6 {Schwarz findet in seiner schlimmen Lage ein interessantes Rettungsmanöver.} 28.Bf7 ( {Falls} 28.Bf3 {so} 28...Ne5 ) 28...f3 $3 29.Bxg8 Rxg8 30.Nd6 ( 30.g3 {hatte} 30...Re8 { zur Folge.} ) 30...Rxg2+ 31.Kh1 Bh3 32.Rg1 ( {Er sollte sich mit Remis begnügen, erreichbar zum Beispiel durch} 32.Nf7+ Kg7 33.Ne5 Rg5 34.Nxd7 Bg2+ {usw.} ) 32...Ne5 $1 {Nun darf Weiß natürlicherweise nicht tauschen wegen Matt in zwei Zügen, es droht aber Sd3.} 33.bxc5 ( {Interessant wäre der Gewinn nach} 33.Rd2 {nämlich} 33...Ng4 $1 34.Rxg2 fxg2+ 35.Kg1 Ne5 $3 {Rückkehrmotiv!} ) 33...Nd3 34.Rd2 Rxg1+ 35.Kxg1 Nf4 {Schlimme Mattnot bei so wenig Material!} 36.Nf7+ Kg7 37.Ne5 Ne2+ 38.Rxe2 fxe2 39.Nd3 Be6 {Das Endspiel steht zugunsten von Schwarz, da der König eingreift.} 40.a3 Bxc4 41.Ne1 Kf6 42.f3 Ke5 43.Kf2 Kd4 44.Ng2 Kxc5 45.Nxh4 b5 46.f4 a5 47.Nf3 a4 48.f5 b4 49.axb4+ Kxb4 50.f6 a3 51.Nd4 a2 52.Nc2+ Kc3 {Aufgegeben.} 0-1 [Event "Simultanpartie"] [Site "Arnstadt"] [Date "1926.10.12"] [Round "-"] [White "Hage, Poul"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "A80"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 42"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Bildet ein Pendant zur vorigen Partie und zeigt uns, auf welche Art und Weise eine durch keinerlei Unterlassung getrübte Blockierung sich in der 41. Partie hätte auswirken können.} 1.d4 f5 2.e3 d6 3.Bd3 e5 4.dxe5 dxe5 5.Bb5+ c6 6.Qxd8+ Kxd8 7.Bc4 Bd6 8. Nf3 Nf6 9.Nc3 {viel besser erscheint statt dessen die Zugfolge a4 nebst b3 und Lb2 oder La3} 9...Ke7 10.a3 Rd8 11.Bd2 b5 12.Ba2 a5 13.O-O b4 14.Nb1 c5 15.Bc4 e4 16.Ng5 Ba6 17.Bxa6 Rxa6 18.axb4 axb4 19.Rxa6 Nxa6 {Die schwarze Blockierung weist dieselben Komponenten auf wie in der vorigen Partie, nämlich die d-Linie, das Zentralfeld e5 und die qualitative Mehrheit am Königsflügel. Verschärfend tritt aber noch der im Blockierungssinne drohend wirkende Damenflügel hinzu.} 20.c3 h6 21.Nh3 Ng4 22.g3 Ne5 23.Kg2 g5 24.Bc1 b3 25.Nd2 c4 26.Ng1 Nc5 27.Ne2 Rg8 28.Nd4 f4 ( 28...f4 {falls nun} 29.exf4 gxf4 30.Re1 {so} 30...e3 $1 31.fxe3 fxg3 ) 29. Nf5+ Ke6 30.Nxd6 f3+ 31.Kg1 Kxd6 {Die weiße Stellung macht nun einen hilflosen Eindruck.} 32.Rd1 Ke6 33.Nb1 Ncd3 34.Na3 Kd5 35.Nb5 Rb8 36.Na3 Ra8 37.h3 Kc5 38.Kf1 Nxc1 {Dies führt zum sofortigen Gewinn.} 39.Rxc1 Nd3 40.Rb1 Nxb2 41.Rxb2 Rxa3 42.Rb1 b2 {Aufgegeben. Eine echte Blockadepartie mit einem Blockadenetz, das sowohl beide Flügel als auch das Zentrum umspannt. Ohne die Bedeutung der einengenden Flügeloperationen unterschätzen zu wollen, möchten wir aber doch bemerken, daß wir geneigt sind, die zentralen Manöver um e5 und d3 herum als wesentlicher zu betrachten: es war eben doch eine Blockierung vom Zentrum aus!} 0-1 [Event "24. DSB-Kongreß"] [Site "Breslau"] [Date "1925.07.22"] [Round "4"] [White "Blümich, Max"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "A04"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 43"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Diese, übrigens im Kongreßbuch fehlende Partie (welcher Umstand wohl einem Versehen zuzuschreiben ist), ist nicht nur als Blockadepartie dem Studium unserer Leser zu empfehlen. Es ist dies auch zugleich eine Linienpartie von A bis Z! Die Vorgänge in der freien Linie werden daher mit besonderer Sorgfalt beleuchtet. Das Spiel gestaltete sich zunächst sehr geschlossen:} 1.Nf3 e6 2.g3 b6 3.Bg2 Bb7 4.O-O c5 5.d3 Nf6 6.e4 Be7 7.Nc3 O-O 8.Bd2 Nc6 9.e5 ( {damit kommt Leben in die Bude, zu weniger hätte jedenfalls die Weiterentwicklung durch} 9.Kh1 {nebst Sg1 und f2-f4 verpflichtet} ) 9... Ne8 10.Ne4 Rc8 {ein Präventivzug, gegen das späterhin denkbare c2-c3 nebst d3-d4 gerichtet} 11.Bc3 b5 {Um b2-b3 zu provozieren, der Zweck wird bald ersichtlich.} 12.b3 f5 $1 13.exf6 Nxf6 14.Qe2 Nd5 15.Bb2 b4 {Nun hat Schwarz einen unvertreibbaren Zentralspringer. Aber Weiß auch, und man sieht nicht recht ein, wie die Sache weitergehen soll.} 16.Rae1 a5 17.a4 ( {Nicht gut,} 17.Nfd2 {nebst f2-f4 war am Platz.} ) 17...Qe8 ( {Er hätte ruhig öffnen sollen:} 17...bxa3 18.Bxa3 Nd4 19.Nxd4 ( {auf} 19.Qd1 {darf sich Weiß wegen} 19...Nc3 $1 20.Nxc3 Bxf3 21.Qc1 Qe8 {und 21. ... Dh5 nicht einlassen} ) 19...cxd4 {und die c-Linie und mit ihr der Präventivzug 10. ... Tac8 wären zu Ehren gelangt. Nach dem Textzug ist die drohende Mumifizierung nicht mehr leicht abzuwehren.} ) 18.Ned2 ( {Der andere Springer hätte dahin gehen sollen, zum Beispiel:} 18.Nfd2 Nd4 19. Qd1 {nebst 20. f4 und 21. Sf3.} ) 18...Bf6 19.Bxf6 gxf6 $1 {Die schwarze Stellung wird zusehends kompakter, und im selben Maße verringert sich der Wert der weißen e-Linie: e6 ist nach wie vor ein Granitblock, die Punkte e4 und e5 aber befinden sich bereits unter der Kontrolle des Nachziehenden.} 20.Nc4 Qh5 21.Nd4 Qxe2 22.Nxe2 Rc7 $1 23.f4 Ba6 24.Bxd5 exd5 25.Nd6 f5 {Der mutige Sd6! Um seiner Partei die e-Linie zu sichern, begab er sich in eine Sackgasse. Nun wird es sehr interessant: wird die weiße e-Linie die "Sackgasse" aufwiegen?} 26.Rf2 $1 Nd8 27.Nc1 Rc6 28.Nb5 Bxb5 29.axb5 Re6 {Da haben wir's Tb6 muß aus Respekt vor der weißen e-Linie unterlassen werden.} 30.Rfe2 Kf7 31.Kf2 ( {Spiel in der e-Linie durch Besetzung des Vorpostenpunktes e5 erschien dringend angezeigt. Schwarz hätte dann ein äußerst schwieriges Problem zu lösen:} 31.Re5 Kf6 32.Kf2 d6 $1 33.Rxe6+ ( {nicht} 33.Rxd5 {wegen Turmtausch und Ke6} ) 33... Nxe6 34.Ne2 Rb8 35.Ra1 $1 Rxb5 36.c4 bxc3 37.Nxc3 Rxb3 38.Nxd5+ Kf7 $1 39. Rxa5 Rxd3 40.Ra7+ Ke8 $1 41.Nf6+ Kd8 42.Nxh7 c4 43.Ng5 $1 Nc5 $1 44.Ke2 { und nun} 44...Ke8 $1 {(Stellung Weiß: Ke2 Ta7 Sg5 Bf4 g3 h2; Schwarz: Ke8 Td3 Sc5 Bc4 d6 f5). Nun droht Vormarsch des c-Bauern, was im 44. Zuge wegen Se6+ noch ein Fehler wäre. Nun geschieht:} 45.Rc7 $1 c3 46.Nf7 ( 46. Nf7 {falls nun} 46...c2 $2 {so} 47.Nxd6+ {usw.} ) ( 46.Nf7 {Falls aber} 46...Rd5 {um auf} 47.Nxd6+ {um den König nach f8 zu spielen} 47...Kf8 {so folgt} ( {nicht} 47...Kd8 {wegen} 48.Rxc5 ) 48.Nb7 $1 c2 $2 49.Nxc5 c1=Q 50.Ne6+ {und gewinnt.} ) 46...Rd2+ $1 {der Gewinnzug!} 47.Ke3 Rd5 48.Nxd6+ Kf8 {und der c-Bauer marschiert mit Schachgebot herein. Daß das Spiel durch} 49.Rf7+ Kg8 50.Rxf5 c2 51.Rxd5 c1=Q+ {nur hinzuziehen wäre, sei nur beiläufig erwähnt.} ) ( {In der Stellung nach dem 44. Zuge von Schwarz könnte Weiß sein Spiel auch durch andere Züge nicht mehr retten, zum Beispiel:} 31.Re5 Kf6 32.Kf2 d6 33.Rxe6+ Nxe6 34.Ne2 Rb8 35.Ra1 Rxb5 36.c4 bxc3 37.Nxc3 Rxb3 38.Nxd5+ Kf7 39.Rxa5 Rxd3 40.Ra7+ Ke8 41.Nf6+ Kd8 42. Nxh7 c4 43.Ng5 Nc5 44.Ke2 Ke8 45.h4 c3 46.h5 c2 47.Ra1 Ra3 48.Rc1 Nb3 49. Rxc2 Nd4+ {und gewinnt. Dies ist die langzügige, aber in ihrem ganzen Verlauf sehr spannende Lösung des beim 31. Zuge entstandenen Problems. Möglicherweise bietet sich in 44. ... Kc8 (mit der gelegentlichen Absicht Kb8) eine partielle Nebenlösung dar, die aber der Schönheit der Autorlösung nur wenig Abbruch tut. - Also: Die "Sackgasse" überwiegt die "e-Linie".} ) 31...Kf6 32.Kf3 $2 ( {Noch immer hatte Weiß es in der Hand, mittels} 32.Re5 {das oben skizzierte Problem aufs Brett zu zaubern. Und überhaupt: die Lineartechnik darf nicht plötzlich versagen! Die Ausnutzung einer Linie, insbesondere die Besetzung des Vorpostenpunktes, das muß man nur so aus dem Ärmel schütteln können. Vergleiche meine Ausführungen über die offene Linie in meinem "System" (1. Kapitel).} ) 32...Nf7 {Sichert e5 vor Einbruch. Der b-Bauer ist verloren.} 33.Na2 d4 $1 34.Ra1 Rb8 {Nun ist es endlich Zeit, an die Heimholung der Bauernbeute zu gehen. Man beachte von nun an die schon sehr merkliche Blockadewirkung. Die Bewegungen und Umstellungen der weißen Figuren vollziehen sich schwerfällig und mit wachsender innerer Reibung, während die schwarzen Offiziere leichtfüßig das Brett beherrschen.} 35.Nc1 Rxb5 36.Rd2 Nd8 37.Ne2 Nc6 38.Ng1 d5 {Erst im 38. Zuge setzt sich der Damenbauer in Bewegung!} 39.Ne2 Rb8 40.Ra4 Rbe8 {Nun ist Schwarz Herr der e-Linie.} 41.Ra1 h5 42.Ng1 Re3+ 43.Kf2 {Jetzt endlich ist die Stellung durchbruchsreif.} 43...c4 44.Rad1 ( {Oder} 44. dxc4 dxc4 45.bxc4 Rc3 ) 44...c3 {Opferkombination als Krönung des Blockadebaues.} 45.Re2 a4 $1 46.bxa4 b3 47.cxb3 Nb4 {und Schwarz gewann} 48.Rxe3 Rxe3 49.Ne2 c2 50.Ra1 Nxd3+ 51.Kf1 Rxe2 52.Kxe2 c1=Q 53.Rxc1 Nxc1+ 54.Kf3 Nxb3 55.h3 d3 {Aufgegeben.} 0-1 [Event "Internationales Meisterturnier"] [Site "Dresden"] [Date "1926.04.12"] [Round "8"] [White "von Holzhausen, Walther"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "B32"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 44"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.e4 c5 2.Nf3 Nc6 3.d4 cxd4 4.Nxd4 d5 {eine von mir in Karlsbad 1923 in der Partie gegen Rubinstein zuerst versuchte Neuerung} 5.Bb5 ( {am besten erscheint hier} 5.Nxc6 bxc6 6.exd5 Qxd5 7.Nc3 Qxd1+ 8.Nxd1 {und Weiß hat die kompaktere Bauernstellung, wenn auch das Spiel im übrigen ausgeglichen sein mag} ) 5...dxe4 6.Nxc6 Qxd1+ 7.Kxd1 a6 8.Nd4+ axb5 9.Nxb5 Bg4+ 10.Ke1 Rd8 ( {die lange Rochade unterblieb, da sie etwas baufällig zu sein schien. Es könnte beispielsweise folgen:} 10...O-O-O 11.N1c3 e5 12.h3 $1 Bh5 13.g4 Bg6 14.a4 {nebst 15. a5 und 16. a6.} ) ( {Oder} 10...O-O-O 11. N1c3 e5 12.h3 Bd7 $1 {(statt Lh5)} 13.Be3 Bb4 14.Ke2 {in beiden Fällen erscheint die schwarze Königsstellung angreifbar} ) 11.N1c3 e5 ( {So gut dieser Zug auch aussehen mag, den gestrengen Anforderungen, die die Blockierungsstrategie an ihren Mann stellt, entspricht er keineswegs. Die Basis der Blockierungsoperation war nämlich in der Schrägwirkung g4-d1 zu erblicken, ergo sollte letztere gedeckt und überdeckt werden, dies um so mehr, als der Gegner schon jetzt beabsichtigt, eben genannte Basis unsanft in die Luft zu sprengen, nämlich mittels 12. h3 Lh5 13. g4. Das blockierungsgerechte Vorgehen bestand in} 11...f5 {(statt 11. ... e5) Falls dann} 12.h3 Bh5 13.g4 fxg4 14.Nxe4 gxh3 {so könnte Weiß zwar mittels } 15.Bf4 Bf3 16.Ng5 Bxh1 17.Nc7+ Kd7 18.Nf7 {größere Verluste vermeiden, seine Partie wäre aber nach den weiteren Zügen} 18...Bf3 $1 19.Nxh8 e5 $1 20.Bxe5 Bd6 21.Bxd6 Kxd6 {zum Aufgeben reif.} ) ( {Verzichtet aber Weiß auf gewaltsame Sprengungsversuche, um sich statt dessen ruhig wei-terzuentwickeln, also etwa} 11...f5 12.Bf4 {so folgt} 12...Nf6 {nebst e6 Kf7, und Weiß hätte keinerlei Ersatz für den dislozierten Turm auf h1. Nach dem Textzug dagegen wird die Sache fraglich.} ) 12.h3 $1 Bh5 ( {Zu} 12...Bd7 13.Nc7+ Ke7 14.N3d5+ Kd6 15.Be3 {konnte ich mich nicht recht entschließen.} ) 13.g4 Bg6 14.Nc7+ $2 ( {Die gegebene Fortsetzung bestand hier in} 14.Be3 {und, falls hierauf} 14...f5 {so} 15.Ke2 {womit die Dislozierung überwunden wäre. Schwarz hätte dann die strategische Verpflichtung, auf die Wiedereroberung der stolzen Schräge (h5-d1) zu spielen, etwa wie folgt:} 15...fxg4 $1 16.hxg4 Nf6 17.g5 Bh5+ 18.Kf1 Bf3 19.Rh4 Ng4 20.Nxe4 Bxe4 21.Rxg4 Bxc2 22.Nc3 {mit etwa gleichem Spiel. Diese eben ausgeführte Variante imponiert übrigens durch ihren streng logischen Bau.} ) 14...Kd7 15.N7d5 Kc6 16.Ne3 ( {Verlockend war hier 16. Le3 aber nach} 16.Be3 Rxd5 17.Nxd5 Kxd5 18.Rd1+ Kc6 19.Rd8 {käme} 19...Nf6 20.Ke2 Rg8 {und die Entfesselung durch Le7 wäre unvermeidlich.} ) 16...Bb4 ( {Der Logos des Partiegeschehens hätte hier ein unmittelbares h7-h5 verlangt (z. B.} 16...h5 $1 17.g5 f5 {oder auch 17. ... h4 mit schwarzem Vorteil). Indem Schwarz statt dessen einigermaßen mechanisch "entwickelt", zahlt auch er den Tribut an die Irrlehre der alten Schule, daß man zuerst "alle Puppen" im Spiel haben müsse, ehe man zum Angriff übergehe. Wie lächerlich und überlebt wirkt doch ein solches Postulat in unseren Tagen!} ) 17.Bd2 Ne7 18.h4 ( {Etwas besser erscheint} 18.a3 {womit vielleicht etwas Gegenspiel zu erlangen gewesen wäre.} ) 18...h5 $1 {Die Rückeroberung der umkämpften Schräge wird in die Wege geleitet. Die nächsten acht Züge bringen einen erbitterten Kampf voller Spannung. Aber nach diesen acht Zügen ist der eigentliche Kampf vorüber, der Gegner liegt am Boden, blockiert und geknebelt und muß in Resignation das Weitere abwarten.} 19.g5 Nf5 $1 20.Nxf5 Bxf5 21.Rg1 Rd4 {Drohend e4-e3 Le3: Th4:, und Schwarz erhält einen Freibauern.} 22.a3 Rhd8 $1 23.axb4 Rxd2 24.Rd1 Rxd1+ 25.Nxd1 Bg4 26.Ne3 Bf3 27.c4 {Eine recht hilflose Stellung für Weiß.} 27...b5 28.b3 Rd3 29.Rg3 g6 30.Rg1 ( {Der weiße Turm ist auf die Züge g3 und g1 beschränkt. Falls nämlich} 30.Rh3 $2 {so} 30...Rxb3 31.Kd2 Rd3+ 32.Kc2 bxc4 {und} 33.Nxc4 {verbietet sich wegen} 33...Bd1+ {nebst RxTh3.} ) 30...Kb7 31.cxb5 {Erleichtert den Gewinn. Bei 31. Tg3 käme zunächst die Königswanderung nach e6. Sodann in einem Moment, da der weiße Turm auf g3 steht, folgt die Abwicklung: Tb3: Kd2 bc4: Sc4: Tb4: Se3, und nun besetzt der schwarze Turm die erste Reihe des Gegners. Die so entstandene Stellung ist für Weiß natürlich unhaltbar; wenn nicht anders, so könnte Schwarz (bei der Stellung des weißen Turmes auf h3) mittels Th1 den Turmtausch erzwingen, um sodann f7-f6 mit mühelosem Gewinn folgen zu lassen. - Der Rest ist eine "Erdrosselung"!} 31...Kb6 32.Rg3 Kxb5 33.Rh3 Kxb4 34.Kf1 Rxb3 35.Kg1 Rb2 36.Nd5+ Kc4 37.Ne3+ Kd3 38.Ng2 Rb1+ 39.Kh2 Ke2 {Komisch, wie der schwarze König nachrückt.} 40.Kg3 Rg1 41.Rh2 Kf1 $1 42. Kh3 Bxg2+ {Aufgegeben.} 0-1 [Event "Internationales Meisterturnier"] [Site "Hannover"] [Date "1926.08.09"] [Round "1"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Duhm, Hans"] [Result "1-0"] [ECO "B20"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 45"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Eine kurze aber erbauliche Blockadepartie! Der Bauernkonfiguration nach ähnelt sie der Nr. 41 und 42, doch erinnert die sich auf eine Schräge stützende Art der Blockierung eher an unsere Nr. 44. Wie dem auch sei, das Blockadenetz wirkt hier prompt und sicher.} 1.c4 e6 2.e4 c5 ( {besser war} 2...d5 {zum Beispiel:} 3.cxd5 exd5 4.exd5 Nf6 $1 ) 3.Nc3 Nc6 4.f4 d6 ( 4...Nf6 $1 ) 5.Nf3 g6 6.d4 Bg7 7.dxc5 {stellt den Vorteil klar} 7...dxc5 ( {falls zuerst} 7...Bxc3+ 8.bxc3 dxc5 {so tauscht Weiß die Damen} 9.Qxd8+ {und kommt bei} 9...Kxd8 {durch} ( { Schlägt aber der Springer wieder} 9...Nxd8 {so folgt} 10.a4 {nebst 11. Le3 und 12. a5 auf 11. ... b6 mit bequemen Aufrollungsangriff} ) 10.Ne5 $1 {in Vorteil.} ) 8.Qxd8+ Kxd8 9.e5 h5 ( {unbedingt mußte hier} 9...f6 { geschehen, um den Blockadebauern e5, der auch d6 angreift, zu vernichten. Der von Schwarz statt dessen gewählte Plan, durch Postierung eines Springers auf f5 eine Art von Gegenblockade zu errichten - denn der Sf5 würde die gegnerische qualitative Mehrheit am Königsflügel hemmen - erweist sich hier als undurchführbar: ein unmittelbar einsetzender weißer Angriff läßt dem Schwarzen nämlich zu zeitraubenden Manövern keine Zeit mehr} ) 10.Be3 b6 11.O-O-O+ Ke7 12.Bf2 $1 {Die entscheidend wirkende Diagonale wird bezogen, vergleiche die nächste Anmerkung.} 12...Nh6 13. Bh4+ Kf8 14.Bd3 Bb7 15.Be4 {Das Entscheidende der Läuferwirkung h4-d8 besteht nun in dem Umstände, daß der Schwarze der Möglichkeit beraubt ist, durch Td8 zu opponieren: er muß also die d-Linie dem Gegner überlassen und behält so, namentlich auch mit Rücksicht auf den eigenen, dislozierten Turm h8, ein hoffnungsloses Spiel.} 15...Na5 16.Bxb7 Nxb7 17.Rd7 Rb8 18. Rhd1 Kg8 19.Be7 $1 {Um Sg5 zu ziehen, ohne daß der Lh4 abgesperrt würde.} 19...Nf5 20.Ng5 Re8 21.Bf6 Bxf6 22.exf6 Na5 23.Rd8 {Einleitung zu einem Mattangriff.} 23...Kf8 24.R1d7 Nh6 25.Nce4 $1 Nc6 26.Rxf7+ $1 Nxf7 27. Nxe6+ Kg8 28.Rxe8+ Kh7 29.N4g5+ {nebst matt in zwei Zügen.} 1-0 [Event "Wettkampf"] [Site "Kolding"] [Date "1923.01.03"] [Round "1"] [White "Brinckmann, Alfred"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "E20"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 46"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Nach dieser das Wesen des "Opfers auf Blockade" beleuchtenden Einleitung wollen wir uns nun der Nr. 46 widmen, die unser Stratagem äußerst plastisch hervortreten läßt und die ich daher zu meinen Lieblingspartien zähle: Nach} 1.d4 e6 2.c4 Nf6 3.Nc3 Bb4 4.Bd2 O-O ( {möglich ist auch sofortiges} 4... b6 ) 5.Nf3 d6 6.e3 b6 7.Bd3 Bb7 8.Qc2 {ließ Schwarz sich auf ein recht gefahrvolles Unternehmen ein:} 8...Bxf3 {Es folgte:} 9.gxf3 Nbd7 10.a3 Bxc3 11.Bxc3 c6 $1 ( {Da Schwarz, unter gleichzeitiger Ausnutzung der dynamischen Schwäche des Doppelkomplexes, auch die Läufer zu blockieren sucht, so vermeidet er naturgemäß jede vorzeitige Öffnung, zum Beispiel: den Zug} 11...d5 {Hierauf könnte nämlich folgen} 12.cxd5 exd5 13.O-O-O { nebst Kb1 und Tc1. Weiß hätte dann Spiel in der c- und g-Linie zugleich, während die einzige schwarze Gegenchance, nämlich der Vorstoß c5, die die Läufer befreiende Antwort d4xc5 heraufbeschwören würde.} ) 12.O-O-O d5 13. e4 {Ein solches Vorrücken schafft zwar Angriffschancen, schwächt aber andererseits, wie wir wissen, den Doppelkomplex nicht unbeträchtlich.} 13...g6 {Erzwungen. Und weniger schlimm, als man auf den ersten Blick annehmen möchte: der Aufrollungsaktion h2-h4-h5 wirkt der Sf6 entgegen.} 14.cxd5 ( 14.h4 {oder} ) ( 14.Kb1 {wäre besser gewesen, aber Weiß will} ) ( 14.e5 {spielen, was, sogleich ausgeführt, wegen} 14...dxc4 15.Bxc4 Nd5 { ungünstig wäre.} ) 14...cxd5 15.e5 Nh5 {Nun freut sich der Schwarze ob des gelähmten gegnerischen Doppelkomplexes.} 16.h4 a5 {Um den Lc3 einzuschränken; die Umgruppierung De7 Tfc8 nebst Sf8 wird dann möglich.} 17.Rdg1 Qe7 18.Qd2 Rfc8 19.f4 b5 $3 {Das "Opfer auf Blockade": ein Bauer wird geopfert, damit der Königsläufer abgetauscht werden kann; hernach wird Weiß in den weißen Feldern schwach und muß verlieren.} 20.Bxb5 Rab8 21.Be2 Nb6 ( {Korrektes Figurenopfer, aber noch richtiger und auch stilgemäßer war} 21...Ng7 22.h5 Nf5 {und Sc4 mit überlegenem Spiel.} ) 22. Kd1 ( {Die Annahme} 22.Bxh5 Nc4 23.Qc2 Nxa3 $1 24.Qd2 $1 Nc4 {mit Remisschluß war noch das Beste für Weiß.} ) 22...Nc4 23.Bxc4 Rxc4 24.Rg5 Ng7 25.h5 Nf5 26.hxg6 fxg6 {So sieht die Stellung aus, nachdem Schwarz das in der Anmerkung zum 11. Zuge angedeutete Problem gelöst hat; der doppelte f-Bauer ist hilflos blockiert, und Weiß hat überall Schwächen.} 27.Rxf5 { Ein verzweifelter Versuch, der kräftig widerlegt wird.} 27...exf5 28.Bxa5 Rb3 $1 29.Ke2 Qb7 30.Bb4 Qa6 {Aufgegeben, da} ( 30...Qa6 31.Ke1 {an} 31... Rbxb4 32.axb4 Qa1+ 33.Qd1 Rc1 {scheitert.} ) 0-1 [Event "Meisterturnier"] [Site "Hamburg"] [Date "1910.07.26"] [Round "8"] [White "John, Walter"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "D02"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 46a"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Illustriert das "Opfer auf Blockade", für welches Stratagem meine in San Sebastian 1912 gegen Spielmann und Leonhardt gespielten Partien bisher als Stammpartien galten. Doch haben wir nun festgestellt, daß ich bereits zu Hamburg 1910 ein von ähnlicher Tendenz erfülltes Bauernopfer gebracht habe, und zwar in der Partie gegen John. Diese Partie, die wir nachfolgend in extenso bringen, muß demnach als Stammpartie betrachtet werden. Weiß: John.} 1.d4 d5 2.Nf3 e6 3.e3 c5 4.b3 Nf6 5.Bb2 Nc6 6.Bd3 Bd6 7.Nbd2 O-O 8.O-O Qe7 9.c4 b6 10.Ne5 Bb7 11.Rc1 Rfd8 12.Nxc6 {der Springer konnte sich auf e5 nicht gut behaupten. Mit dem Textzuge spielt Weiß auf die "Hängebauern"} 12...Bxc6 13.cxd5 exd5 14.Qc2 {er behält sich das im Plane liegende d4xc5 für einen günstigeren Moment vor} 14...h6 15.Rfd1 Rac8 16.Bf5 Rc7 17.Qc3 { und nun geschah} 17...c4 $3 {Es folgte} 18.bxc4 dxc4 19.Nxc4 Ne4 ( 19... Ba4 {wäre auch ein Zug, hätte aber mit einer Verquickung des Opfers mit Blockadetendenzen nichts zu schaffen)} ) 20.Qe1 ( {das Ideenspiel wäre bei } 20.Bxe4 Bxe4 $1 21.Qd2 Qg5 22.f4 Qd5 {zutage getreten: das Bauernminus erschiene durch die Blockstellung kompensiert). Nach dem fehlerhaften Textzuge gewann Schwarz wie folgt:} ) 20...Bb4 21.Qe2 Bb5 22.Bxe4 ( {etwas besser wäre freilich} 22.Qf3 ) 22...Qxe4 23.Nd6 {es gab nichts Besseres} 23...Bxe2 24.Nxe4 Re7 25.Ng3 Bxd1 {und gewann nach hartem Kampfe.} 26.Rxd1 Rc7 27.a3 Rc2 28.Rb1 Bd6 29.Nf5 g6 30.Nxd6 Rxd6 31.e4 Rdc6 32.g3 Rd2 33. Ba1 Rdc2 34.Bb2 Rd2 35.Ba1 Rcc2 36.Rf1 Kf8 37.Kg2 Ke7 38.d5 f6 39.g4 g5 40.e5 fxe5 41.Bxe5 Rxd5 42.Bg7 Rd6 43.Be5 Re6 44.Bb8 a6 45.Rb1 Kd7 46.Rb3 Kc6 47.Bg3 Kd5 48.h4 gxh4 49.Bxh4 Rec6 50.Bd8 R2c3 51.Rb2 Rxa3 52.Bxb6 Rg6 53.Rb4 Rc3 54.Rd4+ Kc6 55.Ba5 Ra3 56.Bd2 a5 57.Bc1 Ra1 58.Be3 a4 59.Rb4 Kc7 60.Kf3 Ra6 61.Bf4+ Kd7 62.Rb7+ Ke8 63.Rb2 a3 64.Re2+ Kf7 65.Be5 Rb1 66.Ra2 Ra4 67.Kg3 Rg1+ 68.Kh2 Rgxg4 69.Bd6 Rg6 70.Bg3 Rb6 71.Be5 Rb3 72. Kg2 h5 73.Kh2 Ke6 74.Bh8 Rd3 75.Kg2 h4 76.Kh2 Kd5 77.Kg2 Kc4 78.Bf6 Rd1 79.Rc2+ Kb3 80.Rc3+ Kb4 81.Rh3 a2 82.Rxh4+ Kb5 0-1 [Event "II. internationales Schachturnier"] [Site "San Sebastian"] [Date "1912.03.18"] [Round "21"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Leonhardt, Paul Saladin"] [Result "1-0"] [ECO "C02"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 47"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Stammpartie zum Stratagem "Opfer auf Blockade" (vergleiche jedoch die einleitende Note zur Nr. 46).} 1.e4 e6 2.d4 d5 3.e5 c5 4.Nf3 Qb6 ( {Auf} 4...cxd4 {könnte sowohl} 5.Bd3 { mit gambitartiger Fortsetzung,} ( {als auch} 5.Qxd4 Nc6 6.Qf4 {mit gediegenem Druckspiel folgen.} ) ) 5.Bd3 cxd4 6.O-O Nc6 7.a3 {Damit ist eine für unser Stratagem typische Stellung erreicht: der in einem gewissen Sinne als wertvoll anzusprechende e-Bauer scheint den Weißen für das gebrachte geringfügige Opfer vollauf zu entschädigen. Wertvoll erscheint Be5 aber aus dem Grunde, weil er die schwarze Stellung einzuengen hilft.} 7...Nge7 ( {Nach der Partie wollte mein Gegner gern erfahren, was ich wohl auf 7. ... a5 gespielt haben würde? Als Antwort gab ich die Variante 8. Lf4 Db2: 9. Sbd2 an. "Dies hätten Sie im Ernstfall nie zu spielen gewagt", meinte Leonhardt. Ich hätte es aber doch getan: dies zweite "Opfer auf Blockade" fügt sich dem ersten logisch an. Ob nach} 7...a5 8.Bf4 Qxb2 9. Nbd2 Qb6 ( {auf} 9...Bxa3 {könnte Weiß schon durch} 10.Nb3 {nebst Lc1 und Ld2 ein Remis erzwingen} ) 10.Re1 $1 {genügend an Kompensation vorhanden wäre, ist nicht leicht zu entscheiden. Die schwarzen Mehrbauern wären jedenfalls bewegungsarm und die Entwicklung mit Schwierigkeiten verbunden. } ) ( {Außerdem auf meinem neuartigen Stratagem basierenden Zuge 8. Lf4 usw. kam auch 8. a4 in Frage, zum Beispiel:} 7...a5 8.a4 Bc5 9.Na3 {mit Chancen und Gegenchancen.} ) ( {Zu erwähnen wäre schließlich noch, daß Lasker in einer ähnlichen Stellung} 7...f5 {gezogen hat. Darauf empfehlen wir} 8.b4 a6 9.c4 $1 dxc3 10.Nxc3 {und Weiß droht, mittels Le3 nebst Sa4 Punkt b6 zu okkupieren.} ) 8.b4 Ng6 9.Re1 Be7 10.Bb2 a5 ( {Etwas besser wäre} 10...a6 ) 11.b5 a4 12.Nbd2 {drohend bc Db2: Tb1 nebst cb.} 12...Na7 13.Bxd4 Bc5 14.Bxc5 $1 ( {Mit} 14.c3 {war Ba4 zu gewinnen.} ) 14...Qxc5 15.c4 dxc4 16.Ne4 Qd5 17.Nd6+ Ke7 18.Nxc4 Qc5 {Um Sb6 zu hindern} 19.Bxg6 $1 hxg6 ( {Oder} 19...Qxc4 20.Qd6+ Ke8 21.Rad1 fxg6 22.Qd8+ {nebst Sg5#} ) 20.Qd6+ Qxd6 21.exd6+ {Aufgegeben,} ( 21.exd6+ {denn auf} 21...Ke8 {folgt} 22.Nb6 Rb8 23.Ne5 {und die Drohung d6-d7 ist nicht mehr zu parieren.} ) 1-0 [Event "Internationales Schachmeisterturnier"] [Site "Bad Niendorf"] [Date "1927.08.11"] [Round "5"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Ahues, Carl Oscar"] [Result "1-0"] [ECO "A53"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 48"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Das hier im 25. Zuge gebrachte Opfer ist nur scheinbar ein "Opfer auf Blockade". In Wirklichkeit handelt es sich hierbei um eine Angriffsdiversion, die Blockierung war schon vor dem Opfer da. Da aber alles eine Bezeichnung haben muß, so würden wir dieses Spiel so charakterisieren: eine durch Opfer gekrönte Blockierungspartie.} 1.c4 Nf6 2.Nc3 d6 3.d4 Nbd7 4.e3 e5 5.Bd3 Be7 {Bis hierher schon dagewesen. Nun pflegt man an dieser Stelle mit Sge2 0-0 und f2-f4 fortzusetzen, was zweifellos eine gesunde Strategie ist. Der Führer der weißen Steine versucht aber eine schärfere Entwicklungsmethode anzubringen.} 6.f4 O-O 7.Nf3 exd4 $1 8.exd4 d5 {Schwarz hat gut pariert und etwa gleiches Spiel erlangt.} 9.c5 $1 c6 $1 {Nun droht beständig die Aufrollung durch b7-b6.} 10.O-O ( {Verzichtet auf} 10.a3 {wegen} 10...b6 11.b4 bxc5 12.bxc5 Nxc5 13.dxc5 Bxc5 $1 {mit starkem Angriff.} ) 10...a5 ( {Es lag keine Veranlassung vor, den befreienden Zug b6 zurückzuhalten, zum Beispiel:} 10...b6 $1 11.Ne5 Qc7 12.cxb6 {(am besten)} 12...axb6 13.Bd2 { nebst Te1 mit annähernd gleichem Spiel. Nach dem Textzug kommt Schwarz in Nachteil.} ) 11.Ne5 Qc7 12.Qa4 ( {Damit wird b7-b5 erschwert, wenn nicht gar unmöglich gemacht. In der Partie stand ich freilich unter dem Eindruck, daß 12. ... b7-b5, gestützt auf kombinatorische Feinheiten, doch möglich sei, zum Beispiel:} 12.Qa4 b5 13.cxb6 Qxb6 14.Nxc6 Bd6 {und dieser Eindruck war so stark, daß ich mich auch späterhin davon nicht frei zu machen wußte.} ) ( {Zum Beispiel empfahl ich in "Kagans Neueste Nachrichten" auf die Spielweise} 12.Qa4 b5 13.Qc2 {und der gegnerische Plan, Punkt e4 zu besetzen, wäre dann wie folgt gescheitert:} 13...b4 14. Na4 Ba6 15.Bxa6 Rxa6 {(nun droht Se4)} 16.Qe2 $1 {und gewinnt wegen der indirekten Bedrohung des Läufers auf e7.} ) ( {Heute vermag ich aber nicht einzusehen, weshalb das Bauernopfer nicht anzunehmen gewesen sein sollte; nach} 12.Qa4 b5 13.cxb6 Qxb6 14.Nxc6 Bd6 {hätte Weiß einfach} 15.Kh1 { nebst 16. Se5 spielen können; und Schwarz hätte keinerlei Kompensation erlangt.} ) 12...Re8 13.Kh1 Nf8 ( {Und wiederum suche ich in "Kagans Neueste Nachrichten" den Zug 13. ... b7-b5 (statt des Textzuges) auf komplizierteste Art zu parieren, anstatt mittels cb in die vorhin gezeigte Variante einzulenken. Zum Beispiel:} 13...b5 14.cxb6 Qxb6 15.Nxc6 ( {in "Kagans Neueste Nachrichten" gebe ich nur} 15.Qxc6 ) 15...Bb7 ( {oder} 15...Bd6 16.Ne5 ) 16.Ne5 Nxe5 17.fxe5 Ne4 18.Nxe4 dxe4 19.Bc4 Rf8 20.Qb3 { usw. Somit scheint also erwiesen, daß Schwarz mit seinem 10. Zuge einen nicht mehr wieder gutzumachenden Unterlassungsfehler begangen hat.} ) 14. Qb3 {Nun sollen die Züge b6 oder b5 direkt verhindert werden.} 14...Ne6 $1 {Sehr gut! Auf Be3 soll Bxc5! folgen.} 15.Ne2 Nd7 {Es ist dem Schwarzen zwar gelungen, den Springer c3 von der Route a4 und b6 abzubringen, aber dieser Erfolg ist durch die (wie man gleich sehen wird) ungünstige Stellung des Ritters auf e6 teuer erkauft. Es kommt nun zu einer "Einengung".} 16.Nxd7 Bxd7 {Hier hätte ich mit der Dame wiedergenommen, denn dann kommt Schwarz unter allen Umständen zu Lf6, was nach dem Textzuge nicht der Fall ist.} 17.f5 Nf8 18.Bf4 Qc8 19.Be5 $1 f6 { Vergleiche die vorige Anmerkung.} 20.Bg3 a4 21.Qb4 $1 ( {Der einzige Zug, der den Blockadering vor Sprengung bewahrt, zum Beispiel:} 21.Qc3 b6 $1 22.cxb6 Bd8 {nebst evtl. Db7 usw.} ) 21...b5 22.Qd2 {Nun hat Weiß freie Hand am Königsflügel; am linken Flügel ist alles abgeriegelt.} 22...Bd8 ( {Hier war} 22...Rd8 {um den Ld7 schleunigst nach f7 bringen zu können, sehr zu erwägen.} ) 23.Rf3 Bc7 24.Raf1 Re7 ( {Ermöglicht einen interessanten gegnerischen Ausfall. Etwas besser erscheint daher} 24... Bxg3 {zum Beispiel:} 25.Nxg3 Qc7 26.Nh5 Re7 27.g4 h6 28.h4 Nh7 {Aber auch in diesem Falle dürfte Weiß nach} 29.Nf4 {nebst 30. Sh3 sturmbereit dastehen.} ) 25.Bd6 $3 {Ein weit berechnetes Bauernopfer! Gewiß kommt Bd6 auf einen verlorenen Posten, aber in dem Moment, wo Schwarz sich anschickt, den Bauern zu vernichten, wird seine Königsstellung durch ein Springeropfer auf f6 in die Luft gesprengt.} 25...Bxd6 26.cxd6 Re8 27.Ng3 Qd8 28.Qc1 $1 {Wieder ein stiller Zug, Lc8 wird verhindert (Bc8? Qxc6).} 28...Qb6 29.Qf4 Red8 30.Nh5 Ra7 ( {Denn auf Be8 wäre Nxf6 mit Zerschmetterung erfolgt! Man sehe:} 30...Be8 31.Nxf6+ gxf6 32.Rg3+ {K~ 33. Dh6 und gewinnt.} ) 31.Nxf6+ {Aufgegeben.} ( 31.Nxf6+ {Auf 31. ... Kh8! hatte ich 32. Sh7:! geplant und sofort nach Schluß der Partie demonstriert, zum Beispiel:} 31...Kh8 $1 32.Nxh7 $1 Nxh7 33.Qh4 Kg8 34.f6 Nxf6 35.Rxf6 {usw.} ) ( {oder} 31.Nxf6+ Kh8 32.Nxh7 Kxh7 33.f6+ g6 34.Qh4+ Kg8 35.f7+ Kg7 36.Qf6+ Kh7 37.Rf5 {usw.} ) ( {Schwächer wäre nach} 31. Nxf6+ Kh8 {die Fortsetzung} 32.Qh4 {denn es folgt} 32...h6 {zum Beispiel:} 33.Ng4 Nh7 34.f6 Bxg4 {und es bedarf einer neuerlichen "Anstrengung", nämlich} 35.Qxg4 $1 Nxf6 36.Qg6 {und der weiße Angriff dürfte durchdringen.} ) 1-0 [Event "Internationales Schachmeisterturnier - Endrunde"] [Site "Kecskemét"] [Date "1927.07.11"] [Round "6"] [White "Vajda, Árpád"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "C10"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 49"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Nach} 1.e4 Nc6 2.d4 d5 3.Nc3 e6 4.e5 {geschah} 4...Nge7 $1 ( {nicht} 4...Bb4 { wegen} 5.Qg4 ) 5.Nf3 ( {denn auf nunmehriges} 5.Qg4 {würde} 5...h5 {folgen } ) 5...b6 6.Ne2 {"Die beiden sagten abwechselnd Monologe her, glaubten aber ein Zwiegespräch zu führen", sagte einst ein etwas melancholisch gestimmter Verfasser. Dieses Aneinandervorbeisprechen trifft auch hier zu: Der Nachziehende sucht die weißfeldrigen Punkte zu erobern, der Anziehende spielt seinerseits auf Okkupierung der schwarzfeldrigen Punkte - er plant Se2-g3-h5 mit Druck gegen g7 und f6 -, und die einzige Verbindung zwischen den beiden besteht nur darin, daß sie abwechselnd ziehen.} 6...Ba6 7.c3 ( {in Betracht kam sofortiges} 7.Ng3 {zum Beispiel:} 7...Bxf1 8.Kxf1 h5 { (sonst Sh5)} 9.h4 {nebst Sg5} ) 7...Qd7 8.Ng3 Bxf1 9.Nxf1 h5 10.Bg5 Na5 { das "Spiel" gegen die "weißen" Punkte b5 c4 und f5 wird nun deutlich} 11. Qe2 a6 $1 12.Ne3 Qb5 13.b4 Qxe2+ 14.Kxe2 Nac6 ( {Schlecht wäre sowohl} 14...Nc4 {wegen} 15.Nxc4 dxc4 16.Bxe7 {nebst 17. Sd2 und auf b5 18. a4} ) ( {als auch 14. ... Sb7, weil c7-c5 nur dem Weißen zugute kommen würde} 14...Nb7 {(14..... Sb7 15. Sei c5? 16. bc bc 17. Tbl usw.} 15.Ne1 c5 $2 16.bxc5 bxc5 17.Rb1 {usw.} ) 15.Ne1 Ng6 16.Nd3 Be7 {Schluß der Monologe, das (blutige) Zwiegespräch kann beginnen!} 17.Bxe7 Ncxe7 18.f4 ( 18.g3 Nf8 $1 {nebst Sd7 0-0 Tfc8 und endlich c7-c5 mit vollem Spiel für Schwarz.} ) 18...Nh4 $1 {Erobert Punkt f5. Hätte Weiß dieses im vorigen Zuge durch 18. g3 verhindert, so wäre gefolgt 18. ... Sf8! nebst Sd7 0-0 Tfc8 und endlich c7-c5 mit vollem Spiel für Schwarz.} 19.g3 Nhf5 20.Nxf5 Nxf5 21.Kf3 {Ein Anschlag auf den Ritter f5 wird geplant, nämlich h3 g4 usw. Wie ist solcher Anschlag zu vereiteln?} 21...a5 {Im richtigen Moment.} 22.a3 ( { Auf} 22.b5 c6 23.bxc6 Rc8 {wollte Weiß sich nicht einlassen; der Druck in der c-Linie wäre in der Tat lästig geworden, die weiße b-Linie wäre kein Äquivalent dagegen.} ) 22...Kd7 23.h3 ( {Übersieht die Kombination des Gegners. In Betracht kam} 23.Rhb1 {sodann Sd3-e1-c2-e3. Etwas besser stand Schwarz aber auch dann.} ) 23...axb4 24.Nxb4 ( {Bitteres Muß! Auf} 24.axb4 {wäre nämlich gefolgt} 24...h4 25.g4 Ng3 26.Rhc1 Ne4 {und erobert die a-Linie oder den c-Bauern.} ) 24...Ra4 {Auch jetzt kam das eben vorgeführte Manöver sehr stark in Betracht. Indes Ta4 dürfte auch gut genug sein.} 25.g4 Ne7 26.Ke3 $1 c5 ( {Schwarz will sich nicht mit der Variante} 26...hxg4 27.hxg4 Rxh1 28.Rxh1 Rxa3 {begnügen, die dem Gegner die h-Linie einräumen würde.} ) 27.Nc2 Nc6 28.Rab1 Rc8 ( {Hier gewann} 28...cxd4+ 29.cxd4 ( 29.Nxd4 $2 Rxa3 ) 29...Rc4 30.Kd3 Rc8 31.Rxb6 Nxe5+ 32.fxe5 Rc3+ 33.Kd2 Rxc2+ 34.Ke3 g5 {leicht für Schwarz. Der Nachziehende war in Zeitnot.} ) 29.Rxb6 cxd4+ 30.cxd4 Nxe5 31.fxe5 Rxc2 32.Rb3 {Der Vorteil des Schwarzen hat sich so ziemlich verflüchtigt.} 32...hxg4 33. hxg4 ( {Hier stand eine äußerst pikante Remiskombination zur Verfügung, nämlich} 33.Rf1 Rh2 34.Rxf7+ Ke8 35.Rbb7 $1 {(sieht wie ein grober Fehler aus)} 35...Rxa3+ 36.Kf4 Rf2+ 37.Kxg4 Rxf7 {doch nun kommt Weiß dran, spielt} 38.Rb8+ {und macht Remis!} ) 33...Rg2 34.Rb7+ ( 34.Kf3 {hätte remis gemacht, zum Beispiel:} 34...Ra2 35.Rh7 ) ( {oder} 34.Kf3 Rd2 35.Rh7 {usw.} ) 34...Kc6 35.Rhb1 Rxa3+ 36.Kf4 Ra6 37.Kg5 ( {oder} 37.Kf3 Rg1 ) 37...f6+ ( {nicht} 37...f5 {wegen} 38.Rxg7 Rxg4+ 39.Kf6 {usw.} ) 38.exf6 gxf6+ 39.Kxf6 Rxg4 40.Re7 {auch andere Züge dürften wenig nutzen, der weiße König steht eben fürs Endspiel zu schlecht, und für Mattangriffe reicht seine Kraft ebensowenig aus} 40...Rf4+ 41.Kxe6 Rxd4 42.Kf5 Raa4 43. Re6+ Kc5 44.Kf6 Rf4+ 45.Ke7 Ra7+ 46.Ke8 Re4 {Aufgegeben. Trotz der Unterlassung im 28. Zuge halten wir diese Partie für eine bedeutende strategische Leistung. Wer hätte es gewagt, den Vorstoß c7-c5 bis zum 26. Zuge hintanzuhalten, jenen allein seligmachenden Vorstoß, ohne den sich zum Beispiel Dr. Tarrasch überhaupt keinen Kampf und keinen wie immer gearteten Widerstand gegen eine feindliche Bauernkette denken kann! Fürwahr, in dieser Partie ist Neuland gezeigt worden.} 0-1 [Event "III. internationales Schachmeisterturnier"] [Site "Karlsbad"] [Date "1923.05.11"] [Round "11"] [White "Spielmann, Rudolf"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "B13"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 5"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.e4 c6 2.d4 d5 3.exd5 cxd5 4.c3 Nc6 5.Bf4 Bf5 {Eine Neuerung} 6.Nf3 e6 7. Qb3 Qd7 8.Nbd2 f6 {sichert e5 und bereitet einen allgemeinen Vormarsch am Königsflügel vor. Eine Diversionsstrategie ist hier insofern berechtigt, als das eigene Zentrum nicht übel gesichert erscheint, denn e6 ist gut gedeckt, und die Schräge f5-b1 macht einen ebenso "zentralen" wie freundlichen Eindruck. Daß eine Flügelattacke bei schlecht gesichertem eigenem Zentrum unzulässig ist, haben wir des öfteren betont.} 9.Be2 ( { hier war 9. c4 geboten, zum Beispiel:} 9.c4 Bb4 ( 9...Nb4 10.Rc1 {und Weiß hätte nichts auszustehen!} ) 10.cxd5 exd5 11.Bb5 {mit Ausgleich} ) 9...g5 10.Bg3 h5 11.h3 Nge7 12.O-O ( {jetzt hätte der Zug c4 die Zentralsituation nicht mehr wesentlich verbessert, zum Beispiel:} 12.c4 dxc4 13.Bxc4 Nd5 {mit feistem Zentralspringer, und doch hätte Weiß dieser Spielweise den Vorzug geben sollen} ) 12...Bh6 13.Ne1 g4 14.Qd1 Bxd2 { gewinnt einen Bauern} 15.Qxd2 gxh3 16.Nd3 b6 17.Rfe1 h4 18.Bh2 Kf7 ( { nicht} 18...O-O-O {wegen} 19.Nc5 $1 ) 19.g4 {Weiß ist auch auf andere Züge verloren} 19...hxg3 20.Bxg3 h2+ 21.Kg2 Be4+ ( 21...e5 22.dxe5 Be4+ 23.f3 Rag8 24.e6+ ( 24.Qf4 Nf5 25.fxe4 Nxg3 26.Qxf6+ Ke8 27.e6 h1=Q+ 28. Rxh1 Nxh1+ {und gewinnt} ) 24...Qxe6 25.Nf4 Qg4 $1 ) 22.Bf3 ( {längeren Widerstand hätte} 22.f3 {ermöglicht} ) 22...Nf5 $1 23.Bxe4 dxe4 24.Nf4 ( 24.Rxe4 Qd5 {usw.} ) 24...e5 25.Ne2 Nh4+ 26.Bxh4 Qg4+ {nebst Matt in wenigen Zügen.} 0-1 [Event "Internationales Schachmeisterturnier"] [Site "Bad Niendorf"] [Date "1927.08.13"] [Round "6"] [White "Kmoch, Hans"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "C15"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 50"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Nach} 1.e4 Nc6 2.Nc3 e6 3.d4 Bb4 ( {sicherer wäre} 3...d5 ) 4.Ne2 d5 5.e5 { wählte Schwarz unseren Präventivaufbau:} 5...h5 ( {doch würde uns 5. ... Sge7 besser gefallen, zum Beispiel:} 5...Nge7 6.Nf4 Ng6 7.Nh5 Rg8 {sodann Le7, und Schwarz schreitet zur Vorbereitung der langen Rochade} ) 6.Nf4 $1 g6 7.Be3 Bxc3+ $2 ( {äußerst riskant gespielt; die Schwäche des gegnerischen Doppelkomplexes wird durch den Besitz der Schräge g5-d8 überkompensiert. Richtig war} 7...Nge7 ) ( {oder sogar} 7...Bf8 $1 ) 8. bxc3 Na5 9.Bd3 Ne7 10.Nh3 $1 c5 11.Bg5 $1 c4 12.Be2 Nac6 13.Bf6 {Weiß sollte jetzt ziemlich mühelos gewinnen können, vergleiche die Steiner-Partie in der Vorbesprechung} 13...Rg8 14.O-O ( {schwächlich; richtig war} 14.Ng5 {nebst f3 und g4 oder auch 14. Ng5 nebst 15. g4. Nach hxg 16. Bxg4 entschiede dann h2-h4-h5} ) 14...Qa5 {die geringfügige Gegenchance} 15.Qd2 Nf5 16.Rfd1 ( {ökonomischere Verwendung der Türme war hier durch} 16.Rad1 {zu erzielen; der a-Bauer wäre natürlich tabu} ) 16... Kd7 $1 {ein schwerer Entschluß: der König überläßt den f-Bauern seinem Schicksal. Und doch erscheint diese Spielweise berechtigt, entspricht sie doch dem in den Partien Nr. 29 und 30 skizzierten Stratagem: "Königsflucht als Palliativmittel"} 17.Ng5 Rf8 ( {es fragt sich, ob nicht das unbekümmerte 17. .. . Kc7 eher im Sinne jenes Stratagems gewesen wäre. Es kommt hier nämlich nicht so sehr auf den f-Bauern als solchen an, als vielmehr darauf, zu verhindern, daß Weiß (nach vollzogenem Nxf7) den Punkt f7 zu einer Basis für neue Angriffe macht. Diesem weißen Bestreben hätte die fortgesetzte Königsflucht entgegengewirkt, zum Beispiel:} 17... Kc7 18.Nxf7 Bd7 19.f3 Raf8 20.Ng5 {und nun entweder} 20...Ng7 {nebst Se8} ( {oder auch} 20...Kb8 {mit abwartender Haltung, und ein weißer Gewinn erschiene zweifelhaft} ) ) 18.h3 $2 ( {die verkehrte Methode,} 18.f3 { wäre die rechte gewesen} ) 18...Kc7 19.g4 hxg4 20.hxg4 Nfe7 21.Kg2 Ng8 $2 ( {ein schwerer Fehler, der vom Gegner allerdings nicht ausgenutzt wird. Mittels} 21...Bd7 22.Rh1 Rae8 23.Rh7 Nd8 {hätte Schwarz sich statt dessen igelartig zusammenrollen können} ) 22.Bg7 Re8 23.Rh1 $2 ( {23. Nxf7! hätte nicht nur den Bauern, sondern auch das Standfeld d6 erobert. Falls nach} 23.Nxf7 $1 Re7 24.Nd6 Bd7 ( 24...Rxg7 $2 25.Ne8+ Kd8 26.Nxg7 Qc7 27. Qg5+ ) 25.Bh6 {und Weiß stände gut} ) 23...Bd7 24.Rh3 Nd8 25.Rf3 Rc8 $1 26.Rh1 $2 ( {Unmotiviertes Bauernopfer; es stellt sich nämlich bald heraus, daß die geplante Turmverdoppelung ein Stoß ins Leere ist. In Betracht kam 26. Nxf7 oder 26. Qc1 nebst Qb2. Auf} 26.Nxf7 {käme} 26... Nxf7 27.Rxf7 Re7 28.Rxe7 Nxe7 ) ( {Auf} 26.Qc1 {andererseits, würde} 26... Kb8 {folgen, zum Beispiel:} 27.Qb2 Rc6 $1 28.Qb4 $1 Qc7 29.Bf8 $1 Rb6 $2 30.Bd6 {Aus Gesagtem ergibt sich zweierlei. Erstens die Richtigkeit der prophylaktischen Methode 26. De1 nebst 27. Db2. Zweitens die innere Wahlverwandtschaft zwischen den weißen Leichtfiguren einerseits und Punkt d6 andererseits. Unbekümmert um die nicht selten krausen Pläne der Menschen entfalten die Figuren ihre eigene Logik, die, wie auch hier der Fall, zumeist schön und zwingend ist.} ) 26...Qxa2 {Mit diesem Resultat der sehr geringfügigen Gegenattacke darf Schwarz natürlich sehr zufrieden sein.} 27.Rh7 Kb8 28.Nxf7 Nxf7 29.Rxf7 Bc6 {Die dublierten Türme stehen nun geradezu deplaziert.} 30.Bf6 a5 ( {Den Vorzug verdiente} 30...Qb2 {um dem Präventivzuge 31. Dc1 zuvorzukommen. Aber Weiß denkt nicht an Präventivmanöver.} ) 31.Rh1 Qb2 32.Bg5 Rf8 33.Rfh7 Rc7 34.Rxc7 ( {Oder} 34.R7h3 Rcf7 ) 34...Kxc7 35.Qc1 $1 {So wenig hervorragend Weiß bisher "auf Gewinn" gespielt hat, so trefflich versteht er es nun, seine geringen Remischancen wahrzunehmen. Die nun folgenden Rettungsversuche sind erstklassig - unwillkürlich wird man an Schlechter erinnert.} 35...Qxc3 36.Qa1 $1 Qxa1 37.Rxa1 Ra8 38.Bd2 b6 39.Kg3 {Nun droht Königsmarsch nach g5.} 39...Ne7 40.Bd1 $1 Bd7 ( {Wenn überhaupt, so war das schwarze Spiel nur durch} 40...Bb7 {zu gewinnen, denn nun folgt:} ) 41.Bb4 $1 Nc6 42.Bd6+ Kb7 43.c3 b5 44.Rb1 b4 45.Ba4 $1 ( {Nicht} 45.cxb4 axb4 46.Bxb4 Nxd4 47. Bc5+ Nb5 {usw.} ) 45...b3 ( {Sieht gut aus, gestattet aber eine Mumifizierung. Zweischneidig wäre allerdings} 45...Nxd4 46.Bxd7 Ne2+ 47. Kf3 Nxc3 48.Bxe6 Kc6 {usw.} ) 46.Bxc6+ Kxc6 47.g5 $1 {Verwehrt dem Läufer den Ausgang über g6.} 47...Ra7 48.Rb2 Rb7 49.Kf4 ( {Damit gestattet Weiß einen studienartigen Durchbruch,} 49.Ba3 {hätte remis gemacht.} ) 49...Bc8 {drohend Th7.} 50.Kg3 Rb4 $3 {Der Gewinnzug.} 51.cxb4 {Muß, sonst Ta4 usw. } 51...a4 52.b5+ Kxb5 53.Ba3 c3 54.Rb1 Kc4 {Da La3 und Tb1 nun unbeweglich sind - sonst entschiede b2 nebst Kb3 sofort -, kann der König in aller Ruhe d4 verspeisen und dann wieder nach c4 zurückkehren. Dies - die Pointe - entscheidet. Es folgte noch} 55.f4 Kxd4 56.Kf2 Kc4 57.Ke1 d4 58.Ke2 Kd5 59.Kf3 ( 59.Kd3 $2 Ba6# ) 59...Bb7 60.Re1 Kc4+ 61.Kf2 b2 62.f5 exf5 63.e6 Bc6 {Aufgegeben.} 0-1 [Event "Internationales Schachmeisterturnier"] [Site "Bad Niendorf"] [Date "1927.08.07"] [Round "2"] [White "Brinckmann, Alfred"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "C10"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 51"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Nach} 1.e4 Nc6 2.Nc3 e6 3.d4 d5 4.e5 Nge7 5.Nf3 b6 $1 6.Ne2 $1 Ba6 {diese Züge haben wir bereits in den Glossen zur Nr. 49 besprochen} 7.Ng3 Bxf1 8.Kxf1 h5 9.Bg5 {drohte Weiß, die schwarzfeldrigen Punkte wie folgt zu erobern: Sh4 g6 Lf6 nebst Sh4-f3-g5 usw. Wie ist Bh5 nun ohne Zuhilfenahme des schwächenden g7-g6 zu decken?} 9...Qc8 $1 ( 9...Qc8 {Falls nun} 10.Nh4 {so } 10...Qa6+ 11.Kg1 Qa4 $3 12.c3 Qxd1+ {und h5 ist ohne Inanspruchnahme des g-Bauern genügend verteidigt.} ) 10.Qd3 Ng6 11.c3 h4 ( {Dieser an und für sich eher lockernde (ich meine selbstschwächende) Zug ist als Präventivaktion gegen das beabsichtigte h2-h4 gedacht. Zum Beispiel:} 11...Be7 {(statt h5-h4)} 12.h4 {Immerhin erscheint auch 11. ... Le7 als ein durchaus spielbarer Plan.} ) 12.Ne2 Be7 ( {Sehr in Betracht kam zunächst} 12...h3 {zum Beispiel:} 13.gxh3 ( {oder} 13.g3 a5 {nebst Da6} ) 13...Be7 ) 13.h3 Bxg5 ( {Möglich war} 13...Rh5 ) 14.Nxg5 Nce7 ( {Auch hier war} 14...Rh5 {in Betracht zu ziehen.} ) 15.Kg1 ( {Läßt dem Gegner Zeit zu einem umfassenden Zentralangriff. Brinckmann hält aus diesem Grunde den Gegenangriff} 15.Qf3 {für angezeigt, doch würden wir auch in diesem Falle, nach den weiteren Zügen} 15...Nf5 16.g4 hxg3 17.fxg3 ( {oder} 17.Nxg3 Ngh4 ) 17...Qd7 18.h4 O-O-O 19.h5 Nge7 20.g4 Nh6 {die schwarze Stellung entschieden vorziehen.} ) 15...f6 16.Nf3 Qd7 ( {Nach diesem Zuge erhält Weiß eine freilich ungenutzt gebliebene Gelegenheit zu einer äußerst raffinierten Rettungsaktion. Sofortiges} 16...c5 {nebst eventuell Dc7 wäre daher wohl eher geeignet, den Vorteil festzuhalten.} ) 17.Kh2 c5 18. c4 $1 {Sehr kühn und geistreich gespielt, nur schade, daß er im 24. Zuge nicht die - allerdings sehr versteckt liegende - adäquate Fortsetzung findet.} 18...Qc7 19.cxd5 c4 ( {Auf} 19...fxe5 $2 {würde folgen} 20.Qb5+ Kf8 21.Ng5 exd4+ 22.f4 Nxf4 23.Rhf1 Nxd5 $2 24.Nxe6+ {und gewinnt.} ) 20. Qc2 exd5 21.Rhe1 O-O ( {Auf die Möglichkeit} 21...fxe5 22.dxe5 Nxe5 23. Nxe5 Qxe5+ 24.f4 Qd6 {und nun etwa} 25.Rad1 {drohend Qxc4,. wollte ich mich nicht recht einlassen.} ) 22.Nc3 fxe5 23.Nxe5 ( {Nicht} 23.dxe5 { wegen} 23...Rxf3 {nebst Nxe5 mit entscheidendem Angriff.} ) 23...Nxe5 24. dxe5 $2 ( {Richtig war} 24.Rxe5 $3 {zum Beispiel:} 24...Nc6 25.Nxd5 Qd6 26.Qxc4 Nxe5 27.dxe5 Qxe5+ 28.f4 Qe6 29.f5 Qe5+ 30.Kh1 Rf7 {und nun} 31. Rd1 {und Schwarz ist nicht in der Lage, seine Position zu verstärken; also Remisschluß.} ) 24...d4 $1 25.Nb5 Qc5 26.Nd6 d3 ( {Nicht} 26...b5 {wegen} 27.Qe4 {mit zentralisiertem Aufbau.} ) 27.Qxc4+ Qxc4 28.Nxc4 Rxf2 {Was nun folgt, ist ein Schulbeispiel für ein "Spiel" in der 7. und 8. Reihe (hier die zweite und erste).} 29.Rad1 Rc8 30.Ne3 Rd8 31.Nc4 Nf5 {Verhindert Sd6. } 32.a4 ( {Auf} 32.e6 {würde} 32...Re2 $1 {folgen, zum Beispiel:} 33.Rxd3 ( 33.Rxe2 $2 dxe2 34.Rxd8+ Kh7 {und Schwarz gewinnt} ) 33...Rxe1 34.Rxd8+ Kh7 {und die Drohung Sg3 wirkt entscheidend.} ) ( {Sucht Weiß nach} 32.e6 Re2 {mittels} 33.e7 {so geschieht einfach} ( 33.e7 Nxe7 $2 34.Rxd3 $1 Rxe1 35.Rxd8+ Kf7 36.Nd6+ Ke6 37.Nc8 $1 {mit Remisschluß} ) 33...Re8 {und Schwarz gewinnt den Bauern.} ) 32...Kf7 ( {Dieser Zug ist vollständig korrekt, wie folgende Analyse dartun mag.} 32...Kf7 33.e6+ Ke8 $1 34.Ne5 d2 35.Re4 Rd4 ( {nur ja nicht den Witz} 35...Rf1 {[statt Td4], denn darauf würde} 36.Rxf1 Ng3 {nebst dem Gegenwitz} 37.Rf8+ Kxf8 38.Ng6+ {nebst Rxh4 und Matt auf h8 die für Schwarz unangenehme Folge sein} ) 36.Rxd4 Nxd4 37. Nc4 Nb3 38.Kg1 Rf4 39.Ne3 Rxa4 {und Weiß ist verloren.} ) ( {Übrigens hätte statt des in der Partie gewählten 32. ... Kf7 auch} 32...Re2 {ruhig geschehen können, indes ist es stets besser, auf Blockade zu spielen.} ) 33.Re4 Re2 34.Rf4 Ke6 {Schwarz hat nun alles erreicht, nämlich die Turmstellung auf e2 und die Blockadestellung auf e6. Jetzt gilt es nur noch, den Sc4 zu vertreiben.} 35.Rg4 d2 36.Rg6+ Kf7 37.Rg4 a6 $1 38.Rf4 Ke6 39.Nd6 Ne3 {Aufgegeben.} 0-1 [Event "Internationales Meisterturnier"] [Site "Dresden"] [Date "1926.04.10"] [Round "6"] [White "Steiner, Lajos"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "B30"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 52"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.e4 c5 2.Nf3 Nc6 3.Nc3 e5 {Zu einem solchen Zuge gehört Mut und - der Glaube an die Bedeutung der Blockade. Der Textzug opfert ein Tempo (Nichtentwicklung einer Figur) und schafft ein Loch auf d5, alles nur, um d2-d4 zu verhindern und so den Gegner zu hemmen.} 4.Bc4 d6 5.h3 Be6 6.d3 Be7 7.O-O h6 {Schwarz läßt sich Zeit. Dem Gegner fehlt es an wirksamen Zügen.} 8.Nd5 {Um die Stärke von d5 zu betonen; dies ist aber, wie sich bald herausstellt, nur unter Opfern - materiellen oder positionellen - erreichbar.} 8...Nf6 {Nimmt d5 unter Feuer,} 9.Nh4 {während Weiß d5 auf kombinatorischem Wege zu behaupten sucht.} 9...Nxd5 ( {Schlecht wäre} 9... Nxe4 10.dxe4 Bxh4 {wegen} 11.f4 ) 10.exd5 Bxd5 11.Nf5 ( {Die das Unternehmen (siehe 8. Zug und die Anmerkung hierzu) stützende Opferaktion. Weiß gewinnt zwar seinen Bauern wieder, erhält aber einen Doppelbauern: das gebrachte Opfer erweist sich somit als ein solches positioneller Art. Statt dessen hatte er auch die Möglichkeit, ein Opfer an Material zu bringen, und zwar durch} 11.Bxd5 Bxh4 {und nun} 12.f4 {mit Angriffschancen. Zum Remis sollten u. E. sowohl das positioneile als auch das materielle Opfer ausreichen.} ) 11...Bxc4 12.dxc4 g6 $1 ( {Oder} 12... O-O $2 13.Qg4 Bg5 14.h4 {usw.} ) 13.Nxh6 Qd7 14.Qd5 Nd8 15.Be3 ( {Falls} 15.Ng4 {so} 15...f5 16.Ne3 Ne6 {nebst 0-0-0. Die Situation ließe sich dann so charakterisieren, daß wir sagen: Schwarz hätte Spiel in der h-Linie, während jeder weiße Angriffsversuch sich an der kompakten gegnerischen Bauernmasse verbluten müsse.} ) 15...f5 16.Ng8 Bh4 17.g3 Qe6 18.Rad1 $2 ( {Der Verlustzug, sofortiges} 18.gxh4 Rxg8 ( {nicht} 18...Qxd5 $2 {wegen} 19.Nf6+ ) 19.Bg5 {dürfte, wie ich heute glaube, zum Remis ausreichen, zum Beispiel:} 19...Qxd5 20.cxd5 Rh8 21.f4 e4 22.Rae1 {und 23. Te1-e3.} ) 18...Rxg8 19.gxh4 f4 {Nun gelangt der Läufer nicht mehr nach g5.} 20.Bxf4 ( {Oder} 20.Bc1 Qxd5 21.Rxd5 Nf7 {nebst 0-0-0 und Th8 mit mühelosem Gewinn für Schwarz.} ) 20...Qxd5 21.Rxd5 exf4 22.Rxd6 Ke7 23.Rfd1 b6 24.Rd7+ Kf6 {und Weiß gab nach einigen belanglosen Zügen auf. Man gewinnt den Eindruck, daß die den Punkt d5 etwas schwächende Spielweise (1. ... c5 in Verbindung mit 3. ... e5) doch korrekt ist, denn Weiß konnte d5 nur mühsam behaupten und hätte damit höchstens ein Remis erreichen sollen.} 0-1 [Event "Freie Partie"] [Site "Riga"] [Date "1910.03.27"] [Round "-"] [White "Behting, Carl"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "C29"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 53"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.e4 d6 2.Nc3 Nf6 3.f4 e5 {Führt zur Stellung des mit d7-d6 abgelehnten Königsgambits.} 4.Nf3 Nbd7 5.d4 {Keineswegs zu tadeln, denn e4 wird natürlich mit leichter Mühe zu halten sein, vergleiche die Anmerkung zum 8. Zuge.} 5...exd4 6.Nxd4 Be7 7.Bc4 O-O 8.O-O a6 ( {Einer von jenen mysteriösen Zügen, für die die pseudoklassische Schule von Anno dazumal nur Worte des Hohnes fand. Denn das geschlossene Vorgehen c5 nebst b5 ist hier nur Nebenzweck. Der Hauptzweck besteht darin, den Zug Df3 abzuwarten, um sodann den prophylaktischen Aufbau Te8 und Lf8 zu wählen. Sofortiges} 8...Re8 {würde nämlich an der Antwort} 9.Nf3 $1 {mit der Doppeldrohung 10. e5 und 10. Sg5 scheitern. Demnach bedeutet a7-a6 also ein Tempoopfer zwecks Ermöglichung der "Prophylaxe" Te8 usw., und dieser Gedanke mußte den Strategen von damals als eine ungeheuere intellektuelle Zumutung erscheinen, denn für die Prophylaxe hatten sie nur ein geringschätziges Achselzucken übrig, dieselbe aber gar erst durch Tempoopfer vorbereiten zu wollen, das war "bizarr", "verdreht" usw. ... Nun, in Wirklichkeit dürfte 8. ... a6 ein sehr feiner Zug sein, Bauer e4 ist nämlich statisch wie dynamisch recht lebenskräftig, Hemmungsoperationen erfordern also Umsicht und Geduld, sprich Warte- und Präventivzüge.} ) ( {Ein direktes Vorgehen, wie etwa} 8...Nb6 {(statt a6), hätte nach} 9.Be2 $1 d5 10.e5 Ne4 11.f5 { nur zu schwarzem Nachteil geführt.} ) 9.Nf5 ( {Möglich war a2-a4, dies hätte den status quo ante wiederhergestellt. Wahrscheinlich hätte ich mich hierauf zu 9. ... c6 entschlossen, zum Beispiel:} 9.a4 c6 10.Ba2 $1 {(es drohte d5 nebst Sb6) und nun doch} 10...Re8 {Falls dann} 11.Nf3 {so} 11... h6 {und der Vorstoß} 12.e5 $2 {wäre wegen} 12...dxe5 13.fxe5 Nxe5 14.Nxe5 Qxd1 15.Bxf7+ Kf8 16.Rxd1 Bc5+ {nebst Te5: verfehlt.} ) 9...Nc5 10.Ng3 ( { Falls} 10.Nxe7+ Qxe7 11.Re1 {so} 11...b5 ( {nicht} 11...Ncxe4 {wegen Springertausch nebst Ld5} ) 12.Bd5 Nxd5 {) 12. Ld5 Sd5: 13. Sd5: Dd8 oder d7, und Schwarz erhält mit Te8 und Lb7 etwas Spiel gegen Be4. - Der Textzug deckt diesen Bauern zwar gründlich, bedeutet aber immerhin eine erfolgte Dezentralisierung: Sd4-f5-g3. oder d7, und Schwarz erhält mit Te8 und Lb7 etwas Spiel gegen Be4. - Der Textzug deckt diesen Bauern zwar gründlich, bedeutet aber immerhin eine erfolgte Dezentralisierung: Sd4-f5-g3.} 13.Nxd5 Qd8 ) 10...b5 11.Bd3 b4 12.Nd5 Nxd5 13.exd5 {Schwarz hat zwar den Erfolg zu buchen, daß das weiße Zentrum - dank 13. e4xd5 - dynamisch wertlos geworden ist, steht aber andererseits vor der schwierigen Aufgabe, nach zwei Seiten hin gleichzeitig präventiv vorgehen zu müssen: denn Weiß plant sowohl a3 mit Aufrollung, als auch f5 mit Terrainzuwachs. Mit 13. ... a5! wäre beides zu verhindern gewesen (wegen der Drohung Nxd3 Qxd3 Ba6).} 13...f5 {Beugt der Möglichkeit f4-f5 vor, plant aber auch gleichzeitig ein Spiel in der e-Linie (Lh4 Bxg3 Te8 nebst Festsetzung des Springers auf e4).} 14.a3 $1 bxa3 15.Rxa3 Rb8 16.c3 Bh4 17.Qf3 Bxg3 18.Qxg3 Re8 19.Bc2 Qf6 20.b4 Ne4 21.Qd3 {Es ging für Schwarz also auch ohne Präventivaktion am Damenflügel, denn die Schwäche des a-Bauern erscheint nun durch die Stärke der e-Linie kompensiert. Aber nun geht es ohne Präventivspiel nicht weiter, denn Weiß plant die Zentralisierung Lc1-e3-d4, und dann stände Schwarz eher schlechter. Wie ist nun dem geplanten Aufbau zuvorzukommen?} 21...Qf7 $1 22.Be3 Nf6 $1 23. Bb3 Bb7 24.Rd1 ( {Dies ist nicht gut; ich hatte natürlich} 24.c4 { erwartet, und darauf wollte ich durch} 24...Bc8 25.Bd2 Ne4 26.Be1 Qf6 {die frühere Stellung herbeiführen: doch wäre die lange Diagonale für den Gegner dann unweigerlich verloren gewesen. Diese Präventivkombination, die zu gleicher Zeit eine sechszügige Rückkehrwendung enthält, wird den aufmerksamen Leser über die Fülle und Mannigfaltigkeit des zu Gebote stehenden präventivkombinatorischen Materials aufklären. Ich zähle sie zu meinen Lieblingskombinationen.} ) 24...Bxd5 $1 25.Bxd5 Qxd5 26.Qxd5+ Nxd5 27.Ba7 ( {Ein gefährlicher Zug, der aber dem Schwarzen nicht entgangen war, als er sich auf den Abtausch einließ. Die Fortsetzung} 27.Rxd5 Rxe3 28.Rxf5 Rbe8 {wäre für Schwarz günstig.} ) 27...Ne3 $1 28.Rd3 Ng4 29.Rd1 Ra8 30.Bd4 ( {Auch auf} 30.Rxa6 {würde Schwarz mit} 30...Re4 31.g3 Re2 ) ( {oder} 30.Rxa6 Re4 31.Rf1 Ne3 {-d5 in Vorteil kommen.} ) 30...Re4 31.h3 Ne3 32.Bxe3 {Nunmehr wegen Sc4 oder Sd5 erzwungen.} 32...Rxe3 33.Kf2 Re4 34.g3 Kf7 {Schwarz gibt den Ba6 auf, um dafür mit dem König entscheidend ins Spiel einzugreifen.} 35.Rda1 Ke6 36.Rxa6 Rxa6 37.Rxa6 Kd5 38.Ra5+ {Es drohte Te4-c4 nebst Kd5-e4-d3.} 38...Kc4 39.Rxf5 Re7 $1 {Der weiße König ist abgeschnitten, und Schwarz droht, sich zwei verbundene Freibauern zu machen. Weiß versuchte noch:} 40.b5 Kxc3 41.b6 cxb6 ( {nicht schon} 41... c6 {wegen} 42.Ra5 Rb7 43.Ra7 Rxb6 44.Rxg7 {mit recht zweifelhaftem Ausgange} ) 42.Rd5 Rd7 43.Rb5 Rb7 44.Rd5 b5 45.Rxd6 b4 46.Ke2 b3 47.Rc6+ Kb2 48.f5 Kb1 49.g4 b2 50.g5 Ka2 {und Weiß gab nach wenigen Zügen auf.} 0-1 [Event "Internationales Schachmeisterturnier"] [Site "Karlsbad"] [Date "1907.09.12"] [Round "17"] [White "Schlechter, Carl"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "C77"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 54"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Nach den Eröffnungszügen} 1.e4 e5 2.Nf3 Nc6 3.Bb5 a6 4.Ba4 Nf6 5.Nc3 Bb4 6.Nd5 Be7 7.O-O O-O 8.Re1 d6 9.Nxf6+ Bxf6 10.c3 {verhielt sich Schwarz abwartend:} 10...h6 {Denn seine Stellung - eine Froschstellung par excellence - läßt sich gar nicht mehr groß verändern, der geschehene Wartezug soll dies betonen. Es folgte: } 11.h3 Ne7 12.d4 Ng6 13.Be3 Kh7 {Schwarz "verharrt".} 14.Qd2 Be6 15.Bc2 Qe7 16.d5 {Auch Weiß hätte besser getan, zu verharren. d4-d5 hätte nur dann einen Sinn, wenn damit ein Angriff gegen den feindlichen Damenflügel (mit c3-c4 und b2-b4) eingeleitet würde. Weiß will aber am Königsflügel operieren, und dazu ist d4-d5 eine schlechte Vorbereitung.} 16...Bd7 17. Kh2 Nh8 $1 {Ein Präventivzug, der gegen den Kriegsplan Sg1 nebst f2-f4 gerichtet ist.} 18.Ng1 g5 19.g3 Ng6 20.Qd1 Bg7 21.Qf3 a5 {Wiederum Präventivspiel, diesmal soll der Möglichkeit c4 nebst b4 vorgebeugt werden.} 22.Ne2 Bb5 23.a4 Bd7 {Es ist erreicht, der weiße Damenflügel hat seine Durchschlagskraft verloren (die vorhin erwähnte Aktion, eingeleitet durch c4 und b4, ist nun passe).} 24.Rh1 $1 ( {Damit plant Schlechter gelegentlichen Durchbruch mittels h3-h4, zum Beispiel:} 24.Rh1 b6 25.h4 gxh4 26.gxh4 Nxh4 27.Qh5 f5 28.Kg1 {usw. Aber Schwarz findet einen Zug, der nicht nur hohen Präventivwert, sondern auch das Verdienst hat, den Gegner zu schnellem Tun anzutreiben.} ) 24...Qe8 $3 {Damit droht Dc8, zum Beispiel: Dc8 h4? Lg4 nebst Springergewinn, Weiß hat also zu weiteren Vorbereitungen keine Zeit und eröffnet die Durchbruchsschlacht.} 25.h4 Qc8 $1 {Drohend Lg4.} 26.Bd3 Bg4 27.Qg2 gxh4 28.f3 h3 29.Qf1 {Der Durchbruch scheint gelingen zu wollen, denn falls nun Ld7, so 30. g4 nebst Qxh3 und entscheidendem Angriff.} 29...f5 $1 {Der von langer Hand vorbereitete Gegenstoß, der die Schlacht für Schwarz entscheidet.} 30.fxg4 fxe4 {Jetzt erst erkennt man die volle Tragweite des Zuges 28. ... h3. Hierdurch wurde die Dame von g2 nach f1, in die Schußlinie des Turmes f8, gedrängt.} 31. Qxh3 exd3 32.Bxh6 Rh8 $1 {Aufgegeben. Die Partie zeichnet sich u. a. durch umfassende Prophylaxe aus: sowohl gegen c4 plus b4, als auch gegen f4 und schließlich auch gegen h4 wurden Präventivmaßnahmen getroffen. - Es erübrigt sich, noch einige Worte über den Charakter der hier gewählten Präventivzüge zu sagen: das abwartende Verfahren 10. ... h6 ist u. E. stilgemäß, denn Wartezüge bilden den Anfang jeder Prophylaxe! Daß der Präventivzug 24. ... De8! zugleich auch eine Drohung enthält, macht den Zug keineswegs "zweckunrein", denn es handelt sich hier vielmehr um eine ganz bestimmte Abart der Prophylaxe, bei der das Antreiben des Gegners zu beschleunigtem Vorgehen mit zum Plane gehört.} 0-1 [Event "Freie Partie"] [Site "Stockholm"] [Date "1921.03.??"] [Round "-"] [White "Wendel, Verner"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "B00"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 55"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.e4 Nc6 2.d4 d5 3.Nc3 dxe4 4.d5 Ne5 5.Bf4 Ng6 6.Bg3 a6 ( {Dieser Zug will richtig verstanden sein. Die Drohung Sb5 wäre anscheinend einfacher durch 6. ... f7-f5 abzuwehren, zumal letztgenannter Vorstoß doch geschieht, aber Schwarz will - und das gehört zum Wesen der Prophylaxe - seine Karten nicht zu früh aufdecken. Auf} 6...f5 {würde} 7.h4 f4 8.h5 fxg3 9.hxg6 gxf2+ 10.Kxf2 {und nun - spät aber doch - wäre die Zugänglichkeit des Feldes b5 von Belang.} ) 7.f3 $1 f5 $1 8.fxe4 ( {Falls jetzt} 8.h4 {so} 8...e5 9.h5 Qg5 {mit schwarzem Vorteil.} ) 8...f4 9.Bf2 e5 10.Nf3 Bd6 { Gegeben durch das Gesetz der Blockade (Freie und halbfreie Bauern sollen blockiert werden!). Die Stellung ist nun ungefähr gleich; Weiß sollte danach trachten, seine Mehrheit durch c2-c4-c5 ins Treffen zu führen, aber das ist hier mit großen Schwierigkeiten verbunden.} 11.h4 ( {Hier hätte ich} 11.Bd3 {0-0 Se2 und c2-c4 vorgezogen.} ) 11...b5 $1 {Eine aus dem Präventivzuge 6. ... a7-a6 organisch hervorgewachsene Diversion.} 12.h5 Nf8 13.Bh4 Qd7 $1 {Es droht Dg4.} 14.Be2 b4 $1 15.Nb1 Nf6 $1 {Die Pointe. Da e4 und h5 zugleich angegriffen sind, so ist Lf6: erzwungen, und die schwarzen Figuren bekommen plötzlich Spielraum (Dg7).} 16.Bxf6 gxf6 17. Nbd2 Qg7 18.Kf1 Nd7 19.h6 Qg3 {Um Th3 zu provozieren, wodurch Weiß im 22. Zuge ein Tempo verliert.} 20.Rh3 Qg8 21.Nh4 Nc5 22.Rh1 Rb8 23.c3 {Die b-Linie gereicht dem Schwarzen zum Vorteil, aber Schwarz steht eben besser in jedem Falle.} 23...bxc3 24.bxc3 Qg3 25.Qc2 Rg8 26.Nc4 $1 Bd7 27.Nxd6+ cxd6 28.Bf3 ( {Weiß hat seine Stellung einigermaßen konsolidiert, und der Gegner hat nun mit den Abschüttelungsversuchen 29. Qf2 oder gar 29. Nf5 Bxf5 30. ef mit der komischen Remisdrohung Rh3 Qg5 Rh5 usw. zu rechnen. Sehr gut wäre nun die prophylaktische Königstour 28. ... Ked8 und 29. ... Kc7. Dann würde Turmverdoppelung in der b-Linie drohen. Spielt Weiß auf} 28.Bf3 Kd8 {das geplante} 29.Qf2 {so folgt} 29...Qxf2+ 30.Kxf2 Rb2+ 31.Kg1 f5 32.Re1 Rxa2 33.exf5 Ke7 ) ( {geschieht aber auf} 28.Bf3 Kd8 {die Diversion} 29.Nf5 {so besetzt der schwarze Turm nach} 29...Bxf5 30.exf5 { gleich die richtige Linie:} 30...Re8 {und auf} 31.Rh3 {verschwindet die Dame dann nach} 31...Qg8 {mit stark überlegenem Spiel. 28. Ke8-d8 wäre also ein trefflicher Präventivzug, der jeder noch so entfernten Königs- wie Damenanrempelung die Spitze abbrechen würde. - Indes gibt es hier - statt 28. Kd8 - eine versteckt liegende Kombination, die noch schneller zum Ziele führt. Diese wählte ich.} ) 28...Bb5+ 29.c4 Bxc4+ 30.Qxc4 Rb2 31.Be2 Rg4 $1 32.Qc1 ( {Die von mir ins Auge gefaßte Parade. Falls statt dessen} 32.Rh3 {so} 32...Rxh4 33.Rxg3 Rh1+ 34.Kf2 fxg3+ 35.Kxg3 Rxa1 { Schwarz gewinnt den a-Bauern und entscheidet durch direkte Turmangriffe, während im Hintergrunde noch der Freibauer lauert.} ) 32...Rxh4 33.Rxh4 Rxe2 34.Kxe2 Qxg2+ $1 {Die Pointe; der Turm g3 läuft nicht davon, und Schwarz erhält ein entscheidendes Bauernübergewicht.} 35.Kd1 Qf1+ 36.Kd2 ( {Das ansonsten bessere} 36.Kc2 {würde an dem Problemmatt} 36...Qd3+ {nebst Sa4 scheitern.} ) 36...Qd3+ 37.Ke1 Qg3+ 38.Kf1 Qxh4 {Jetzt ist Weiß verloren.} 39.Kg1 Qg3+ 40.Kh1 Qh3+ 41.Kg1 Nxe4 42.Qc6+ {Führt mit Hilfe einiger Schachgebote die Dame zur Verteidigung nach g2.} 42...Kf7 43.Qc7+ Kg6 44.Qg7+ Kh5 45.Qg2 Qe3+ 46.Kh2 Nf2 $1 47.Rf1 ( {Auf} 47.Rg1 {folgt einfach} 47...Qe2 {da Weiß kein Schach hat.} ) 47...Ng4+ 48.Kh1 e4 49.Rg1 f5 50.a4 Kxh6 51.a5 Kg5 52.Rb1 f3 53.Qb2 f2 {Aufgegeben. Eine meiner besten Partien.} 0-1 [Event "Imperial Chess Club"] [Site "London"] [Date "1927.11.??"] [Round "5"] [White "Yates, Frederick"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "B29"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 56"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.e4 c5 2.Nf3 Nf6 3.e5 Nd5 4.Nc3 Nxc3 5.bxc3 Qa5 {Eine bewußte Übertreibung des Prinzips der Prophylaxe; man darf nicht die Dame, wohl aber eine kleine Figur dazu verwenden. Aber ich wollte um jeden Preis Probleme stellen.} 6.Bc4 e6 7.Qe2 Be7 8.O-O Nc6 ( {Konsequenter erscheint völlige Aussperrung der Dame durch} 8...b6 {Schwarz hätte dann die Möglichkeiten La6 oder Lb7.} ) 9.Rd1 O-O 10.Rb1 a6 11.d4 ( {Yates hat das ihm im 5. Zuge gestellte Problem sehr schön gelöst, auf} 11.d4 Qxc3 { beabsichtigt er nun} 12.Bb2 Qa5 13.d5 Nb8 {(oder a7)} 14.d6 Bd8 {und Schwarz ist gefährdet.} ) 11...b5 12.Bd3 c4 13.Be4 f5 {Sonst folgt d4-d5.} 14.exf6 Bxf6 15.Ne5 Bxe5 {Erzwungen.} 16.dxe5 Rf7 17.Qh5 {Ein furchtbarer Anprall!} 17...g6 18.Bxg6 hxg6 19.Qxg6+ Rg7 20.Qe8+ Kh7 21.Qh5+ Kg8 22.Bh6 Qxa2 ( {In seiner mißlichen Stellung findet Schwarz noch den einzigen Zug, der ihm Rettung verspricht. Dagegen wäre er nach} 22...Qxc3 {sofort verloren, zum Beispiel:} 23.Qe8+ Kh7 24.Bxg7 Kxg7 25.Rxd7+ Bxd7 26.Qxd7+ Kh8 27.Qxc6 {und gewinnt.} ) 23.Bxg7 ( {Stark in Betracht kam Konservierung des Läufers, zum Beispiel:} 23.Rbc1 {(statt Bxg7)} 23...Qa3 24.Rd6 ) 23...Kxg7 24.Qg5+ Kf7 25.Rbc1 Qa3 $1 26.Re1 Ke8 {Der König verläßt die scharf beschossene Gegend. Nun hätte der Anziehende sich daran erinnern sollen, daß sein h-Bauer frei ist, aber nein, Yates spielt immer noch auf Matt!} 27.Re4 Qe7 28.Qh6 Kd8 29.Rd1 Kc7 30.Rg4 Qc5 31.Re4 ( {Hier geht eine wunderschöne Kombination. Man sehe:} 31.h4 a5 32.Qg7 a4 33.h5 a3 34.h6 a2 35.h7 a1=Q 36.Rxa1 Rxa1+ 37.Kh2 {und nun gewinnt Schwarz wie folgt:} 37...Qxf2 38.h8=Q Qg1+ 39.Kg3 Qe3+ 40.Kh2 Rf1 $3 {(drohend De1 nebst Matt)} 41.Qh4 Qc1 $1 42.Qhf6 Qe1 $3 ( {nicht} 42...Rxf6 {wegen} 43. exf6 {und gewinnt} ) 43.Qxf1 Qxf1 {und Schwarz muß gewinnen.} ) ( { Trotzdem ist} 31.h4 {gut, nur darf Weiß auf} 31...a5 {nicht mit Dg7 fortfahren. Richtig ist vielmehr} 32.h5 a4 33.Qd2 $1 ) ( {Nach alledem erscheint auf 31. h4 folgende Spielweise als die beste:} 31.h4 a5 32.h5 Qxe5 $1 33.Qf4 Qxf4 34.Rxf4 Bb7 35.Rf7 Ne5 36.Rg7 Bd5 $1 37.f4 Rh8 38.fxe5 Rxh5 39.Re1 Rf5 $1 {und Schwarz steht überlegen.} ) 31...Ne7 $1 32.Qd2 ( 32.Qe3 {war geboten. Nur nach vollzogenem Damentausch können die weißen Freibauern gefährlich werden. Auf 32. De3 wäre allerdings gefolgt:} 32... Qxe3 33.Rxe3 Bb7 34.g4 Ng6 35.h3 Rf8 36.Rf1 Nf4 {mit der Drohung Lg2} ( { oder auch} 36...a5 {(statt Sf4)} 37.Kh2 a4 38.Kg3 {und nun} 38...Nf4 {(mit der Drohung Sg2 Te2 Tf3+) und Schwarz dürfte überlegen stehen.} ) ) 32... Nd5 33.h4 Bb7 34.Rd4 Rh8 35.Qe1 Bc6 36.g3 Qf8 37.f4 Qf5 {Mit entscheidender Wirkung.} 38.Qf2 Qh3 39.Qh2 Qg4 40.Qf2 Rxh4 $1 41.f5 Nf6 $1 ( {Nicht nach} 41...Nf4 {wegen} 42.Rxd7+ {usw.} ) 42.Qe3 Qxd1+ {Die elegante Entscheidung.} 43.Rxd1 Rh1+ 44.Kf2 Ng4+ 45.Ke2 Rh2+ 46.Ke1 Nxe3 { Aufgegeben.} 0-1 [Event "Imperial Chess Club"] [Site "London"] [Date "1927.11.??"] [Round "?"] [White "Morrison, John Harald"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "C00"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 57"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Diese und die nachfolgenden Partien sind der Überdeckung gewidmet.} 1.e4 e6 2.g3 {Tartakowers interessante Anregung.} 2...d5 3.Nc3 ( {näher lag} 3.Bg2 {nebst d3. Der Springer auf c3 ist Anrempelungen ausgesetzt} ) 3...Nc6 4.exd5 ( 4.d3 {nebst 5. Lg2 wäre besser gewesen} ) 4...exd5 5.d4 Bf5 6.a3 Qd7 7.Bg2 O-O-O $1 ( {weil der d-Bauer indirekt gedeckt erscheint, zum Beispiel:} 7...O-O-O 8.Nxd5 Qe6+ 9.Ne3 Nxd4 ) ( {oder} 7... O-O-O 8.Bxd5 Nf6 9.Bxc6 Qxc6 {mit überlegenem Angriffsspiel} ) 8.Nge2 Nce7 $1 ( {Hier die einzelnen Bausteine dieser etwas sonderbar anmutenden Spielweise: 1. Punkt e4 ist offenbar als strategisch bedeutsamer Punkt zu betrachten (= Vorpostenpunkt in der e-Linie), 2. infolgedessen ist Bauer d5, der diesen Punkt stützt, wertvoll. Uberdeckung des wertvollen Bauern entspräche aber unserem Überdeckungsstratagem. Nur fragt es sich in diesem Falle, ob 3. der den Punkt e4 besetzende Springer sich dort auch wirklich zu behaupten vermag. Daß letzteres der Fall sei, mußte jetzt schon erkannt werden, vergleiche den 12. Zug von Schwarz. - Viel schwächer wäre übrigens an dieser Stelle der "natürliche" Verteidigungszug} 8...Nf6 { wegen} 9.Bg5 ) 9.Nf4 Nf6 {Nun kann Lg5 nicht mehr geschehen.} 10.h3 h5 11. Nd3 Ne4 $1 12.Be3 {Droht Abtausch nebst Sc5. Die Aussichten des Vorpostenritters auf e4 scheinen bedenklich zu schrumpfen, ja, die ganze Anlage 8. ... Sce7 erscheint widerlegt. Doch nein, dem ist nicht so!} 12...Nxc3 $1 {Der Springer e4 schafft dem Gegner eine blutende Wunde, nämlich den Doppelbauern auf c2 und c3; die b-Linie des Weißen ist ziemlich wertlos, und Weiß wird langsam erdrückt. (Der Se4 hat sich also doch, wenn auch nicht im engeren Sinne dieses Wortes, zu behaupten gewußt, vergleiche die Note zum 8. Zuge.)} 13.bxc3 Nc6 14.Nb4 Be6 15.Qe2 Na5 $1 16.h4 c6 17.O-O Bd6 18.Nd3 Bg4 {Im Besitze eines Riesenpunktes auf c4 und einer prächtigen Entwicklung eröffnet Schwarz nun den Angriff auf den geschwächten gegnerischen Königsflügel.} 19.Bf3 {Er hat kaum etwas Besseres.} 19...Rde8 20.Bxg4 hxg4 21.Qd1 $1 Nc4 ( {Vermeidet die Falle} 21...Bxg3 $2 22.Nc5 ) 22.Bf4 Bxf4 23.Nxf4 g5 24.hxg5 Qf5 25.Ng2 Qxg5 26.f4 ( {Falls} 26.Nh4 {so} 26...Rxh4 27.gxh4 Qxh4 28.Re1 Rh8 29.Kf1 Qh1+ 30.Ke2 Qf3+ {usw. Man bemerkt die Mitwirkung des Springers von c4 aus.} ) 26... Qh5 27.Kf2 ( {Schade, ich hatte} 27.Re1 {erwartet und darauf den hübschen Zug} 27...Re3 {vorbereitet, zum Beispiel:} 28.Nxe3 Qh1+ {nebst Th2+.} ) 27...Nd6 {Verläßt Punkt c4, aber e4 ist jetzt noch stärker.} 28.Nh4 Ne4+ { Schwarz gab auf, denn auf Kg2 entscheidet Nxg3 sofort.} 0-1 [Event "Freie Partie (Trainingsmatch)"] [Site "Kristiania"] [Date "1922.03.17"] [Round "1"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Håkansson, Arthur"] [Result "1-0"] [ECO "C02"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 58"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.e4 e6 2.d4 d5 3.e5 {Seit 1911 halte ich diesen Zug für gut, aber 17 langer Jahre hat es bedurft, um die Schachwelt von der Richtigkeit dieser Anschauung überzeugen zu können ...} 3...c5 4.Qg4 {Die von mir herrührende, in dieser Partie zum erstenmal angewandte Neuerung. Wie bald ersichtlich, liegt ihr eine Überdeckungsidee zugrunde.} 4...cxd4 5.Nf3 Nc6 6.Bd3 f5 {Weiß spielt, mit einem Bauern weniger, auf Blockierung des Gegners, er benutzt also das uns aus den Partien Nr. 46 und 47 bekannt gewordene Stratagem: "Opfer auf Blockade". Damit aber die Sache funktioniert, hat er Punkt e5, den Träger der Blockierungsidee, zu überdecken. Die Überdecker müßten dann beinah ohne eigenes Zutun zu Ehren gelangen, so will es das Stratagem der Überdeckung.} 7.Qg3 Nge7 8.O-O Ng6 9.h4 {Armer Springer!} 9...Qc7 10.Re1 Bd7 ( {Hier mußte wohl} 10...Bc5 11. h5 Nf8 {geschehen sein.} ) 11.a3 O-O-O 12.b4 ( {Hier konnte Weiß bereits die Qualität erobern:} 12.h5 Nge7 13.Ng5 Re8 14.Nf7 Rg8 15.Nd6+ {hätte aber nachher einige Schwierigkeiten zu überwinden (h5 ist ungedeckt und Weiß unentwickelt). Der Textzug ist die logische Folge des weißen Aufbaues.} ) 12...a6 ( {Etwas besser war} 12...Kb8 {zum Beispiel:} 13.c3 $1 dxc3 14.Nxc3 Nxb4 15.axb4 Qxc3 16.Be3 Qxd3 17.Bxa7+ Kc8 18.Rec1+ Bc6 19.b5 $1 Qxb5 20.Nd4 {mit Komplikationen,} ) ( {übrigens konnte Weiß auf} 12...Kb8 {selbstredend auch mit} 13.Bb2 {fortsetzen.} ) 13.h5 Nge7 14.Bd2 h6 15.a4 g5 16.b5 f4 17.Qg4 {Hier steht die Dame sehr gut.} 17...Nb8 18.c3 {Ganz ohne sein Zutun gelangt nun der überdecker Te1 zu einer Besetzung der c-Linie und somit zu einem großen Wirkungsfeld: einem kleinen Schauspieler fiel eine große Rolle ins Haus. Warum, wieso? Der Regisseur hat es so gewollt. Wer war in unserem Schachfalle der die Rollen verteilende allgewaltige Regisseur? Antwort: das Stratagem der Überdeckung!} 18...Re8 {Noch das einzige. Schwarz muß nun eine merkwürdige Umgruppierung vornehmen, um sein Material zu retten.} 19.cxd4 Kd8 20.Rc1 Qb6 21.a5 Qa7 22.b6 Qa8 {Eine solche Damenstellung kommt sonst nur in Problemen vor.} 23.Rc7 Nf5 24.Nc3 $1 Be7 25.Nxd5 Nxd4 ( {Oder} 25...exd5 26.Bxf5 {usw.} ) 26.Nxd4 exd5 27.Qxd7+ {und Matt im nächsten Zuge durch Se6+!} 1-0 [Event "Internationales Schachmeisterturnier - Vorrunde"] [Site "Kecskemét"] [Date "1927.06.26"] [Round "1"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Székely, Jeno"] [Result "1-0"] [ECO "C02"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 59"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.e4 e6 2.d4 d5 3.e5 c5 4.Qg4 {Diese von mir erfundene Spielweise liegt nur wenigen: es ist nicht jedermanns Sache, einen Bauern herzugeben, um hinterher ... nicht auf Angriff zu spielen!} 4...cxd4 5.Nf3 Nc6 6.Bd3 Nge7 7.O-O Ng6 8.Re1 Qc7 9.Qg3 {Was hat Weiß nach erfolgtem Bauernopfer eigentlich geleistet, wird man fragen. Die Antwort ist einfach, er hat den Punkt e5, der den Schlüsselpunkt aller kommenden Blockierungsoperationen bilden soll, trefflich gestützt und somit seinem eigenen Spiel eine Spitze gegeben. Die Idee des von Weiß gewählten Aufbaues tritt klar hervor: der Verlust des Bauern d4 ist, so sagt uns die erreichte Formation, insofern zu verschmerzen, als dessen, also des Bauern, hauptsächliche Funktion von anderen Steinen ausgefüllt erscheint. Nämlich Be5, der Träger der ganzen Einengungsstrategie, bedarf nicht mehr des Schutzes durch Bd4, er ist durch Turm, Springer und Dame glänzend gedeckt. Ergo hat Weiß zwar einen Bauern weniger, dafür aber eine Menge Spiel mit Be5 als Seele aller kommenden Operationen. Vergleiche die Note zum 6. Zuge in der vorigen Partie. Übrigens halten wir den 8. Zug des Nachziehenden für schwächlich, richtig war 8. ... Le7, dies hätte auch h2-h4-h5 unterbunden.} 9...Bc5 10. h4 {Weniger ein Angriffszug, als ein Versuch, Be5 zu entlasten.} 10...Kf8 ( {Besser erscheint jedenfalls} 10...Bd7 {zum Beispiel:} 11.h5 Nge7 12. Qxg7 O-O-O {obzwar dann} 13.Bg5 {unangenehm genug wäre.} ) 11.h5 Nge7 12. h6 g6 13.a3 $1 {Um eine neue Schwächung (a7-a5) hervorzurufen.} 13...a5 { Nun ist b5 den weißen Figuren zugänglich geworden, aber b2-b4 zuzulassen wäre noch gefährlicher gewesen.} 14.Bg5 Ng8 {Erzwungen, denn sonst folgt Lf6 nebst Sg5 usw.} 15.Nbd2 f6 {Es ist fraglich, ob dieser gewaltsame Befreiungsversuch nicht besser durch ruhiges Ausharren zu ersetzen gewesen wäre, aber es ist andererseits natürlich, daß der Belagerte Ausfälle unternimmt. Der Versuch einer aktiven Verteidigung ist erklärlich, denn auf passives Verhalten hatte Weiß unter anderen auch das Manöver Sd2-f1-h2-g4-f6 erwogen.} 16.Nb3 $3 ( {Auf diesen Zwischenzug, der b7-b6 und somit eine Schwächung der Springerstellung auf c6 hervorrufen soll, bin ich, offen gesagt, einigermaßen stolz. Auf sofortiges} 16.exf6 {hatte ich} 16...Bd6 $1 {zum Beispiel:} ( {nicht aber den Damentausch} 16...Qxg3 $2 17.fxg3 Bd6 18.Re2 $1 Bxg3 19.Rf1 {und Schwarz dürfte ziemlich hilflos dastehen, denn der Sg8 ist tot, es droht auch gelegentliche Linienfreimachung durch f6-f7} ) 17.Qh4 e5 18.Bb5 Bd7 {und es war mir nicht ersichtlich, wie ich opfern könnte, denn daß so gut wie jedes Opfer bei der toten Turm- und Springerstellung des Gegners reüssieren müßte, darüber war ich mir im klaren, aber wo und wie opfern? Nein, zuerst soll, so sagte ich mir, der Sc6 entwurzelt werden, damit erst ist die Basis für ein Durchbruchsopfer, sei es auf d4 oder e5, geschaffen!} ) 16...b6 $1 17. exf6 Qxg3 ( {Falls statt dessen} 17...Bd6 {so} 18.Qh4 e5 19.Bb5 $1 {(nun, bei Bauer auf b6, hat dieser Zug eine ganz andere Wirkung, als zuvor!)} 19...Bd7 20.Bxc6 Bxc6 21.Bf4 $1 exf4 22.Nbxd4 Bd7 23.Ng5 {und gewinnt.} ) 18.fxg3 Bd6 ( {Auf} 18...a4 {hätte ich folgenden kombinatorischen Weg gewählt:} 19.Nxc5 bxc5 20.f7 $1 Kxf7 21.Bb5 Nge7 22.Ne5+ Nxe5 23.Rxe5 {und gewinnt.} ) 19.Bb5 Na7 20.Nfxd4 $1 Kf7 ( {Oder} 20...e5 21.Bc6 Rb8 22.Nb5 {usw.} ) 21.c4 $1 e5 22.cxd5 exd4 23.Be8+ Kf8 24.f7 {Der Rest ist Schweigen! (Se7 Lf6).} 24...Bf5 25.Nxd4 Bc5 26.Rad1 Nb5 27.fxg8=Q+ Rxg8 28.Bxb5 Kf7 29.d6 {Aufgegeben. Auch in dieser Partie sind die Überdecker zu Ehren gelangt.} 1-0 [Event "Internationales Meisterturnier des British Empire Club"] [Site "London"] [Date "1927.10.??"] [Round "10"] [White "Yates, Frederick"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "B29"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 6"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.e4 c5 2.Nf3 Nf6 {Die von mir in San Sebastian eingeführte Neuerung.} 3. e5 Nd5 4.Bc4 Nb6 5.Be2 Nc6 {Weiß hat mit dem Läufer Tempi verloren, andererseits steht aber der Springer auf b6 weniger gut. Das Läufermanöver ist also nicht zu tadeln.} 6.c3 d5 7.d4 ( {Wir hätten} 7. exd6 {den Vorzug gegeben.} ) 7...cxd4 8.cxd4 Bf5 9.O-O e6 10.Nc3 Be7 11. Ne1 ( {Wenn der hiermit geplante Angriff f4 nebst g4 und f5 sich wirklich als durchführbar erweisen sollte, so wäre damit ein Beweis für die Fehlerhaftigkeit von 8. Lf5 erbracht, und das wäre ja ein Nonsens. In Wirklichkeit verhält sich die Sache aber so, daß durch 11. Sei nichts Besonderes erreicht wird, und daß diese Diversion viel besser durch ein planmäßiges Spiel in der c-Linie zu ersetzen gewesen wäre, zum Beispiel:} 11.Be3 O-O 12.Rc1 {gefolgt von a3 und b4 nebst Sf3-d2-b3-c5, und der im System propagierte Vorposten ist erreicht.} ) 11...Nd7 $1 12.Bg4 $1 ( { Geistreich gespielt. Auf} 12.f4 $2 {wäre} 12...Nxd4 13.Qxd4 $4 Bc5 { gefolgt.} ) ( {Ungünstig wäre auch} 12.Be3 {wegen} 12...Ndxe5 13.dxe5 d4 14.Bd2 dxc3 15.Bxc3 Qc7 {mit einigem Stellungsvorteil für Schwarz. Mit Hilfe des Textzuges (12.Lg4) ermöglicht Yates das erstrebte f4 auf eine ganz verblüffende Weise!} ) 12...Bg6 13.f4 Nxd4 14.Nxd5 $1 Nc6 $1 ( {Auf} 14...Bc5 {folgt stark} 15.b4 ) ( {Ganz schlecht wäre auch} 14...exd5 { wegen} 15.Bxd7+ {nebst Qxd4.} ) 15.Nxe7 Qb6+ 16.Kh1 Nxe7 17.Qa4 ( {Da haben wir unseren in der Vorbesprechung erwähnten typischen Fehler! Schwarz plant offenbar eine Besetzung der Mittelpunkte, und um diese sollte Weiß naturgemäß kämpfen, anstatt mittels Da4 glatt davonzulaufen. Also} 17.Qe2 $1 {(Absicht: Le3)} 17...Nd5 18.Bf3 Qc5 19.Bd2 N7b6 20.Rc1 Qe7 {und nun etwa} 21.Be3 {, und Weiß hat "mehr" vom Zentrum als der Schwarze. Aber selbst wenn ein solches "Mehr" nicht zu erreichen gewesen wäre - was verschlägt's! -, auch dann hätte Weiß kämpfen müssen! - Nun aber ereilt ihn die gerechte Strafe.} ) 17...h5 18.Bh3 ( {Erzwungen, denn auf} 18.Bf3 {würde} 18...Nf5 {mit neuem zentralen Terraingewinn folgen, außerdem aber würde eine Mattdrohung auftauchen: h4 nebst Sg3+} ) 18...Bf5 19.Qa3 Qb5 {Räumungsmanöver für den Sd7, der über b6 nach d5 strebt.} 20. Kg1 Nb6 21.Qf3 Nbd5 22.b3 Qb6+ 23.Rf2 Rc8 {Dieser Zug führt in Verbindung mit dem nächstfolgenden zu einer Dezentralisierung des einen Turmes, wodurch die so überaus harmonisch aufgebaute Stellung einen Makel erhält. Ungestörte Harmonie versprach dagegen die Fortsetzung 23. ... 0-0-0! Nach 24. ... Kb8 und 25. ... g6 stände einer zentalistischen Verwendung der Türme nicht mehr hindernd im Wege, also: 26. ... Td7 und 27. ... Tc8.} ( { Noch besser aber erscheint} 23...Bg4 $1 24.Bxg4 hxg4 25.Qxg4 Rxh2 26.Qxg7 O-O-O 27.Kxh2 Qxf2 28.Nd3 Qe2 {, und Schwarz muß gewinnen.} ) ( {Möglich war schließlich auch eine Verquickung beider Spielweisen, nämlich} 23... O-O-O 24.Ba3 {und nun} 24...Bg4 {Falls dann etwa} 25.Rc1+ Kb8 26.Bc5 {so} 26...Qxc5 27.Rxc5 Bxf3 28.Rxf3 Rc8 {mit siegreichem Eindringen via c-Linie.} ) 24.Bd2 Rh6 ( {Interessant, und schließlich und endlich kann die schwarze Stellung, zentralisiert wie sie ist, einen abenteuerlichen Ritt vertragen, korrekter war aber jedenfalls} 24...O-O {nebst g6 und Tfd8.} ) 25.Rd1 Bxh3 26.Qxh3 Nf5 27.Qd3 Rg6 28.Nf3 Rg4 29.h3 Rg3 30.a4 Nh4 {Der schwarze Aufbau leidet nun an einem inneren Zwiespalt: die Stellung des versprengten Turmes läßt ein Mattspiel wünschenswert erscheinen, die restierende Armee ist aber eher aufs Endspiel eingerichtet. (Fürs Endspiel wäre der Sd5 enorm, auch wären die weißen Felder im unbestrittenen Besitz des Nachziehenden.)} 31.Kf1 Rc6 $1 {Um das Drohspiel Dh7 nebst Dg8 zu entkräften: der Turm läuft beizeiten davon. - Schwarz muß übrigens sehr vorsichtig lavieren.} 32.a5 Qd8 33.Kg1 Nf5 ( {Nicht gut wäre} 33...Nxf3+ 34.Rxf3 Rxf3 35.Qxf3 g6 {wegen} 36.f5 ) 34.Kh2 a6 35.Qb1 {Um Sd4 zu drohen.} 35...Qe7 {Er läßt sich die Drohung gefallen, schielt übrigens auch nach c5 (Dc5).} 36.Nd4 ( {Verliert, besser war} 36.Rc1 ) 36...Qh4 $1 {Da die versprengten Truppenteile nicht zur Armee zurückkonnten, kommt die Armee zu ihnen.} 37.Be1 ( {Falls} 37.Nxc6 {so} 37...Rxh3+ {nebst matt in zwei Zügen.} ) 37...Nxf4 {Wiederum mit Mattdrohung (nämlich durch Tg2:+ usw.).} 38.Rxf4 Rxh3+ {Am einfachsten.} 39.gxh3 Qxf4+ 40.Kg2 Ne3+ {und matt in zwei Zügen. Für diese Partie wurde mir übrigens ein Preis von zehn Pounds zuerkannt (for the best played game).} 0-1 [Event "Allrussische Meisterschaft"] [Site "St. Petersburg"] [Date "1914.01.16"] [Round "8"] [White "Bogoljubow, Efim"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "C11"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 60"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Nach den Zügen} 1.e4 e6 2.d4 d5 3.Nc3 Nf6 4.e5 Nfd7 {wählte Weiß die Gledhill-Variante} 5. Qg4 {Es folgte} 5...c5 6.Nf3 a6 ( {die mir wenig geläufige Variante} 6... cxd4 7.Nxd4 Nxe5 8.Qg3 {wird klüglich vermieden} ) 7.dxc5 Qc7 8.Qg3 Nxc5 9.Bd3 g6 10.Bf4 {Er spielt - freilich unbewußt, denn dies Gesetz war damals noch nicht entdeckt - mein Stratagem der Überdeckung!} 10...Nc6 11. O-O Ne7 ( {Er laviert. Auf} 11...Bg7 {nebst 0-0 wären die Überdecker zu Angriffswirkung gelangt, zum Beispiel: durch. Te1 Dh4 Lh6 usw.} ) 12.Rac1 $1 {Geistreiche Präventivmaßnahme gegen das beabsichtigte Nxd3 nebst Nf5.} 12...Bg7 13.b4 $1 {Um den Läufer ein für allemal zu sichern. Freilich wird der Damenflügel dadurch etwas geschwächt.} 13...Nd7 14.Ne2 O-O 15.Ned4 Nc6 16.Nxc6 bxc6 17.c4 ( {Falls nun das naheliegende} 17.c4 Qb8 {so} 18.cxd5 cxd5 19.a3 {und Weiß hat freie Hand zum Spiel am Königsflügel, zum Beispiel:} 19...Bb7 20.h4 h5 21.Rce1 {(Überdeckung) und Weiß droht sowohl mit 22. Nd4 nebst Nxe6 als auch mit 22. Qh3 nebst g4. Man beachte die ungezwungene Eleganz, mit der die Überdecker plötzlich aktiv wurden.} ) ( {- Nun entsteht, aber folgende Frage: war die durch 17. c4 eingeleitete Sicherungs- und Entlastungsaktion - denn nach 17. c4 Db8 18. cd usw. erwies sich der weiße Damenflügel als entlastet - wirklich unerläßlich? Wäre es nicht denkbar gewesen, alle Brücken hinter sich abzubrechen (Nämlich durch} 17.Rfe1 {)? Die Folge könnte sein} 17...a5 18.c3 axb4 19. cxb4 Qb6 ( 19...Rxa2 $2 20.Nd4 $1 ) 20.h4 Qxb4 21.h5 {Falls nun} 21...Rxa2 22.hxg6 fxg6 {so} 23.Be3 {Nach dem Qualitätsopfer} 23...Rxf3 $1 24.gxf3 Nxe5 25.Bc5 Qh4 $1 {dürfte Schwarz aber doch gewinnen können. Bogoljubow tat also recht daran, auf eine rücksichtslose Durchführung des Königsangriffs zu verzichten.} ) 17...dxc4 $3 {Ein heroisches Mittel, das in einem Bauernopfer gipfelt. Was nun folgt, ist ein mächtiges Duell zwischen ... den zwei Spielern? Nein, zwischen der Zentralisierung und der Überdeckung. Frau Überdeckung unterliegt diesmal.} 18.Bxc4 Qb8 19.Rb1 Nb6 20.Nd2 {Ein Antiüberdeckungszug!} 20...Rd8 21.Rfc1 Nd5 $1 ( {Die Zentralisierung! Auf} 21...Nd5 22.Bxd5 {soll der Turm wiedernehmen, zum Beispiel:} 22...Rxd5 23.Rxc6 Bb7 24.Rd6 {und nun} 24...Qc7 {drohend Dc2; das Spiel stände dann annähernd gleich;} ) ( {möglich wäre auch die Fortsetzung} 21...Nd5 22.Bxd5 Rxd5 23.Rxc6 Bxe5 {(statt Lb7), zum Beispiel:} 24.Bxe5 ( {falls} 24.Rxc8+ {so späteres Dc2} ) 24...Qxe5 25. Qxe5 Rxe5 26.Nc4 Re2 27.Nb6 Bb7 28.Rc7 Rb8 29.Nd7 Rd8 30.Rxb7 Rd2 {mit Ausgleich.} ) 22.Re1 $2 ( {Richtig war} 22.Bxd5 {wie in der vorigen Note gezeigt. Nach dem Textzug geht es mächtig bergab.} ) 22...Nxf4 23.Qxf4 Bxe5 $1 24.Rxe5 Rxd2 25.Qg5 $2 ( {Widerstand wäre noch durch} 25.Qxd2 Qxe5 26.Qd8+ {zu leisten gewesen.} ) 25...Qd6 26.Rbe1 Qd4 {Fortdauernde Zentralisierung.} 27.Bf1 Qxf2+ 28.Kh1 f6 29.Qe3 fxe5 {Aufgegeben.} 0-1 [Event "Internationales Sechsmeister-Turnier"] [Site "Kopenhagen"] [Date "1923.03.07"] [Round "5"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Jacobsen, Egil"] [Result "1-0"] [ECO "D53"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 61"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.d4 d5 2.Nf3 Nf6 3.c4 e6 4.Nc3 Be7 5.Bg5 O-O 6.Qc2 Nbd7 7.O-O-O {Die einzelnen Züge wie Dc2 und 0-0-0 sind zwar bekannt, und doch enthält der weiße Spielplan, als Ganzes betrachtet, eine neue Nuance, vergleiche die Note zum 9. Zuge} 7...c5 8.dxc5 Nxc5 9.e3 {schlecht wäre der hier mögliche Bauerngewinn. Nun aber erwartet man 9. ... Da5 mit ziemlich leichter Angriffsentwicklung gegen die etwas leichtsinnig wirkende lange Rochade. Dieser Angriff ist schon häufig zu, Siege geführt worden, beispielsweise in der klassischen Partie Rotlevi-Teichmann 1911: 1. d4 d5 2. Sf3 Sf6 3. c4 e6 4.Sc3 Le7 5. Lg5 Sbd7 6. e3 0-0 7. Dc2 c5 8. 0-0-0 Da5 9. cd ed 10. dc Sc5: 11. Sd4 Le6 12. Kb1 Tae8 13. Ld3 h6 14. Lf6: Lf6: 15. Lf5 Tad8, und Schwarz hatte das bequemere Spiel. Indes ermöglicht die von mir gewählte Zugumstellung ein Hinausschieben des nur für Schwarz angenehmen c4xd5, und durch diese Nuance werden die weißen Chancen nicht unbeträchtlich verstärkt!} 9...Bd7 ( {falls} 9...Qa5 {, so zunächst} 10. Kb1 ) 10.Kb1 Nfe4 11.Nxe4 Nxe4 $2 ( {richtig war} 11...dxe4 ) 12.Bxe7 Qxe7 13.Bd3 Nf6 14.cxd5 exd5 15.Nd4 {nun ist er da, der Isolan!} 15...Rfc8 16. Qb3 b5 17.f3 {um g4 zu spielen. Der weiße zentralisierte Aufbau verträgt die geringfügige Schwächung auf e3.} 17...g6 18.Rhe1 b4 ( {ermöglicht einen gegnerischen Ausfall, der zu einer zeitweiligen Eroberung der c-Linie führt, besser war daher jedenfalls} 18...Rab8 ) 19.Ba6 $1 Rcb8 20. g4 Rb6 21.Bf1 Be6 {angenehm für Weiß, denn nun ist die Angriffsrichtung e7-e5 unterbrochen, aber der Isolani bedurfte bereits einer direkten Schutzmaßnahme.} 22.Rc1 a5 23.a4 $1 Nd7 24.Bb5 Nc5 25.Qc2 Rc8 26.h4 Rbb8 27.Qh2 ( {durch} 27.Nc6 {war hier sofortiger Qualitätsgewinn zu erzielen} ) 27...Qc7 28.Qxc7 $2 ( {Weiß war in der Schrägen der stärkere: Besetzung des Diagonalvorpostens f4 hätte leicht gewonnen, zum Beispiel:} 28.Qf4 Qxf4 29.exf4 {und f4-f5 ist nicht mehr abzuwehren.} ) 28...Rxc7 29.Nc6 Rxb5 $2 ( {Ein schwerer Fehler,} 29...Rxc6 {war angezeigt. Nach} 30.Bxc6 Nd3 31.Bb5 Nxe1 32.Rxe1 f5 33.g5 Rc8 34.Rc1 Kf7 35.Rxc8 Bxc8 36.Kc2 Ke6 37.Kd3 Ke5 $1 38.f4+ Kd6 39.Kd4 {hätte Weiß nichts ausrichten können. Bei Stellungen des Bauern auf f3 statt auf f4 hätte Weiß dagegen noch einige Versuche machen können, die aber schließlich doch an der Schwäche des eigenen Ba4 scheitern würden. Daß aber die Königsstellung auf d6 die feindliche auf d4 nicht unbedingt zu neutralisieren braucht, möchten wir an Hand des folgenden, dem Textspiel ganz ähnlichen Läuferendspiels demonstrieren: Weiß Kd6 Le8 Bb4 e3 f3 g5 h4 Schwarz: Kd6 Le6 Bb6 d5 f5 g6 h7. Es geschieht: 1. h5 gh 2. Lh5: Lg8 3. Le8 Le6 4. Lb5 Lf7 5. Ld3 Le6 6. e4 fe 7. fe de 8. Le4: Lg8 9. Ld3 und der schwarze König muß das Tor freigeben. Dies als Beweis für die von uns in der Vorbesprechung hervorgehobene Komplexschwäche der dem Isolani benachbarten Felder (hier c5 und namentlich e5). Wir kehren nun zur Partie zurück.} ) 30.axb5 Nd3 31.Nxa5 $1 Ra7 32.Nc6 Rb7 33.Nd4 Nxe1 ( 33...Bd7 34.Red1 {führt zur Textfortsetzung.} ) 34.Rxe1 Bd7 35.Rc1 Bxb5 36.Rc5 Bd7 {Ein Bauer geht immer verloren.} 37.Rxd5 Kf8 38.Kc2 b3+ 39.Kc3 Ke7 40.h5 Be6 41.Rc5 Kd6 42.Rc6+ Kd7 43.hxg6 hxg6 44.Nxe6 $1 fxe6 45.Rc5 Kd6 46.Rg5 Rg7 47.f4 {und gewann} 47...Rg8 48.Kxb3 Ke7 49.Kc4 Rc8+ 50.Rc5 Rh8 51.Rc7+ Kf6 52.e4 g5 53.e5+ Kg6 54.f5+ exf5 55.Rc6+ Kg7 56.gxf5 Rh2 57.b4 Rc2+ 58.Kd5 Rxc6 59. Kxc6 g4 60.e6 g3 61.e7 g2 62.e8=Q g1=Q 63.Qg6+ 1-0 [Event "Simultan- und Beratungspartie (gespielt an 33 Brettern, +24 -2 =7)"] [Site "Dorpat"] [Date "1910.10.18"] [Round "-"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Kudrjawzew:Landau"] [Result "1-0"] [ECO "D41"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 62"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.d4 d5 2.Nf3 Nf6 3.c4 e6 4.Nc3 c5 5.cxd5 exd5 $2 ( {viel besser ist} 5... Nxd5 ) 6.Bg5 cxd4 7.Nxd4 Be7 8.e3 O-O 9.Be2 Nc6 10.Nxc6 {das "isolierte Bauernpaar" auf c6 und d5 erweist sich bald als Schwäche} 10...bxc6 11.O-O Be6 ( {diese Läuferentwicklung können wir nur als allfällige Vorbereitung zu c6-c5 gelten lassen, andernfalls hätte sofortiges} 11...Bd7 { unzweifelhaft den Vorzug verdient.} ) 12.Rc1 Rb8 13.Qc2 Bd7 ( {Wäre} 13... c5 {wirklich gar so hoffnungslos gewesen? Man sehe:} 14.Rfd1 Qa5 15.Bf3 Rfd8 16.b3 ( {oder} 16.Bxf6 Bxf6 17.Bxd5 Bxc3 18.Bxe6 Bxb2 ) 16...c4 {mit Ausgleich. Daß er es versäumt, die Hängebauern (d5 und c5) zu erhalten und es statt dessen vorzieht, am Bauernpaar c6 d5 hilflos zu ersticken, ist als entscheidender Fehler zu betrachten.} ) 14.Rfd1 Ne8 15.Bxe7 Qxe7 16. Na4 Nf6 ( {Bessere Verteidigung hätte} 16...Nc7 {geboten, zum Beispiel:} 17.Nc5 {, sodann Se6} 17...Be8 ) 17.Nc5 Rb6 18.Rd4 {Die Blockierung schreitet fort. Übrigens ist auch Ba7 schwer zu decken.} 18...Rfb8 19.b3 Be8 20.Bd3 h6 21.Qc3 {Eine Überdeckung von Punkt d4 findet statt.} 21... Bd7 22.Ra4 Ra8 23.Qd4 Ne8 24.Ra5 Nc7 25.Qa4 Nb5 26.Bxb5 cxb5 27.Qd4 {Jetzt ist der d-Bauer wieder vereinzelt.} 27...Bc6 28.b4 Rab8 29.Nb3 f6 30.Qc5 $1 Qxc5 31.Nxc5 Ra8 32.Rc3 {Der a-Bauer ist verloren, es folgte} 32...Re8 $1 {noch das beste, er sucht das bis jetzt so schmerzlich vermißte freie Spiel zunerlangen} 33.Rxa7 d4 $1 34.Rd3 dxe3 35.Rxe3 Rxe3 36.fxe3 Bd5 37. a3 Bc4 38.Kf2 Rd6 39.Rd7 {der aus der Blockierungsperiode herübergerettete weiße Figurendruck übt selbst jetzt noch, da das Brett frei ist, seine lähmende Wirkung aus} 39...Rxd7 40.Nxd7 Kf7 {jetzt handelt es sich nur noch um die Zentralpunkte: Weiß kann scheinbar nicht verhindern, daß der schwarze König eine Mittelstellung (d5 oder e5) einnimmt; das würde aber den Sieg der Befreiungsidee über den Blockierungsgedanken bedeuten} 41.Nb6 $1 {Auf die Gefahr hin, den Springer zu verlieren! Weiß hat aber den Zug wohl bedacht.} 41...Bb3 42.Kf3 Ke6 43. Ke4 Kd6 44.Kd4 {nun würde auf Kc6 einfach Sc8 folgen, un da der Springer zwei Fluchtmöglichkeiten hätte (über a7 oder e7), so wäre ihm nicht beizukommen} 44...Be6 45.a4 Kc6 46.a5 h5 47.e4 f5 48.exf5 ( {hier gewinnt alles, auch} 48.Ke5 {zum Beispiel:} 48...fxe4 49.Kxe6 e3 50.Nd7 e2 51.Ne5+ {usw.} ) 48...Bxf5 49.Nd5 Kb7 50.Kc5 {und gewann in wenigen Zügen. Das isolierte Bauernpaar hat sich schlecht bewährt; die weiße Blockierung hielt bis zum Schluß an, also über die erfolgte gegnerische Befreiung hinaus. Der Isolani aber hat eine ziemlich beschämende Rolle gespielt.} 1-0 [Event "Fernpartie (begonnen am 26.05.1924)"] [Site "?"] [Date "1925.01.??"] [Round "-"] [White "Krause, Orla Hermann"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "1/2-1/2"] [ECO "B13"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 63"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Der weiße Isolani entstand nach den Zügen:} 1.e4 c6 2.d4 d5 3.exd5 cxd5 4.c4 Nf6 5.Nc3 Nc6 6.Nf3 Bg4 ( {in Betracht kam} 6...g6 ) 7.cxd5 Nxd5 {Es folgte} 8.Bb5 $1 ( {besser als der Angriffsversuch durch} 8.Qb3 {zum Beispiel:} 8...Bxf3 9.gxf3 e6 $1 {- von Dr. Krause empfohlen -} ( {Nicht schlecht wäre übrigens auch die einfache Fortsetzung} 9...Nb6 {, zum Beispiel:} 10.d5 Nd4 11.Qd1 e5 ) 10.Qxb7 Nxd4 11.Bb5+ Nxb5 12.Qc6+ Ke7 13.Qxb5 Nxc3 14.bxc3 Qd5 {und Schwarz steht gut.} ) 8...Rc8 9.h3 Bxf3 10.Qxf3 e6 11.O-O Be7 12.Nxd5 $1 {Dies ist hier sehr stark, und Schwarz hat das feinste Gegenspiel aufzubieten um überhaupt die Balance halten zu können. Und doch ist der Textzug im strategisch-theoretischen Sinne nicht anders zu werten als ein Eingeständnis dessen, daß die Rederei von der angeblich vorhandenen dynamischen Kraft den Isolani eben nur Rederei ist. Nein, die graue Wirklichkeit zeigt uns ein anderes Bild; der Besitzer des Isolani muß froh sein, daß es ihm gelungen ist, die Schwäche seines Isolani zu verdecken.} 12...Qxd5 13.Qxd5 exd5 14.Be3 a6 15.Ba4 Bd6 ( {nach diesem Zuge werden die schwarzen Schwierigkeiten enorm; die Rochade - aber welcher Meister denkt im Endspiel an die Rochade! - hätte jedenfalls leichteres Spiel ergeben, zum Beispiel:} 15...O-O 16.Bb3 Rcd8 $1 17.Rac1 Na5 18.Rc2 Nxb3 19.axb3 Bd6 20.Rfc1 {, und die weiße c-Linie wird sich ertragen lassen} ) 16.Bb3 Ne7 17.Bd2 $1 {Damit droht die Verdopplung der Türme in der e-Linie. Die Schutzbedürftigkeit des Bd5 wirkt lähmend, Weiß hat mit seinen zwei Läufern ein schönes freies Spiel.} 17...b6 $3 {Die Einleitung eines versteckt liegenden Defensivmanövers.} 18.Rae1 Kd7 19.Re2 h6 $1 20.Rfe1 Rhd8 21.a3 {Nun droht bereits Lb4.} 21...Rc7 $1 {Der schwarze Verteidigungsplan wird nun begreiflich: er wollte die Türme aud d8 und c7 haben, also mußte 17. ... b6 geschehen (gegen La5 gerichtet). Aber auch h6 war notwendig, denn sonst könnte Weiß durch Lg5 die Lockerungen f6 erzwingen: das "Loch" auf e6 wäre dann nicht zu ertragen gewesen.} 22.g4 ( {Oder} 22.Bb4 $2 Bxb4 {nebst Kd6} ) 22...Kc8 {Mit der Defensivdrohung Sc6 Le3 Lf8!, und das schwarze Spiel ist befreit.} 23.Be3 $1 Ng6 $1 {Schwarz darf mit der Befreiung nicht lönger zögern, die mögliche Verstärkung des weißen Spiels durch f2-f4-f5 muß auf prophylaktischem Wege vermieden werden.} 24.Bxd5 Nf4 {Erzwingt den Ausgleich. Es folgte noch:} 25.Bxf4 Bxf4 26.Re8 Rc1 27.Rxd8+ Kxd8 28.Kf1 Rxe1+ 29.Kxe1 Bc1 30.b3 Bxa3 31.Bxf7 Bb2 32.d5 Ke7 33.Be6 Kd6 {Der Isolani d4 hat sich hier einigermaßen bewährt, aber nur im Sinne der landläufigen Praxis. Theoretisch genommen dürfte der Verlauf dieses Spiels eher einer Bankrotterklärung des Isolani gleichgekommen: statt angeblicher Dynamik ein ängstliches Verdecken der statischen Schwäche! - Dr. Krause hat die Partie übrigens trefflich angelegt und durchgeführt; daß aus dem Isolani nichts herauszuholen ist, ist offenbar nicht sein Verschulden.} 1/2-1/2 [Event "Internationales Schachmeisterturnier"] [Site "Karlsbad"] [Date "1907.08.27"] [Round "6"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Janowski, Dawid"] [Result "1-0"] [ECO "C47"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 64"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.e4 e5 2.Nf3 Nc6 3.d4 exd4 4.Nxd4 Nf6 5.Nc3 Bb4 6.Nxc6 bxc6 7.Bd3 d5 8. exd5 cxd5 9.O-O O-O 10.Bg5 c6 11.Ne2 Bc5 12.Ng3 h6 13.Bf4 Re8 14.h3 Be6 15.Qf3 {eine leicht verständliche Eröffnung; das Spiel steht annähernd gleich, Weiß hat etwas mehr Zentralwirkung als der Gegner, doch hat dieser ein kräftiges Bauernzentrum} 15...Bd6 16.Rad1 ( {den Vorzug verdiente} 16. Rfd1 ) 16...Bxf4 17.Qxf4 Qb8 18.Qa4 {jugendlicher Übermut, das Bauernopfer dürfte kaum völlig korrekt sein} 18...Qc7 ( {besser war} 18...Qxb2 19.Qxc6 Qxa2 ) 19.c4 Rab8 20.b3 a5 21.cxd5 Bxd5 {der isolierte Damenbauer ziert sich erst noch ein wenig, ehe er auf der Bildfläche erscheint} 22.Rfe1 Red8 23.Qa3 Rb4 24.Qb2 a4 25.Nf5 $1 {drohend Sh6:+} 25...Qf4 26.Ne7+ Kh8 27.Nxd5 cxd5 {nun ist er angelangt, spät kommt Ihr, doch ihr kommt, Graf Isolan} 28.Qc3 axb3 29.axb3 Qb8 30.Bc2 Rc8 31.Qd2 {Der weiße Isolani erscheint insofern als störend, als er dem Lc2 eine unangenehme Deckungsverpflichtung auferlegt. Dies ist aber leicht zu "korrigieren".} 31...Qd6 32.Ra1 $1 Rb7 33.Ra4 Rbc7 34.Bf5 Rb8 35.Rd4 Re7 ( {Oder} 35... Rxb3 $2 36.Rxd5 $1 ) 36.Rxe7 Qxe7 37.b4 {Jetzt steht Weiß mindestens ebenso gut wie sein Gegner.} 37...Qe5 38.Bg4 Ra8 ( {Verschmäht das durch} 38...Nxg4 {erreichbare Remis.} ) 39.f4 Ra1+ 40.Kh2 Qc7 ( {Besser wäre} 40...Qb8 {, zum Beispiel:} 41.Bf3 Rb1 ) 41.Bf3 {Blockade, gefolgt von Vernichtung, dies war das Schicksal des isolierten Damenbauern in der vorliegenden Partie.} 41...Qd6 42.Bxd5 {Damit ist das "pädagogische"Interesse an diesem Kampfe nicht erschöpft, wir hätten vielmehr zunächst zu beachten, wie die weißen Manöver auch fernerhin über d4 (den bei Lebzeiten des Isolani wichtigen Blockadepunkt) gehen.} 42... Qe7 43.Bf3 g6 44.Qc3 Rb1 45.Rc4 Kg7 46.Qe5 Re1 47.Qxe7 Rxe7 48.b5 Re6 49. Rc6 Nd7 50.Bd5 Rf6 51.Kg3 Nb6 52.Bb3 Nd7 53.Rxf6 Kxf6 {Das Resultat der weißen Spielweise liegt nun klar zutage: Schwarz konnte den das Spiel vereinfachenden Abtausch nicht vermeiden.} 54.Kf3 Ke7 55.Ke3 f6 56.Kd4 Kd6 {Wie seltsam! Denken wir uns den Isolani d5 noch am Leben, dann wäre die beiderseits erreichte Königsstellung als die für Isolani-Fälle typische Gruppierung anzusprechen, jene Gruppierung, die auf Eroberung bzw. Verteidigung des dem Isolani benachbarten Felderkomplexes (hier der Punkte e5 und c5) hinzielt. Was verschlägt's, daß der Isolani bereits von der Bildfläche verschwunden ist, er greift trotzdem in die Partiegeschehnisse ein, ja, sein Schatten dirigiert das ganze Spiel, und die Offiziere - die eigenen wie die feindlichen - marschieren auf, gruppieren sich um ihn und suchen ihn zu schützen bzw. anzugreifen, ganz so, als ob er wirklich noch existierte ... Ein ganz ähnliches Bild, wo eine nicht mehr vorhandene Kampfeinheit sich nach erfolgtem Ableben deutlich manifestierte, konnten wir in der Schlußphase der Nr. 36 beobachten.} 57.Bd1 Nb6 58.Bf3 Nc8 59.h4 Ne7 60.Be4 g5 {Nun erobert Weiß genauso, als ob es sich um eine wirkliche und nicht imaginäre Isolani-Stellung handelt, den "benachbarten" Punkt e5. - Was sagt uns nun dieser "transzendentale" Fall? Nun, der Isolani ist nicht nur eine Bauern-, sondern auch eine Punktschwäche. Mit dem Fall des Bauern d5 ist das Spiel gegenPunkt d5 - und die benachbarten Felderschwächen - nicht im geringsten erschöpft, die Sache geht vielmehr ruhig und ungestört weiter! - Der Schluß ist ohne Erläuterung verständlich.} 61.fxg5 fxg5 62.hxg5 hxg5 63.b6 g4 64.b7 Kc7 65.Ke5 g3 66. Kf4 Ng8 67.Kxg3 Nf6 68.Bf3 Nd7 69.Kf4 Kd6 70.Kf5 Ke7 71.Bc6 Nb8 72.Bb5 1-0 [Event "Internationales Schachmeisterturnier"] [Site "Karlsbad"] [Date "1907.08.22"] [Round "2"] [White "Rubinstein, Akiba"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "D32"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 65"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.d4 d5 2.Nf3 e6 3.c4 c5 4.cxd5 exd5 5.Nc3 Nc6 6.Bf4 ( {die Widerlegung -} 6.g3 {- war damals noch nicht bekannt} ) 6...cxd4 7.Nxd4 Bb4 8.e3 Nf6 9. Nxc6 bxc6 10.Bd3 O-O 11.O-O Bd6 $1 {Schwarz denkt natürlich nicht daran, eine Umklammerung à la Partie Nr. 62 zuzulassen, er bereitet vielmehr c6-c5 vor.} 12.Bg3 ( {12. Lg5 wäre durch eine kräftige Zentralisierungsaktion gegenstandslos gemacht worden, zum Beispiel:} 12. Bg5 Rb8 13.b3 ( 13.Qc2 $2 Bxh2+ ) 13...Be5 $1 14.Rc1 Qd6 ) 12...Bxg3 13. hxg3 c5 14.Rc1 Be6 15.Qa4 ( {Der Sprengungsversuch} 15.e4 {würde nach} 15...dxe4 16.Nxe4 c4 $1 17.Nxf6+ Qxf6 18.Bxc4 Qxb2 {nur zum Ausgleich führen.} ) 15...Qb6 {Daß c5-c4 und nicht d5-d4 den rechten Spielplan bilden müsse, darüber war ich mir schon damals im klaren, denn d5-d4 mit Durchbruchsgelüsten würde nur eine auf die Spitze getriebene und daher tadelnswerte "Dynamik" bedeuten. Weniger Dynamik wäre hier mehr: c5-c4, dieser Spielplan gibt eine gewisse Sicherheit (unsere "blockierte Sicherheit") und ermöglicht anderseits die Entfaltung einer begrenzten, aber vernünftigen Initiative. Vergleiche die Vorbesprechung.} 16.Qa3 {Er "erzwingt" c5-c4, denn damals hielt man c4 noch für kompromittierend.} 16...c4 $1 17.Be2 a5 18.Rfd1 Qb4 {Die kleine Initiative!} 19.Rd4 {Weiß braucht die Verdopplung seiner a-Bauern nicht zu fürchten.} 19...Rfd8 ( { Falls} 19...Qxa3 20.bxa3 Rab8 {(sonst Tb1), so} 21.Bf3 Rfd8 22.Rcd1 {usw.} ) 20.Rcd1 Rd7 21.Bf3 Rad8 {Diese Position mutet in ihrer Gebundenheit und wunderbarer Ökonomie und durch die erreichte Idealstellung aller Figuren wie ein griechisches Kunstwerk an. Nichts durfte mehr an dieser in Vollendung prangenden Stellung verändert werden. 22. Kf1 Kf8 23. Kg1 Kg8 usw. mit Remisschluß wäre in der Stellung adäquate Schluß gewesen.} 22.Nb1 {Stört das Gleichgewicht und führt nur zur Erschütterung der eigenen Lage. } 22...Rb8 23.R1d2 Qxa3 $1 ( {Stärker als} 23...Rdb7 {, zum Beispiel:} 24. Qc3 $1 Qxc3 25.Nxc3 Rxb2 26.Rxb2 Rxb2 27.Bxd5 Nxd5 28.Nxd5 Rxa2 29.Rxc4 { mit Ausgleich.} ) 24.Nxa3 Kf8 ( {Nicht} 24...Rdb7 {wegen} 25.Nxc4 ) 25.e4 dxe4 26.Rxd7 Nxd7 27.Bxe4 Nc5 28.Rd4 {Es folgte:} ( {Die Schwäche des Bb2 hätte sich auch bei der besten Fortsetzung} 28.Bc6 Rb4 29.Bd5 Na4 { bemerkbar gemacht. Nach dem Textzuge ist der Gewinn allerdings leicht.} ) 28...Nxe4 29.Rxe4 Rxb2 30.Nxc4 Rb4 31.Nd6 Rxe4 32.Nxe4 Bxa2 33.Nc3 ( {auf} 33.Kf1 {wäre} 33...Bc4+ {nebst Ld5! geschehen.} ) ( {Falls aber} 33.Nc5 {, so} 33...Ke7 34.Kf1 Kd6 $1 35.Nb7+ Kc6 36.Nxa5+ Kb5 {und gewinnt} ) 33... Bc4 34.f4 Ke7 35.Kf2 Kd6 36.Ke3 Kc5 37.g4 Kb4 38.Kd4 Bb3 39.g5 a4 40.Nb1 Be6 41.g3 Kb3 42.Nc3 a3 43.Kd3 g6 44.Kd4 Kc2 {Aufgegeben. In der nachfolgenden Partie werden die Hängebauern geraume Zeit auf ihren Standplätzen d4 c4 behauptet. Dieser - statischen - Sicherheit wird eine sich am äußersten Damenflügel und auch in der Schräge f3-b7 entwickelnde "kleine" Initiative angebaut.} 0-1 [Event "Großmeisterturnier"] [Site "New York"] [Date "1927.03.23"] [Round "20"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Vidmar, Milan"] [Result "1/2-1/2"] [ECO "B22"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 66"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.e4 c5 2.Nf3 e6 3.c3 {ich brauchte nur remis zu machen. Vidmar brauchte den Gewinn} 3...Nf6 $1 4.e5 Nd5 5.d4 cxd4 6.cxd4 Be7 ( 6...b6 {gefiele uns besser} ) 7.Nc3 Nxc3 8.bxc3 d5 ( {auch hier hätten wir} 8...b6 {vorgezogen } ) 9.exd6 ( {möglich war auch} 9.Bd3 O-O 10.Qc2 g6 11.h4 {usw.} ) 9... Qxd6 10.Be2 {zu den hängenden Bauern c4 und d4 gehört die Läuferstellung e2 und nicht d3} 10...O-O 11.O-O Nd7 12.a4 $1 {Die "kleine" Initiative, die gegen den demnächst auf b6 auftauchenden Bauern gerichtet erscheint.} 12...Qc7 13.Qb3 b6 14.c4 Bb7 15.a5 $1 Bf6 ( {Auf} 15...bxa5 {wäre} 16.Bf4 $1 Qb6 17.Qa4 {mit Doppelangriff gegen a5 und Sd7 erfolgt.} ) 16.axb6 axb6 17.Be3 h6 18.h3 Rfc8 19.Rfc1 $1 {Ein Zug, der im Ergebnis ein ganzes Tempo gewinnt. Schwarz darf das Bauernopfer, das dieser Zug involviert, nicht annehmen, ohne seine Chance vollständig aus der Hand zu geben, zum Beispiel: 19. ... Rxa1 20. Rxa1 Bf3: 21. Bf3: Qc4: 22. Qc4: Rc4: 23. Ra8+ Nf8 24. d5, und Weiß beherrscht das Spiel.} 19...Rcb8 20.Rxa8 {Die doppelte Bewegung Tf8-c8-b8 gab dem Weißen das Tempo, siehe oben.} 20... Rxa8 21.Nd2 Be7 22.Bf3 Ra3 23.Qb2 Bxf3 24.Nxf3 Ra5 25.Qd2 Ba3 26.Rc2 Bd6 27.Rc1 Ba3 28.Rc2 Bd6 29.Rc1 Qa7 30.Qd3 Ra3 31.Qe4 {Die hierdurch bedingte weiße Zentralhegemonie entspricht ganz dem Logos des Partiegeschehens. Dem aufmerksamen Leser dürfte es aufgefallen sein, daß der von Weiß eingeleitete Flügelangriff (a2-a4-a5xb6) nur dazu geführt hat, daß der Gegner dort den Angriff erlangt hat. Dieses Übergehen des Angriffs auf den Gegner wäre aber nur durch begangene weiße Fehler oder dadurch zu erklären, daß es dem weißen Angriff an innerer Berechtigung gefehlt hat. Nun ist aber in Wirklichkeit keines von beiden der Fall, Weiß hat den Angriff richtig gespielt, auch erschien dieser berechtigt, denn dadurch und nur dadurch war die Stabilität der eigenen Hängebauern zu bewahren. Also muß Schwarz den Angriff am äußersten Flügel - sit venia verbo - usurpiert haben, dieser Angriff war eben nur durch Preisgabe anderweitigen wichtigen Terrains, nämlich des Zentralhegemonie erscheint nach alledem begreiflich. - Der Schluß ist voll zwingender Logik.} 31...Nf6 32.Qc6 Rxe3 $1 33.Qxd6 $1 ( {Die Schwarze Flügeloperation raffte zu einer äußersten Kraftanstrengungen auf, die aber durch kaltblütiges Zentralspiel pariert wurde: Flügeloperation und Zentralaktion hielten sich also die Waage. Über die Annahme des Opferangebotes informiert folgende Variante:} 33.fxe3 Qa3 34.Re1 Bg3 35.Rf1 Qxe3+ 36.Kh1 Ne4 {mit der Hauptdrohung Lf4. - Eine beiderseits sehr korrekt gespielte Partie.} ) 1/2-1/2 [Event "Meisterturnier"] [Site "Hamburg"] [Date "1910.07.23"] [Round "6"] [White "Tarrasch, Siegbert"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "D40"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 67"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.d4 d5 2.Nf3 e6 3.c4 c5 4.e3 Nf6 5.Nc3 Nc6 6.Bd3 Bd6 7.O-O O-O 8.b3 b6 9. Bb2 Bb7 10.Qe2 dxc4 11.bxc4 cxd4 {Licht- und Schattenseiten der "Hängenden" erscheinen hier ungefähr ausgeglichen.} 12.exd4 Rc8 13.Rad1 ( {Schwächlich; einer möglichen Anrempelung der besten Stütze der Hängebauern, nämlich des Läufers d3, mußte unbedingt durch} 13.a3 { vorgebeugt werden. Die Folge könnte sein:} 13...Na5 14.Ne5 Ba6 ( {nicht} 14...Nb3 15.Rad1 Nxd4 {wegen} 16.Bxh7+ {usw.} ) 15.Rad1 Bxe5 ( 15...Qe7 $2 {verlöre wegen der Antwort} 16.c5 $1 {usw. eine Figur,} ) ( {dagegen kommt } 15...Qc7 {in Betracht, zum Beispiel:} 16.Nb5 Bxb5 {usw.} ) 16.dxe5 Nd7 { , und nun hätte Weiß zwei Möglichkeiten, nämlich 17.Sb5 oder 17. c5.} 17. Nb5 ( {Auf} 17.c5 Bxd3 18.Rxd3 Qe7 19.Ne4 $1 {(drohend Sf6+! usw.)} 19... Rfd8 $1 20.cxb6 Nxb6 21.Nd6 {kann Weiß sich ebenso getrost einlassen wie auch auf die mehr positionelle Spielbehandlung durch} ) 17...Bxb5 18.cxb5 Rc7 19.Qe4 g6 20.Qb4 $1 {mit sicherem (denn die Schwäche der "weißen" Felder ist gut gedeckt) und doch initiativem Spiel, zum Beispiel:} 20... Qc8 21.Rfe1 Nc5 22.Bf1 Rd8 23.Bc1 $1 {mit der Drohung Lg5. Der interessierte Leser möge die hier gezeigten Varianten studieren, das pro und contra der Hängebauern erfährt hierbei eine liebevolle Bestrahlung.} ) 13...Nb4 14.Bb1 Bxf3 15.gxf3 Bb8 $1 ( {Stark war auch} 15...Nh5 ) 16.a3 Qc7 17.f4 Qxf4 18.f3 Nc6 {Weiß hat einen Bauern verloren, aber die zwei Läufer, die g-Linie und last not least die zwei Hängebauern versprechen ihm einige Angriffschancen.} 19.Ne4 Rfd8 20.Kh1 Ne7 $1 21.Bc1 Qc7 22.Nxf6+ gxf6 23.Qg2+ Ng6 24.Ba2 Kh8 25.f4 Nh4 26.Qh3 Nf5 27.d5 ( {Um die Schräge b2-f6 zu Angriffszwecken auszunutzen. Das Vorgehen von Bauern zwecks Linienöffnung für die dahinterstehenden Offiziere muß voll und ganz unter "Dynamik" rubriziert werden. (Wir hätten viel eher die "Statik" gewählt, also erwa den Aufbau} 27.Bb2 {, sodann Df3 und Postierung der Türme in der d- und c-Linie.) Man beachte nun, wie Schwarz die "Dynamik" mit "Statik" beantwortet, er hemmt und blockiert die Bauern c4 und d5 nach Möglichkeit.} ) 27...Rg8 28.Bb2 Rg6 29.Rg1 Rcg8 30.Rxg6 Rxg6 31.Rf1 Qc5 32.Qf3 Bd6 {Die Blockierung.} 33.Qf2 Qxf2 {Die Blockadefelder d6 und besonders c5 geben ein Sprungbrett für allerhand mögliche Invasionen ab; so drohte zum Beispiel: Dc5-e3.} 34.Rxf2 Bc5 35.Rg2 Kg7 36.Rxg6+ hxg6 {Nun ist es nicht mehr schwierig, es folgte} 37.Kg2 Bd4 $1 38.Bc1 Be3 {das niedliche Läufermanöver erzwingt den Abtausch} 39.Bxe3 Nxe3+ 40.Kf3 Nf5 41.Bb1 Nd6 42.Bd3 e5 43.Kg4 f5+ 44.Kg3 f6 45.h4 Kf7 46.Be2 Ne8 47.Kf3 Ke7 48.Ke3 Ng7 49.Bf3 Kd6 {Der Springer strebt nach h5, um den Doppelbauern aufzulösen, im Blockadegebiet vertritt ihn derweil der König.} 50.Bd1 Nh5 51.fxe5+ ( {Das Bauernendspiel nach} 51.Bxh5 {wäre wegen der Durchbruchsmöglichkeit b6-b5 für Weiß hoffnungslos} ) 51...fxe5 {und gewann.} 52.Kd3 Kc5 53.a4 Nf6 54.Be2 Ne8 55.Kc3 Nd6 56.Bf1 e4 57.Kd2 f4 58.Kc3 f3 0-1 [Event "Freie Partie"] [Site "Kristiania"] [Date "1921.04.28"] [Round "-"] [White "Brekke, Jacob"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "D04"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 68"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Die Hängebauern treten in dieser ebenso langwierigen wie interessanten Partie - namentlich das Endspiel ist recht pikant - nur als latente Drohung, als Gespenst auf.} 1.d4 d5 2.Nf3 Nf6 3.e3 g6 4.Be2 Bg7 5.O-O O-O 6.b3 c5 7.Bb2 cxd4 8.exd4 { nun gedenkt Schwarz auf allfälliges c4 durch d5xc4 die Hängebauern herbeizuführen.} 8...Bg4 9.Ne5 Bxe2 10.Qxe2 Nbd7 11.f4 Rc8 12.Na3 { originell und nicht schlecht} 12...Nb6 13.Rac1 a6 14.f5 ( 14.c4 dxc4 15. bxc4 {und dann schleunigst c4-c5 nebst Sac4 hätte die von uns als erstrebenswert bezeichnete Situation ergeben, nämlich: blockierente Sicherheit, mit etwas Initiative kombiniert. 14. f5 ist daher als ein, allerdings verzeihliches Abirren vom geraden Wege aufzufassen} ) 14...gxf5 15.Rxf5 Ne4 16.Rcf1 f6 17.Ng4 e6 18.Rh5 ( {ein versprengter Turm, dessen Fehlen sich bald bemerkbar macht. Besser erscheint} 18.R5f3 ) 18...f5 19. Ne5 Rc7 20.Qe3 Nd7 21.c4 {endlich entschließt sich Brekke, der übrigens ein Spieler von unbedingter Meisterstärke ist, zu diesem Vorstoß. Nun aber entstehen andere Bauernkonfigurationen, die Hängenden bleiben aus} 21... Nxe5 22.dxe5 Rd7 {man beachte die Elastizität des Turmes in der eigenen zweiten Reihe} 23.cxd5 Rxd5 {nun wirkt die d-Linie enorm, vergleiche die Note zum 18. Zuge} 24.Nc4 b5 25.Nd6 $1 {noch das beste!} 25...Rxd6 26.exd6 Bxb2 27.Qh6 Bd4+ 28.Kh1 Rf7 29.Qxe6 Qxd6 30.Rg5+ $1 Bg7 31.Qxd6 Nxd6 32. Rd1 {das Endspiel ist offenbar schwer zu gewinnen} 32...Rf6 33.Kg1 Kf7 34. a4 b4 35.Rd5 $1 Re6 36.Ra5 Re3 37.Rxa6 Bd4 $1 38.Kf1 Be5 39.a5 Rxb3 40.Rh5 Rb1+ 41.Ke2 b3 ( 41...Kg6 {konnte ruhig geschehen sein} ) 42.Rxh7+ Ke6 43. Rh3 b2 44.Rb3 Ra1 45.Rab6 Rxa5 46.Rxb2 {damit konnte er noch warten} 46... Bxb2 47.Rxb2 Nc4 48.Rc2 Kd5 49.Kf3 Ra4 50.Re2 Ne5+ 51.Kf2 f4 52.h3 Ra3 53. Rd2+ Ke4 54.Rc2 Re3 55.Ra2 Nd3+ 56.Kg1 Re1+ 57.Kh2 Ke3 58.Ra3 Re2 59.Kg1 Rb2 60.Ra1 Rc2 61.Ra3 Ke2 62.Ra4 Rc1+ 63.Kh2 Ke3 64.Ra3 Rb1 65.Rc3 Rb2 66. Kg1 Kd4 67.Ra3 Ne1 68.Ra4+ {Es folgt nun ein interessantes Duell zwischen König und Turm.} 68...Ke5 69.Ra5+ Kf6 70.Ra6+ Kg5 {Einfacher war das Entweichen über g7, h6 und h5 nach h4, aber Schwarz sieht eine pikante Wendung, die er sich nicht entgehen lassen möchte.} 71.Ra8 Kh6 72.Rg8 Kh7 $1 73.Rg4 f3 $1 74.Kf1 ( {Falls} 74.gxf3 {, so natürlich} 74...Nxf3+ {mit Matt oder Turmgewinn.} ) 74...fxg2+ $1 ( {Eleganter und schneller entscheidend als} 74...Nxg2 75.Re4 {usw.} ) 75.Kxe1 Kh6 {und gewann durch Zugzwang} 76.h4 Kh5 77.Rg5+ Kxh4 0-1 [Event "II. Meisterturnier"] [Site "Ostende"] [Date "1907.05.25"] [Round "8"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Leonhardt, Paul Saladin"] [Result "1-0"] [ECO "C47"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 69"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.e4 e5 2.Nf3 Nc6 3.Nc3 Nf6 4.d4 Bb4 5.Nxe5 $1 {eine in dieser Partie zuerst gespielten Neuerung} 5...Qe7 ( {am besten, ungünstig wäre dagegen} 5...Nxe5 6.dxe5 Nxe4 {wegen} 7.Qg4 ) 6.Nxc6 $1 ( {wenn man keinen Bauern opfern mag, kann man sich auch mit} 6.Qd3 Nxe5 7.dxe5 Qxe5 8.Bd2 { behelfen, welche Fortsetzung übrigens von Dr. Krause empfohlen wird} ) 6...Qxe4+ 7.Be2 Qxc6 8.O-O Bxc3 9.bxc3 Qxc3 10.Rb1 O-O 11.d5 $1 {Damit treten die vereinigten Läufer in Wirksamkeit.} 11...Qe5 12.c4 ( {Spielbar ist an dieser Stelle auch} 12.d6 {, zum Beispiel:} 12...Qxd6 13.Qxd6 cxd6 14.Ba3 {usw.} ) 12...Re8 13.Bd3 d6 14.Bb2 Qh5 15.Qd2 Ne4 $2 ( {In offenbarer Unterschätzung der gegnerischen Läufer! Warum nicht} 15...Ng4 $1 {? Falls dann} 16.h3 {, so} 16...Ne5 {, und Schwarz droht sowohl mit materieller (Nxd3) als auch mit ideeller (f7-f6 mit Verbauung der Schräge b2-g7) Unschädlichmachung des Läuferpaares. Aber die Prophylaxe liegt eben nur wenigen.} ) 16.Rbe1 Bf5 17.Qf4 Qg6 18.Re3 ( {Der Gewaltzug} 18.g4 { würde an} 18...Nxf2 $1 {scheitern.} ) 18...Kf8 {Um den Turm gründlicher zu decken.} 19.h3 $1 ( {Nicht} 19.Rfe1 {wegen} 19...Ng3 $1 ) ( {Der Textzug bereitet den entscheidenden Angriff Tf3 vor, der, sogleich ausgeführt, an} 19.Rf3 Bg4 {scheitern würde.} ) 19...h5 20.Rf3 Bd7 21.Re1 {Aufgegeben. Man gewinnt den Eindruck, daß mit den "zwei Läufern" nicht zu spaßen ist. Prophylaxe, basierend auf materieller oder ideeller Vernichtung des einen Läufers (vergleiche die Note zum 15. Zuge), scheint aber immerhin ein beachtliches Spezifikum darstellen zu wollen.} 1-0 [Event "Beratungspartie"] [Site "Kristiania"] [Date "1921.??.??"] [Round "-"] [White "Drei norwegische Amateure"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "C01"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 7"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Nach den Zügen} 1.e4 e6 2.d4 d5 3.Nc3 Bb4 4.exd5 exd5 5.Nf3 Bg4 6.Be2 Ne7 7.O-O Nbc6 8.Bf4 Bd6 9.Ne5 ( 9.Qd2 {sieht natürlicher aus} ) 9...Bxe2 10.Nxe2 Bxe5 11.Bxe5 Nxe5 12.dxe5 {hatte jeder der Partner seine Bauernmehrheit, doch machte die weiße einen weniger beweglichen Eindruck. Es folgte} 12...Qd7 13.f4 O-O-O 14.c3 Kb8 15.Qb3 c5 16.Rae1 ( 16.Rad1 $1 ) 16...h5 $1 17.Kh1 Nf5 { Und nun ist die Beweglichkeit der weißen Mehrheit auf ein Minimum zusammengeschrumpft. Doch von da bis zu einer erfolgreichen Aufrollung der gelähmten Mehrheit ist noch ein weiter Weg.} 18.Ng1 h4 19.Nh3 d4 20.cxd4 cxd4 21.Qd3 Ne3 22.Rf2 Qd5 {Schwarz hat immerhin etwas erreicht, nämlich eine starke Zentralstellung, einen guten, wenn auch blockierten Freibauern und die Möglichkeit f6. Es folgte} 23.a3 f6 {Diese Aufrollung der (dank Se3) isoliert erscheinenden Bauernmasse konnte noch durch The8 und womöglich durch a7-a6 (um gelegentliche Deblockierung durch Db5 zu drohen) vorbereitet werden. Doch ist der Textzug vollständig korrekt und geeignet, den schwarzen Vorteil klarzustellen.} 24.exf6 gxf6 25.f5 $1 Rhg8 ( {Es galt, den Zug Sf4, der offenbar geplant wird, irgendwie zu verhindern bzw. unschädlich zu machen. Dazu empfahl sich der Präventivzug} 25...Rhe8 { Falls dann} 26.Nf4 {so} ( 26.Rfe2 $2 Nxg2 $1 27.Rxe8 Nf4+ 28.Qe4 Rxe8 {und gewinnt} ) 26...Qxf5 ( {noch stärker und von sofort entscheidendem Wert wäre freilich die kombinatorische Widerlegung von 26. Sf4, nämlich die Antwort} 26...Ng4 $3 ) 27.Qxf5 ( 27.Rxe3 $4 dxe3 $1 ) 27...Nxf5 28.Rxe8 Rxe8 29.Nd3 Nd6 $1 30.Rxf6 Kc7 {und alle schwarzen Figuren stehen bereit, den d-Bauern zu unterstützen. Der strategische Inhalt vorstehender Variante wäre so zu charakterisieren: die schwarze Zentralisierung hat sich vom Mittelspiel aufs Endspiel vererbt, ein Stratagem, das in allen einschlägigen Fällen aufs wärmste zu empfehlen ist. Es muß übrigens im Namen der objektiven Wahrheit festgestellt werden, daß der Anschluß an das oben skizzierte Stratagem durch 25. ... Thg8 keineswegs endgültig aus der Hand gegeben ist. Der Turmzug nach g8 ist also durchaus korrekt.} ) 26.Nf4 Qc6 ( {Der Anschluß an unser mehrfach erwähntes Stratagem war hier durch das einfache 26. ... Qxf5 zu erreichen, zum Beispiel:} 26...Qxf5 27.Qxf5 Nxf5 28.Nh5 Rge8 $1 29.Rc1 Ne3 30.Nxf6 Re6 {Vergleicht man die nun entstandene Stellung mit der im Diagramm 7 [Stellung nach dem 25. Zug von Weiß] veranschaulichten, so wird man die vor sich gegangene Entstoppung des Freibauern d4 als deutlich wahrnehmbares Plus buchen müssen. Auch wird man, des weiteren, bemerken, daß die Zentralisierung zwar endspielartigen Charakter angenommen, an Intensität aber trotzdem nichts eingebüßt hat. Es könnte beispielsweise folgen} 31.Nd7+ Ka8 32.Nc5 Rc6 33.Nd3 Rxc1+ 34.Nxc1 d3 $1 35.Nb3 ( {Oder} 35.Rd2 $2 Rf8 $1 ) ( {Falls} 35.Nxd3 {so} 35...a6 $1 36.Rd2 Ng4 $1 {und gewinnt} ) 35...Nc4 36.Nd2 Nxb2 37.Rf4 b5 {nebst Sc4 und gewinnt. Demgemäß war Qxf5 der richtige Zug, der ohne größere Mühe einen bequemen Übergang ins Endspiel (mit vererbter Zentralisierung!) gestattet hätte. Mit dem in der Partie gewählten Zuge (26. ... Dc6) ist völlige Klärung nicht ohne weiteres zu erzielen.} ) 27.Ng6 {Richtig war 27. Kg1, denn nun hätte Schwarz durch folgende elegante Kombination glatt gewinnen können: [Siehe Anmerkung zum 27. Zug von Schwarz.]} ( {Dagegen wäre es nach 27. Kg1! nicht so leicht gewesen, den schwarzen Vorteil klarzulegen, zum Beispiel:} 27.Kg1 Rg4 28.Qe2 ( 28.Rxe3 $2 Qc1+ ) 28... Rdg8 29.Ng6 R4xg6 30.fxg6 Rxg6 31.Qd2 Qe4 {und Schwarz steht zwar imponierend, hat aber mittelspielartige Verpflichtungen, die ihm auf die Dauer doch nicht ganz erwünscht sein dürften.} ) 27...Rde8 $2 ( {Ein Fehler, verursacht durch Zeitnot, Schwarz spielte drei Partien gleichzeitig und hatte somit dreimal zwanzig Züge in der Stunde zu machen. Mittels 27. ... h3 konnte er, wie gesagt, glatt gewinnen.} 27...h3 $1 28. Ne7 Qc7 $1 29.Nxg8 Ng4 $1 30.Qg3 Qxg3 31.hxg3 Nxf2+ 32.Kg1 Nd3 33.Rd1 h2+ $1 34.Kxh2 Nf2 35.Rf1 Ng4+ {nebst Rxg8.} ) 28.Nxh4 Rg4 29.Nf3 Qd5 30.Rd2 Rge4 31.Nxd4 Nxg2 {Dies hätte ihm nichts mehr nützen sollen, nach dem Fehler des 27. Zuges war die Partie eben nicht zu halten. Aber es kommt anders.} 32.Rxe4 Rxe4 33.Nc6+ $1 ( {Noch klarer als} 33.Nf3 Qxd3 34.Rxd3 Ne3 35.Rd4 $1 Re8 36.Kg1 {nebst Kf2.} ) 33...bxc6 34.Qxd5 cxd5 35.Kxg2 Re5 36.Rf2 ( {Dieser eine schwache Zug gibt der schwarzen gleichsam unter Kohlen glimmenden Zentralisierung die Chance, neu aufzuflackern. Richtig war} 36.h4 {falls dann} 36...Rxf5 {so} ( 36...Kc7 37.Kg3 Kd6 38.h5 Rxf5 39.Rh2 Rg5+ 40.Kf4 Ke6 41.h6 Rg8 42.h7 Rh8 43.b4 {und Weiß gewinnt.} ) 37. Rf2 Rh5 38.Kh3 f5 39.Rd2 ) 36...Kc7 37.Kg3 Kd6 38.Kg4 Re4+ {und Schwarz gewann wie folgt:} 39.Kh5 ( 39.Rf4 $2 Ke5 40.Rxe4+ Kxe4 {und gewinnt} ) 39...d4 40.Kg6 Ke5 41.b4 Rg4+ 42.Kf7 Rf4 43.Rxf4 $2 {natürlich ein grober Fehler, die Partie dürfte aber ohnehin verloren sein} 43...Kxf4 44.Kxf6 d3 45.Kg6 d2 46.f6 d1=Q 0-1 [Event "Imperial Chess Club"] [Site "London"] [Date "1927.11.??"] [Round "?"] [White "Goldstein, Maurice"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "D38"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 70"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.d4 d5 2.Nf3 e6 3.c4 Nd7 4.Nc3 Ngf6 5.Bg5 Bb4 {Spielmanns geistvolle Spezialvariante} 6.cxd5 exd5 7.e3 ( {auf 7. Da4 kann sofortiges c5 geschehen, zum Beispiel:} 7.Qa4 c5 8.dxc5 Bxc3+ 9.bxc3 O-O 10.c6 Qc7 $1 ) 7...h6 ( {möglich war} 7...c5 {, zum Beispiel:} 8.dxc5 $2 Qa5 {usw.} ) 8. Bxf6 Qxf6 ( {sehr solid erscheint statt dessen die Spielweise} 8...Bxc3+ 9.bxc3 {und} 9...Nxf6 {; auf} 10.c4 {wäre dann der Gegenstoß} 10...c5 { möglich} ) 9.Qb3 Qb6 ( {um das Spiel zu komplizieren, sonst könnte auch} 9...Qd6 {mit der Folge von} 10.Be2 c5 11.dxc5 Nxc5 12.Qc2 Ne4 13.O-O Bxc3 {geschehen} ) 10.Bd3 ( {Annahme des Bauernopfers durch} 10.Qxd5 {hätte nach} 10...Bxc3+ 11.bxc3 Qb2 12.Qe4+ Kd8 13.Rd1 Qxc3+ 14.Nd2 Re8 15.Qb1 $1 Nb6 $1 ( {riskant wäre} 15...Qxd4 ) 16.Be2 Bd7 {zu unklarem Spiel geführt} ) 10...Nf6 11.O-O O-O $3 {ein Bauernopfer das sich lediglich auf die Überlegenheit der "zwei Läufer" stützt} 12.Nxd5 Nxd5 13.Qxd5 Be6 14.Qb5 ( {nicht} 14.Qe4 {wegen} 14...f5 15.Qe5 Rae8 ) 14...Be7 $1 15.Rfc1 c6 16. Qxb6 axb6 17.a3 b5 18.Ne5 Bd6 19.f4 {Er läßt seine Zentralmehrheit allzu schnell avancieren, man beachte nun, wie die Läufer locken und hemmen.} 19...f6 20.Nf3 Bd5 $1 21.e4 Bf7 22.e5 Bb8 {Bd4 erscheint nun recht schwach.} 23.Re1 fxe5 $1 ( {Auf} 23...Ba7 {könnte u. a.} 24.exf6 {nebst Te7 geschehen.} ) 24.fxe5 ( {Falls} 24.dxe5 {, so} 24...Be6 25.g3 g5 {usw. } ) 24...Be6 {Die Hemmung, vergleiche die Note zum 19. Zuge.} 25.Kf2 Ba7 26.Kg3 ( {Auch nicht besser wäre} 26.Ke3 ) 26...Rad8 27.Rad1 Rd7 28.Rd2 Rfd8 ( {Stark in Betracht kam} 28...g5 {, zum Beispiel:} 29.h3 Rg7 {mit ernst zu nehmenden Drohungen.} ) 29.Bc2 g5 30.h3 Kf7 ( {Mit dem Rückgewinn des Minusbauern hat es keine Eile (} 30...Bxd4 31.Nxd4 Rxd4 32. Rxd4 Rxd4 33.Rd1 {mit Ausgleich). Der Königszug ist u. a. auch als einen gegen den freien e-Bauern gerichtete Präventivmaßnahme gedacht, auf e7 würde der König nämlich als Reserveblockeur wirken.} ) 31.Red1 Ke7 32.Be4 h5 33.d5 $1 {Meister Goldstein verteidigt die schwierige Stellung ausgezeichnet.} 33...cxd5 34.Bd3 Rg8 35.Bxb5 g4 36.hxg4 Rxg4+ 37.Kh2 Rc7 38.Bd3 $2 ( {Mit} 38.Nd4 {war das Spiel zu halten.} ) 38...Be3 39.Rc2 Rxc2 40.Bxc2 d4 41.b4 h4 $1 42.Bd3 h3 $1 43.Bf1 ( {Falls} 43.gxh3 {, so} 43... Bf4+ 44.Kh1 Bd5 $1 ) ( {Falls aber} 43.Kxh3 {, so} 43...Rg8+ 44.Kh2 Bf2 45.Ng1 Bd5 46.Bf1 Bg3+ 47.Kh1 Rh8+ 48.Nh3 Rxh3+ {und gewinnt.} ) 43...hxg2 44.Bxg2 {Der Vorstoß des h-Bauern hat nicht nur zu einer Degradierung des weißen Läufers (zu einem Bauern), sondern auch zu einer Deblockierung des schwarzen Freibauern geführt. Hierin liegt der Sinn des schwarzen Manövers.} 44...Bb3 45.Re1 Bf4+ 46.Kh1 ( {Falls} 46.Kg1 {, so} 46...Bd5 47.Rf1 d3 ) 46...Bd5 47.Rd1 Rg8 48.Rxd4 Rh8+ {und gewann.} 49.Kg1 Be3+ 50. Kf1 Bxd4 51.Nxd4 Rf8+ 52.Kg1 Rg8 53.Nf5+ Ke6 54.Ne3 Bxg2 55.Nxg2 Rg3 56. Kf2 Rxa3 57.Ne3 Rb3 {Aufgegeben. Die von den beiden Läufern in dieser Partie geleistete Arbeit war recht vielseitig. Die Läufer haben "gelockt" und gehemmt, bis daß die gegnerische Mehrheit entwertet war. Dann wurde der feindliche König beschossen, und zwar auf allen möglichen Diagonalen. Und zuletzt schenkten sie dem kleinen, unbedeutenden Freibäuerlein auf d4 ihre hohe Protektion, und dieser Freibauer wurde so zu einem Riesen.} 0-1 [Event "Jubiläumsturnier der Berliner Schachgesellschaft"] [Site "Berlin"] [Date "1928.02.13"] [Round "8"] [White "Schlage, Willi"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "B29"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 71"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.e4 c5 2.Nf3 Nf6 3.Nc3 d5 4.exd5 Nxd5 5.Bb5+ ( {in Betracht kam} 5.Ne5 ) 5...Bd7 6.Bc4 Nb6 7.Be2 Nc6 8.O-O ( {er verzichtet mit Recht auf} 8.d4 {, zum Beispiel:} 8...cxd4 9.Nxd4 Nxd4 10.Qxd4 Bc6 ) 8...Bf5 ( {Um nach Kräften alle Zentralfelder zu fixieren (also hier d4 und e4). Indes war das altklassische} 8...e5 {auch keineswegs zu verachten.} ) 9.Re1 a6 {um den Zentralpunkt e5 indirekt zu verteidigen} 10.d3 e6 11.Ne4 Qc7 12.c3 Rd8 13.Qc2 Nd5 {Jeder der Partner hat nun seinen Zentralspringer, und das Spiel steht ungefähr gleich.} 14.Bg5 $1 Be7 15.Bxe7 Qxe7 16.h3 O-O 17.Rad1 Rd7 18.Bf1 Rfd8 19.Qc1 h6 20.Kh2 g5 ( {eine in Anbetracht der eigenen beträchlichen Zentralfestigkeit wohl zulässig erscheinende Lockerung, doch wäre} 20...Bh7 {immerhin solider gewesen, zum Beispiel:} 21.d4 $2 Bxe4 { nebst Sf6 usw.} ) 21.Ng3 ( {Die Verwicklungen nach} 21.h4 g4 22.Qxh6 gxf3 23.c4 $1 {schlagen wegen} 23...Ne5 24.gxf3 Nxf3+ {nebst Nxe1 zugunsten des Nachziehenden aus. Mit dem Textzug erreicht Weiß ein klares, gleichstehendes Spiel} ) 21...Bg6 22.d4 Nb6 {mit Rücksicht auf eine eventuell geplante Diversion nach a4 hin} 23.dxc5 Qxc5 24.Rxd7 Rxd7 25.Kg1 Qe7 {ein wohlmotivierter Rückzug, auf c5 hatte die Dame nicht mehr viel zu suchen, stand wegen evtl. drohenden b4 nebst a3 und c4 sogar etwas exponiert} 26.Rd1 Rxd1 27.Qxd1 Qd8 28.Qc1 Kg7 29.Qe3 Nd5 30.Qd2 Nf4 31. Qxd8 {die Partie strebt dem Endspiel zu, für welches der Schwarze infolge seines beweglicheren Königs freilich etwas besser gerüstet erscheint} 31...Nxd8 32.Ne5 $1 Bb1 33.a3 f6 34.Nd7 $1 Kf7 35.Nc5 {eine treffliche Springerstellung} 35...Ke7 36.Bc4 f5 37.Ne2 ( {Gibt dem Gegner eine Gelegenheit zur Beseitigung des schönen Läufers;} 37.Nf1 {mit der Folge} 37...Kd6 38.b4 b5 39.Bb3 Ne2+ 40.Kh2 {und nun} 40...a5 $1 {wäre allerdings noch weniger günstig gewesen.} ) 37...Kd6 38.b4 Ba2 $1 39.Nxf4 Bxc4 40.Nh5 b6 41.Na4 Bb3 $1 42.Nb2 ( 42.Nxb6 $2 Kc7 $1 43.Na8+ Kb7 ) 42...Nf7 43.Ng3 Ne5 44.Nf1 b5 {Schwarz steht offenbar überlegen, aber es ist schwer, weiterzukommen, denn die weißen Springer sind hier gute Torwächter.} 45. Nd2 Bd5 46.a4 h5 47.axb5 axb5 48.f3 Kc6 {Die Einleitung zu einem komplizierten Lavierungsspiel. Die erforderlichen beiden gegnerischen Schwächen sind offenbar gegeben, der weiße Königsflügel bildet die eine (Drohspiel: g5-g4 odr e6-e5-e4), der Damenflügel die andere (Drohspiel: schließliches Eindringen des Königs über c4). Als Lavierungsachse fungiert vor allem Punkt d5, sodann aber auch das ganze dem Punkt d5 benachbarte Terrain, zum Beispiel Punkt c4 und die sich aus der Besetzung des letzteren ergebenden Diversionsfelder. - Der Königszug ermöglicht das Ziehen des Se5, denn auf allfälliges c4 (nach vorhergegangenen Sf7) gewönne bc, Sc4:, Lc4:, Sc4:, Kb5 einen Bauern.} 49.Kf1 ( {Die erzwungene Rücksichtnahme macht sich bereits geltend, falls nämlich} 49.Kf2 {(statt Kf1), so} 49...g4 50.hxg4 hxg4 51.fxg4 Nxg4+ 52.Kg1 Ne3 {mit Unannehmlichkeiten für Weiß.} ) 49...h4 50.Nd1 Bc4+ {Vergleiche die Note zum 48. Zuge.} 51.Kg1 ( {Falls} 51.Nxc4 {, so} 51...Nxc4 52.Ke2 Kd5 53.Kd3 e5 {und Weiß ist im Nachteil.} ) 51...Nd3 52.Ne3 ( {Auch jetzt wäre Nxc4 recht fraglich, zum Beispiel:} 52.Nxc4 bxc4 53.Ne3 Kb5 54.Nc2 Ka4 55.Nd4 e5 56.Nxf5 Kb3 57.b5 Kxc3 {usw.} ) 52...Bd5 53.Nc2 Nb2 $1 54.Nd4+ Kb6 55. Kh2 Nd1 56.Ne2 e5 {Der Springer hat das Feld c4 als Sprungbrett benutzt, Weiß hat in den letzten Zügen an Terrain verloren.} 57.Kg1 ( {Auf} 57.g3 { gefolgt.} 57...f4 ) 57...Kc6 58.Kf1 Ba2 59.Kg1 Ne3 60.Kf2 Nd5 61.g4 ( {Es drohte wohl schon Sf4, zum Beispiel:} 61.Kf1 Nf4 62.Nxf4 gxf4 63.Ke2 Kd5 { nebst e4 und e3 und gewinnt. Man beachte die volle Ausnutzung der Lavierungsachse d5 (sowohl für den Läufer als auch für den Springer).} ) 61...hxg3+ 62.Kxg3 Nf6 63.Kf2 ( {Das geplante} 63.h4 {würde an der Antwort } 63...f4+ 64.Kh3 Be6+ {scheitern. Nun aber hat die Schwäche des weißen Königsflügels greifbare Gestalt angenommen (der Bh3 wird bald zum Sorgenkind). Bei klar umrissenen Schwächen hat der Lavierende aber ein leichteres Spiel.} ) 63...Kd6 64.Ng3 Ke6 65.Ne2 Nd5 66.Kg3 Nf6 67.Nc1 Bd5 68.Nd3 Nh5+ 69.Kh2 e4 {Endlich kommt die Majorität ins Rollen: da der weiße König an den schwachen Punkt h3 gekettet ist und somit nicht an der Lokalisierung des feindlichen Durchbruchs teilnehmen kann, wirkt letzterer katastrophal.} 70.fxe4 fxe4 71.Ne1 Nf4 72.Nc2 Ne2 $1 {Zum zweiten Mal dringt dieser Springer ins Spiel ein.} 73.Nb1 ( 73.Nd4+ $2 Nxd4 74.cxd4 { verliert sofort.} 74...e3 ) 73...Bc4 74.Kg2 Bd3 75.Nca3 Nf4+ 76.Kf2 $1 {Er gibt schon was her, aber ...} 76...Nd5 $1 {Der Gegner will nicht. Denn nun sind beide Springer patt!} 77.Kg3 ( {Oder} 77.Nd2 e3+ {usw.} ) 77...e3 78. Kf3 Ke5 79.c4 ( {Erzwungen, denn bei} 79.Kg3 Nf4 80.Kf3 e2 81.Kf2 Ng2 { wäre es vorbei.} ) 79...bxc4 80.b5 Kd6 81.b6 Kc6 82.b7 Kxb7 83.Nb5 { Zugzwang! Ihm fehlten ja die Züge!} 83...Bxb1 84.Nd6+ Kc7 85.Nxc4 Bf5 { Aufgegeben. Dauer der Partie zwölf Stunden. Eine meiner besten Endspielleistungen. Schlage hat sich übrigens trefflich verteidigt.} 0-1 [Event "Internationales Meisterturnier"] [Site "Hannover"] [Date "1926.08.10"] [Round "2"] [White "von Gottschall, Hermann"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "C00"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 72"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.e4 e6 2.d4 d5 3.Bd3 c5 4.c3 dxe4 5.Bxe4 Nf6 6.Bf3 {nimmt dem Sg1 das natürliche Entwicklungsfeld und gestattet in der Folge das befreiende e6-e5} 6...Nbd7 7.Ne2 Be7 8.O-O O-O {gibt den ins Auge gefaßten Kampfplan - 7. ... e6-e5 - ohne ersichtlichen Grund auf und gerät so in Schwierigkeiten} 9.Be3 cxd4 10.cxd4 Nb6 11.Nbc3 Qd7 $3 {um die Stellung mittels Tfd8 und Sd5 ehestens zu konsolidieren} 12.Rc1 $2 ( {den Vorzug verdiente} 12.Qb3 {mit nachfolgendem Se2-f4-d3, dadurch hätte er seinen Isolani immerhin verwerten können} ) 12...Rd8 13.Qb3 Nfd5 14.Nxd5 {er spielt auf Remis} 14...Nxd5 15.Bxd5 Qxd5 16.Qxd5 Rxd5 17.Nc3 Ra5 18.Rfd1 Bb4 {um d4-d5 zu vereiteln} 19.a3 Bxc3 20.Rxc3 Bd7 {Eine tote Remisstellung!? Das Stück ist aus!? Nein, in der Partie steckt noch eine Menge drin und das Stück soll erst beginnen. Die große Auseinandersetzung über Licht- und Schattenseiten des Isolani folgt erst im "dritten Akt"!} 21.Rc5 Rxc5 22.dxc5 Bc6 {Der Isolani ist nicht nur eine Bauern-, nein, auch eine Punktschwäche: die "benachbarten" Felder d5 c4 und e4 sind schlecht zu decken, und daran kann auch das Verschwinden des Isolani von der Bildfläche nur wenig ändern. Vergleiche die Vorbesprechung zum vierten Abschnitt.} 23.f3 f6 24.Kf2 Kf7 25.Rd4 a5 26.g3 ( {Besser erscheint} 26.b3 {und auf} 26...Bd5 {dann} 27.Rd3 {. Nach h3 hätte Weiß wohl eine schwer zu erschütternde Stellung.} ) 26...a4 27.f4 h5 28.h3 Rh8 $1 {Eine Präventivmaßnahme gegen das vom Gegner geplante g3-g4.} 29.Rd1 Kg6 30.Rd4 Kf5 31.Bd2 Rf8 $1 32.Be1 e5 33.fxe5 fxe5 34.Rh4 g5 $1 35.Rb4 ( 35.Rxh5 $4 Kg6+ {und gewinnt.} ) 35...Ke6+ 36.Ke2 e4 37.Bf2 Rf3 {Jetzt ist die Basis zu einem systematischen Lavieren insofern gegeben, als c5 und h3 bereits zu Schwächen tendieren: nach h5-h4 gh gh Bxh4 muß nämlich der Läufer den Bauern c5 einen Moment unbeobachtet lassen. Aber auf welche Art und Weise wäre dieser geringfügige Umstand auszunutzen?} 38.Rb6 Ke5 $1 39.Rb4 Kd5 $1 {Damit ist eine Zugzwangsstellung von großer Pikanterie erreicht. Weiß hat nämlich keinen vernüftigen Zug.} 40.h4 {Er will nicht nach b6. Nun aber erhält der schwarze König Raum am Königsflügel.} ( {Falls} 40.Rb6 {, so} 40...h4 41.gxh4 gxh4 42.Bxh4 {, und nun geschieht zunächst mal} 42...Kxc5 {mit Angriff auf den Turm. (Aus diesem Grund wurde der Turm nach b6 gelockt.)} ) ( {Falls andererseits} 40.Rd4+ {, so} 40...Kxc5 {, und} 41. Rxe4+ $2 {wäre wegen der Antwort} 41...Rxf2+ {unzulässig.} ) 40...gxh4 41. gxh4 Rh3 42.Rd4+ Ke5 43.Rd8 Bd5 {Der Gewinn ist nicht mehr allzu schwierig: trotz störender Schachgebote wälzt die zu einem Ganzen zusammengeschweißte schwarze Armee sich immer näher heran. Das Lavierungsspiel hat nun klare Ziele, verfügt aber auch über tadelloses Lavierungsterrain (mit der Achse g4 usw.). Der Rest bedarf nur weniger Erläuterungen:} 44.Re8+ Be6 45.Rd8 {es drohte Tb3} 45...Kf4 46.Rf8+ Bf5 47.Rf7 Rh2 ( {nicht} 47...e3 {wegen} 48.Bg1 $1 ) 48.Re7 Bg4+ 49.Ke1 ( 49. Kf1 $2 Rh1+ 50.Bg1 Kg3 {usw.} ) 49...Kf3 50.Rf7+ Kg2 51.Kd2 Kf1 $1 52.Ke3 Bf3 {und gewann} 53.Bg3 Rxb2 54.Bd6 Rb3+ 55.Kd4 Kf2 56.Rg7 e3 57.Bg3+ Kf1 58.Rf7 e2 59.Re7 Bc6 {Aufgegeben. Diese Partie, die ich zu meinen bestgespielten zähle, ist auch für den Isolani als Endspielschwäche bezeichnend.} 0-1 [Event "Internationales Meisterturnier"] [Site "Hannover"] [Date "1926.08.12"] [Round "4"] [White "von Holzhausen, Walther"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "B00"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 73"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.e4 Nc6 2.Nf3 e6 3.d4 d5 4.exd5 exd5 5.Bg5 Be7 6.Bxe7 Qxe7+ 7.Qe2 ( { Spielt auf Remis, sonst könnte} 7.Be2 {ruhig geschehen sein, zum Beispiel: } 7...Qb4+ 8.Nc3 $1 ) 7...Bf5 8.c3 Be4 {durch die hierdurch erfolgte Besetzung des Vorpostenpunktes leitet Schwarz ein Spiel in der e-Linie ein } 9.Nbd2 O-O-O 10.O-O-O Nh6 $1 ( {beugt dem sonst, alsso etwa nach} 10... Nf6 {, möglichen Befreiungszuge} 11.Ne5 $1 {vor} ) 11.Ne5 ( {Hier hätten wir h2-h3 den Vorzug gegeben, zum Beispiel:} 11.h3 a6 {(sonst folgt Db5)} 12.Qe3 ) 11...Nxe5 12.dxe5 Bg6 {Ein Lavierungsspiel ist in Vorbereitung. Als feindliche Schwächen fungieren Be5 und die schwach gedeckte Schräge g6-b1; die Lavierungsachse liegt auf dem befestigten "Schrägpunkt" e4.} 13.Nf3 Rhe8 14.Qe3 $1 Kb8 15.Qf4 Be4 $1 {Vergleiche die vorige Note.} 16. Re1 ( {Denn} 16.Bb5 {verlöre wegen} 16...Bxf3 17.gxf3 Qxe5 {einen Bauern.} ) 16...Qc5 17.Nd2 Bg6 18.Nb3 Qb6 19.Qd4 f6 20.f4 fxe5 21.fxe5 ( {Oder} 21. Rxe5 Rxe5 22.Qxe5 Re8 ) 21...Be4 22.Nd2 c5 23.Qe3 $1 ( {Falls} 23.Qa4 {, so} 23...Rxe5 24.Nxe4 dxe4 25.Rxe4 Qe6 26.Rxe5 Qxe5 {und gewinnt.} ) 23... Rxe5 24.Qg3 Qc7 25.Bd3 Rde8 26.Bxe4 dxe4 27.Nc4 R5e6 28.Qxc7+ Kxc7 29.Ne3 $1 {Damit hat Weiß eine treffliche Blockadestellung aufgebaut; der schwarze Gewinn liegt noch in weiter Ferne.} 29...Nf7 ( {Um den schlechten Springer auf d6 zu zentralisieren. Die Alternative bestünde in} 29...Rf8 { (um den Kampf in der f-Linie aufzunehmen), zum Beispiel:} 30.Rhf1 Ree8 31. c4 Kc6 32.Kc2 {und nun} 32...g6 $1 {mit der Absicht Sf5; auf} 33.g4 { könnte dann} 33...Rf3 {folgen. Es ist schwer zu sagen, welche Spielweise die vorteilhaftere ist.} ) 30.Kc2 Nd6 31.c4 Kc6 32.Rhf1 Rh6 $1 {Dieser Zug ist aus der genauen Kenntnis der Lavierungsgesetze geboren. Schwarz ist nämlich auf die Aktion a7-a6 nebst b7-b5 angewiesen, er hätte dann, da die weißen Antagonisten mit der Beobachtung des Be4 vollauf zu tun hätten, eine Chance, ins Spiel einzudringen (über die zu öffnende b- bzw. a-Linie). Damit wäre die zum Gelingen einer Lavierungsoperation erforderliche Lavierungsachse geschaffen; doch würde es an den obligatorischen "zwei Schwächen" fehlen, denn die Verpflichtung des Weißen, Be4 zu bewachen, bildet naturgemäß nur eine Schwäche. Mit dem Textmanöver 32. ... Th6 usw. wird nun die Schaffung der "zweiten Schwäche" bezweckt, deren Vorhandensein im später entstehenden Turmendspiel entscheidende Bedeutung erlangt.} 33.h3 Rg6 34.Re2 a6 35.Rf4 b5 36.b3 Rg5 37.g4 Rge5 38.Kc3 a5 $1 {Nun soll a5-a4 nebst doppeltem Bauerntausch geschehen, dem Eindringen der Türme, etwa durch Te5-e7-a7-a3 oder a1, stünde dann nichts mehr hindernd im Wege.} 39.Ref2 a4 40.bxa4 bxc4 $3 {Bei diesem Zuge mußte Schwarz das nach dem 44. Zuge entstehende Turmendspiel berücksichtigen.} 41.Rf8 R5e7 ( {Nicht} 41...Rxf8 {, weil der weiße Turm eindränge.} ) 42.Rxe8 Rxe8 43.Nxc4 Nxc4 44.Kxc4 Ra8 $1 45.Rf7 ( {Oder} 45.Kb3 Kd5 {usw.} ) 45...Rxa4+ 46.Kb3 Rb4+ 47.Kc3 Rb7 {In diesem Turmendspiel bildet der gelockerte Königsflügel (Bauer h3 und g4) eine entscheidende Schwäche, wie man bald sehen wird.} 48.Rf5 Ra7 49.Kc4 Ra4+ 50.Kb3 Rd4 51.Re5 Kd6 52.Re8 Rd3+ 53.Kc4 Rxh3 {Vergleiche die Anmerkungen zum 47. und 32. Zuge.} 54.Rxe4 Ra3 55.Re2 Ra4+ {und Schwarz gewann} 56.Kb5 Rxg4 57.a4 Rb4+ 58.Ka5 h5 59.Rh2 Kc6 {mit der Drohung Tb8} 60.Re2 Rg4 61. Re6+ Kd5 62.Re8 h4 63.Rd8+ Kc4 64.Kb6 h3 65.Rd1 Kb4 66.Rb1+ Kxa4 67.Kxc5 g5 68.Rh1 Rg3 69.Kd4 g4 70.Ke4 Rg2 71.Kf4 h2 {Aufgegeben. In dieser Partie trat die logische Zusammengehörigkeit von "Lavierungsachse" und den "zwei Schwächen"äußerst plastisch in die Erscheinung.} 0-1 [Event "Internationales Meisterturnier des British Empire Club"] [Site "London"] [Date "1927.10.14"] [Round "4"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Buerger, Victor"] [Result "1-0"] [ECO "A16"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 74"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Das Markante an der nun folgenden Lavierungspartie liegt in dem Umstande, daß das Lavieren sich hier quasi nur im eigenen Lager, in der inneren Linie vollzieht. - Die Eröffnung schien sich zugunsten des Anziehenden abzuspielen:} 1.c4 Nf6 2.Nc3 d5 3.cxd5 Nxd5 4.g3 Nxc3 5.bxc3 g6 6.Bg2 Bg7 7.Qb3 {statt 6. ... Lg7 hätte er auch c7-c5 ziehen können, dann wär jetzt die bequeme Deckung durch Dc7 möglich} 7...c6 8.d4 O-O 9.Ba3 {, da geschah} 9...Nd7 {, und Weiß sah sich plötzlich in der größten Verlegenheit, denn es droht Sb6, gefolgt von Le6 und Okkupierung des Mittelfeldes c4. Was wäre dagegen zu erfinden? Es geschah nun:} 10.Bh3 $1 {eine drastische Präventivmaßnahme; Weiß will den unangenehmen Läufer um jeden Preis beseitigen} 10...Re8 11.f4 Qc7 12.Nf3 Nf6 13.Bxc8 ( 13.Ng5 {wäre auch eine Lesart} ) 13...Raxc8 14.O-O e6 15.Rad1 $1 {die damit eingeleitete "Auftürmung" in der d-Linie ist als eine gegen c6-c5 gerichtete prophylaktische Maßnahme gedacht, vergleiche die nächstfolgende Anmerkung} 15...b6 16.c4 Red8 17.Rd3 $1 {jetzt soll c6-c5 durch d4xc5, und falls hierauf b6xc5, so Tf1-d1 beantwortet werden.} 17...Bf8 18.Bb2 Bg7 19.Ba3 Bf8 20.Bxf8 Rxf8 21.Qb2 Qe7 22.Ne5 Rfd8 23.Rfd1 Ne4 {nachdem der Befreiungsversuch c6-c5 an Reiz fast alles eingebüßt hat, versucht der begabte englische Meister es nun auf andere Weise: eine zentalistische Hemmungsaktion wird in die Wege geleitet} 24.Qc2 f6 25.Nf3 b5 26.c5 ( {in Betracht kam auch} 26.Nd2 ) 26...f5 {mit erreichter Zentralkonsolidierung} 27.Re3 ( {Ein sofortiges Zupacken mittels} 27.Nd2 {würde folgendermaßen zurückgewiesen werden:} 27...Nxd2 $1 28.R3xd2 Rd5 29.e4 fxe4 30.Re2 {(die Türme vorne, die Dame dahinter, dies scheint noch die beste Aufstellung zu sein!)} 30...Qf6 31.Rxe4 {, und nun den Präventivzug} 31...h5 $1 {(gegen g4 gerichtet), Schwarz stünde befriedigend.} ) 27...a5 28.Ne5 Rc7 29.a3 Kg7 30.Kg2 {mit der Absicht g3-g4-g5, sodann h2-h4-h5 usw.} 30...h5 31. Rxe4 {Ein naheliegendes Qualitätsopfer? Gewiß, doch mußte dabei schon jetzt ein Defensivplan gegen die gegnerische Damenflügelmajorität ins Auge gefaßt werden, und dies war gewiß nicht leicht. Auch mußte ich mir darüber im klaren sein, daß ich nach erst erfolgter Hemmung dieser eben angedeuteten Mehrheit insofern gewonnenes Spiel hätte, als die - mir bekannten - Voraussetzungen zu erfolgreichem Lavierungsspiel voll und ganz gegeben sind. Wir werden bald sehen, wie dies zu verstehen ist.} 31...fxe4 32.Qxe4 Qf6 33.Nxc6 Rd5 ( {Ungenügend wäre das Rückopfer durch} 33...Rxc6 34.Qxc6 Rxd4 {, und zwar wegen des Zwischenzuges} 35.Qc7+ $1 {, denn geht nun der König nach h6, so folgt Turmtausch nebst Dd6!, geht er aber nach g8, so geschieht} 35...Kg8 36.Rb1 {, zum Beispiel:} 36...b4 37.Qxa5 {und gewinnt.} ) 34.Ne5 ( {Falls} 34.Nxa5 {, so} 34...Rcxc5 ) 34...Qf5 35.Qd3 $1 Qxd3 ( {Es droht die Gabel, zum Beispiel:} 35...Rcxc5 36.e4 ) 36.Rxd3 Rd8 37.Kf3 Rb8 38.Rb3 {Den "Blockadedolch" im Gewande.} 38...b4 39.a4 Rd8 40.Ke4 Rcc8 {Die weiße Haupt- und Schlußdrohung besteht offenbar darin, sich zwei verbundene Freibauern zu verschaffen, etwa durch Postierung des Königs auf c4, mit der Folge e2-e4 und d4-d5. Der geplante Königspostierung auf c4 stellen sich aber beträchtliche Schwierigkeiten entgegen, zum Beispiel wäre sofortiges 41. Kd3? wegen 41. ... Tcc5: ein grober Fehler. Es gilt also durch langsames Lavierungsspiel die Königsstellung doch zu erreichen.} 41.Nc4 Ra8 42.Re3 Kf6 43.Nd2 Ke7 44.Nb3 {Enthüllt den Lavierungsplan: das Blockadefeld b3 soll abwechseln durch Springer und Turm besetzt werden, während die jeweilig beweglich bleibende Figur Angriffe unternimmt. Im 55. Zuge ist dann die Ausgangsstellung nämlich die Position nach dem 40. Zuge von Schwarz erreicht, nur mit dem wichtigen Unterschiede, daß der weiße König das heiß ersehnte Feld c4 besetzt hält.} 44...Ra6 45.Kd3 Rd5 46.h4 Ra8 47.Kc4 Kd7 48.Rd3 Kc7 49.Rd1 Rd7 50.Rg1 Rf7 51.Rb1 $1 {Der abgegebende Zug: die Wache wird abgelöst!} 51...Kb7 ( {Ein allfälliger Durchbruchsversuch durch} 51...g5 {wäre ungenügend. Man beachte übrigens auch die zum Überfluß mögliche ausgesucht feine Parade} 52.Rg1 $1 ) 52.Nd2 Kc6 53.Nf3 Kc7 54.Ne5 Rg7 55.Rb3 $1 Rb8 56.e4 {Klar zum Gefecht!} 56...Rgg8 57.d5 exd5+ 58.exd5 Rbc8 59.d6+ Kd8 60.Kd5 Rg7 61.c6 {Aufgegeben.} 1-0 [Event "Internationales Meisterturnier"] [Site "Hannover"] [Date "1926.08.14"] [Round "5"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Antze, Oskar Hans"] [Result "1-0"] [ECO "E60"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 75"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Und wiederum verlief das Lavierungsspiel im Zeichen orginell anmutender "Schwächen". Der Lavierende - Weiß - drohte nämlich, mit einem Defensivmanöver aufzuwarten, das allerdings zur völligen Vernichtung jedes möglichen Gegenspiels führen müßte. Im Bestreben, dieses eben angedeutete Manöver zu verhindern, ging nun Schwarz an der "zweiten" Schwäche zugrunde.} 1.d4 Nf6 2.c4 g6 3.g3 Bg7 4.Bg2 O-O 5.f4 d6 6.Nf3 c6 $1 {der Nachstoß d6-d5 ist im Plane!} 7.O-O d5 8.cxd5 cxd5 9.Ne5 Qb6 10.Nc3 Rd8 $1 11.b3 $1 Na6 ( {auf} 11...Nc6 {wäre die Kombination} 12.Ba3 $1 Nxd4 13.Na4 Nxe2+ 14.Kh1 Qa6 15.Bf3 {gefolgt} ) 12.Ba3 Bf8 13.Na4 Qb5 14.Qd3 Qa5 {einfacher wäre der Abtausch} 15.Rfc1 Bf5 16.Qc3 Qb5 17.Bf1 Ne4 18.Qe1 Qe8 19.e3 {Es ist dem Anziehenden zwar gelungen, der gegnerischen Dame das Dreieck b6 b5 a5 zu verleiden, doch hätte Schwarz nun immerhin mittels 19. ... f6 20. Sf3 Lg4 auf den Vorstoß e7-e5 spielen können. Er unterläßt dies und begeht statt dessen einen Fehler, der zu ziemlich schneller Entscheidung hätte führen sollen.} 19...b5 $2 20.Nc6 Rdc8 21.Bxb5 Bd7 22.Bxa6 Rxc6 23.Bb7 Rxc1 24.Rxc1 Rd8 ( {falls} 24...Rb8 {, so} 25.Bxd5 Nf6 26.Bf3 Bxa4 27.bxa4 Qxa4 28.Qc3 {nebst eventuell Lc6 mit leichtem Gewinnspiel} ) 25.Nc5 ( { auch jetzt wäre} 25.Bxd5 {stark gewesen, zum Beispiel:} 25...Nxg3 26.hxg3 Bxa4 27.Bxf7+ Qxf7 28.bxa4 Qxa2 29.Qc3 {mit gelegentlichem Damentausch, wonach das Endspiel leicht gewonnen wäre} ) 25...Bc8 26.Bxc8 ( 26.Bxd5 { kam in Betracht} ) 26...Rxc8 27.Qa5 e6 28.Nxe4 dxe4 29.Rxc8 Qxc8 30.Bc5 Bxc5 31.Qxc5 $2 ( {Mit diesem groben "Müdigkeitsfehler" verschenkt Weiß beinahe die ganze Partie,} 31.dxc5 {hätte in wenigen Zügen zur Waffenstreckung geführt; auf} 31...Qd7 {, was unangenehm zu sein schien, wäre} 32.Qc3 $1 Qd1+ 33.Kf2 Qf3+ 34.Ke1 {(mit bequemer Königsflucht nach a3) mit Entscheidung gefolgt. Nach dem Fehler muß Weiß die Partie zum zweitenmal gewinnen.} ) 31...Qa6 $1 32.Qc2 Qa5 33.Kf2 Qh5 34.Qxe4 Qxh2+ 35.Qg2 Qh5 36.g4 Qa5 37.Kg3 h6 ( {besser erschien} 37...Qc3 ) 38.Qf2 Qc7 39.Kh3 f5 40.gxf5 gxf5 41.d5 $1 exd5 42.Qg2+ Kf7 43.Qxd5+ Kf6 {Es beginnt nun ein äußerst langwieriges Lavierungsspiel. Als schwarze Schwächen fungieren: a) der Damenflügel: Weiß droht daselbst mit Freibauernbildung; b) der Königsflügel: der weiße König droht über h5 einzudringen; auch würden rückwärtige weiße Schchgebote insofern störend wirken, als die isolierten f- und h-Bauern zu unbequemn Deckungszügen Anlaß geben müßten; c) die drohende Zentralisierung der weißen Dame etwa auf d4 nebst nachfolgendem Fluchtversuch des weißen Königs, vergleiche die Note zum 65. Zuge. Die schwarzen Gegenchancen liegen dagegen vor allem in möglichen Schach-Angriffen auf den nur schwach geschützten feindlichen König und ferner in dem freien h-Bauern. Es folgte nun:} 44.Qd4+ Kg6 45.Qd2 Kf6 46. Qb2+ Kg6 47.b4 Qc4 48.Qd2 Kh5 49.a4 a6 50.Kg3 Qg8+ {Eine nur kleine, unscheinbare Königsbewegung (Kh3-g3), und schon sieht sich der Schwarze zur Anwendung von Abwehrmitteln auch am Königsflügel veranlaßt. Dieses Reagierenmüssen selbst auf die leiseste Andeutung einer Drohung ist für die gegebene Kampfsituation bezeichnend.} 51.Kh2 Qc4 52.Qb2 Qd3 53.Qg2 Qc4 ( 53...Qxe3 $4 54.Qh3+ ) 54.Kg3 Qg8+ ( {Besser gefiele uns} 54...Qd3 ) 55. Kh3 Qc4 56.Qf3+ Kg6 57.Kh4 Kg7 ( {Falls} 57...Qxb4 {, so} 58.Qc6+ {nebst Kh5.} ) 58.Qb7+ Kg6 59.Qb6+ Kh7 60.Qf6 $1 {Mit der Eroberung dieses wichtigen Punktes ist Weiß um ein gutes Stück weitergekommen.} 60...Qd5 61.Kg3 Qg8+ 62.Kh2 Qa2+ 63.Kh3 Qd5 64.Qe7+ Kg6 65.Qe8+ $1 {Der Punkt e8 ist hier von noch größerer Bedeutung als der Punkt f6.} 65...Kh7 ( {Danach kommt Weiß ohne Gefahr zum Gewinnzuge a4-a5, aber auch nach} 65...Kf6 66. Kg3 Qd3 $1 {(noch am besten!)} 67.a5 $1 {wäre das Gefahrenmoment nicht allzu groß, zum Beispiel:} 67...Qf1 ( {falls} 67...Qb1 {, so} 68.Qc6+ { nebst Qb7+ und Qxa6 wie in der Partie} ) 68.Qe5+ Kg6 69.Qe6+ Kg7 70.Qxf5 Qg1+ 71.Kf3 Qf1+ 72.Ke4 Qc4+ 73.Ke5 Qb5+ 74.Ke6 {und gewinnt. Dies als Illustration zu der mehrmals erwähnten Defensivdrohung des Nachziehenden.} ) 66.Kg3 Qb3 67.a5 $1 ( {Am einfachsten, denn nun wirkt die Drohung b4-b5 wuchtig. Eine andere Möglichkeit bot die Variante} 67.Qd7+ Kg6 68.Qc6+ Kh7 69.Qb7+ Kg8 70.Qb8+ Kh7 71.Qa7+ Kg8 {und nun wiederum} 72.Kh4 ) 67...Qb1 ( {Besser wäre} 67...Qd3 {, die Gewinnfortsetzung wäre dann nicht unkompliziert, nämlich} 68.Qf7+ Kh8 69.Qf6+ Kh7 70.Qd4 $1 {, und nun ergeben sich zwei Varianten, je nach dem, ob er die Dame nach b1 oder f1 zieht. In beiden Fällen folgt zunächst 71. Dd7+, dann aber gewinnt Weiß den jeweilig ungedeckten a- oder f-Bauern, zum Beispiel:} 70...Qb1 ( {oder } 70...Qf1 71.Qd7+ Kg6 72.Qe6+ Kg7 73.Qxf5 {mit nachfolgender Königsflucht, wie in der Note zum 65. Zuge von Schwarz gezeigt.} ) 71.Qd7+ Kg6 72.Qc6+ Kg7 73.Qb7+ Kf8 74.Qxa6 {wie in der Partie. Also nach genügend langem Lavieren sehen wir die Bauernschwächen abwechselnd fallen, ein Sieg der Lavierungslogik!} ) 68.Qd7+ Kg6 69.Qc6+ Kg7 70.Qb7+ Kf8 71. Qxa6 {und gewann.} 71...Qe1+ 72.Kf3 Qd1+ 73.Qe2 Qd5+ 74.Kf2 Qd8 75.a6 Qh4+ 76.Kg2 Qe7 77.Qf3 Qc7 78.b5 Qg7+ 79.Kf2 Qb2+ 80.Qe2 Qa1 81.b6 {Aufgegeben. Die weiße Defensivdrohung - Königsflucht nach vorhergegangener Zentralsicherung - hat dauernd in die Ereignisse hineingespielt. Die hierfür typische Stellung wäre etwa: Weiß: Kg3 Dd4 Ba5 e3 f4; Schwarz: Kg6 Dh1 Bf5 und h6. Weiß zieht Kf2!, und der König entkommt nach dem Damenflügel. - Es erübrigt sich noch, die Lavierungsachse als solche zu fixieren: dieselbe ist in der Schräge d4-f6 zu erblicken; davon überzeugt uns auch sie in der Hauptvariante (nämlich bei 67. ... Dd3! statt des offenbar schwächeren 67. .. . Db1) vor sich gehende Rückkehr der Dame von e8 nach f6 und d4. Ein für die Lavierungsstrategie äußerst lehrreiches Endspiel. - Wir beschließen diesen Abschnitt mit der Vorführung zweier Schlußspiele.} 1-0 [Event "Trainingsturnier"] [Site "Kopenhagen"] [Date "1928.??.??"] [Round "?"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Strange-Petersen"] [Result "1-0"] [ECO "A01"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 76"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Nach äußerst zähem Verteidigungsspiel seitens meines jugendlichen Gegners war ein anscheinend völlig ausgeglichenes Endspiel entstanden.} 1.b3 d5 2.Bb2 Bf5 3.e3 e6 4.f4 Nf6 5.Nf3 Nbd7 6.g3 Bd6 7.Bg2 Qe7 8.O-O e5 $1 {mit köstlicher Unbefangenheit gespielt!} 9.fxe5 Nxe5 10.Nxe5 Bxe5 11. d4 Bg4 12.Qd3 Bd6 13.c4 c6 14.cxd5 cxd5 15.Nc3 Be6 16.Qb5+ Qd7 17.e4 ( { besser wäre zunächst} 17.Qxd7+ Kxd7 {und dann erst} 18.e4 ) 17...dxe4 18. Qxd7+ Bxd7 {denn nun braucht er seinen König nicht zu bemühen} 19.Nxe4 Nxe4 20.Bxe4 Rb8 21.Bd5 O-O 22.Kg2 $1 {Präventivzug gegen Lh3 mit Einengung} 22...b6 23.Rac1 Rbc8 ( {Spiel in der e-Linie erschiene eher angezeigt, zum Beispiel:} 23...Rbe8 {nebst Le6 und Te7} ) 24.Rxc8 $1 Bxc8 25.Bc6 $1 {d4-d5 soll nachfolgen, Bd5 und Lc6 würden dann ein nettes Kleeblatt bilden} 25...Rd8 26.Rc1 Kf8 27.d5 Ba6 28.Re1 f6 29.Re4 Bc8 30. Ra4 a6 31.Bc3 Kf7 32.Be1 h6 33.b4 Bc7 34.b5 a5 {nun steht der Lc6 zwar eisenfest da, aber etwas eingesperrt wirkt er andererseits doch} 35.Bf2 Kf8 36.Re4 Kf7 37.Rc4 Bf5 38.g4 Bb1 39.a3 Ba2 40.Rd4 Bb3 41.Rd2 a4 42.Kf3 g6 43.Ke4 {Die schwarzen Schwächen bestehen hier weniger in Bauern- als vielmehr in Punktschwächen. Die letzteren liegen fast ausnahmslos in der e-Linie, und zwar könnte Weiß entweder den Punkt e6 oder aber Punkt e5 zu erobern trachten, zum Beispiel: Lg3, Läufertausch, dann Kd4 und schließlich Td2-e2-e6. Oder h2-h4 und g4-g5; nach h6xg5, hg f5+ folgt Kf3 nebst Lf2-e3-f4, Läufertausch und Ke5. In der Partie geschah:} 43...h5 ( { Er findet nicht den rechten Plan.} 43...g5 $1 {sollte geschehen sein, dann wäre der Anschlag gegen Punkt e5 im Keime erstickt, der Angriff gegen e6 aber ließe sich wie folgt abwehren:} 44.Bg3 Bd6 45.Bxd6 Rxd6 46.Kd4 Kf8 47.Re2 Kf7 {und Weiß kommt nicht weiter} 48.Re8 $2 Rxc6 $1 ) ( {Falls Weiß nach} 43...g5 $1 {den Versuch} 44.Bd4 {unternimmt, so geschieht einfach} 44...Bc4 45.Rf2 Rd6 {(} 46.Be5 $2 Rxc6 {). - Der Gewinn ist eben nach 43. ... g5 ein Ding der Unmöglichkeit; Weiß hat einen Läufer weniger im Spiel, und Bd5 ist schutzbedürftig, in der e-Linie ist er freilich stark, aber dies allein genügt noch nicht zum Gewinn!} ) 44.gxh5 f5+ ( { Nach} 44...gxh5 {würde die oben angedeutete Methode nun viel eher zum Ziele führen, denn h5 wäre dann unsere "zweite" Schwäche, zum Beispiel:} 45.Bg3 Bd6 46.Bxd6 Rxd6 47.Kd4 Kf8 48.Re2 Kf7 {und nun} 49.Re3 $1 {, zum Beispiel:} 49...Bd1 50.Be8+ Kf8 51.Bg6 Bb3 52.Re8+ {nebst Le4 mit Gewinnspiel.} ) 45.Kf3 g5 ( {Oder} 45...gxh5 46.Bh4 Rd6 47.Bg3 f4 48.Bxf4 Rf6 49.d6 ) 46.Bg3 Bd6 ( {Falls} 46...f4 {so natürlich} 47.Bf2 {nebst h4 usw.} ) 47.Bxd6 Rxd6 48.Kg3 Kg7 49.h4 Kh6 50.hxg5+ Kxg5 51.Kf3 Kxh5 52.Kf4 {und gewann.} 52...Kg6 53.Ke5 Rd8 54.d6 Kf7 55.Rf2 Be6 56.Rf4 {usw.} 1-0 [Event "II. internationales Schachmeisterturnier"] [Site "Karlsbad"] [Date "1911.08.29"] [Round "7"] [White "Cohn, Erich"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "D30"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 77"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.d4 d5 2.Nf3 e6 3.c4 c5 4.e3 Nf6 5.Bd3 Bd6 6.O-O O-O 7.a3 cxd4 8.exd4 dxc4 9.Bxc4 Nc6 10.Nc3 b6 11.Bg5 Bb7 12.Qe2 h6 13.Be3 Ne7 14.Ne5 Ned5 15. Nxd5 Nxd5 16.Qh5 Bxe5 17.Qxe5 Nf6 18.Rfe1 Bd5 19.Bd3 Rc8 20.Rac1 Ng4 21. Qg3 Nxe3 22.fxe3 Qd7 23.Ba6 Rxc1 24.Rxc1 Qa4 25.Bf1 Qb3 26.Qf2 f5 27.Qd2 Rf7 28.Qc3 Qa4 29.g3 Kh7 30.Bg2 Qb5 31.Bxd5 exd5 32.Qd2 Qb3 33.Qc3 Qb5 34. Qd2 Qb3 35.Qc3 Qb5 36.Qd2 Re7 37.Qc2 Qd7 38.Qd3 Re4 39.Kf2 Qe6 40.Rf1 Qg6 41.Kg2 Qe6 42.Kf2 Qg6 43.Kg2 Qe6 44.Kf2 Kg6 45.Rc1 Kh7 46.Rc2 Qg6 47.Kg2 Qg5 48.Rf2 Qg6 49.Qe2 Qe6 50.Qf3 Kg6 51.Re2 Kh7 52.Kf2 Qc8 53.Kg2 Qe6 54. Kf2 Qg6 55.Kg2 Qg5 56.Kf2 Qf6 57.Kg2 Qg5 58.Kf2 Qg6 59.Kg2 Qe6 60.Kf2 Qc8 61.Kg2 Qe6 62.Kf2 Qc8 63.Kg2 a5 {Um dem Könige auf a7 ein sichers Plätzchen anweisen zu können!} 64.h4 Kg6 65.Kh2 h5 66.Kg2 Kh6 67.Rf2 g6 68.Rf1 Kg7 {Er tritt die Reise nach a7 an.} 69.Rf2 Kf7 70.Kh2 Ke7 71.Re2 Qc1 72.Qf2 Kd7 73.Re1 Qc6 74.Kg2 Rg4 {Das abwechselnde Massieren der gegnerischen Schwächen gehört natürlich zu den erprobtesten Mitteln der Lavierungsstrategie, sonst wäre Kc7 auch gleich möglich gewesen.} 75.Rf1 ( {Falls} 75.Re2 {(um Kc7 zu erschweren), so etwa} 75...Re4 76.Kh2 Qc1 77. Kg2 Qd1 78.Kh2 Qd3 {und der König gelangt doch nach a7, worauf die Sache dann weitergeht.} ) 75...Qc7 76.Qf3 Kc8 77.Qf2 Kb8 78.Kh3 Ka7 79.Rg1 { Weiß muß auch an die Möglichkeit g6-g5 denken, er hat gar manche Drohung zuberücksichtigen. Kein Wunder, wenn die Sache für ihn schließlich schief geht. Es folgte:} 79...Qd7 80.Kh2 Qd6 81.Kh3 Qc6 82.Re1 Qe6 83.Kh2 Qe4 84. Kh3 Qe6 {diese Hin- und Herzüge haben nicht nur psychologischen Wert, sie müssen vielmehr auch als Abtasten des Terrains nach elastischen Verbindungslinien aufgefaßt werden. Die Idee ist: Wird der Gegner an Schnelligkeit der Umgruppierung mit uns Schritt halten können?} 85.Kh2 Qe7 86.Kh3 Qe4 87.Rg1 Qe6 88.Kh2 Re4 89.Rc1 ( {auf} 89.Re1 {hatte E. Cohn den Durchbruch} 89...g5 90.hxg5 h4 {befürchtet, zum Beispiel:} 91.gxh4 f4 92. g6 f3 {mit gefahrdrohenden Komplikationen. Der Leser prüfe, ob mit Recht?} ) 89...Rxe3 90.Qf4 Re2+ 91.Kh3 Ka6 92.b4 axb4 93.axb4 Kb5 94.Rc7 Qe4 95. Qxe4 Rxe4 96.Rg7 Re6 97.Rd7 Kc4 98.Kg2 Kxd4 99.Kf3 Kc4 100.b5 d4 { Aufgegeben. Mag der Logos des Sieges auch nicht mit aller wünschenswerter Klarheit in die Erscheinung getreten sein, eines steht aber doch fest: die Schwierigkeiten, die die Verteidigung zu überwinden hatte, waren so groß, daß das im Kongreßbuch nahegelegte "Remisgeben" u. E. überhaupt nicht in Betracht kam. Damit beschließen wir den fünften Abschnitt.} 0-1 [Event "Meisterturnier"] [Site "Marienbad"] [Date "1925.06.04"] [Round "12"] [White "Michell, Reginald Pryce"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "B29"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 78"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.e4 c5 2.Nf3 Nf6 3.e5 Nd5 4.Nc3 $1 Nxc3 ( {Sicherer ist} 4...e6 ) ( {Auch } 4...Nb6 {kommt in Frage.} ) 5.dxc3 b6 ( {Ein Gedanke von "hypermoderner" Kühnheit: er versucht, die eigene Entwicklung künstlich zu verlangsamen, damit der Gegner vorschnell Farbe bekenne, ein äußerst gewagtes Beginnen. Korrekter erschiene} 5...d5 {zum Beispiel:} 6.exd6 exd6 {mit haltbarem d-Bauer.} ) 6.Bd3 ( {Energischer wäre} 6.Bc4 e6 7.Bf4 {nebst Dd2 und Td1 bzw. 0-0-0.} ) 6...Bb7 7.Bf4 Qc7 {Er laviert weiter (vergleiche die Note zum fünften Zuge), behält sich beide Rochaden wie auch alle möglichen Bauernkonfigurationen vor und hofft im übrigen auf gegnerische Unterlassungssünden.} 8.Bg3 ( 8.Qe2 {gefiele uns besser.} ) 8...e6 9.O-O Be7 10.Nd2 $1 {Ein trefflicher Zentralisierungsplan; Sd2-c4-d6 droht nun, die gegnerische Entwicklung zu stören.} 10...h5 ( {Eine entschieden etwas verdächtig wirkende Parade, denn eine Flügeldiversion ist selten stark genug, um eine gegnerische Zentralattacke neutralisieren zu können; in Betracht kam daher wohl eher} 10...Nc6 ( {oder} 10...d5 ) ) 11.h3 g5 12. Be4 $2 ( {Weshalb in aller Welt wird Sc4 nebst Sd6+ aufgeschoben? Man prüfe:} 12.Nc4 b5 13.Nd6+ Bxd6 14.exd6 Qc6 15.f3 f5 $2 16.Be5 Rg8 17.Qe2 $1 {und gewinnt (} 17...c4 18.Bxf5 exf5 19.Bf6+ Kf7 20.Qe7+ Kg6 21.Bxg5 { mit siegreichem Angriff)} ) ( {Oder} 12.Nc4 Nc6 13.Nd6+ Bxd6 14.exd6 Qd8 15.Qe2 Qf6 16.Be4 {mit überlegener Zentralstellung.} ) ( {Oder schließlich} 12.Nc4 Na6 13.Qe2 O-O-O 14.Na5 {und Weiß beseitigt den Angriffsläufer b7 und behält die bessere Bauernstellung. - 12. Sc4 wäre also stark gewesen.} ) 12...Nc6 13.Re1 O-O-O 14.Nc4 {Jetzt verpufft dieser Angriff wirkungslos.} 14...b5 $1 {Schafft der Dame ein Feld auf b6.} 15. Nd6+ Bxd6 16.exd6 Qb6 17.Bf3 ( {Damit gibt er den letzten Rest seiner Zentralüberlegenheit aus der Hand. Richtig war} 17.Be5 {Darauf hätte Schwarz allerdings mittels} 17...f5 18.Bxh8 Rxh8 19.Bd3 ( {doch würden wir nach} 19.Bxc6 {(statt 19. Ld3)} 19...Qxc6 20.f3 g4 21.Re5 {eher Weiß vorziehen. - Nach dem schwächeren Textzug beherrscht der Flügelannriff das Brett.} ( {oder} 21.Re3 ) ) 19...g4 {im Trüben fischen können (zum Beispiel:} 20.h4 g3 {und} 21.fxg3 {würde wegen} 21...c4+ {eine Figur kosten),} ) 17...g4 $1 18.hxg4 hxg4 19.Bxg4 f5 20.Bf3 Rh7 21.Kf1 e5 $1 22. Bxc6 {Gegen die Doppeldrohung e5-e4 und f5-f4 gibt es nichts anderes.} 22...Qxc6 23.f3 e4 24.fxe4 Rg8 25.Bf2 fxe4 26.Qd2 {drohend De3 mit Blockierung.} 26...e3 $1 27.Qxe3 Qxg2+ 28.Ke2 Rf7 {Mit der netten Drohung Tf2:+ Df2: Te8+ Kd1 und nun zunächst Lf3+ und gewinnt (nicht sofort Qxf2 wegen Re8:#).} 29.Kd1 {drohend Matt auf e8.} 29...Kb8 30.Rg1 Rxf2 $1 { Entscheidenes Damenopfer!} 31.Rxg2 Rfxg2 ( {Noch stärker als} 31...Rgxg2 ) 32.b3 Rg1+ {und gewann leicht,} 33.Kd2 R8g2+ 34.Kd3 Rxa1 35.Qxc5 Rd1+ 36. Ke3 Re1+ 37.Kd3 ( {falls} 37.Kf4 {so} 37...Rf1+ 38.Ke3 Rf3+ 39.Kd4 Rg4+ 40.Ke5 Re4# ) 37...Be4+ 38.Kd4 Rd2+ 39.Ke5 Rd5+ 40.Qxd5 Bh1+ $1 { Aufgegeben} 0-1 [Event "Trainingsturnier"] [Site "Kopenhagen"] [Date "1928.??.??"] [Round "?"] [White "Nielsen, E. Verner"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "B29"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 79"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.e4 c5 2.Nf3 Nf6 3.e5 Nd5 4.d4 cxd4 5.Qxd4 e6 6.Bd3 ( {Schlechter zog gegen mich} 6.Bc4 {(San Sebastian 1912), und es folgte:} 6...Nc6 7.Qe4 d6 $1 8.exd6 Nf6 9.Qh4 Bxd6 10.Nc3 Ne5 $1 {(in Betonung der weißen Zentralnnterlegenheit, entstanden infolge der wenig zeitgemäßen Damendiversion)} 11.Nxe5 Bxe5 12.O-O O-O 13.Bd3 Qd4 $1 {(in Betonung der weißen Zentralnnterlegenheit, entstanden infolge der wenig zeitgemäßen Damendiversion)} 14.Qxd4 ( {um auf} 14.Qh3 {mittels} 14...Qg4 {ein korrektes Bauernopfer zu bringen, nämlich} 15.Bxh7+ Kh8 16.Bf5+ Qxh3 17. Bxh3 Bxc3 18.bxc3 e5 {mit schwarzem Vorteil} ) 14...Bxd4 {Dr. Tarrasch erklärt nun das Spiel für gleichstehend, eine Ansicht, die wir nicht zu teilen vermögen: der Schwarze erscheint viel besser zentralisiert} 15.Nb5 Bc5 16.Bf4 Bd7 17.Rad1 a6 18.Bd6 ( {besser} 18.Nc3 ) 18...Rfc8 19.Bxc5 Bxb5 20.Bd4 Bxd3 21.Rxd3 $3 {Hierin manifestiert sich Schlechters wurderbar feines Schachgefühl, er verliert lieber einen Bauern, als daß er die Zentralstellung Sd5 gestattet.} 21...Rxc2 22.Rb3 b5 23.Bxf6 gxf6 24. Rd1 Rac8 25.Kf1 f5 ( {Hier empfiehlt Dr. Tarrasch} 25...R8c5 {Indes hätte Schlechter hierauf seelenruhig} 26.Kg1 {und falls} 26...Rf5 {, so} 27.Rf1 {gezogen, der Gewinn wäre nach wie vor schwierig.} ) 26.Ke1 R8c4 27.Rd2 { und Schlechter erzielte im 79. Zuge ein in Anbetracht des Minusbauern höchst ehrenvolles Remis} ) 6...Nc6 7.Qe4 f5 ( {Auf der Jagd nach hypermodernen Bauernkonfigurationen, sonst könnte auch} 7...d6 ) ( {oder} 7...Ndb4 {geschehen.} ) 8.Qe2 ( {Durch} 8.exf6 Nxf6 9.Qe2 {wären die "Hängebauern" zu erzielen gewesen.} ) 8...Bc5 ( {Schon wird die Stellung nach Zentralpunkten abgesucht (d4); das vorsichtigere} 8...Be7 {gefiele uns weniger.} ) 9.O-O O-O 10.a3 Qc7 ( {Nicht} 10...a5 {, denn dies würde b5 nur unnötig schwächen.} ) 11.c4 Nde7 12.b4 Nd4 {Vergleiche die Note zum 8. Zuge von Schwarz.} 13.Nxd4 Bxd4 14.Bb2 Bxb2 15.Qxb2 Ng6 16.Re1 b6 17. Nc3 a6 18.Nd1 Bb7 19.Qd4 ( {Größere Konsolivdierungsmöglichkeiten hätte wohl} 19.f3 {nebst Lf1 und Sf2 gewährt.} ) 19...Rad8 20.Qd6 ( {Übersieht den 24. Zug von Schwarz. Mit} 20.c5 {konnte das Gleichgewicht bewahrt werden.} ) 20...Qxd6 21.exd6 Bxg2 22.Kxg2 Nf4+ 23.Kf3 Nxd3 24.Re3 e5 { Schwarz hat natürlich ein gewonnenes Endspiel, die Fortsetzung gestaltet sich aber noch recht interessant:} 25.Kg2 Nf4+ 26.Kf1 e4 27.f3 exf3 28. Rxf3 Ng6 29.Rc1 Ne5 {das Interessante liegt in dem trefflichen Zusammenspiel zwischen Freibauer und Springer: einmal wird die Stellung Bf5 Sg4, das andere Mal die Position Bf4 Se3 erreicht, d. h. immer weiß der Springer den durch das erfolgte Bauernvorrücken erzielten Terraingewinn nachdrücklich zu betonen} 30.Re3 Ng4 31.Re2 f4 32.Rg2 Nh6 $1 33.Rc3 Rc8 34.Nb2 Nf5 35.Rf2 Nxd6 36.Rff3 g5 37.Rcd3 Nf5 38.Rxd7 Ne3+ 39. Ke1 g4 40.Rf2 g3 41.Rf3 Rce8 {Aufgegeben.} 0-1 [Event "II. internationales Schachmeisterturnier"] [Site "Karlsbad"] [Date "1911.09.15"] [Round "19"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Löwenfisch, Grigori"] [Result "1-0"] [ECO "C02"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 8"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.e4 e6 2.d4 d5 3.e5 c5 4.c3 Nc6 5.Nf3 f6 ( {Strategisch verfehlt, Bauernketten dürfen nur von der Basis aus - hier d4 - angegriffen werden. Richtig war demgemäß} 5...Qb6 6.Be2 cxd4 7.cxd4 Bd7 {mit Druck gegen d4.} ) 6.Bb5 Bd7 7.O-O Qb6 ( {Nicht} 7...Nxe5 {wegen} 8.Nxe5 Bxb5 9.Qh5+ Ke7 10.Qf7+ Kd6 11.dxc5+ $1 Kxe5 12.Re1+ Kf5 13.Qh5+ g5 14.g4# ) 8.Bxc6 bxc6 9.exf6 Nxf6 ( {Hier hätte ich} 9...gxf6 {vorgezogen.} ) 10.Ne5 Bd6 11.dxc5 Bxc5 12.Bg5 $1 {Dieser Zug, der zu einer völligen Blockierung des schwarzen Bauernzentrums führt, bildet die Pointe der weißen Spielweise, Zug 8-12.} 12...Qd8 13.Bxf6 Qxf6 14.Qh5+ g6 15.Qe2 Rd8 16.Nd2 O-O 17.Rae1 Rfe8 18.Kh1 Bd6 19.f4 c5 20.c4 {Nach 20. c3-c4 Ld6-f8 verliert Schwarz einen Bauern, aber dieser Verlust ist eher angenehm, denn nun kommen die Läufer zu Wort, und Weiß wird es nicht leicht haben, sein auf Blockade eingestelltes Spiel plötzlich umzustellen.} ( 20.Qa6 Bb8 ( {oder} 20...Qe7 21.Ndf3 $1 {und Weiß droht je nach den Umständen, Qxa7 oder Ng5 folgen zu lassen.} ) 21.Nb3 Qe7 22.Na5 ) 20...Bf8 {Die Brücke zwischen dem immer ein wenig hinterhältigen Blockierungsspiel einerseits und einem dem Gegner offen ins Auge schauenden Angriffsspiel andererseits ist nie leicht geschlagen. Heute glaube ich, daß dies vielleicht am ehesten durch 20. Da6 zu erreichen gewesen wäre, zum Beispiel: (siehe Anmerkungen nach 20. c4)} 21.cxd5 Bc8 22.Ne4 Qg7 23.dxe6 ( {Mittels} 23.d6 $1 {war die Notwendigkeit der Umstellung vermieden, aber ich wollte das Bauernopfer "auskosten". Der Zug 23. d6 hätte leicht gewonnen.} ) 23...Bxe6 24.Qa6 Kh8 25.Rd1 Bg8 26.b3 Rd4 $1 27.Rxd4 cxd4 28.Qa5 {Weiß hütet sich davor, durch eine etwaige Springerdiversion (Sg5) die mächtigen Läufer zu reizen. Mit dem Textzuge verhindert er Td8, gestattet aber die Besetzung der c-Linie. Der Kampf gestaltet sich nun recht dramatisch.} 28...Rc8 29.Rd1 Rc2 30.h3 Qb7 31. Rxd4 Bc5 {Nun scheint der schwarze Angriff übermächtig zu werden.} 32.Qd8 $3 {Mit der überraschenden Pointe 32. ... Ld4: 33. Dd4: (siehe Anmerkungen nach 32. ... Bxd4)} 32...Be7 ( 32...Bxd4 33.Qxd4 Qg7 {(sonst schlimmeres)} 34.Nd6 $3 {und 35. Se8 mit sofortigem Gewinn. Ist nun, so frage ich, diese Rettung als eine sich mehr zufällig ergebende anzusprechen? Nein, denn der ganze Vorgang ist typisch. Hat dein Gegner es verstanden, durch ein Bauernopfer deine zentrale Blockierung gegenstandslos zu machen, so bleibe hübsch im Zentrum und warte auf eine sich darbietende Gelegenheit, eine zentrale Blockierungsschräge zur Basis eines Rückopfers machen zu können. Dieses Rückopfer wird dann entscheidend wirken.} ) 33.Qd7 Qa6 34.Rd3 {Um Dd4 zu spielen. Wiederum die Blockierungsschräge d4-h8!} 34...Bf8 35.Nf7+ Bxf7 ( {Oder} 35...Kg7 36.Qd4+ $1 {nebst matt in zwei Zügen.} ) 36.Qxf7 Rc8 {Völlige Deroute.} 37.Rd7 {Diese Partie besteht aus zwei Teilen: I. Überraschend durchgeführte Zentral-Blockierung. II. Interessante Abwehr eines gegnerischen Versuches, die Blockade gewaltsam in die Luft zu sprengen. Der erste Teil der Partie war zur Zeit, da sie gespielt ward, Neuland, der zweite ist es noch heute.} 1-0 [Event "Großmeisterturnier"] [Site "New York"] [Date "1927.02.24"] [Round "5"] [White "Vidmar, Milan"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "E11"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 80"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.d4 Nf6 2.Nf3 e6 3.c4 Bb4+ 4.Bd2 Qe7 {Diese vom Verfasser herrührende Neuerung bedeutet durchaus kein frühzeitiges Sich-Festlegen-Wollen auf ein bestimmtes Eröffnungsprogramm: auf e7 steht die Dame vielmehr in jedem Falle - ob nun Indisch oder Holländisch - ganz vortrefflich.} 5.Nc3 ( { etwas besser dürfte} 5.g3 {sein} ) 5...O-O 6.e3 d6 {Schwarz ist immer noch auf dem Scheidewege zwischen Holländisch [b6 nebst Lb7] und Indisch [c5 nebst Sc6 bzw. e5 nebst Sc6]; die Entscheidung fällt erst im nächsten Zuge } 7.Be2 ( {er verzichtet auf} 7.Bd3 {und dieser Verzicht muß als schwarzer "Lavierungserfolg" gebucht werden. Auf 7. Ld3 wäre} 7...e5 {gefolgt} ) 7...b6 8.O-O Bb7 9.Qc2 Nbd7 10.Rad1 Bxc3 11.Bxc3 Ne4 {mit vollständiger "Hollandisierung"} 12.Be1 f5 13.Qb3 {Die Idee dieses etwas mysteriösen Zuges besteht in der Deckung des Bauern e3, zum Beispiel nach Sf3-d2, Sd2:, Td2:, Dg5, f3 und Be3 ist gedeckt.} 13...c5 {Damit ist der holländische Aufbau komplett geworden: Punkt e4 und die Schutz- und Trutzstellung c5 (gegen allfälliges c4-c5 gerichtet).} 14.Nd2 Nxd2 15.Rxd2 e5 16.dxe5 dxe5 17.f3 g5 {Schwarz hat nun die Aufgabe, den Flügelangriff so zu führen, daß der Gegner nicht währenddessen über die d-Linie einbricht.} 18.Bf2 Nf6 19.Rfd1 Rae8 20.Qa4 Ba8 21.Rd6 ( {Ungenügend wäre das Qualitätsopfer} 21.Rd7 Nxd7 22.Rxd7 {wegen} 22...Qf6 23.Qxa7 {und nun einfach} 23...h6 ) 21...Qg7 22.Bf1 ( {Bessere Verteidigung hätte wohl} 22. Be1 {gewährt: falls dann} 22...e4 {so} ( {falls aber} 22...g4 {so} 23.fxg4 Nxg4 24.Rd7 Qg5 25.Bxg4 Qxg4 26.Qc2 ) 23.Bc3 ) 22...e4 $1 23.Be1 exf3 24. Bc3 {Jetzt kommt diese Diversion zu spät, wie die hübsche Antwort lehrt.} 24...Qe7 $1 25.R6d3 ( {Auf} 25.Bxf6 {würde nun ein Matt folgen:} 25... Qxe3+ 26.Kh1 fxg2+ {nebst De1+} ) 25...fxg2 26.Bxg2 Bxg2 27.Bxf6 ( {Auf} 27.Kxg2 {folgt} 27...Qe4+ {mit alsbald entscheidendem Angriff.} ) 27...Qe4 28.R1d2 Bh3 29.Bc3 Qg4+ {nebst Matt in zwei Zügen.} 0-1 [Event "Internationales Schachmeisterturnier - Vorrunde"] [Site "Kecskemét"] [Date "1927.06.27"] [Round "2"] [White "Przepiorka, Dawid"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "E21"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 81"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.d4 Nf6 2.Nf3 e6 3.c4 b6 4.Nc3 Bb7 5.Qc2 Bb4 6.a3 ( {dieser Zug sieht einem Tempoverlust nicht unähnlich, weshalb nicht statt dessen} 6.g3 ) 6...Bxc3+ 7.Qxc3 d6 $1 ( {besser als sofortiges} 7...Ne4 {zum Beispiel} 8. Qc2 d6 9.g3 Nd7 10.Bg2 {und Schwarz wäre mit Rücksicht auf das drohende Sg5 zu dem wenig einladenden Deckungszuge} 10...Rb8 {gezwungen: der Übergang [zum "zweiten" Eröffnungsaufbau] darf eben nicht allzu plötzlich erfolgen!} ) 8.g3 Nbd7 9.Bg2 Qe7 10.O-O O-O 11.b4 Ne4 {Erst jetzt zeitgemäß!} 12.Qc2 f5 13.Ng5 Ndf6 14.Nxe4 ( {Vorzuziehen wäre} 14.f3 Nxg5 15.Bxg5 e5 $1 16.e3 {mit Remischancen.} ) 14...Bxe4 15.Bxe4 Nxe4 16.f3 Nf6 17.Bb2 Rf7 $1 ( {nicht aber} 17...a5 {zum Beispiel:} 18.Bc3 {und Schwarz hätte sich nur unnötigerweise engagiert.} ) 18.Rac1 ( {Richtig war} 18.Rf2 ) 18...Raf8 19.Qd3 h5 20.e4 $2 ( {Wenn dies ginge, dann wäre der schwarze Präventivaufbau (Tf7 und Tf8) zwecklos gewesen. Aber der Zug geht eben nicht, denn die f-Linie, die er frohgemut öffnet, verschlingt ihn selbst mit Haut und Haaren. Etwas besser erscheint} 20.e3 {doch bliebe Weiß auch hierbei im Nachteil, zum Beispiel:} 20...h4 21.Kg2 Nh5 ) 20...fxe4 21.fxe4 Ng4 {Die in der vorigen Note freundlichst in Aussicht gestellte Exekution nimmt ihren Anfang:} 22.h3 Nf2 23.Qe2 Nxh3+ 24.Kh1 Qg5 25.Rxf7 Rxf7 26.Qg2 Nf2+ 27.Kg1 Qe3 {und Weiß gab auf. Die Partie als Ganzes begreifen zu wollen, heißt den logischen Zusammenhang zwischen der schwarzen Warte- und Angriffsstrategie erfassen: all die schwarzen Wartezüge (7., 17. und 18. Zug) waren gewissermaßen nur deswegen erfolgt, damit der Kraftzug (19. h5) wuchtig wirkte. Sogesehen, wird die enorme Wirkungskraft des 19. Zuges begreiflich. Ein Sieg der auf das Eröffnungsgebiet übertragenen Lavierungsstrategie.} 0-1 [Event "Großmeisterturnier"] [Site "New York"] [Date "1927.02.23"] [Round "4"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Spielmann, Rudolf"] [Result "1-0"] [ECO "A06"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 82"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.Nf3 d5 2.b3 c5 3.Bb2 Nc6 4.e3 Nf6 5.Bb5 Bd7 6.O-O e6 7.d3 Be7 8.Nbd2 O-O 9.Bxc6 Bxc6 10.Ne5 {mit erreichtem "Holländer"} 10...Rc8 ( {H. Wolf zog hier} 10...Nd7 {- Karlsbad 1923 - und es folgte} 11.Ndf3 Rc8 12.Qe2 Nxe5 13.Nxe5 Be8 14.Qg4 f5 15.Qe2 Bf6 16.c4 Qe7 17.f4 {; Weiß leitete in der Folge mittels h3 Kh2 Tf2 Tg1 und g4 einen starken Angriff ein und gewann} ) 11.f4 Nd7 12.Qg4 Nxe5 ( {auf} 12...f5 {wäre gefolgt:} 13.Qxg7+ $1 Kxg7 14.Nxc6+ Bf6 15.Nxd8 Bxb2 16.Nxe6+ {und gewinnt} ) 13.Bxe5 ( {auf} 13.fxe5 {käme in Frage, zum Beispiel:} 13...Bd7 14.Rf3 f5 15.exf6 Bxf6 16.Bxf6 Rxf6 17.Rxf6 Qxf6 18.Rf1 Qe5 19.Qf4 Qxf4 20.exf4 {mit einiger Zentralüberlegenheit (Sd2-f3-e5).} ) ( {Oder} 13.fxe5 Qa5 $1 14.Rf2 {und Weiß hätte die Wahl zwischen dem das Spiel nivellierenden e3-e4 nebst e4xd5 (worauf der Läufer wiedernehmen müßte) oder dem Manöver 15. Sf1, gefolgt von Sg3 und Sh5. Man vergleiche die Ausführungen zum Diagramm 94 (siehe die nächste Partie).} ) 13...Bf6 14.Rf3 Bxe5 15.fxe5 Qc7 ( {Jetzt wäre} 15...Qa5 {wegen} 16.Rg3 {nebst Sf3 nutzlos.} ) 16.Qh5 h6 ( {Der Befreiungszug f7-f5 geht zwar noch nicht an (zum Beispiel:} 16...f5 $2 17. exf6 Rxf6 18.Rxf6 gxf6 19.Qg4+ ) ( {aber durch 16. Le8 hätte er vorbereitet werden sollen, zum Beispiel:} 16...Be8 $1 17.Rh3 h6 18.Nf3 f5 {und der weiße Angriff wäre nicht leicht zu führen gewesen.} ) 17.Raf1 g6 ( {Klare Zentralüberlegenheit hätte Weiß auf allfälliges} 17...Be8 {(statt g7-g6) erreichen können, zum Beispiel:} 18.Rg3 f5 19.Qxh6 Qxe5 {(drohend Dg3:)} 20.Qf4 Qf6 21.Nf3 ) ( {Weniger einleuchtend erschiene dagegen nach} 17...Be8 {die Opferfortsetzung} 18.Rf6 {zum Beispiel:} 18...Qa5 $1 {(immer wieder dieser Ausfall!)} 19.Rxh6 gxh6 {usw.} ) 18.Qxh6 Qxe5 19.Rf6 Qh5 { Denn, Weiß drohte, mittels g2-g4 und Tf1-f3-h3 unangenehm zu werden. Der Textzug kostet einen Bauern; Schwarz plagt sich zwar noch lange, aber vergeblich.} 20.Qxh5 gxh5 21.Nf3 Rc7 22.Rh6 f6 23.Nh4 Be8 24.Rhxf6 Rxf6 25.Rxf6 Re7 26.Kf2 {Weiß muß "schwarzfeldrig" manövrieren, der Logos der Partie hatte es verlangt, und der Umstand, daß Weiß lieber den f- als den h-Bauern verspeist hat, scheint darauf hinzudeuten, daß der Anziehende die Strategische Sachlage keineswegs verkannt hat. Nur macht er einige Züge später einen schwächeren Zug, der unnötigerweise längeren Widerstand gestattet.} 26...Kg7 27.Rf4 Bd7 28.Ke2 ( {Das ist er.} 28.Ke1 {sollte geschehen sein. Die innere Kraft der schwarzfeldrigen Punkte manifestiert sich äußerst eindrucksvoll. (Bei "schwarzfeldrigem Spiel" hätte man viel eher nur an die Punkte e5 oder g5 gedacht.)} ) 28...e5 29.Rf5 Re8 {Wegen der Stellung des eigenen Königs verbietet sich nun Th5:} 30.Rf2 e4 31.Rf4 {Er schafft sich nun wieder, langsam aber sicher, eine schwarzfeldrige Basis.} 31...Re5 32.Kd2 b5 33.g3 Bh3 $1 {Macht den Springer zu einem zeitweiligen Gefangenen.} 34.d4 cxd4 35.exd4 Rg5 36.c3 a5 37.Rf2 a4 38.Ke3 a3 39.Rc2 Bf1 40.Rc1 Bd3 41.Ng2 {Die Rollen sind vertauscht, nun ist der Läufer der Gefangene und der Springer tanzt um diesen und schwingt die Keule.} 41...Rf5 42.Nf4 Kf7 43.Rd1 {Nun droht Sd3:, was vorhin wegen Tf3+ noch nicht angängig gewesen wäre.} 43...Ke7 44.Nxd3 exd3 45.b4 {Schafft das Feld b3 für den eigenen König. Bd3 läuft natürlich nicht davon. Es folgte noch} 45...Kd6 46.Kxd3 Rf2 47.Rd2 Rf3+ 48.Kc2 Ke6 49.Re2+ Kd6 50. Kb3 Rd3 51.Re5 h4 52.gxh4 Rh3 53.Rh5 Kc6 54.Rh6+ Kb7 55.h5 {und Spielmann gab auf.} 1-0 [Event "Internationales Meisterturnier"] [Site "Semmering"] [Date "1926.03.15"] [Round "7"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Rubinstein, Akiba"] [Result "1-0"] [ECO "A06"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 83"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Die ersten neun Züge wie in der vorigen Partie.} 1.Nf3 d5 2.b3 c5 3.Bb2 Nc6 4.e3 Nf6 5.Bb5 Bd7 6.O-O e6 7.d3 Be7 8.Nbd2 O-O 9.Bxc6 Bxc6 10.Ne5 Be8 11.f4 Nd7 12.Nxd7 ( {Es verlohnt sich der Mühe, bei der hier möglichen Fortsetzung} 12.Qg4 Nxe5 13.fxe5 Qa5 $1 {etwas länger zu verweilen:} ( {aggressiver als} 13...Bd7 {nebst f5} ) 14.Rf2 {(nun wird das Springermanöver Sd2-f1-g3 usw. geplant)} 14...Qb4 {(fällt ihm wiederum in den Arm!)} 15.e4 Bc6 {(am besten, nur die Zentralisierung kann es machen!)} 16.a3 Qa5 17.exd5 Bxd5 ( 17...exd5 {erscheint wegen} 18.e6 f6 19.Nf3 {drohend Sh4 und Sf5, schlecht} ) 18.Nf1 ( {der Präventivzug} 18.a4 {- um b5 zuvorzukommen - würde andererseits} 18...Qb4 19.Qxb4 {gestatten} ) 18...Qc7 $1 ( {nicht} 18...b5 {wegen} 19.a4 {mit Lahmlegung des schwarzen Damenflügels} ) 19.Ne3 b5 {(die charakteristische Gegenchance; c5-c4 soll um jeden Preis - selbst um den eines Bauernopfers - ermöglicht werden!)} 20.Nxd5 exd5 21.e6 f6 22.Raf1 {und Weiß mahlt zuerst, zum Beispiel:} 22...Kh8 23.Rf3 {nebst Th3. - Aus dieser Analyse scheint hervorzugehen, daß 12. Dg4 gute Chancen gewährt hätte.} ) 12...Qxd7 13.e4 f6 14.Qf3 {Nun haben wir eher einen Indischen Aufbau vor uns.} 14...Bf7 15.a4 {Es gibt hier auf die Dauer kein rechtes Präventivmittel gegen c5-c4.} 15...b6 ( {Nicht sofort} 15...a6 $2 {wegen} 16.a5 {mit paralytischen Erscheinungen.} ) 16.Rae1 a6 {Statt 16. Te1 wäre auch der geschlossene Vormarsch g4 h4 und g5 möglich gewesen. Ob 16. Ta2 nebst 17. Tfa1 (Präventivspiel gegen das drohende a7-a6 und b6-b5) wohl in Betracht kam? Wie könnte Schwarz dann weiterkommen?} 17.f5 dxe4 ( {Schlecht wäre} 17...exf5 {wegen} 18.exd5 Bxd5 $2 19.Rxe7 $1 ) 18.Qxe4 e5 19.Re3 ( {Um den eingeengt erscheinenden gegnerischen Königsflügel aufs Korn zu nehmen; der Angriff ist aber nicht leicht zu führen, insbesondere mit Rücksicht auf die einigermaßen deplaciert wirkende eigene Dame (das Feld e4 wäre viel eher für den Springer geeignet.) Statt 19. Te3 möchten wir daher folgende Umgruppierung vorschlagen:} 19.Qh4 b5 20.Ne4 c4 21.bxc4 bxc4 22.Re3 {und Weiß droht, Th3 folgen zu lassen, zum Beispiel: Th3 h6 Tg3 usw. Diese Umgruppierung verbände Angriff mit - wenn auch nur notdürftiger - Verteidigung des eigenen Damenflügels.} ) 19...b5 20.Rg3 {Nun droht Figurengewinn durch Dg4 g7-g6 f5xg6 Dg4: gf7+ nebst Tg4:.} 20...Kh8 21.Nf3 ( {Immer noch wäre} 21.Qg4 g6 {und} 22.Ne4 {am Platze gewesen.} ) 21... bxa4 ( {Ein Fehler,} 21...Bd6 {mußte geschehen sein.} ) 22.Nxe5 $1 Qe8 $1 ( {Falls} 22...fxe5 {so} 23.Qxe5 Bf6 24.Qxf6 $1 gxf6 25.Bxf6# ) 23.Qg4 Rg8 24.Nxf7+ Qxf7 25.Qxa4 {Nun hat Weiß einen Mehrbauern und die angenehme Wahl zwischen gewinnendem Mattangriff und siegreichem Schlußspiel (Ba6 und c5 sind böse Endspielschwächen), kurz ein so gut wie gewonnenes Spiel.} 25...Qd5 26.Qg4 Bd8 27.Qg6 $1 h6 28.Re1 Qd7 29.Re6 ( {Einfacher wäre} 29. Re4 {mit absoluter Brettbeherrschung. Der Textzug, der Tf6: plant, sollte aber noch schneller gewinnen.} ) 29...c4 $1 30.bxc4 $2 ( {So groß war der Ärger über den gestatteten Durchbruch (wo doch die Prophylaxe durch 29. Te4 so nahe lag!) und so stark der Glaube an die "partiegeschichtlich begründete" Wirkungskraft des Zuges c5-c4, daß Weiß nicht die Courage findet, den geplanten Gewinnzug auszuführen. Weiß befand sich aber auch in Zeitnot. Zu gewinnen war das Spiel durch} 30.Rxf6 $1 Bxf6 31.Bxf6 gxf6 32. Qxh6+ Qh7 33.Qxf6+ Rg7 34.Rg6 cxb3 35.cxb3 Kg8 $1 36.Rh6 Rf7 37.Qg5+ Rg7 38.Qf4 {und gewinnt.} ) 30...Rb8 31.Bc3 Rb1+ 32.Re1 Bb6+ ( {Es ist ganz eigentümlich, daß dieses plausible Schachgebot die bei sofortigem} 32... Rxe1+ 33.Bxe1 Qa4 $1 {vorhandene Remischance aus der Hand gibt.} ) 33.Kf1 Rxe1+ 34.Bxe1 $1 {Der vielwendige Läufer strebt u. a. auch nach f2 bzw. b4.} 34...Qa4 ( {Falls} 34...Re8 {so} 35.Bb4 {und De7 ist verhindert.} ) 35.Rh3 $1 Rf8 ( {Bei anderen Turmzügen entscheidet Opfer auf h6, zum Beispiel:} 35...Re8 36.Rxh6+ gxh6 37.Qxh6+ Kg8 38.Qg6+ Kh8 39.Qxf6+ {nebst Db6:.} ) 36.Bc3 Bd8 ( {Der letzte Fehler. Eine kleine Remis Chance hatte Schwarz bei} 36...Qxc2 37.Rxh6+ gxh6 38.Qxh6+ Kg8 39.Qg6+ Kh8 40.Bxf6+ Rxf6 41.Qxf6+ Kg8 42.Qxb6 {, denn nun folgt} 42...Qxd3+ {, und das Damenendspiel bietet dem Weißen noch gewisse Schwierigkeiten.} ) 37.Bd2 Qxc2 {Nun ergibt sich ein Schlußspiel, in welchem man eine banale Abzugswendung erwartet, statt dessen aber in der angenehmsten Weise überrascht wird.} 38.Bxh6 Qb1+ 39.Ke2 Qc2+ 40.Ke3 $3 ( {Die Pointe. Schlechter wäre} 40.Bd2+ {wegen} 40...Kg8 41.Rh7 Rf7 {mit der Drohung Te7+.} ) 40...Bb6+ ( {Oder} 40...Qc1+ 41.Ke4 $1 Qe1+ 42.Re3 $1 Qh4+ 43.Kd5 $1 gxh6 44.Rh3 {und gewinnt.} ) 41.Ke4 $1 Qe2+ 42.Re3 $3 {Aufgegeben.} 1-0 [Event "Nordisches Meisterturnier"] [Site "Kopenhagen"] [Date "1924.08.19"] [Round "8"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Nilsson, Allan"] [Result "1-0"] [ECO "D12"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 84"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.Nf3 Nf6 2.c4 c6 3.e3 d5 4.Be2 Bf5 5.Nc3 e6 6.d4 {auf Umwegen sind wir nun zu einer sehr bekannten Aufstellung gelangt} 6...Bd6 ( {besser wäre zunächst} 6...Nbd7 ) 7.Qb3 Qb6 ( {den Vorzug verdiente} 7...Qc8 ) 8.c5 Qxb3 9.axb3 Bc7 10.b4 {Der kommende Gegenangriff (e6-e5) wird mit gutem "Zentralgewissen" ignoriert, denn selbst nach "erreichtem" e6-e5 wäre immer noch nichts erreicht. Das weitere Vorgehen e5-e4 (e5xd4 ist gewiß harmlos) würde nämlich bloß zu einer Mumifizierung führen, die zwar durch den f-Bauern (f7-f5-f4) zu beheben wäre, was aber viel zuviel Zeit kosten würde. Somit ist e6-e5 als ungefährlich entlarvt, und Weiß darf seinen Flügelangriff rücksichtslos fortsetzen.} 10...Nbd7 11.b5 Ke7 12.b4 a5 $1 { Ein geistreicher Versuch, das Spiel zu öffnen. Andernfalls wäre das weiße Spiel sichtlich überlegen.} 13.bxa6 bxa6 14.Nh4 $1 ( {Den Bauern zu nehmen wäre kaum empfehlenswert, zum Beispiel:} 14.Rxa6 Rxa6 15.Bxa6 Rb8 16.b5 Ne4 17.Bd2 Nxc3 18.Bxc3 Bd3 {Andererseits erscheint die Deckung des b-Bauern durch Ta4 als minderwertig, denn in einigen Varianten muß Weiß a6-a5 durch b4-b5 zu beantworten in der Lage sein. Es gilt also, die a-Linie freiwillig zu verlassen, um sich dafür das Standfeld b1 zu sichern.} ) 14...Rhb8 15.Nxf5+ exf5 16.Rb1 Ne4 17.Nxe4 fxe4 {Nun sieht es so aus, als ob e6-e5-e4 tatsächlich geschehen wäre.} 18.Kd2 $1 {Strebt nach c2, um den Tb1 gründlich zu decken.} 18...Rb7 ( {Falls} 18...a5 {so} 19.b5 cxb5 $1 20.Rxb5 Rxb5 21.Bxb5 Rb8 22.Ba4 Rb4 23.Bc2 {mit der Drohung La3, und Weiß wäre vorzuziehen.} ) 19.Kc2 Nf6 ( {Um den Springer nach b5 zu führen (über e8 und c7). Die Initiative durch} 19...Rab8 20.Bd2 a5 $2 { wäre natürlich wegen} 21.bxa5 {erfolglos (hierbei zeigt es sich, wie gut es war, den Turm b1 gründlich zu decken).} ) 20.Bd2 Ne8 21.Ra1 {Zuerst die Konsolidierung, dann den Angriff!} 21...Rba7 22.f3 {Öffnet nicht nur die f-Linie für die Türme, sondern auch die Diagonale e1-h4 für den Läufer d2. } 22...f5 23.fxe4 fxe4 24.Ra2 Bd8 25.Rha1 Nc7 26.Be1 $1 {Daran scheitert das hübsche Verteidigungsspiel des Schwarzen.} 26...Nb5 27.Bh4+ $1 Ke8 28. Bxd8 Kxd8 29.Bxb5 cxb5 30.Kd2 $1 {Die Pointe der Abtauschwendung. Der König eilt nach dem rechten Flügel, um den Turm, der den Einbruch via f-Linie auszuführen hat, nach Kräften zu unterstützen. An dieser Unterstützungsaktion beteiligt sich späterhin auch der h-Bauer (siehe die Note zum 37. Zuge von Weiß), während die schwarzen Figuren, ganz im Gegensatz hierzu, kein rechtes Zusammenspiel zu organisieren vermögen.} 30...Ke7 31.Ke2 Ke6 32.Kf2 Kd7 33.Ra5 $1 {Blockadezug mit Eventualdrohung (Rxb5).} 33...Kc6 34.Kg3 Kb7 35.Rf1 Kc6 36.Rf5 $1 Re7 37.h4 {Drohend h4-h5-h6 mit nachfolgendem Tf6+.} 37...Raa7 ( {Er gibt die 8. Reihe preis, aber auf} 37...Rd7 {wäre bereits} 38.Re5 {gefolgt.} ) 38.h5 Re6 ( {Auf} 38...h6 {würde sowohl} 39.Kh4 {nebst g2-g4-g5} ( {als auch} 39.Rf8 Kb7 40. Rd8 {gewinnen. Schwarz hat eben zuviel Schwächen.} ) ) 39.Rf8 {Der Rest ist Sache der Technik:} 39...g6 40.h6 g5 41.Rb8 Kc7 42.Rbxb5 Rxh6 43.Ra4 Rf6 ( {oder} 43...Rb7 44.Rba5 ) 44.Rba5 Kc8 45.Kg4 {um den h-Bauern nach h6 zu locken} 45...h6 46.Ra2 Raf7 ( {falls} 46...Rb7 {so} 47.Rxa6 Rxa6 48. Rxa6 Rxb4 49.Rxh6 {[vergleiche die Note zum 45. Zuge]} 49...Rb3 50.Rh3 { und gewinnt} ) 47.Rxa6 Rxa6 48.Rxa6 Rf2 49.g3 Rb2 50.Rxh6 Rb3 ( {oder} 50...Rxb4 51.Kxg5 Rb3 52.Kf4 ) 51.Rd6 Rxe3 52.Rxd5 Rd3 53.b5 e3 54.Kf3 { Aufgegeben.} 1-0 [Event "III. internationales Schachmeisterturnier"] [Site "Karlsbad"] [Date "1923.04.30"] [Round "2"] [White "Yates, Frederick"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "A04"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 85"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.Nf3 e6 2.g3 d5 3.Bg2 c6 {Schwarz sucht dem Zuge c2-c4 zuvorzukommen} 4. d3 ( {auf} 4.d4 {könnte folgen} 4...Bd6 5.Bf4 Bxf4 6.gxf4 Nh6 {nebst Sf5 mit solider Stellung für Schwarz} ) 4...Bd6 5.Nc3 Ne7 $1 6.O-O O-O 7.e4 b5 $1 {Schwarz erkennt seine Zentralstellung als solid und festgefügt an und leitet daraus die strategische Berechtigung ab, einen Flügelangriff zu unternehmen. Zunächst wird gelegentliche Beunruhigung des Springers ( b5-b4 ) geplant.} 8.Ne1 f5 ( {Er hätte sich auch einen Zug wie} 8...a5 { leisten können, denn die vorn Gegner geplanten Zentraloperationen sind offenbar nicht von Belang.} ) 9.exd5 ( 9.f4 {wäre wegen} 9...dxe4 10.dxe4 b4 {nebst Lc5+ ein grober Fehler. ( Die "Drohung" b5-b4 hat also bereits gewirkt. )} ) 9...exd5 {Nun steht Schwarz recht gut.} 10.Ne2 {Um f5-f4 zu verhindern.} 10...Nd7 11.Bf4 ( {Das Spiel gegen die "schwarzen" Punkte erweist sich bald als verfehlt. Richtig war} 11.c4 Nb6 {mit annähernd gleichen Chancen.} ) 11...Nb6 $1 {Fortsetzung des durch 7. b5 eingeleiteten Flügelangriffes. Auch wird der Möglichkeit c2-c4 vorgebeugt. } 12.Qd2 Ng6 13.h4 Nxf4 14.Nxf4 Qf6 {Das Spiel gegen den weißen Damen?ügel fängt nun endlich an, greifbare Gestalt anzunehmen: eine Lockerung ( c2-c3 ) soll erzwungen werden.} 15.c3 ( {Oder} 15.Rb1 Bd7 { nebst Tae8, und Schwarz steht gut.} ) 15...Bxf4 $2 ( {Statt dieses verfehlten Abtausches, der nur dazu dient, Punkt e5 zu schwächen, hätte die Fortsetzung} 15...Bd7 {nebst Tae8 gewählt werden sollen. Späterhin könnte dann an a5 und b4 gedacht werden.} ) 16.Qxf4 Na4 17.Rb1 {Nun droht Festsetzung des Springers auf e5 ( d3-d4 Se1-f3-e5 ) .} 17...Nc5 ( {So sehr hat der begangene Fehler die ganze Situation verändert, daß der selbe Diversionsangriff, der vorhin noch, also bei fester eigener Zentralstellung, durchaus ernst zu nehmen war, nunmehr bloß wie ein hilfloses Um-sich-Schlagen eines versprengten Truppenteils wirkt. - Der Textzug Wäre besser durch La6 zu ersetzen gewesen, zum Beispiel:} 17...Ba6 18.Nf3 Rae8 19.Rfe1 ( 19.d4 $2 b4 $1 20.Rfc1 Bd3 {nebst Sb2:} ) 19...Rxe1+ 20.Nxe1 Re8 21.Nf3 Nc5 22.Rd1 Bb7 {In der dann erreichten Stellung wären die Chancen einigermaßen ausgeglichen, obgleich die Schwäche der schwarzfeldrigen Punkte e5 d6 c7 d4 immer noch in die Waagschale fallen dürfte. Zum Beispiel:} 23.Qc7 Qd8 ( {oder} 23...Qe7 24.Qa5 {mit fortgesetzter Belästigung} ) 24.Qxd8 Rxd8 25.Nd4 ( 25.Ne5 $2 Nd7 $1 ) 25...g6 26.b4 Na4 27.Rc1 Kf7 28.Nb3 $1 {und Schwarz hätte mit Schwierigkeiten zu kämpfen, denn es droht sowohl c4 als auch Sa5. - Trotzdem sind wir geneigt, den Zug 17. La6 usw. als die relativ beste Verteidigung anzusehen.} ) 18.Qe3 $2 ( {Er verkennt ganz die Bedeutung der schwarzfeldrigen Schräge f4-c7. Unbedingt hätte} 18.Rd1 {geschehen sollen. Falls dann etwa} 18...Ne6 {so zunächst} 19.Qd6 ) 18...Qd6 ( {Sehr gut. Zum Ausgleich hätte allerdings auch die Variante} 18...Ne6 {geführt. Zum Beispiel:} 19.f4 d4 20.cxd4 Qxd4 21.Qxd4 Nxd4 22.Nf3 Nxf3+ 23.Bxf3 Bb7 {( obgleich Weiß vielleicht doch um ein Jota vorteilhafter stehen dürfte ) . Mit dem Textzuge war eine völlige Sanierung der bedrohten "schwarzen" Punkte zu erzielen.} ) 19.f4 Ba6 $5 ( {Interessant, aber doch nicht das Rechte!} 19...Nd7 {sollte geschehen! Zum Beispiel:} 20.Nf3 Nf6 21.Ne5 Ng4 $1 22.Qe2 Bd7 23.d4 {( sonst folgt d5-d4 )} 23...a5 24.Rbe1 Rfe8 25.Qd3 a4 $1 {( sichert auch den Damen?ügel gegen allfällig geplantes b3 und c4 ) , und Schwarz erscheint völlig konsolidiert.} ) 20.Nf3 b4 21.Rfd1 bxc3 22. bxc3 Na4 23.Qd4 Qa3 {Der schwarze Angriff sieht gar nicht so übel aus, doch fehlt es ihm an einer gesunden Basis: die schwarze Zentralstellung ist nämlich gar zu schwächlich. Und die Moralanwendung: Nach dem das Zentrum schwächenden Fehler ( 15. Bxf4 ) durfte Schwarz sein Spiel nicht mehr auf Flügelattacke anlegen, er sollte vielmehr ausschließlich nach Konsolidierung streben ( mit Hilfe eines strategischen Rückzuges, siehe Anmerkung zum 18. Zuge ) . So, wie er spielte, sollte Weiß in Vorteil kommen.} 24.Ne5 ( {Richtig war} 24.Rd2 $1 {zum Beispiel:} 24...Nxc3 25.Rb3 Qc1+ 26.Kh2 Nb5 27.Qb4 {mit der Drohung a4 nebst Tb1. Damit wäre Weiß in Vorteil gekommen. - Der geistreiche Textzug bereitet einen Gewaltstreich vor, der dem Springer die langersehnte Siegfriedstellung ( auf e5 ) einbringen soll.} ) 24...Nxc3 25.Re1 Nxb1 26.Rxb1 ( {Das verlockende} 26. Bxd5+ cxd5 27.Qxd5+ Kh8 28.Nf7+ Rxf7 29.Qxa8+ Rf8 30.Re8 {scheitert an} 30...Qc5+ {nebst Kg8.} ) 26...Kh8 27.h5 Qd6 28.Kf2 ( {Hier dürfte das Blockierungssystem} 28.Rc1 {nebst Tc5 dem durch Kf2 eingeleiteten Angriffsversuch bei weitem vorzuziehen sein.} ) 28...Rae8 $3 {Eine versteckte Opferkombination.} 29.h6 Qxh6 30.Rh1 Qf6 31.Qxa7 Rxe5 $3 32. fxe5 Qxe5 33.Qxa6 Qd4+ $1 ( {Auf sofortiges} 33...f4 {könnte sich Weiß eher verteidigen, nämlich durch} 34.gxf4 Rxf4+ ( {oder} 34...Qxf4+ 35.Kg1 ) 35.Bf3 ) 34.Kf1 f4 35.Qa3 $1 ( {Falls nun} 35.gxf4 {so} 35...Rxf4+ 36. Ke2 Rf8 $1 ) 35...Kg8 36.Rh4 {Geistreich gedacht.} 36...g5 ( {Auf} 36... fxg3+ {würde} 37.Qxf8+ {gewinnen.} ) 37.Rg4 Qa1+ 38.Kf2 fxg3+ 39.Kxg3 Qe5+ 40.Kh3 h5 41.Ra4 g4+ 42.Kh4 Rf5 $1 {Da der schwarze König sich selbst verteidigen kann.} 43.Ra8+ Kg7 44.Qa7+ Kh6 45.Qg1 Qf6+ {Obiger Partie wurde ein erster Schönheitspreis zuerkannt.} ( {nebst Matt durch} 45... Qf6+ 46.Kg3 Rf3+ 47.Bxf3 Qxf3+ 48.Kh2 Qh3# ) 0-1 [Event "Trainingsturnier"] [Site "Kopenhagen"] [Date "1928.01.25"] [Round "?"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Gemzøe, Jacob Erhard"] [Result "1/2-1/2"] [ECO "A00"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 86 & Skakbladet, Mai 1928, Seite 36"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.e3 g6 2.c3 Nf6 3.d4 Bg7 4.Bc4 ( {um d7-d5 zu provozieren, doch wäre auch d7-d6, was Weiß offenbar zu fürchten scheint, recht erträglich gewesen, zum Beispiel:} 4.Bd3 $1 d6 5.Ne2 {mit ähnlichem Aufbau wie in der vorigen Partie} ) 4...d5 5.Be2 Nbd7 ( {in Betracht kam} 5...Nc6 ) 6.Nf3 O-O 7.O-O Re8 8.b4 $1 {Das gleiche .Stratagem wie in der Nr. 85. Er glaubt, sowohl gegen e7-e5 als auch gegen Se4 gerüstet zu sein ( auf e5 ließe er alles stehen ) und bläst daher zum Angriff am äußersten Flügel.} 8...Ne4 9.a4 $1 f5 10.a5 ( {Nimmt dem Gegner zwar das Feld b6, schafft aber andererseits, wie sich bald zeigt, einen toten Punkt auf b5.} 10.c4 {hätte daher wohl den Vorzug verdient.} ) 10...a6 11.Bb2 c6 12.Ne1 Nd6 ( {Falls} 12...e5 {so } 13.Nd3 {und 14. f4 nebst Se5 und Konsolidierung.} ) 13.c4 $1 Nxc4 14. Bxc4 dxc4 15.Qc2 Nf6 ( {Nicht gut, vergleiche die nächste Note. Richtig war} 15...e5 {um den beiden Läufern Spielraum zu verschaffen.} ) ( { Spielbar erscheint übrigens auch} 15...b5 {zum Beispiel:} 16.axb6 Nxb6 17. Na3 Be6 18.Nf3 Kh8 19.Nd2 Rb8 {denn die Transaktion} 20.Naxc4 Nxc4 21.Nxc4 Rxb4 22.Ne5 {würde nach} 22...Bxe5 {nebst 23. ... Tc4 für Schwarz ganz annehmbar erscheinen.} ) 16.Nd2 Be6 17.Nxc4 ( 17.Nef3 {gefiele uns besser. } ) 17...Qc7 ( {Der Versuch, sich der weißfeldrigen Punkte mittels} 17... Bxc4 18.Qxc4+ Nd5 {zu bemächtigen, dürfte an} 19.Nd3 {nebst Tae1 f3 und e4 scheitern. Damit erscheint 15. ... Sf6 usw. widerlegt.} ) 18.Nd3 Rad8 19. Nf4 Bd5 20.Ne5 {Die weiße Drohung liegt in der Zugfolge Tae1 f3 und e4, dagegen ist schwer etwas zu erfinden.} 20...Bh6 21.Rae1 ( { Vorsichtiger wäre} 21.Nfd3 ) 21...Rf8 ( 21...Bxf4 {nebst e6 hätte starken Widerstand ermöglicht.} ) 22.f3 ( {Besser zunächst:} 22.Nfd3 ) 22...Kg7 ( {Besser wiederum:} 22...Bxf4 ) 23.Nfd3 Bg8 24.e4 {Jetzt steht Weiß überlegen.} 24...Qc8 25.Nc5 ( {Um die Erinnerung an den "verflossenen Flügelangriff" aufzufrischen, doch wäre auch die naheliegende Spielweise 25. De2 und 26. g4 sehr stark gewesen. Beispielsweise} 25.Qe2 Kh8 26.g4 Bg7 27.exf5 gxf5 28.g5 Nd5 29.f4 {und Weiß erhält Königsattacke.} ) 25...Kh8 26.Qf2 Kg7 27.exf5 ( {Nachdem der Nachziehende jeden "weißfeldrig" betonten Halt in der Stellung verloren hat, sollte der Gewinn keine größeren Schwierigkeiten mehr bereiten, zumal Weiß in den schwarzfeldrigen Punkten geradezu dominiert. Beispielsweise wäre} 27.d5 {entscheidend gewesen, man sehe} 27...cxd5 28.exf5 gxf5 ( { Oder} 28...Qxf5 29.g4 Qc8 ( 29...Qf4 $2 30.Ned3 ( {oder auch} 30.Bc1 ) ) 30.f4 ) 29.Bd4 $1 {und Schwarz ist gegen den drohenden Aufmarsch ( f4 und Te1-e3-h3 ) wehrlos. Aber der Textzug sollte noch schneller entscheiden.} ) 27...gxf5 28.f4 ( {Leicht gewonnen hätte} 28.Qg3+ Kh8 29.Qh4 Kg7 30.g4 Bf4 31.g5 Nd5 32.Qh6+ Kh8 33.Ng6# {Nach dem unbedachten Texzug rettet sich Schwarz durch ein äußerst anmutiges Zusammenspiel aller Verteidigungstruppen.} ) 28...Nd5 $1 29.Qh4 Rd6 30.Rf3 Kh8 31.Ref1 Bg7 32. Rg3 Rff6 33.Rff3 Rh6 34.Qg5 Rdg6 $1 35.Nxg6+ Rxg6 {Remis!! Die Dame kann sich dem "ewigen Schach" nicht entziehen.} 1/2-1/2 [Event "Jubiläumsturnier der Berliner Schachgesellschaft"] [Site "Berlin"] [Date "1928.02.06"] [Round "3"] [White "Johner, Paul F."] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "1/2-1/2"] [ECO "E16"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 87"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Die nun folgende Partie illustriert unser Stratagem an einem für die moderne Turnierpraxis besonders typischen Fall. Die Zentralsicherheit, auf die Schwarz sich bei seinen Flügeldiversionen stützt, ist nämlich gar nicht ohne weiteres als solche erkennbar; beispielsweise würde die pseudoklassische Richtung sie glatt als eine Fiktion ablehnen. Und doch weiß der hypermodern orientierte Nachziehende, sie zur Basis einer langandauernden Flügelattacke zu machen. Die Partie möge nun für sich selbst sprechen.} 1.d4 Nf6 2.c4 e6 3.Nf3 b6 4.g3 Bb7 5.Bg2 Bb4+ 6.Bd2 Bxd2+ 7.Nbxd2 c5 $1 { Schwarz hält seine Zentralstellung nach 8. dc bc für durchaus verteidigungsfähig.} 8.O-O ( {Bogoljubow wählte in unserer Berliner Partie 1927 die Fortsetzung} 8.dxc5 {. Nach} 8...bxc5 9.O-O Qc7 10.Qc2 O-O 11. Rad1 h6 $1 {[um die Umgruppierung Sf3-g5 und später Sge4 zu verhindern]} 12.a3 Nc6 13.Rfe1 Rab8 14.Rb1 a5 {sah er sich aber bereits dazu veranlaßt, mittels} 15.b3 {an die Verteidigung seiner sich am Damenflügel bemerkbar machenden Schwächen zu denken.} ) 8...O-O 9.Qb3 Qc7 10.Rfd1 h6 {er läßt sich Zeit} 11.Qe3 d6 12.dxc5 bxc5 {der Bauer d6 ist natürlich, aller Rückständigkeit zum Trotz, gesund wie ein Präriebewohner!} 13.Ne1 Bxg2 14.Nxg2 Qc6 $1 15.Qf3 {Die schöne Zentralschräge will er ihm natürlich nicht überlassen, nun aber, nach erfolgtem Damentausch, kann der schwarze König verteidigend eingreifen.} 15...Qxf3 16.Nxf3 Rd8 17.Rd3 Nc6 18.Rad1 Ne8 {Dieser Springer wird bald durch den König abgelöst.} 19.Ra3 {Ein Angriffszug, der aber in Wirklichkeit nur so tut, als ob Es drohte nämlich bereits etwa Tdb8 und falls b3, so a5 usw. Der Textzug bedeutet also eine feine Präventivmaßnahme gegen diese hier angedeutete Drohung.} 19...a6 $1 {Um "Ta6" für immer auszuschalten.} 20.Nf4 Rdb8 21.Rd2 Rb4 22.Rc2 Kf8 23.e3 Ke7 24.h4 Nc7 25.Nd3 Rb7 26.Nd2 a5 27.f3 Nb4 28.Nxb4 Rxb4 {Es fällt schwer, dem Angriff eine Spitze zu geben, Weiß weigert sich nämlich konstant, das schwächende b2-b3 zu ziehen, aber andererseits haben sich doch im Laufe der Zeit auch am anderen Flügel gewisse Schwächen ergeben.} 29.Kf2 a4 30.Ke2 Kd7 31.Kd1 Kc6 32.Ne4 f5 33.Nf2 e5 34.Rd3 Rab8 35.Kc1 { Weiß hat sich recht geschickt verteidigt.} 35...Ne6 36.a3 $1 Rb3 37.Rcd2 Rxd3 38.Rxd3 Nc7 39.Kc2 Na8 {Drohend Sb6 nebst gelegentlichem d6-d5.} 40. e4 Nb6 41.b3 axb3+ 42.Rxb3 Rf8 43.Rc3 Na4 44.Rd3 Nb6 45.Rc3 Na4 46.Rd3 Nb6 47.Rc3 {Remis. Das Remis lag durchaus nicht im Plane des Nachziehenden, Schwarz übersah vielmehr die dreimalige Stellungswiederholung. Er hätte im 45. Zuge g6 spielen sollen, dann hätte h5 und f4 gedroht. Spielt Weiß 46. Kb3! Tb8 47. Td3, so könnte fe 48. Se4: d5 49. cd+ Sd5+ 50. Kc4 (oder 50. Kc2 c4) Sb6+ 51. Kc3 Sa4+ folgen. Aber wahrscheinlich wäre doch nicht mehr als Remis herausgekommen. - Schwarz hatte die ganze Partie hindurch den Angriff und die kompaktere Bauernstellung: unser Stratagem hat sich somit gut bewährt.} 1/2-1/2 [Event "Simultanpartie"] [Site "Eskilstuna"] [Date "1922.02.22"] [Round "-"] [White "Nilsson, Carl"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "B00"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 88"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Motto: "Nach den Flügeln schielen, das Zentrum meinen ist der tiefste Sinn des Positionsspiels."} 1.e4 Nc6 2.d4 d5 3.e5 Bf5 4.a3 {um Sc3 spielen zu können} 4...e6 5.Nc3 h5 {frühzeitiges Präventivspiel gegen den weißen Vormarsch f4 g4 usw.} 6.Be3 g6 7.f4 Nh6 8.Nf3 Ng4 $1 {Um in der Folge die Schwächung h2-h3 zu provozieren.} 9.Bg1 h4 $1 10.h3 Nh6 11.Be3 Be7 12.Qd2 a6 $1 {Macht Miene, gegen die erwartete weiße lange Rochade mit b7-b5 vorgehen zu wollen.} 13. O-O-O $1 Rb8 $1 ( 13...b5 {hätte nach der Antwort} 14.Na2 ( {nicht} 14. Nxb5 {wegen} 14...O-O {und Tb8} ) 14...Rb8 15.b4 {nur zu einer Mumifizierung bei gleichzeitiger Schwächung des Punktes c5 geführt. Das diskrete Drohspiel des Textzuges ist dagegen von unmittelbarer Wirkung.} ) 14.Na2 Be4 $1 {Nach den Flügeln schielen, das Zentrum meinen, ist der tiefste Sinn des Positionssapiels!} 15.Ne1 Nf5 16.Kb1 Ng3 17.Rg1 Nxf1 $1 18.Rxf1 Rg8 {Um die g-Linie zum Druck gegen den rückständigen Bauern g2 zu öffnen.} 19.Ka1 Kd7 {Zwecks Verbindung der schweren Figuren.} 20.Rg1 Kc8 {Der König strebt nach b7.} 21.Nc1 b6 {Nun droht auch Sc6-a5-c4, die weißfeldrigen Punkte sind offenbar schwer zu verteidigen.} 22.b4 a5 23.c3 axb4 24.cxb4 Ra8 25.Kb2 Kb7 ( {Hier war auch} 25...Rxa3 { möglich, aber Schwarz will alle seine Positionschancen (g6-g5!) reifen sehen, ehe er losschlägt. Nun droht Ta3: stark.} ) 26.Na2 g5 27.fxg5 Bxg5 28.g4 $1 hxg3 29.Rxg3 Bxe3 30.Rxe3 Qh4 {Schwarz hat die g-Linie erobert, d4 und h3 sind Schwächen.} 31.Qc3 Na7 32.Rc1 ( {Besser war} 32.a4 {aber Schwarz steht sowieso überlegen.} ) 32...Qf2+ 33.Kb3 Nb5 $1 34.Qc6+ Kb8 35.Qxb5 Qxe3+ {Aufgegeben. Der Logos der obigen Partie (Nr. 88) erhellt aus den Zügen 12. ... a6 13. ... Tb8 und 14. Sa2 nebst 14. Le4. Durch 12. a6 und 13. Tb8 nahm der schwarze Damenflügel eine drohende Haltung an; hierauf sah der Weiße sich zu Gegenmaßregeln veranlaßt (14. Sa2), die aber zu gleicher Zeit dezentralisierend wirkten. Mittels 14. ... Le4 wurde die weiße Dezentralisierung dann gebührend registriert und der Stein kam ins Rollen. - Die große Wirkung des nur leise drohenden Flügelangriffes muß überraschen. Die Erklärung scheint uns darin zu liegen, daß die Balance schon vorher (also vor 12. a6) zugunsten des Nachziehenden gestört war (er war offenbar stark in den weißfeldrigen Punkten). Die Zugfolge 12. a6 usw. hat also nur einen latenten Zustand aktuell werden lassen. - Eine von A bis Z logisch durchgeführte Simultanpartie. Wir verweisen übrigens noch auf den Zug g7-g5 in unserer Nr. 71, ferner auf die ausgezeichnete Partie Sämisch-Aljechin, Dresden 1926.} 0-1 [Event "Großmeisterturnier"] [Site "New York"] [Date "1927.03.01"] [Round "8"] [White "Capablanca, José Raúl"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "1/2-1/2"] [ECO "A46"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 89"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.d4 Nf6 2.Nf3 e6 3.Bg5 h6 {Von fraglichem Wert: der hierdurch bedingte Zuwachs an möglichen Ressourcen erscheint geringer als das durch die Lockerung heraufbeschworenes Gefahrenmoment. Und überhaupt hüte man sich vor einer Überbelastung des kleinen Zentrums! Ein grobes, aktives Zentrum könnte viel eher eigene Flügelschwächen aufsaugen, das kleine Zentrum ist aber dazu zu "passiv".} 4.Bh4 b6 5.Nbd2 Bb7 6.e3 Be7 7.Bd3 d6 8.c3 O-O 9. h3 ( {Um evtl. Lg3 zu spielen, ohne dem Abtausch durch Sh5 ausgesetzt zu sein. Viel natürlicher erscheint aber} 9.Qe2 {nebst 0-0-0 und Angriff am Königsflügel. Lehrreich in diesem Sinne ist folgender Anfang: (Schwarz: Vidmar) 1. e3 d5 2. Sf3 Sf6 3. b3 Lg4 4. Lb2 Sd7 5. h3? (mit vertauschten Farben ist nun die Textpartie entstanden) 5. ... h5 6. Le2 e6 7. Se5 Le2: 8. De2: Ld6 9. Sd7: Dd7: 10. c4 c6 11. 0-0 0-0-0 12. Sc3 Lc7 13. d4 h5 14. c5 g5 15. b4 h4 16. b5 Tdg8!, und Vidmar gewann durch direkten Königsangriff.} ) 9...c5 10.O-O Nc6 11.Qe2 Nh5 $1 12.Bxe7 Qxe7 13.Ba6 Nf6 14.Rfd1 Rfd8 15.e4 Bxa6 $1 ( {Weil er ein Manöver zur Verfügung hat, das die - weißfeldrige - Schwäche als illusorisch nachweisen soll. Viel schwächer wäre statt dessen} 15...e5 {wegen} 16.d5 { mit Möglichkeiten an beiden Flügeln.} ) 16.Qxa6 Qc7 $1 17.Rac1 Rd7 18.b4 Rad8 19.Qe2 {Sie geht freiwillig.} 19...Ne7 20.Re1 Ng6 21.g3 Rc8 22.bxc5 dxc5 23.Nb3 cxd4 24.cxd4 Qb7 {Weiß hat gar nichts erreicht.} 25.Rxc8+ Qxc8 26.Rc1 Rc7 27.Rxc7 Qxc7 28.Nfd2 Qc3 29.Qa6 Qc7 30.Qe2 {Remis Bezeichnend für das kleine Zentrum waren die langsamen Verschiebungen der schweren Figuren in der inneren Linie (vergleiche Zug 16, 17, 18, 21und 26 von Schwarz).} 30...Qc3 31.Qa6 Qc7 1/2-1/2 [Event "Internationales Meisterturnier"] [Site "Semmering"] [Date "1926.03.14"] [Round "6"] [White "Yates, Frederick"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "C01"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 9"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Nach den Zügen} 1.e4 e6 2.d4 d5 3.Nc3 Bb4 4.exd5 exd5 5.Bd3 Ne7 6.Ne2 O-O 7.O-O Bg4 8.f3 Bh5 {war auf e3 eine kleine Schwäche entstanden, die allerdings nur durch den etwas gewagt erscheinenden Vorstoß c7-c5 aufgedeckt werden kann.} 9. Nf4 Bg6 10.Nce2 Bd6 11.Qe1 {(läßt sich unter "Vernachlässigung des Zentralkomplexes" rubrizieren. Die Zentrallupe weist deutlich auf 11. Lg6: nebst 12. Sd3 hin, die Zentralfelder c5 und e5 erschienen dann fixiert)} 11...c5 $1 12.dxc5 Bxc5+ 13.Kh1 Nbc6 14.Bd2 Re8 15.Nxg6 hxg6 16.f4 ( {Eine Flügelattacke bei inferiorer eigener Zentralstellung! Relativ am besten erscheint statt dessen:} 16.Qh4 Nf5 17.Qxd8 Raxd8 {mit nur geringem Endspielvorteil für Schwarz.} ) 16...Nf5 17.c3 d4 $1 18.c4 Qb6 {Schwarz steht deutlich überlegen.} 19.Rf3 Bb4 $1 {erobert Punkt e3 für die schwarzen Figuren} 20.a3 Bxd2 21.Qxd2 a5 22.Ng1 Re3 23.Rd1 Rae8 24.Qf2 { Das hier vorhandene Zentralterritorium ähnelt dem uns aus der Partie Nr. 7 wohlbekannten. Hier wie dort bildet Bd4 den Kern der Zentralisierungsaktion, ihm logisch angegliedert erscheint Punkt e3 mit dazugehöriger e-Linie. Und in beiden Partien führt (oder sollte führen) der schwarze Zentraldruck zur Vernichtung des weißen Blockeurs auf d3. Es geschah nun} 24...Qb3 25.Rd2 Nd6 26.c5 Nc4 27.Bxc4 Qxc4 {Es ist vollbracht, der Blockeur ist gefallen! Der Lernende aber möge nun wie folgt verfahren: Er baue zunächst - auf einem zweiten Schachbrett - das aus der Partie Nr. 7 stammende Diagramm 7 [Stellung nach 25. f5] auf, füge demselben die dort geschehenen Züge 25. ... Thg8 26. Sf4 an und studiere sodann die Glosse zum 26. Zuge. Ist dies geschehen, vergleiche er damit die Entwicklung der Dinge, wie wir sie in der jetzt vorgeführten Partie Nr. 9, Zug 24-27, zu beobachten Gelegenheit hatten. Danach suche er den Unterschied in der jeweils zur Anwendung gelangten Strategie zu erfassen und klar zu präzisieren. Unsere Formulierung findet sich nach Schluß dieser Partie.} 28.Rc2 Qd5 29.Rc1 Qe4 {Nun liegt bereits u. a. Rxf3, Qxf3, Qxf3, Nxf3, Re2 mit entscheidender Besitzergreifung der 2. Reihe in der Luft.} 30.f5 {Ein geistreicher Rettungsversuch} 30...Rxf3 31. Nxf3 Qxf5 32.b4 $1 axb4 33.axb4 Nxb4 ( {Nicht übel ist auch die Fortsetzung} 33...Ne5 {zum Beispiel} 34.Re1 Re6 ) 34.Qxd4 Nd3 35.Rc2 ( { Nicht} 35.Rc3 {wegen} 35...Re1+ {nebst Df1+ und Sf2#} ) 35...Rc8 $1 ( { Verführerisch aber schlecht wäre} 35...Ne1 {wegen} 36.Re2 $3 Rxe2 37.Qd8+ Kh7 38.Ng5+ Kh6 39.Nxf7+ Kh5 40.Qh8+ Kg4 41.Qh3+ Kf4 42.Qg3+ Ke4 43.Nd6+ { mit Damengewinn} ) 36.Rc3 Nxc5 {Man sei sich darüber im klaren, daß die schwarze Zugfolge 34 bis 37 als eine auf Basis der Zentralschräge f5-b1 vorgenommene Zentralisierung aufzufassen ist. - Der Rest ist Sache der Technik (der Technik der Froschstellung ganz besonders). Es folgte:} 37.h4 b6 38.Ng5 Rf8 $1 {Nur keine falsche Scham, die Froschstellung ist ja nur vorübergehender Natur.} 39.Rf3 Qd7 40.Qc4 Ne6 41.Rd3 Qc8 42.Qb5 ( {das Turmendspiel nach} 42.Qxc8 Rxc8 43.Nxe6 fxe6 44.Rd6 Rb8 45.Rxe6 Kf7 {wäre für Weiß aussichtslos} ) 42...Qc1+ 43.Kh2 Qf4+ 44.g3 Qf2+ 45.Kh1 Qf1+ 46. Kh2 Nc5 {NB. Beantwortung der in der Note zum 27. Zuge aufgeworfenen Frage: In Nr. 9 fällt der Blockeur in der Verteidigung, in Nr. 7 - im Verlaufe einer ihm, bzw. den Seinigen, aufgezwungenen Attacke. Die Attacke in Nr. 7 ist insofern als eine unfreiwillige aufzufassen, als Weiß andernfalls vom gegnerischen Zentraltank (und dessen Auswirkung nach g2) zermalmt worden wäre. Diese Fähigkeit, den dezentralisierten Gegner zu verfrühten Flügelattacken zwingen zu können, ist für die kraftvoll zentralisierte Stellung in hohem Grade bezeichnend.} 0-1 [Event "Internationales Sechsmeister-Turnier"] [Site "Kopenhagen"] [Date "1923.03.13"] [Round "10"] [White "Jacobsen, Egil"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "E12"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 90"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.d4 Nf6 2.Nf3 b6 3.c4 Bb7 4.Nc3 e6 5.Bg5 h6 {hier erscheint dieser Zug eher angebracht} 6.Bh4 Be7 7.e3 d6 8.Rc1 Nbd7 9.Bg3 O-O 10.Bd3 a6 {Man beachte, daß Schwarz sich in seiner engen Behausung (er beherrscht bloß drei Reihen) recht wohl zu fühlen scheint, denn vorläufig denkt er offenbar weder an c5 noch an e5. Er erfindet Vielmehr ein merkwürdiges Manöver in der inneren Linie, wodurch das geplante c5 erst rechten Angriffswert erhalten soll. - Am weißen Aufbau ist 8. Tac1 nicht recht verständlich, denn d6-d5 (diesem möglichen Vorstoß wollte der Turmzug wohl vorbeugen?) lag ja durchaus nicht im Plane des Nachziehenden.} 11.O-O Nh5 12.Bb1 g6 13.Ne2 Ndf6 14.Nd2 c5 {Wodurch er sich bereits - zumindest -? die "Paulsenisierung" der Stellung gesichert hat ( nämlich c5xd4 nebst Tac8 ) . Aber Schwarz will mehr erzielen.} 15.Nf4 Ng7 $1 {Vergleicht man diese Stellung mit der nach dem 11. Zuge von Weiß erreichten, so gewinnt man den Eindruck, daß der Sd7 nach g7 gewandert ist, während es doch in Wirklichkeit der andere Springer gewesen ist: dies war ein echtes Manöver in der inneren Linie, mit Platzwechsel und Rollentausch!} 16.Qe2 Nf5 17. Bxf5 ( {Oder} 17.dxc5 bxc5 18.Bxf5 exf5 {nebst Te8 und Lf8, sodann Angriff am Damenflügel, und Schwarz hätte ein volles Spiel.} ) 17...exf5 18.d5 b5 19.b3 Re8 20.Qd3 Ng4 {Er versucht nun in der e-Linie Punkte zu gewinnen, während dem Zuge e3-e4 auf präventivem Wege entgegengewirkt werden soll. ( Weiß plant nämlich Se2 nebst e3-e4. )} 21.Qc2 Bh4 ( {Die in der vorigen Note angedeutete Präventivmaßnahme! Von ähnlicher aber - wie wir glauben - etwas geringerer Wirkung würde sich} 21...Bc8 {erweisen, zum Beispiel:} 22.Ne2 $1 Bf6 23.e4 fxe4 24.Nxe4 Bf5 25.Nxf6+ {usw.} ) 22.e4 ( {Danach erhält Schwarz das ausgesprochen bessere Spiel. Besser erscheint} 22.Bxh4 Qxh4 23.h3 Ne5 24.Nd3 ) 22...Bxg3 23.hxg3 fxe4 24.Nxe4 Bc8 25.f3 $1 Nf6 ( {Nicht} 25...Ne3 {wegen} 26.Qc3 $1 {nebst eventuellem Sf6+.} ) 26.Nxf6+ ( {Besser wäre} 26.Nc3 ) 26...Qxf6 27.Qd2 Ra7 28.Rce1 Rae7 29.Rxe7 Qxe7 30. Kf2 bxc4 {Weiß hat zwar die e-Linie notdürftig gesichert, der schwache c-Bauer, den er aber nun erhält, ist mehr, als die Stellung verträgt.} 31. bxc4 a5 32.Nd3 Qf6 {Ein Lavierungsspiel: als weiße Schwächen fungieren der c-Bauer, die e-Linie und die Schräge f6?b2.} 33.Qb2 Qxb2+ 34.Nxb2 Bf5 {er Damentausch hat die Lage des Weißen nicht verbessert, Bc4 ist jetzt weniger leicht zu decken als vorher, dafür freilich erscheint die Schräge f6-b2 gesichert.} 35.Rc1 h5 ( {Nicht} 35...Rb8 36.Nd1 {usw., weil der weiße König solange wie möglich ferngehalten werden soll. Der Bauernzug bereitet? den später erfolgenden Bauernsturm vor.} ) 36.Rc3 a4 37.Nd1 ( { Falls} 37.Nxa4 Ra8 38.Nb2 $1 ( 38.Nb6 $2 Rxa2+ {nebst Ta6 und Annäherung des Königs an den eingekreisten Springer} ) 38...Rxa2 39.Rb3 {so} 39...g5 {mit überlegenem Endspiel.} ) ( {Falls dagegen} 37.Ra3 {so} 37...Rb8 38. Nxa4 $2 Ra8 {und gewinnt.} ) 37...g5 38.Ne3 Bd7 39.Ke2 f5 40.Kd2 ( {Danach wird der Königsflügel schwach, aber auch} 40.f4 {was besser wäre, hätte kaum völlig ausgereicht, zum Beispiel:} 40...gxf4 ( {oder auch} 40...Kf7 41.fxg5 Kg6 ) 41.gxf4 h4 {und Weiß hätte in beiden Fällen mit Schwierigkeiten zu kämpfen.} ) 40...f4 $1 $155 41.gxf4 gxf4 42.Nd1 $2 ( { Richtig wäre selbstredend 42. Sc2 nebst allfälligem Se1, doch hätte Schwarz auch in diesem Falle starken Endspielangriff behalten, zum Beispiel:} 42.Nc2 Kf7 43.Ne1 Kf6 44.Rc2 Rb8 45.Kc3 Rb1 46.Re2 Rc1+ 47.Nc2 Bf5 {nebst Generalabtausch und gewonnenem Bauernendspiel, da der schwarze König nach g3 eindringt.} ) 42...Kf7 {und gewann leicht} 43.Nf2 Rg8 44.Ke2 Rxg2 45.Rc1 Bf5 46.a3 h4 47.Rf1 Kf6 48.Kd1 h3 49.Ke2 h2 50.Ra1 Bd3+ 51. Kxd3 Rxf2 52.Ke4 Kg5 53.Rb1 Re2+ 54.Kd3 Re3+ {und Weiß gab auf. An diesem Endspiel war die Reflexschwäche des weißen Königsflügels beachtenswert: die Schwäche des weißen Damenflügels übertrug sich gewissermaßen auch auf den anderen Flügel, somit durften die schwarzen Bauern f, g und h sich als qualitative Mehrheit fühlen und dementsprechend vorgehen, was sie auch - nicht ohne Erfolg - taten. Die Partie selbst ist für das hypermoderne Bestreben bezeichnend, auch unter ungünstigen Terrainverhältnissen schwierige Manöver durchzuführen. Wie Schwarz aus der furchtbar beengten Stellung, langsam aber sicher an Boden gewinnend, schließlich zu einem starken Endspielangriff gelangte, dies macht die Partie lehr- und genußreich zugleich. Das kleine Zentrum aber hat sich wieder mal trefflich bewährt.} 0-1 [Event "Trainingsturnier"] [Site "Kopenhagen"] [Date "1928.??.??"] [Round "?"] [White "Hansen, Eigil"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "A30"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 91"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.c4 c5 2.f4 {Dieser Zug macht einen etwas befremdenden Eindruck, doch ist, wie man bald sehen wird, nicht der Zug falsch, sondern der Eindruck! Wie armselig ist es doch, einen Zug nur nach dessen Aussehen beurteilen zu wollen, ein Vorgehen, das noch zur Zeit der Pseudoklassiker leider Gottes sehr gebräuchlich war!} 2...Nf6 3.d3 d5 {Sonst folgt 3. e4 mit solidem Aufbau.} 4.cxd5 Nxd5 5.e4 {Man vergleiche folgenden Partieanfang: 1. c4 c5 2. Sc3 Sf6 3. Sf3 d5 4. cd Sd5: 5. e4 (das vom Verfasser eingeführte sogenannte Dresdener Stratagem). Die von Hansen erreichte Stellung ähnelt der soeben angeführten zwar im Prinzip (der Bd3 in einer offen Linie!), stellt aber im Detail insofern eine Verbesserung dar, als die Ressource Sd5xc3 nebst g6 nunmehr ausgeschaltet erscheint. Herrn Hansen gebührt Anerkennung!} 5...Nf6 6.Be3 $1 e6 7.Nc3 Nc6 8.Nf3 Bd7 {Um d3-d4 zu erleichtern!} 9.d4 $2 ( {Viel solider erschien} 9.h3 {nebst Se2, zum Beispiel:} 9...Nh5 $2 10.Kf2 {und 11. g4. Durch den Textzug bekundet der Führer der weißen Steine mangelnden Sinn für festen Aufbau (einem Spieler wie Sämisch wäre d3-d4 [?] gar nicht eingefallen!} ) 9...cxd4 10. Nxd4 Bb4 {Schon hängt alles in der Luft ...} 11.Nxc6 Bxc6 12.Qxd8+ Rxd8 13.e5 {Weiß war gezwungen, seinem Gegner "Zentralzugeständnisse" zu machen, er laboriert nun an weißfeldriger Punktschwäche.} 13...Ne4 14.a3 { Ein geistreiches Auskunftsmittel, er spielt auf verschiedenfarbige Läufer.} 14...Bxc3+ 15.bxc3 Nxc3 16.Bc4 ( 16.Bxa7 {verbietet sich wegen} 16...Nd5 {mit undeckbarem f-Bauern} 17.g3 $2 Nxf4 18.gxf4 Bxh1 ) 16...Rc8 {Die bei gegnerischem lockerem Aufbau angezeigt erscheinende Strategie! Alles weiter "hängen" lassen und neue Spannungen schaffen!} 17.Rc1 Bxg2 18.Rg1 Rxc4 19.Rxg2 b5 20.Rgc2 ( {Oder} 20.Rxg7 Ke7 {und Thc8 mit überlegenen Drohungen.} ) 20...Nd5 {Ein recht solider Springer!} 21.Rxc4 bxc4 22.Rxc4 Kd7 23.Bxa7 Rc8 {Der Triumph des festen Aufbaues! Der ideenreiche Führer der Weißen hat alles zurückerobert, was sich überhaupt erobern ließ, nämlich das ganze verlorengegangene Material. Aber nun steht er da mit dem "lockeren Zeisig" auf f4, dem "Windhund" auf a7 und den zwei "räudigen Schafen" auf a3 und h2, während der König in geziemender Entfernung auf e1 thront ... Es folgt nun ein Ende mit Schrecken!} 24.Re4 ( {Nach} 24.Rxc8 Kxc8 {würde der "lockere Zeisig" daran glauben müssen.} ) 24...Rc1+ 25.Kf2 ( {Auf} 25.Kd2 {würde folgen:} 25...Rh1 26.Re2 Ra1 $1 ( { nicht sofort} 26...Nxf4 {wegen} 27.Rf2 g5 28.Be3 ) 27.Bc5 Nxf4 ) 25...Rc2+ 26.Kg3 ( {Oder} 26.Kg1 Rc3 27.a4 Rf3 ) 26...Rc3+ 27.Kg4 {Zeitnotfehler, doch hätten auch andere Züge nicht gerettet.} 27...f5+ {Aufgegeben, denn auf 28. ef e.p. folgt natürlich Sf6:+ mit Turmgewinn. - Die Schwäche des allzu hitzig vormarschierten "großen" Zentrums ist in obiger Partie mit aller wüschenswerten Deutlichkeit in die Erscheinung getreten.} 0-1 [Event "Freie Partie"] [Site "Kopenhagen"] [Date "1922.05.05"] [Round "-"] [White "Möller, Jörgen"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "C01"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 92"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.e4 e6 2.d4 d5 3.Nc3 Bb4 4.exd5 exd5 5.Nf3 Nc6 6.a3 Ba5 ( {falls} 6... Bxc3+ 7.bxc3 Bf5 8.Bd3 Nge7 9.O-O O-O {so} 10.Bf4 {und Weiß hätte bei nicht übler Zentralwirkung noch den nicht ganz gering zu wertenden Vorteil, daß von den zwei Läufern d3 und f5 sein Läufer der besser gedeckte wäre} ) 7.Bb5 Ne7 8.O-O O-O 9.Na4 Bb6 10.Nxb6 axb6 11.Bd3 Bf5 { Schwarz ist nicht nur besser entwickelt, er hat auch außerdem den festeren Aufbau; daß weiße Springermanöver war eben zu zeitraubend.} 12.Re1 {Die Zentraloperation, die - siehe die vorige Note - a priori nicht gerade optimistisch beurteilt wird.} 12...Qd7 ( {Warum unterläßt Schwarz an dieser Stelle das äußerst naheliegende f7-f6, wodurch die eben eingeleitete gegnerische Zentralaktion im Keime erstickt worden wäre? Denn ohne Se5, vulgo Besetzung des Vorpostenpunktes in der e-Linie, gäbe es für Weiß anscheinend kein Weiterkommen in der fraglichen Mittellinie! Die Antwort ist für die richtige Beurteilung der durch "Nf3" und "Ne7" gekennzeichneten Stellungen von Belang. Die Drohung Ne5 ist in diesem Moment noch nicht aktuell, würde vielmehr nur zur Verschlechterung der eigenen Stellung führen, zum Beispiel: Ne5, Nxe5, de, und die weiße Mehrheit am Königsflügel wäre wenig beweglich. Andererseits würde gerade f7-f6 der weißen e-Linie neue Impulse geben, denn e6 wäre angreifbar. Und die Moralanwendung? Nun, falls f7-f6 noch irgend aufschiebbar erscheint, soll Punkt e6 zunächst noch gefestigt werden; ist dieses geschehen, dann darf f7-f6 mit ruhigem Gewissen gewählt werden. Man widme sich nun der variantenmäßigen Untersuchung des Zuges f7-f6, diese erweist sich als äußerst lehrreich.} 12...f6 13.Nh4 {ein interessanter Versuch} 13...Nxd4 $1 ( {sonst wäre auch} 13...Bxd3 14.Qxd3 Qd7 15.Bd2 g5 {und 16. Df5 eine solide und sachgemäße Fortsetzung} ) 14.Nxf5 Ndxf5 15.Qg4 Nd6 $1 ( {falls} 15...Qc8 {so} 16.Qh3 {mit der Drohung g4} ) 16.Bf4 $1 f5 17.Qh3 Qd7 18.Re2 Ng6 $1 19.Bxd6 cxd6 20.g3 Ne5 {und Schwarz steht etwas besser. Man beachte, daß Schwarz sich des gegnerischen Angriffes nur mit Mühe erwehren konnte.} ) ( 12...f6 13.Nh4 Nxd4 $1 14.Rxe7 Bxd3 15.Re3 Nxc2 16.Rxd3 Nxa1 17.Be3 {( dies sieht nicht schlecht aus, indes es folgt: )} 17...Qe8 18. Qxa1 Qe4 $1 19.Rd4 Qe6 20.Qa2 Rad8 21.Nf3 c5 22.Rd1 {und nun etwa} 22... Kh8 {nebst Dc6 mit marschbereiter Bauernkolonne, auch in diesem Falle hätte Schwarz ausgesprochenen, wenn auch nur geringen Vorteil (eine Stellung für Capa! ) . - Wir sind nun in der Lage zu resümieren: 12. ... f7-f6 dürfte zwar gut genug sein, führt aber unter allen Umständen zu einer temporären Lockerung des schwarzen so festgefügten Aufbaues und daher muß der Textzug als der positionsgemäßere angesprochen werden, zumal "Se5" ohnehin in diesem Moment nur ein Schlag in die Luft wäre.} ) 13.Ne5 $2 ( {Der "Schlag in die Luft!" Viel besser erschiene} 13.Bf4 ) 13...Nxe5 14.Rxe5 ( {Auch nach} 14.dxe5 {wäre Schwarz vorzuziehen gewesen.} ) 14... Rae8 15.Qe2 f6 {Nun erst darf dieser Zug mit gutem Gewissen geschehen.} 16.Re3 c5 17.c3 c4 18.Bc2 g5 $1 {Erst nach geglückter Zentralsicherung geht er nun mit Recht an die Realisierung seiner Diversionspläne. Der Textzug schafft dem angriffslustigen Se7 eine Basis auf h4.} 19.b3 Bxc2 20.Qxc2 Nf5 21.Rxe8 Rxe8 {Jetzt hat Schwarz auch noch die e-Linie erobert: die durch das unzeitgemäße 13. Se5 eingeleitete weiße Zentralaktion ist somit als Völlig gescheitert zu betrachten.} 22.Bd2 Nh4 {Vergleiche die Note zum 18. Zuge.} 23.Qd1 cxb3 24.Qxb3 Re2 25.Be3 Qf5 {Schwarz hat auch jetzt noch an die charakteristische Verquickung von Flügelangriff und Zentraldefensive zu denken, Punkt d5 darf er beispielsweise nie ungedeckt lassen.} 26.Qb5 $2 ( {Statt 26. Db5 hätte 26. Db1 geschehen sollen, zu retten wäre die Partie auch in diesem Falle nicht, zum Beispiel:} 26.Qb1 Qg4 27.Qf1 h6 $1 28.h3 Qe4 {nebst f6-f5-f4 usw.} ) 26...Qe4 $1 27.Kf1 Rxe3 {Aufgegeben.} 0-1 [Event "Meisterturnier der Freien Schachvereinigung"] [Site "Berlin"] [Date "1927.05.17"] [Round "4"] [White "Enoch, David"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "C01"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 93"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.e4 e6 2.d4 d5 3.exd5 exd5 4.Nf3 Bd6 5.Bd3 Nc6 6.c3 Nge7 7.O-O Bg4 8.Re1 Qd7 9.Bg5 f6 {Punkt e6 ist stark befestigt, f7-f6 darf also ruhig geschehen )} 10.Bh4 h5 {eine kleine Neuerung!} 11.Nbd2 ( {Falls nun} 11. Bg6+ Kf8 12.Qc2 $2 {so} 12...Nxg6 13.Qxg6 Bf5 {mit Damengewinn} ) 11...g5 12.Bg3 Bxg3 {die dadurch bedingte Schwächung des Punktes c5 muß Schwarz sich eben gefallen lassen} 13.fxg3 $1 O-O-O 14.b4 ( {Die Stellung ist äußerst schwer zu beurteilen, und zwar namentlich wegen der großen Mannigfaltigkeit der vorhandenen Kriegsschauplätze: als solche fungieren nämlich beide Flügel und das Zentrum ( e-Linie ) . Soviel aber steht jetzt schon fest: die Hingabe an die Idee der Flügelattacke darf unter keinen Umständen eine Vernachlässigung des zentral gelegenen Kriegsschauplatzes mit sich führen. Die gleichzeitige Beobachtung des Zentralgebietes ( und zwar hätte dieselbe beim Weißen offensiv, beim Schwarzen aber defensiv betont zu sein ) erscheint uns unerläßlich. Nach alledem ist es einleuchtend, daß wir dem Diversionszuge b4 keinen rechten Geschmack abgewinnen können. In Betracht käme viel eher die Umgruppierung 14. Te3 15. Df1 und 16. Tae1. Möglich und zu interessanten Spielen führend wäre auch die Fortsetzung} 14.Nb3 {zum Beispiel:} 14...Qd6 ( {falls} 14...b6 $2 {so} 15.Nc5 $1 ) 15.Nc5 {. Nun würde} 15...h4 {auf folgende Weise widerlegt werden:} 16.Qb3 Na5 ( 16...b6 {verlöre nach} 17.Ba6+ Kb8 18.Nb7 {die Qualität ohne rechten Ersatz, zum Beispiel:} 18...Qd7 19.Nxd8 Nxd8 20.Qb5 Qd6 21.Qb4 ) 17.Qa4 b6 18.b4 hxg3 {( nun sieht die weiße Stellung verdächtig aus )} 19.bxa5 $1 ( {nicht} 19.Ba6+ {denn die Anwesenheit dieses Läufers auf d3 - zwecks Verhinderung von gelegentlichem Sf5- erscheint wünschenswert} ) 19...bxc5 {( es drohte a5xb6 mit Vernichtung )} 20.dxc5 $3 ( {ein köstliches Gewinnverfahren, schlecht wäre} 20.Rxe7 c4 $1 ) 20...Qxc5+ 21.Kh1 Bxf3 {( er war gegen die Doppeldrohung La6+ und Dg4: wehrlos )} 22.Ba6+ Kb8 23.Rab1+ Ka8 24.Bb7+ Kb8 25.Bxd5+ Kc8 26.Be6+ { nebst Matt im nächsten Zuge.} ) ( {Demnach müßte Schwarz - nach} 14.Nb3 Qd6 15.Nc5 {- auf h4 verzichten. Gut und positionsgemäß wäre} 15...Rde8 {. Die Folge könnte sein} 16.Qb3 ( 16.Qa4 $2 h4 17.b4 Kb8 18.b5 Nd8 {und Weiß ist gefährdet} ) 16...Nd8 17.Re3 Nec6 18.Rae1 Rxe3 19.Rxe3 h4 20.Nd2 hxg3 21.hxg3 {mit annähernder Stellungsbalance. Die letztere Variante zeigt uns an einem Exempel, wie die von uns mehrfach verlangte Verquickung von Flügel- und Zentralspiel in der Praxis durchzuführen sei. Im nachfolgenden wird die Zentralidee von weißer Seite schwach betont und Schwarz erhält so die Möglichkeit, die notwendig erscheinende Zentralsicherung mit einem Minimum an Kräften durchzuführen, um so alle nur irgend verfügbaren Truppen nach dem Königsflügel zu werfen.} ) 14... Rdg8 ( {Findet seine Erklärung im nächsten Zuge von Schwarz. Natürlich wäre auch} 14...Rde8 {gut und sicher.} ) 15.Qe2 Rg7 $1 {Damit wird eine notdürftige Sicherung der e-Linie erzielt. Der "Tg7" bildet somit den Träger der mehrmals angedeuteten Verquickungsidee.} 16.a4 ( {Die Zentralinitiative} 16.h3 Bf5 17.Bxf5 Nxf5 18.Qe6 {würde an der Antwort} 18...g4 {scheitern.} ) 16...Qd6 17.a5 h4 18.b5 Nd8 19.b6 Kb8 $1 20.bxc7+ ( {Etwas besser erscheint} 20.c4 ) 20...Qxc7 21.c4 hxg3 22.hxg3 dxc4 $1 { Schafft einerseits das Zentralfeld d5 für den schwarzen Springer und lenkt andererseits den Sd2 von der Verteidigung des Königsflügels weg.} 23.Nxc4 ( {Falls} 23.Bxc4 {so} 23...Nf5 {mit entscheidendem Angriff.} ) 23...Qxg3 24.a6 Nd5 25.Be4 ( {Interessant wäre die Variante} 25.axb7 Nf4 26.Qa2 a6 $1 {und Schwarz gewinnt.} ( {nicht} 26...Rxb7 {wegen} 27.Reb1 {mit der Drohung Da7:} ) ) 25...Nf4 26.Qb2 Bxf3 27.Bxf3 Rgh7 {Aufgegeben. Weiß hatte es im 14. Zuge versäumt, seinen Springer nach c5 zu dirigieren: infolgedessen verflüchtigte sich sowohl Zentraldruck als auch Königsangriff. Schwarz hatte es - im Gegensatz hierzu - verstanden, mittels 14. ... Tg7 Zentraldefensive mit Angriffsplänen am Flügel zu verbinden. Und siehe da, nicht nur gelang die restlose Durchführung der Angriffspläne, der Tg7 kam auch als Verteidiger voll und ganz zu seinem Recht: über das Zentrum hinweg wußte dieser schützend nach b7 und a7 hin zu wirken. Ein für die asymmetrische Spielbehandlung sehr Iehrreicher Fall.} 0-1 [Event "Großmeisterturnier"] [Site "New York"] [Date "1927.03.09"] [Round "13"] [White "Marshall, Frank James"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "1/2-1/2"] [ECO "C01"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 94"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Hier entwickelten beide Partner ihre Springer nach e2 bzw. e7, und die Partie verlief zunächst recht monoton:} 1.e4 e6 2.d4 d5 3.Nc3 Bb4 4.exd5 exd5 5.Bd3 Ne7 6.Ne2 Bf5 7.O-O O-O 8.Ng3 Bg6 9.Nce2 Bd6 10.Bf4 Nbc6 11.Qd2 Qd7 12.Rae1 Rae8 {Aber nun kam Leben ins trockene Spiel!} 13.c3 Nc8 $1 14.Be3 N6e7 $1 {Dieser kombinierte Rückzug der vereinigten Springer bezweckt letzten Endes die Herstellung der Asymmetrie, denn dadurch, daß der Sc8 nach e4 hinzielt, erhält der schwarze Aufbau plötzlich den Charakter der Variante "Sf6" gegen "Se2".- Dieser nicht unoriginelle Rückzug ist vom Verfasser übrigens bereits gegen Spielmann versucht worden ( Kopenhagen 1923 ) : dort geschah Se7-g8 Sc6-e7 und dann Sg8-f6-e4.} 15.Nf4 Bxf4 16.Bxf4 Bxd3 17.Qxd3 Ng6 18.Qf3 ( {Auf} 18.Bd2 {wäre} 18...Nd6 {gefolgt, aber auch nach dem Textzuge erhält Schwarz etwas Spiel.} ) 18...f5 19.Bd2 Rxe1 20.Rxe1 f4 21.Ne2 Qf5 ( {Nicht übel wäre auch:} 21...Nh4 {zum Beispiel:} 22.Qh5 Nxg2 23.Kxg2 f3+ 24.Kh1 fxe2 25.Rxe2 {und nun etwa} 25...Ne7 {und Sf5 mit Spiel in den "weißen" Punkten.} ) 22.c4 $1 {Geschickt pariert, er sucht in die feindliche Umwallung eine Bresche zu schlagen.} 22...Nb6 ( {Nicht} 22...Qe4 {wegen} 23.Qxe4 {und Sc3.} ) 23.cxd5 Nxd5 24.Nc3 $1 Nxc3 25.Bxc3 c6 26.Bb4 Rd8 27. Qe4 Qf7 28.a3 h6 29.g3 Qf6 30.Bc3 Rd5 31.Qe8+ Kh7 32.Qe4 Qf5 33.Kg2 Qg4 ( {Schwarz will sich nicht bescheiden, das Endspiel nach} 33...Qxe4+ 34.Rxe4 fxg3 35.hxg3 Kg8 36.Re8+ Kf7 37.Ra8 a6 38.Rb8 Rd7 39.Kf3 Ne7 40.Ke4 Nd5 { schien ihm nicht vorteilhaft genug.} ) 34.f3 Qg5 35.Bd2 Qf6 ( {Einfacher wäre jedenfalls} 35...Qd8 {zum Beispiel:} 36.Bxf4 Rxd4 37.Qf5 Qd7 38.Qc2 Rd3 {und der Läufer gelangt nicht zur Besetzung der wichtigen Schräge c3-g7.} ) 36.Bxf4 Rxd4 37.Qc2 Rd5 $2 ( {Übersieht die Antwort;} 37...Qd8 { sollte geschehen sein.} ) 38.Bd2 Qd8 39.Bc3 {Weiß hat nun einen freien spannkräftigen Läufer und ist daher im Vorteil.} 39...Rd3 40.Re4 Qd5 41. Qe2 Qd7 42.h4 h5 43.Re8 Rd1 44.Ra8 a6 45.Rb8 ( {Mit der Absicht, die Bauern hervorzulocken (es: droht Tb7:), wonach der Damenabtausch mit gewonnenem Turm-Läufer-Endspiel erfolgen soll. Aber Schwarz findet eine verschmitzte Parade. Richtig war übrigens} 45.Qe4 {Schwarz hätte dann mittels} 45...Qf7 {nebst Td1-d5-f5 versucht, sich über Wasser zu halten. Leicht wäre die Verteidigung nicht geworden.} ) 45...Rh1 $3 46.Kxh1 ( { Hierzu entschloß sich Marshall nach einem Verbrauch con 70(!) Min. seiner Bedenkzeit. Zum Verlust würde führen} 46.Qe8 {zum Beispiel} 46...Nf4+ $1 47.gxf4 Qh3+ 48.Kf2 Rf1+ 49.Ke3 Qxf3+ 50.Kd4 Qd5+ 51.Ke3 Rf3+ 52.Ke2 Qd3+ 53.Ke1 Rf1# ) ( {Ungünstig wäre auch 46. Dc4, zum Beispiel:} 46.Qc4 Nxh4+ $1 47.gxh4 Qh3+ 48.Kf2 Qh2+ {nebst Db8:. So scheint die Annahme erzwungen und das abwechslungsreiche Spiel ist remis.} ) 46...Qh3+ 47.Qh2 {Remis.} ( {Natürlich nicht} 47.Kg1 $2 {wegen} 47...Qxg3+ 48.Qg2 Qxb8 49.Qg5 Qf4 50. Qxh5+ Qh6 {und Schwarz ist im Vorteil.} ) 47...Qf1+ 48.Qg1 Qh3+ 1/2-1/2 [Event "III. internationales Schachmeisterturnier"] [Site "Karlsbad"] [Date "1923.05.05"] [Round "6"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Tartakower, Savielly"] [Result "1-0"] [ECO "A04"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 95"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.Nf3 f5 2.b3 b6 3.Bb2 Bb7 4.g3 Bxf3 {(der Abtausch scheint ungünstig zu sein, denn die schwarze Bauernstellung erweist sich bald als wenig dynamisch)} 5.exf3 e6 6.f4 Nf6 7.Bg2 c6 8.O-O Be7 9.Qe2 O-O {(die weißen Läufer stehen zwar stark, entfalten aber noch vorläufig keine direkte Wirksamkeit).} 10.Na3 $1 {Dieser Springer stellt sich nun in den Dienst der Läufer, indem er im Nachfolgenden nicht nur das Terrain sondiert, sondern auch die schwarzen Bauern hervorlockt. Seine wichtigste Funktion zeigt sich aber erst im 13. Zuge.} 10...a5 ( {Anders ist der Sb8 nicht zu entwickeln,} 10...b5 {würde an} 11.Nxb5 {scheitern.} ) 11.Nc4 a4 12.Bd4 $1 b5 13.Ne5 {Hätte ich während der Partie den Se5 als einen Linearvorposten empfunden (= Vorposten in der e-Linie), so hätte ich auch keine Veranlassung dazu, dieses Spiel an dieser Stelle zu veröffentlichen; doch galt der Springer mir in Wirklichkeit ganz und gar als Diagonalvorposten: Eine vage und noch unpräzisierte Schrägwirkung erhält durch die Plazierung des Ritters feste Form und klare Angriffsziele, mit anderen Worten: die Schrägwirkung wird materialisiert.} 13...Nd5 ( {Auf} 13...Na6 {kämen nicht etwa Opferungen auf c6, sondern ruhige Entwicklung durch} 14.Rfe1 {, gefolgt von c4.} ) 14.c4 bxc4 15.bxc4 Nb4 ( {In dem begreiflichen Bestreben, aus der, wenn auch nur sehr vorübergehenden Zentralplazierung (Sd5) Nutzen zu ziehen, nach dem Motto: Via Zentrum ins feindliche Land. Die Aktion erweist sich jedoch als verderblich. Bei passiver Haltung (} 15...Nc7 {) hätte aber ein schließlich auf d5 erfolgender Durchbruch (d2-d4-d5) entschieden.} ) 16. Bc3 a3 17.d4 N8a6 18.Rab1 Rb8 19.c5 $1 ( {Sonst wäre} 19.d5 {das anzustrebende Verfahren, aber die unglückselige Springerstellung läßt sich so leichter ausnutzen.} ) 19...Bf6 20.Rb3 Bxe5 21.fxe5 Qa5 {Anders war der a-Bauer nicht zu decken.} 22.Rfb1 Rb7 23.Qd2 Rfb8 24.Bf1 Qc7 {Es gab keine Rettung mehr.} 25.Bxb4 Nxb4 26.Rxb4 Qa5 27.Rxb7 Qxd2 28.Rxb8+ {und gewann. } 28...Kf7 29.Bc4 Qxd4 30.Bb3 Qxc5 31.Rb7 Qxe5 32.Rxd7+ Kf6 33.Rbd1 c5 34. R7d6 Qc3 35.Rxe6+ Kg5 36.Re3 Qb4 37.Rc1 f4 38.Re5+ Kh6 39.Rexc5 {und setzte im 48. Zuge matt.} 39...fxg3 40.hxg3 g6 41.R1c4 Qe1+ 42.Kg2 g5 43. Rc6+ Kg7 44.Rc7+ Kf6 45.R4c6+ Kf5 46.Rf7+ Kg4 47.f3+ Kh5 48.Rxh7# 1-0 [Event "Simultan- und Beratungspartie"] [Site "Kristiania"] [Date "1922.01.??"] [Round "-"] [White "Dalseg, Olav Trygve:Geelmuyden, Knut"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "A00"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 96"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.e3 g6 2.d4 Bg7 3.Nf3 d6 4.Be2 Nd7 5.O-O e5 6.dxe5 ( {Dieser plötzliche Übergang in die offene Partie kommt überraschend, man hätte viel eher an die geschlossene Entwicklungsmethode c4 Sc3 und b3 gedacht. Auf 6. c4 hätte Schwarz wohl kaum zu dem Tschigorinschen Auskunftsmittel - f7-f5 - gegriffen, welcher Zug nur die Ressource e5xd4 unnötig schwächen würde, er hätte vielmehr 6. ... Sgf6 gezogen, zum Beispiel: [} 6.c4 Ngf6 {]} 7.Nc3 O-O 8.b3 {und nun vielleicht} 8...exd4 9.exd4 d5 10.c5 Ne4 $1 11.Nxd5 Ndxc5 {usw.} ) 6...Nxe5 ( {Der Lg7 fängt an, sich zu regen. Nach} 6...dxe5 7.e4 Ngf6 8.Bc4 $1 O-O 9.Qe2 {hätte Schwarz zwar einen "Hanham" mit zwei überschüssigen Tempi erreicht - dank dem geschehenen e2-e3-e4 und Lf1-e2-c4 -, aber es ließe sich darüber streiten, ob die erfolgte Läuferfianchettierung auch wirklich eine vorteilhafte Art sei, diese Tempi anzulegen. Die Schräge a3-f8 könnte nämlich ein wenig schwach werden, beispielsweise nach} 9...c6 10.a4 Qc7 11.b3 Nb6 12.Ba3 Re8 13.Nbd2 ) 7. Nxe5 Bxe5 8.f4 Bg7 9.e4 Ne7 10.c3 ( {Der Versuch} 10.f5 {könnte für den Fall, daß die Annahme des Opfers (} 10...gxf5 11.exf5 Bxf5 12.Bg5 Bxb2 13. Rxf5 Bxa1 {) sich als zu gefährlich erweisen sollte, auch in ganz ruhigem Stile wie folgt zurückgewiesen werden:} ) ( 10.f5 gxf5 11.exf5 Bf6 12.Nc3 d5 {gefolgt von c6 Ld7 Dc7 oder b6 und 0-0-0.} ) 10...f5 11.Bd3 ( {Schwarz plant offenbar die Abwicklung fe und dann d5. Diese Expansion würde aber andererseits zur Schwächung einiger Zentralpunkte führen können, zum Beispiel: des Feldes e5. Daher dürfte 11. Sd2 den Vorzug verdient haben. Der Rekognoszierungsritt des Ritters konnte nämlich nicht frühzeitig genug vorgenommen werden. Eine plausible Variante wäre beispielsweise folgende:} 11.Nd2 O-O 12.Bc4+ Kh8 13.Bb3 $1 fxe4 14.Nxe4 d5 15.Ng5 h6 16.Nf3 {und Weiß kontrolliert die Mitte.} ) 11...fxe4 12.Bxe4 d5 13.Bc2 d4 $1 ( {Mit diesem und den nächsten Zügen sucht Schwarz dem in der vorigen Note angedeuteten gegnerischen Konsolidierungsversuch entgegenzuwirken. Entschieden schwächer wäre übrigens an dieser Stelle das ideenarme} 13... Bf5 ) 14.cxd4 Qxd4+ 15.Qxd4 Bxd4+ 16.Kh1 Bg4 $1 {Dieser Zug enthält mehrere Pointen. Erstens soll das gefürchtete Manöver Nb1-d2-f3 durch allfälliges Bxf3 entkräftet werden, zweitens soll auf 17. Re1 die Antwort Kd7 erfolgen können, ohne daß 18. Rd1 möglich würde, und drittens soll auf 17. h3 der Läufer hartnäckigst auf g4 verbleiben.} 17.Re1 ( {Falls} 17.h3 {so} 17...h5 ( {viel schwächer wäre} 17...Bf5 {zum Beispiel:} 18.Ba4+ c6 19.Nd2 $1 O-O-O 20.Nf3 {und Weiß wäre nicht ohne Konsolidierungsmöglichkeiten} ) 18.Kh2 Nf5 $1 {Falls nun} 19.Bxf5 {so} ( { Falls aber} 19.g3 {- um den Läufer zu erobern -, so} 19...h4 $1 {und Schwarz gewinnt, zum Beispiel:} 20.hxg4 hxg3+ 21.Kg2 Rh2+ 22.Kf3 Rxc2 23. Na3 ( {oder} 23.gxf5 g2 24.Re1+ Kf7 25.Be3 $2 Bxe3 26.Kxe3 Re8+ ) 23... Rf2+ 24.Rxf2 gxf2 25.Bd2 Bxb2 {und Schwarz hat materiellen Vorteil.} ) 19...Bxf5 {und Schwarz hätte den Vorteil der zwei Läufer.} ) ( {Oder (} 17.h3 h5 18.Kh2 Nf5 19.g3 h4 $1 {)} 20.Ba4+ {(um den Läufer in Sicherheit zu bringen)} 20...Kf7 21.hxg4 hxg3+ 22.Kg2 Rh2+ 23.Kf3 g2 24.Rd1 Rah8 $1 25.gxf5 gxf5 $1 {und Weiß ist gegen die Drohung T8h3+ Ke2 g1D+ wehrlos.} ) ( {Daß auch} 17.Nd2 {statt 17. h3 nach} 17...O-O-O 18.Nf3 Bxf3 19.Rxf3 Rhe8 20.Rb1 Nf5 {zu einer für Weiß minderwertigen Stellung führen würde, dürfte einleuchten, wir verweisen nur auf die Variante} 21.Bxf5+ gxf5 22. Bd2 Bxb2 $1 23.Rxb2 Rxd2 {und gewinnt.} ) 17...Kd7 $1 {Der König rückt mutig vor. Daß er sich hierbei auf die quasi in der Luft schwebenden Läufer stützt, ruft unwillkürlich, die Erinnerung an die verwegensten akrobatischen Leistungen wach (wir meinen natürlich die lebende Pyramide). } 18.Nd2 Rae8 19.Nc4 $1 Nd5 20.Bd2 $2 ( {Viel stärkeren Widerstand würde Se5+ ermöglichen (diese Konsolidierungschance zieht sich wie ein roter Faden durch die ganze Partie). Allerdings bliebe Schwarz auch dann etwas im Vorteil, zum Beispiel: (} 20.Ne5+ {)} 20...Kc8 21.Rb1 Bf5 22.Bxf5+ gxf5 23.Bd2 Bxe5 24.fxe5 Kd7 {und Ke6 mit immerhin überlegenem Schlußspiel.} ) 20...Be2 {Gewinnt einen Bauern. Die Partie sollte sich nun ziemlich glatt zugunsten des Nachziehenden abwickeln.} 21.Bb3 Bxc4 22.Bxc4 Nb6 23.Bb3 Bxb2 24.Rad1 Rxe1+ $2 ( {Ein Fehler, der die gegnerischen Läufer zu Worte kommen läßt. Nach} 24...Kc8 {hätte Weiß keinerlei Ersatz für den verlorenen Bauern.} ) 25.Bxe1+ Kc8 26.Be6+ Kb8 27.Bh4 {Die schwarze Lage erscheint nun kritisch: gegen den drohenden Turmtausch (Td8+), gefolgt von Bauernjagd (Lg8 usw.) fällt es schwer, eine genügende Parade zu finden.} 27...Nc8 ( {Zum Remis hätte wohl auch} 27...c5 {ausgereicht, zum Beispiel: } 28.Rd8+ Rxd8 29.Bxd8 c4 30.Bxb6 axb6 31.Bxc4 {und nun etwa} 31...Bc1 32. g3 g5 33.f5 Kc7 34.Kg2 Kd6 35.Kf3 ( 35.f6 Ke5 36.f7 Ba3 37.Kf3 h5 ) 35... Ke5 36.Kg4 Kf6 37.Kh5 Kg7 ) 28.Rd8 Rxd8 29.Bxd8 Ba3 $1 {Auf diese Parade hatte Schwarz sich verlassen.} 30.g4 $2 ( {Dies verliert. Zweifelhaft wäre allerdings auch} 30.Bg8 {und zwar wegen} 30...Be7 ( 30...h5 $2 31.Bf6 $1 Be7 32.Be5 h4 33.Bh7 $1 g5 34.f5 Nd6 35.f6 Bf8 36.g3 $1 hxg3 37.hxg3 c5 38.Kg2 b5 39.Kf3 {drohend Kg4} ) 31.Bxe7 Nxe7 32.Bxh7 Kc8 33.g4 Kd7 34.h4 b5 ( {nicht} 34...Ke6 {wegen} 35.Bxg6 ) 35.h5 gxh5 36.gxh5 Ke6 37.h6 Kf6 38.Kg2 c5 39.Kf3 a5 40.Be4 a4 {wäre Weiß nicht ungefährdet.} ) ( {Dagegen scheint} 30.Bf6 $1 {klar auszugleichen, zum Beispiel} 30...Ne7 ( {Oder} 30...Be7 31.Bg7 Bd6 32.f5 gxf5 33.Bxf5 h5 34.h4 {usw.} ) 31.g4 {nebst Kg2 mit dem Drohspiel Bxe7 g5 und Bg8. - Der vorzeitige Turmtausch (24. Re1:) scheint also die schwarzen Gewinnchancen aus der Hand gegeben zu haben.} ) 30...Be7 {Der Gewinnzug. Es folgte noch:} 31.Bxc8 Bxd8 32.Be6 g5 33.f5 b5 {(trotz ungleichfarbiger Läufer ist Weiß nun hoffnungslos)} 34.Kg2 c5 35. Kf3 Kc7 36.Ke4 Kd6 37.Bb3 c4 38.Bc2 Bf6 39.Bd1 a5 40.Bc2 a4 41.Bd1 a3 { Aufgegeben.} 0-1 [Event "Jubiläumsturnier der Berliner Schachgesellschaft"] [Site "Berlin"] [Date "1928.02.04"] [Round "1"] [White "Stoltz, Gösta"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "B24"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 97"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.e4 c5 2.Nc3 Nc6 3.g3 g6 4.Bg2 Bg7 5.Nge2 e6 {( um den auf d4 zu etablierenden Diagonalvorposten durch den zweiten Springer von c6 aus zu unterstützen )} 6.d3 Nge7 7.Be3 Nd4 8.Qd2 Nec6 {( vergleiche die vorige Note )} 9.Nd1 ( {Kostitsch wählte in unserer Niendorfer Partie} 9.O-O {und es folgte:} 9...d6 10.Nd1 Qa5 $1 11.Nxd4 Qxd2 12.Bxd2 cxd4 13.c3 ( {klarer erschiene sofortiges} 13.c4 ) 13...Bd7 14.f4 dxc3 15.bxc3 Rc8 {mit einigem Schrägspiel} ) 9...Nxe2 ( {auch gegen das direkte} 9...d5 {dürfte nichts einzuwenden sein, zum Beispiel:} 10.Nxd4 cxd4 {mit offenem Druck in der c-Linie und latentem Druckspiel in der Schrägen g7-h2. Nach c2-c3 welcher Zug auf die Dauer nicht zu umgehen wäre, würde diese zu Ehren gelangen} ) 10.Qxe2 Qa5+ 11.Qd2 ( {auf} 11.c3 {käme} 11...Nd4 12.Qd2 $2 Nb3 ) 11... Qxd2+ 12.Kxd2 d6 ( {Eine noch unpräzisierte Schrägwirkung muß mit größter Vorsicht angefaßt werden, sonst zerrinnt sie in nichts. Der Zug} 12...b6 $1 {hätte Möglichkeiten geschaffen, zum Beispiel:} 13.c3 Bb7 14.f4 d5 15.exd5 Ne7 16.Nf2 {und nun vielleicht} 16...Nf5 {. Es war von Belang, sich auch den Aufbau e6xd5 vorzubehalten. Nach dem Textzuge, der die Zahl der Möglichkeiten unnötigerweise verringert, dürfte ein Gewinn nicht mehr nachweisbar sein.} ) 13.f4 b6 14.e5 Bb7 15.exd6 O-O-O 16.c3 $1 Rxd6 17.Nf2 Rhd8 {Die schwarze Stellung ist zwar festgefügt, bietet aber eine allzu geringe Auswahl an möglichen Angriffsformationen.} 18.Rad1 ( {Eine Remisstellung, denn d3 ist uneinnehmbar. Steinitz hatte einige ähnliche Schlußspiele trotz zähester Ausdauer nur remisiert. Man sehe beispielsweise} 18.Rad1 Ne7 19.Bxb7+ Kxb7 20.Kc2 Nf5 21.Rhe1 h5 22.Ne4 R6d7 23.Bc1 ) ( {Oder} 18.Rad1 Ne7 19.Bxb7+ Kxb7 20.Kc2 Nd5 21.Rhe1 f5 22. Bc1 {Schwarz bringt dann zwar seinen König nach f7 ( zwecks Sicherung von e6 ) , aber. Weiß stellt die Türme in der e-Linie auf und darf dem kommenden gegnerischen Angriff ( b6-b5-b4 ) mit Ruhe entgegensehen.} ) 18...e5 {Ein "energischer" Versuch, der aber vom jugendlichen Gegner mit leichter Mühe pariert wird.} 19.Rhe1 f5 20.Bxc6 $1 Rxc6 ( {Falls} 20... Bxc6 {so} 21.fxe5 Bxe5 22.Bxc5 ) 21.fxe5 Bxe5 22.Bg5 Bf6 23.Bxf6 Rxf6 24. Re7 {Jetzt hat Weiß eine nicht zu unterschätzende Initiative erlangt.} 24...Rd7 25.Rde1 Bd5 $1 {Schwarz scheut sich nicht, seinem stolzen Läufer eine Froschstellung anzuweisen (auf f7). Diese dem pseudoklassischen Schach ziemlich wesensfremde Abart des Mutes scheint für den neuromantischen Stil bezeichnend zu sein.} 26.Nh3 h6 27.Nf4 Bf7 $1 28.h4 Kd8 29.Rxd7+ ( {Der Rückzug} 29.R7e5 {würde nach} 29...g5 30.hxg5 hxg5 31. Nh3 f4 32.Rxg5 ( {oder} 32.g4 Bg6 33.Nf2 Bxd3 {und c4} ) 32...fxg3 33.Rxg3 Bxa2 {zur Auflösung der Spiele führen. Nach dem Textzug gerät Weiß aber in Nachteil.} ) 29...Kxd7 30.a3 g5 31.hxg5 hxg5 32.Nh3 Rg6 33.Re5 Be6 {Der Läufer bildet nun u. a. eine "Brücke" für das geplante Kd7-e7-f6.} 34.Ke1 ( {Durch} 34.d4 {könnte die Brücke untauglich gemacht werden, es wäre aber gefolgt} 34...cxd4 35.cxd4 f4 36.Rxg5 Rxg5 37.Nxg5 fxg3 {und Weiß bekäme es mit dem "entfernteren Freibauern" zu tun.} ) 34...Ke7 35.b4 Kf6 36.Re3 Rg8 37.Kf2 Bd5 {Der Läufer tritt nun aus seiner Reserve hervor.} 38.c4 Bf7 ( {Hier dürfte das einfache} 38...Bb7 {vorzuziehen sein. Auf} 39.Kg1 Rh8 40.Nf2 {wäre} 40...f4 {nicht übel, zum Beispiel:} 41.gxf4 gxf4 42.Re2 ( { Oder} 42.Re1 Rg8+ 43.Kf1 Bg2+ 44.Ke2 ( 44.Kg1 {wäre auch nicht gerade erfreulich} ) 44...Re8+ 45.Kd2 Rxe1 46.Kxe1 Ke5 47.Kd2 Kd4 48.bxc5 bxc5 49.Ke2 f3+ 50.Kd2 Bf1 {und gewinnt.} ) 42...Rg8+ 43.Kf1 Bg2+ 44.Ke1 Bf3 45.Rc2 Rg1+ {mit Vorteil.} ) ( {Andere Defensivformationen wären wohl noch ungünstiger, zum Beispiel: (} 38...Bb7 {)} 39.Ng1 Rh8 40.Nf3 Bxf3 41.Kxf3 Rh2 {und gewinnt} 42.Re2 Rxe2 43.Kxe2 Ke5 {usw.} ) 39.Ng1 Rh8 40.Nf3 Rh1 41.Ne5 $1 ( {Besser als} 41.Re1 Rxe1 {usw.} ) 41...Be6 42.Nc6 {Nun sollte Weiß nicht mehr verlieren.} 42...Rh2+ 43.Ke1 Ra2 44.bxc5 bxc5 45.Nxa7 Bd7 {Ein letzter Versuch.} 46.d4 ( 46.Nb5 {machte remis, zum Beispiel:} 46... Bxb5 47.cxb5 Rxa3 48.Re8 {(am einfachsten!)} 48...Rxd3 ( {falls} 48...Rb3 {so} 49.Rb8 ) 49.b6 Rb3 50.Rb8 $1 Ke5 51.b7 Kd6 52.Rd8+ Kc7 53.Rc8+ Kxb7 54.Rxc5 Rf3 55.g4 {usw.} ) 46...cxd4 47.Rd3 Ke5 48.Nb5 Bxb5 49.cxb5 Rb2 $1 {Damit wird ein interessanter Durchbruch in die Wege geleitet.} 50.a4 g4 $1 51.Rd2 ( {Einzig} 51.a5 $1 Rxb5 52.Ra3 {hätte eine Remischance offen gelassen.} ) 51...Rxd2 52.Kxd2 f4 $1 53.gxf4+ Kd6 $1 {Weiß ist verloren. Es folgten noch einige Zuckungen:} 54.a5 g3 55.a6 Kc7 56.Ke2 d3+ 57.Kxd3 g2 58.Ke4 g1=Q 59.Kf5 Qb6 60.Kg5 Kd7 61.f5 Ke7 {Aufgegeben.} 0-1 [Event "Internationales Meisterturnier"] [Site "Hannover"] [Date "1926.08.15"] [Round "6"] [White "Nimzowitsch, Aaron"] [Black "Mieses, Jacques"] [Result "1-0"] [ECO "A28"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 98"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.c4 e5 2.Nc3 Nf6 3.Nf3 Nc6 4.e4 {( meine Dresdener Spezialvariante, vergleiche die Partien Nr. 31 und Nr. 52 )} 4...Bb4 5.d3 d6 6.g3 Bc5 7.Bg2 ( {in Betracht käme der Präventivzug} 7.h3 ) 7...Ng4 8.O-O f5 {Damit ist eine schwer zu beurteilende Stellung erreicht: der Nachziehende erscheint stark in den schwarzfeldrigen Punkten ( zum Beispiel f2 und d4 ) , Weiß ist aber, wie es scheint, in der Lage, sich ein weißfeldrig betontes Gegenspiel zu verschaffen.} 9.Nd5 ( 9.exf5 Bxf5 10.Ng5 Qd7 11.Bd5 Rf8 12. Nge4 Bb6 {Schwarz stände besser.} ) ( 9.Bg5 Nf6 10.exf5 Bxf5 11.Nh4 Be6 12.Ne4 O-O 13.Kh1 {; falls dann} 13...Qd7 {so} 14.Bxf6 gxf6 15.f4 Kh8 16. f5 Bg8 17.Nxc5 {nebst 18. Le4 Sd4 mit annähernd gleichen Chancen. Man beachte ( nach 18. ... Sd4 ) , daß der zwischen weiß- und schwarzfeldrigem Aufbau bestehende Gegensatz sich, fast könnte man sagen, bis ins Schlußspiel hinein unvermindert schroff erhalten hat! ( Vergleiche Vorrede zu 7. )} ) 9...h6 $2 ( {Schädigt die eigene "schwarzfeldrige" Initiative ( denn h6 bedeutet Zeitverlust ) und fördert zu gleicher Zeit die gegnerischen "weißfeldrigen" Pläne: mehr kann man von einem Zuge nicht gut verlangen! - Beinah selbstverständlich erscheint ( statt h6? ) die Rochade. Nach} 9...O-O 10.Bg5 Qe8 $1 11.Nxc7 Qh5 {wäre} 12.Nxa8 { unzulässig} ( {und auch} 12.h3 {würde wegen} 12...Nxf2 {zu Unannehmlichkeiten für Weiß führen} 13.Rxf2 Bxf2+ 14.Kxf2 fxe4 15.dxe4 Qxg5 16.Nxa8 Nd4 17.Rc1 {[es drohte Lh3:]} 17...Bxh3 18.Rc3 Bg4 19.Nc7 Qh5 20.Nb5 Bxf3 21.Bxf3 Qh2+ 22.Kf1 Qh1+ {und gewinnt} ) 12...fxe4 13.dxe4 Rxf3 {)} ) ( {Weiß hätte also wohl auf 10. Lg5 verzichten müssen. Nach} 9...O-O 10.h3 {( was sonst? )} 10...Nxf2 11.Rxf2 Bxf2+ 12.Kxf2 fxe4 13. dxe4 Nd4 14.Be3 Nxf3 {nebst Lh3: wäre annähernde Balance erreicht. Der Textzug bringt Schwarz in Schwierigkeiten.} ) 10.exf5 Bxf5 11.Nh4 Be6 12. Ng6 Rg8 13.h3 {Im Besitz aller "weißen" Punkte, geht er nun daran, den Gegner auch aus den "schwarzen" Punkten herauszuwerfen.} 13...Nf6 14.Be3 $1 {Zur Vorbereitung von b4, was, sofort ausgeführt, die Antwort Ld4 gestattet hätte.} 14...Bxd5 $2 ( 14...Bf7 {erschien geboten. Der Führer der schwarzen Steine verteidigt zwar sein Spiel gegen die einzelnen gegnerischen Drohungen, er tut aber nichts im Sinne einer zu erreichenden allgemeinen weißfeldrigen Sanierung.} ) ( {Interessant ist übrigens die Feststellung, daß} 14...Qd7 {(mit der Absicht Df7) nicht genügt hätte, zum Beispiel:} 15.b4 Bxe3 16.fxe3 O-O-O ( {nicht} 16...Bxh3 {wegen} 17.Rxf6 ) 17.Qa4 Kb8 18.b5 Bxd5 19.bxc6 $1 Bxc6 20.Bxc6 bxc6 21.Rab1+ Ka8 22.Ne7 { und gewinnt.} ) 15.cxd5 Nd4 ( {Oder} 15...Ne7 16.Nxe7 {und 17. d4 mit weißem Vorteil.} ) 16.f4 Qd7 ( {Nutzlos wäre} 16...exf4 17.Rxf4 Ne6 {und zwar wegen} 18.Bxc5 Nxf4 19.Qe1+ Kf7 20.Nxf4 Re8 21.Ne6 {mit behauptetem Mehrbesitz.} ) 17.b4 Bb6 18.fxe5 dxe5 19.Nxe5 Qe7 20.Nc4 {Schwarz ist natürlich verloren; um so anerkennenswerter ist die Findigkeit, mit der Mieses nun nach Rettung ausspäht.} 20...Kd8 $1 ( {Die} 20...O-O-O {ging wegen} 21.Nxb6+ {nicht an. Nun aber plant er Tge8.} ) 21.a4 ( {Schade.} 21.Re1 {hätte elegant gewonnen, nämlich} 21...Qxb4 22.Rb1 Qc3 23.Qa4 Nc2 { (noch der einzige Zug)} 24.Bxb6 $1 Nxe1 25.Bxc7+ Kxc7 26.Rxb7+ $1 Kxb7 27. d6+ Nxg2 28.Qb5+ {nebst Matt in 3 Zügen.} ) ( {Auch} 21.d6 {hätte leicht gewonnen, zum Beispiel:} 21...cxd6 22.Re1 Qc7 23.a4 a6 24.Nxb6 Qxb6 25.Qd2 Re8 26.Bf2 {. Natürlich gewinnt auch der Textzug.} ) 21...Re8 22.Kh2 Ne2 $1 23.d6 ( {Er läßt sich verblüffen. Einfach} 23.Qxe2 Bxe3 24.Qf3 {hätte ziemlich leicht gewonnen.} ) 23...cxd6 24.Re1 Bxe3 25.Rxe2 Bg1+ 26.Qxg1 Qxe2 {Jetzt hat Weiß noch zu arbeiten.} 27.Nxd6 Re7 28.a5 Rd7 29.Re1 Qd2 30.Nc4 Qxb4 31.a6 {Der Angriff muß durchdringen.} 31...Rc8 ( {Auf} 31...b5 {folgt} 32.Ne5 {zum Beispiel:} 32...Rc8 33.Nxd7 Nxd7 34.Rb1 Qc5 35.Qxc5 Rxc5 36.d4 Rf5 37.Bc6 ) ( {Oder} 31...Rb8 32.Ne5 {(drohend Da7: was, sofort erfolgt, die Parade b7xa6 gestattet hätte)} 32...Qd4 {(noch das beste!)} 33.Nf7+ Kc7 34.Rc1+ Kb6 35.Rb1+ Kxa6 36.Qc1 Qxd3 37.Bf1 ) 32.Rb1 Qa4 33.axb7 Rb8 34.Qc5 Rc7 35.Qd4+ Nd7 ( {Oder} 35...Rd7 36.Qe5 Rc7 37.Na5 {mit der tödlichen Drohung Nc6+ Rxc6 Qxb8+} ) 36.Qxg7 Rc5 37.Qh8+ Kc7 38. Qxh6 Qc2 39.Qd6+ Kd8 40.Rf1 Ke8 41.Rf8+ {Aufgegeben,} ( {denn es könnte folgen} 41.Rf8+ Nxf8 42.Qxb8+ Kf7 43.Qxf8+ $1 Kxf8 44.b8=Q+ Kf7 45.Qxa7+ { und Qxc5. - Der Qualitätsverlust hat die Partie zwar aus der Bahn der logischen Entwicklung gedrängt, an dem Lebensnerv der Stellung, nämlich den weißfeldrig betonten Angriffsmöglichkeiten, hat er aber doch nicht zu rühren vermocht.} ) 1-0 [Event "Beratungspartie"] [Site "Kopenhagen"] [Date "1923.??.??"] [Round "-"] [White "Andersen, Erik:Nielsen, J.W."] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [Result "0-1"] [ECO "B00"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 99"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.e4 Nc6 2.d4 d5 3.exd5 Qxd5 4.Be3 e6 ( {wahrscheinlich dürfte} 4...e5 { der objektiv richtige Zug an dieser Stelle sein} ) 5.Nf3 Bd7 ( {Um den Gegner ein wenig einzuschüchtern? denn nun "droht" Schwarz, die d-Linie in die Waagschale zu werfen. Objektiv richtiger ist natürlich} 5...Nf6 {. Zum Beispiel:} 6.h3 {( sonst folgt eventuell Sg4 )} 6...e5 7.dxe5 Qxd1+ 8.Kxd1 Nd5 ) ( {Oder auch (} 5...Nf6 6.h3 {)} 6...Qa5+ 7.c3 e5 8.b4 Qd5 9.b5 exd4 10.cxd4 Ne7 $1 11.Nc3 Qd8 $1 {und 12. Sed5 mit erreichter Konsolidierung.} ) 6.Nbd2 ( {Vorzuziehen war} 6.Be2 {zum Beispiel:} 6...O-O-O 7.O-O Nf6 8. c4 Qf5 9.h3 {die schwarze Damenstellung gibt zu Besorgnissen Anlaß.} ) ( { Aber wahrscheinlich hätte der Nachziehende (nach} 6.Be2 O-O-O 7.O-O {) zu dem phantastisch wirkenden Manöver} 7...f6 8.c4 Qh5 9.Nc3 Qf7 {gegriffen, seine Position wäre aber auch in diesem Falle nur schwer zu verteidigen gewesen.} ) 6...O-O-O 7.Bd3 {Fein gedacht! Er verzichtet hiermit auf die naheliegende Angriffswendung Lc4 (nebst De2 und 0-0-0), um die feindliche Dame statt dessen völlig unbehelligt zu lassen. Die Anwesenheit der Dame auf d5 schien ihm nicht unerwünscht, der Vorstoß e6-e5 könnte nämlich in diesem Falle stets durch c4 nebst d5 mit Tempo zurückgewiesen werden.} 7...Nf6 8.O-O h6 9.c3 g5 {Um den Sf3 von der Richtung e5 abzudrängen, gleichzeitig wird die Entwicklung des Läufers nach g7 geplant.} 10.c4 ( { Dieser Vorstoß ist jetzt mindestens ebenso zweischneidig wie jemals zuvor; die feindliche Dame gelangt nun zwar auf etwas ungewöhnliche Felder, die sich jedoch als nicht schlecht erweisen. - Das aus dem 9. Zuge logisch resultierende Verfahren bestand vielmehr in} 10.b4 {. Die Folge könnte etwa sein:} 10...g4 11.Ne1 Qh5 12.b5 Ne7 ( {nicht zuerst noch} 12...Bd6 {, weil} 13.g3 {und c4 den Läufer ins Gedränge bringen würde} ) 13.c4 Nf5 14. c5 Nd5 {mit Chancen und Gegenchancen. Nach dem Textmanöver gelangt Weiß überraschend schnell ins Hintertreffen.} ) 10...Qd6 11.c5 Qe7 12.Nc4 ( {Da Schwarz im Begriffe steht, weißfeldriges Terrain zu erobern, hätte auch die Richtung des Widerstandes weißfeldrig betont sein sollen, also} 12.Bb5 $1 ) 12...Nd5 13.Nfe5 ( {Und hier wäre das Opferangebot} 13.b4 { vorzuziehen gewesen. Nach} 13...Ncxb4 14.Rb1 {dürfte der weiße Angriff nicht unterschätzt werden, zumal er Hand in Hand mit "Blockierung" zu gehen scheint.} ) 13...Bg7 14.Re1 Nxe5 15.Nxe5 Bxe5 16.dxe5 Bc6 {Jetzt hingegen ist der Anziehende eine "weißfeldrige" Ruine. Man beachte die Selbstverständlichkeit, mit der das übrige sich vollzieht.} 17.Qc1 Nf4 18. Bf1 Nd3 19.Bxd3 Rxd3 20.b4 Qd7 21.Qc4 Rd8 22.a3 Ba4 23.Reb1 Bb5 24.Qc2 Qd5 25.Re1 g4 26.Qe2 h5 27.a4 Bc4 28.Qc2 h4 29.Qe2 Rd4 30.Qb2 Rd3 31.Qe2 Rg8 32.Kh1 h3 {Diese nun auf g2 entstehende neue weißfeldrige Schwäche schließt sich den alten auf c6 d5 b5 d3 usw. würdig an. Sie schlägt dem (weißfeldrigen) Faß den Boden aus. Es folgte noch} 33.Rg1 hxg2+ 34.Rxg2 Ra3 35.Qe1 Rxa1 36.Qxa1 Qf3 37.Kg1 Rd8 {Aufgegeben.} 0-1