[Event "Jubiläumsturnier der Berliner Schachgesellschaft"] [Site "Berlin"] [Date "1928.02.18"] [Round "12"] [White "Sämisch, Friedrich"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [ECO "C13"] [Result "0-1"] 1.e4 e6 2.d4 d5 3.Nc3 Nf6 4.Bg5 Be7 5.e5 Ng8 6.Be3 b6 7.Qg4 g6 8.h4 h5 9. Qg3 Ba6 10.Nf3 Bxf1 11.Kxf1 Qd7 12.a3 Nc6 13.Rd1 Na5 14.Ng5 Nh6 15.Bc1 O-O-O 16.Qd3 Kb8 17.Rh3 Rdf8 18.Kg1 Nf5 19.Ne2 Qd8 20.g3 c5 21.dxc5 bxc5 22.Kg2 Qb6 23.f4 Bxg5 24.hxg5 Rc8 25.Rh2 Rhd8 26.Kh3 d4 27.Qf3 Rd5 28.b3 c4 29.b4 Nc6 30.c3 d3 31.Ng1 d2 32.Rhxd2 Rxd2 33.Bxd2 Rd8 34.Qe2 Rd3 35. Nf3 Qd8 36.Rf1 Qd5 37.Rf2 h4 38.gxh4 Ncd4 39.cxd4 Nxd4 40.Qxd3 cxd3 41. Nxd4 Qxd4 42.Kg3 Qe4 43.Rh2 Kb7 44.a4 Kc6 45.a5 Kd5 46.h5 gxh5 47.Rxh5 Qe2 48.Rh2 Qd1 49.Rf2 Ke4 50.Kh2 Kf5 51.Rg2 Qf1 52.Kg3 Ke4 53.Rf2 Qh1 54.Rg2 Kd4 55.Rh2 Qd1 56.Rg2 Kc4 57.Rf2 Qh1 58.Rh2 Qe4 59.Rf2 Kb3 60.Rh2 Kc2 61. Rf2 Kd1 62.Rh2 Qc6 63.Kg4 Qc2 64.Kg3 Qxd2 65.Rxd2+ Kxd2 66.f5 Ke3 67.g6 fxg6 68.f6 d2 69.f7 d1=Q 70.f8=Q Qg1+ 71.Kh3 Ke4 72.b5 Qh1+ 73.Kg3 Qe1+ 74.Kg4 Qxa5 75.Qd6 Qb6 76.Kg5 Qxb5 77.Kf6 Qf1+ 78.Kg7 Qf5 79.Qc6+ Kxe5 80. Qc5+ Ke4 81.Qxa7 e5 82.Qg1 Kd5 83.Qd1+ Kc5 84.Qc1+ Kb5 85.Qb2+ Kc6 86.Qc3+ Kd7 87.Qd2+ Ke8 88.Qd5 Qd7+ 0-1 [Event "Jubiläumsturnier der Berliner Schachgesellschaft"] [Site "Berlin"] [Date "1928.02.18"] [Round "12"] [White "Sämisch, Friedrich"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [ECO "C13"] [Result "0-1"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 13"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] 1.e4 e6 2.d4 d5 3.Nc3 Nf6 4.Bg5 Be7 5.e5 Ng8 {Mit diesem schlecht angeschriebenen Zuge leitet Schwarz einen neuen, beachtenswerten Kriegsplan ein.} 6.Be3 b6 {Die Pointe: geplant wird La6 mit Abtausch des weißfeldrigen Läufers.} 7.Qg4 g6 8.h4 h5 9.Qg3 Ba6 10.Nf3 Bxf1 11.Kxf1 Qd7 {Nun droht u. a. die Diversion Dc6, gefolgt von b6-b5-b4. Man beachte, daß die weißfeldrigen Punkte wie c2, c4 und b5 an einer gewissen Schwäche laborieren; dies war der Sinn des Läuferabtausches.} 12.a3 Nc6 {Mit dem Erfolg der Damendiversion (nach d7) darf Schwarz zufrieden sein: a3 ist immerhin eine Schwäche.} 13.Rd1 {Er verteidigt sein Spiel prophylaktisch; dadurch gewinnt die Partie an Interesse. Sämisch gehört übrigens zu den wenigen, die um die Zentralpunkte kämpfen, er ist überhaupt ein strategisch glänzend veranlagter Spieler.} 13...Na5 14.Ng5 Nh6 15.Bc1 O-O-O 16.Qd3 Kb8 17.Rh3 {Die weiße Stellung macht nun einen wohlkonsolidierten Eindruck, denn die durch Sc4 involvierte Gefahr darf als im vorhinein lokalisiert betrachtet werden, auf c7-c5 aber kann stets d4xc5 mit (in der d-Linie begründeten) Defensivchancen geschehen, und, was das wesentlichste ist, der Sg5, der nie getauscht werden kann, ohne daß der wiedernehmende Läufer eine prächtige Schräge bekäme, hält den ganzen Königsflügel unter Druck.} 17...Rdf8 {Wie man bald sehen wird, enthält dieser Zug etwas Gift.} 18.Kg1 ( {Er unterschätzt die Gefahr, der Turm mußte sogleich nach f3, denn nun wird ihm der Ausgang verbaut. Auf} 18.Rf3 $1 {käme allerdings} 18...Nf5 19.g3 f6 20.exf6 Bxf6 {(drohend Sc6 nebst e6-e5)} 21.Re1 $1 Re8 $1 22.Rf4 $1 Bxg5 ( {nicht} 22...e5 {wegen des Qualitätsopfers} 23.dxe5 Bxe5 24.Nxd5 Bxf4 25.Bxf4 ) 23.hxg5 Nc6 {und Schwarz wäre wegen der Durchbruchsmöglichkeit e5 doch etwas im Vorteil. Die Eröffnung war eben günstig für den Nachziehenden.} ) 18...Nf5 19.Ne2 Qd8 $1 ( {Jetzt wäre} 19...f6 {wegen} 20.Nf3 {weniger stark.} ) 20.g3 {Es drohte Sxh4, vergleiche den ersten Teil der Note zum 18. Zuge.} 20...c5 21.dxc5 bxc5 22.Kg2 Qb6 {Die Idee besteht nun darin, den e-Bauern nachhaltig anzugreifen, bis f4 erfolgt; dann soll endlich Lxg5 geschehen, der Lc1 kann nicht mehr wiedernehmen, und das Problem "Sg5" erscheint gelöst!} 23.f4 {Dies hätte noch Zeit, aber Sämisch, dem das Konsolidieren eine psychologische Notwendigkeit geworden ist, kann den Anblick ungedeckter Bauern nicht vertragen.} 23...Bxg5 24.hxg5 Rc8 25.Rh2 Rhd8 { Die disponibel gewordenen Türme entfalten nun einen wahren Arbeitshunger.} 26.Kh3 d4 {Langsames Vorrücken der Zentralmasse, akkompagniert durch gradweises Zentralisieren der das Vorgehen stützenden Figuren.} 27.Qf3 Rd5 28.b3 c4 $1 29.b4 Nc6 30.c3 d3 ( {Damit wird eine schöne und, wie es scheint, auch korrekte Kombination in die Wege geleitet. Und doch wäre es vom praktischen Gesichtspunkt aus empfehlenswerter gewesen, der von uns mehrfach illustrierten Vereinfachungsstrategie den Vorzug zu geben: ohne sonderliche Anstrengung hätte Schwarz so Teile der Zentralisierung ins Endspiel hinüberretten können und zwar wie folgt:} 30...Rcd8 31.cxd4 Ncxd4 32.Nxd4 Nxd4 {Nun würde} 33.Qe4 {(die Gegenzentralisierung) an} ( {der Zug } 33.Qf2 {hätte aber} 33...Nb3 {zur Folge, zum Beispiel:} 34.Be3 Qb7 {mit erdrückendem Stellungsübergewicht.} ) 33...Nf5 {scheitern.} ) 31.Ng1 d2 32.Rhxd2 Rxd2 33.Bxd2 Rd8 34.Qe2 ( {Falls} 34.Bc1 {so} 34...Rxd1 35.Qxd1 Qf2 36.Ne2 Kc8 37.Qa4 Qf3 {und gewinnt} ) ( {oder} 34.a4 Nce7 {nebst Sd5 und Se3 mit sofortigem Gewinn.} ) 34...Rd3 35.Nf3 Qd8 36.Rf1 Qd5 37.Rf2 h4 {Triumph der mittelspielartig betonten Zentralisierungsidee, Weiß verliert jetzt die Dame.} 38.gxh4 Ncd4 39.cxd4 Nxd4 40.Qxd3 {Er hat nichts Besseres. Das Endspiel sollte nun leicht gewonnen sein, aber die Ermüdung (die bei 30. ... Tcd8 statt des Bauernopfers wohl kaum eingetreten wäre) läßt den Führer der schwarzen Steine einen schweren Fehler begehen, der ihn schier um die Früchte seiner Spielweise gebracht hätte.} 40...cxd3 41. Nxd4 Qxd4 42.Kg3 Qe4 $2 ( 42...Qa1 43.Kf3 Qxa3 44.Ke3 Kc7 {hätte spielend gewonnen.} ) 43.Rh2 Kb7 44.a4 Kc6 45.a5 Kd5 46.h5 gxh5 47.Rxh5 {Nun beginnt sozusagen eine neue Partie, es gelang mir, sie nach hartem Kampfe zu gewinnen, nachdem Sämisch einmal eine Remismöglichkeit verpaßt hatte. Wir bringen das Endspiel wegen seiner Länge in abgekürzter Notation.} 47...Qe2 48.Rh2 Qd1 49.Rf2 Ke4 50.Kh2 Kf5 51.Rg2 Qf1 52.Kg3 Ke4 53.Rf2 Qh1 54.Rg2 Kd4 55.Rh2 Qd1 56.Rg2 Kc4 57.Rf2 Qh1 58.Rh2 Qe4 59.Rf2 Kb3 60.Rh2 Kc2 61.Rf2 Kd1 62.Rh2 Qc6 63.Kg4 Qc2 64.Kg3 Qxd2 {die einzige Chance!} 65. Rxd2+ Kxd2 66.f5 $1 Ke3 67.g6 fxg6 68.f6 ( {Gespensterfurcht,} 68.fxe6 { hätte zum Remis geführt, zum Beispiel:} 68...d2 69.e7 d1=Q 70.e8=Q Qf3+ 71.Kh2 Kf2 $2 72.Qxg6 ) 68...d2 69.f7 d1=Q 70.f8=Q Qg1+ 71.Kh3 Ke4 72.b5 $2 Qh1+ 73.Kg3 Qe1+ 74.Kg4 Qxa5 75.Qd6 Qb6 76.Kg5 Qxb5 77.Kf6 Qf1+ $1 78. Kg7 Qf5 79.Qc6+ Kxe5 80.Qc5+ Ke4 81.Qxa7 e5 82.Qg1 Kd5 83.Qd1+ Kc5 84.Qc1+ Kb5 85.Qb2+ Kc6 86.Qc3+ Kd7 87.Qd2+ Ke8 88.Qd5 $2 ( {Mit} 88.Qa5 {konnte Weiß noch einigen Widerstand leisten} ) 88...Qd7+ {ein sehr interessantes Damenendspiel.} 0-1