[Event "Internationales Schachmeisterturnier - Endrunde"] [Site "Kecskemét"] [Date "1927.07.11"] [Round "6"] [White "Vajda, Árpád"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [ECO "C10"] [Result "0-1"] 1.e4 Nc6 2.d4 d5 3.Nc3 e6 4.e5 Nge7 5.Nf3 b6 6.Ne2 Ba6 7.c3 Qd7 8.Ng3 Bxf1 9.Nxf1 h5 10.Bg5 Na5 11.Qe2 a6 12.Ne3 Qb5 13.b4 Qxe2+ 14.Kxe2 Nac6 15.Ne1 Ng6 16.Nd3 Be7 17.Bxe7 Ncxe7 18.f4 Nh4 19.g3 Nhf5 20.Nxf5 Nxf5 21.Kf3 a5 22.a3 Kd7 23.h3 axb4 24.Nxb4 Ra4 25.g4 Ne7 26.Ke3 c5 27.Nc2 Nc6 28.Rab1 Rc8 29.Rxb6 cxd4+ 30.cxd4 Nxe5 31.fxe5 Rxc2 32.Rb3 hxg4 33.hxg4 Rg2 34. Rb7+ Kc6 35.Rhb1 Rxa3+ 36.Kf4 Ra6 37.Kg5 f6+ 38.exf6 gxf6+ 39.Kxf6 Rxg4 40.Re7 Rf4+ 41.Kxe6 Rxd4 42.Kf5 Raa4 43.Re6+ Kc5 44.Kf6 Rf4+ 45.Ke7 Ra7+ 46.Ke8 Re4 0-1 [Event "Internationales Schachmeisterturnier - Endrunde"] [Site "Kecskemét"] [Date "1927.07.11"] [Round "6"] [White "Vajda, Árpád"] [Black "Nimzowitsch, Aaron"] [ECO "C10"] [Result "0-1"] [Source "Die Praxis meines Systems, Partie 49"] [Annotator "Nimzowitsch, Aaron"] {Nach} 1.e4 Nc6 2.d4 d5 3.Nc3 e6 4.e5 {geschah} 4...Nge7 $1 ( {nicht} 4...Bb4 { wegen} 5.Qg4 ) 5.Nf3 ( {denn auf nunmehriges} 5.Qg4 {würde} 5...h5 {folgen } ) 5...b6 6.Ne2 {"Die beiden sagten abwechselnd Monologe her, glaubten aber ein Zwiegespräch zu führen", sagte einst ein etwas melancholisch gestimmter Verfasser. Dieses Aneinandervorbeisprechen trifft auch hier zu: Der Nachziehende sucht die weißfeldrigen Punkte zu erobern, der Anziehende spielt seinerseits auf Okkupierung der schwarzfeldrigen Punkte - er plant Se2-g3-h5 mit Druck gegen g7 und f6 -, und die einzige Verbindung zwischen den beiden besteht nur darin, daß sie abwechselnd ziehen.} 6...Ba6 7.c3 ( {in Betracht kam sofortiges} 7.Ng3 {zum Beispiel:} 7...Bxf1 8.Kxf1 h5 { (sonst Sh5)} 9.h4 {nebst Sg5} ) 7...Qd7 8.Ng3 Bxf1 9.Nxf1 h5 10.Bg5 Na5 { das "Spiel" gegen die "weißen" Punkte b5 c4 und f5 wird nun deutlich} 11. Qe2 a6 $1 12.Ne3 Qb5 13.b4 Qxe2+ 14.Kxe2 Nac6 ( {Schlecht wäre sowohl} 14...Nc4 {wegen} 15.Nxc4 dxc4 16.Bxe7 {nebst 17. Sd2 und auf b5 18. a4} ) ( {als auch 14. ... Sb7, weil c7-c5 nur dem Weißen zugute kommen würde} 14...Nb7 {(14..... Sb7 15. Sei c5? 16. bc bc 17. Tbl usw.} 15.Ne1 c5 $2 16.bxc5 bxc5 17.Rb1 {usw.} ) 15.Ne1 Ng6 16.Nd3 Be7 {Schluß der Monologe, das (blutige) Zwiegespräch kann beginnen!} 17.Bxe7 Ncxe7 18.f4 ( 18.g3 Nf8 $1 {nebst Sd7 0-0 Tfc8 und endlich c7-c5 mit vollem Spiel für Schwarz.} ) 18...Nh4 $1 {Erobert Punkt f5. Hätte Weiß dieses im vorigen Zuge durch 18. g3 verhindert, so wäre gefolgt 18. ... Sf8! nebst Sd7 0-0 Tfc8 und endlich c7-c5 mit vollem Spiel für Schwarz.} 19.g3 Nhf5 20.Nxf5 Nxf5 21.Kf3 {Ein Anschlag auf den Ritter f5 wird geplant, nämlich h3 g4 usw. Wie ist solcher Anschlag zu vereiteln?} 21...a5 {Im richtigen Moment.} 22.a3 ( { Auf} 22.b5 c6 23.bxc6 Rc8 {wollte Weiß sich nicht einlassen; der Druck in der c-Linie wäre in der Tat lästig geworden, die weiße b-Linie wäre kein Äquivalent dagegen.} ) 22...Kd7 23.h3 ( {Übersieht die Kombination des Gegners. In Betracht kam} 23.Rhb1 {sodann Sd3-e1-c2-e3. Etwas besser stand Schwarz aber auch dann.} ) 23...axb4 24.Nxb4 ( {Bitteres Muß! Auf} 24.axb4 {wäre nämlich gefolgt} 24...h4 25.g4 Ng3 26.Rhc1 Ne4 {und erobert die a-Linie oder den c-Bauern.} ) 24...Ra4 {Auch jetzt kam das eben vorgeführte Manöver sehr stark in Betracht. Indes Ta4 dürfte auch gut genug sein.} 25.g4 Ne7 26.Ke3 $1 c5 ( {Schwarz will sich nicht mit der Variante} 26...hxg4 27.hxg4 Rxh1 28.Rxh1 Rxa3 {begnügen, die dem Gegner die h-Linie einräumen würde.} ) 27.Nc2 Nc6 28.Rab1 Rc8 ( {Hier gewann} 28...cxd4+ 29.cxd4 ( 29.Nxd4 $2 Rxa3 ) 29...Rc4 30.Kd3 Rc8 31.Rxb6 Nxe5+ 32.fxe5 Rc3+ 33.Kd2 Rxc2+ 34.Ke3 g5 {leicht für Schwarz. Der Nachziehende war in Zeitnot.} ) 29.Rxb6 cxd4+ 30.cxd4 Nxe5 31.fxe5 Rxc2 32.Rb3 {Der Vorteil des Schwarzen hat sich so ziemlich verflüchtigt.} 32...hxg4 33. hxg4 ( {Hier stand eine äußerst pikante Remiskombination zur Verfügung, nämlich} 33.Rf1 Rh2 34.Rxf7+ Ke8 35.Rbb7 $1 {(sieht wie ein grober Fehler aus)} 35...Rxa3+ 36.Kf4 Rf2+ 37.Kxg4 Rxf7 {doch nun kommt Weiß dran, spielt} 38.Rb8+ {und macht Remis!} ) 33...Rg2 34.Rb7+ ( 34.Kf3 {hätte remis gemacht, zum Beispiel:} 34...Ra2 35.Rh7 ) ( {oder} 34.Kf3 Rd2 35.Rh7 {usw.} ) 34...Kc6 35.Rhb1 Rxa3+ 36.Kf4 Ra6 37.Kg5 ( {oder} 37.Kf3 Rg1 ) 37...f6+ ( {nicht} 37...f5 {wegen} 38.Rxg7 Rxg4+ 39.Kf6 {usw.} ) 38.exf6 gxf6+ 39.Kxf6 Rxg4 40.Re7 {auch andere Züge dürften wenig nutzen, der weiße König steht eben fürs Endspiel zu schlecht, und für Mattangriffe reicht seine Kraft ebensowenig aus} 40...Rf4+ 41.Kxe6 Rxd4 42.Kf5 Raa4 43. Re6+ Kc5 44.Kf6 Rf4+ 45.Ke7 Ra7+ 46.Ke8 Re4 {Aufgegeben. Trotz der Unterlassung im 28. Zuge halten wir diese Partie für eine bedeutende strategische Leistung. Wer hätte es gewagt, den Vorstoß c7-c5 bis zum 26. Zuge hintanzuhalten, jenen allein seligmachenden Vorstoß, ohne den sich zum Beispiel Dr. Tarrasch überhaupt keinen Kampf und keinen wie immer gearteten Widerstand gegen eine feindliche Bauernkette denken kann! Fürwahr, in dieser Partie ist Neuland gezeigt worden.} 0-1